27. Woche: back to business

Nachdem ich in den letzten vier Wochen immer mehr ins Schludern geriet, traf ich mich letzten Mittwoch mit meinem Coach.
Fragt mich mal, was los war…ich weiß es nicht. Irgendwie lief es einfach nicht mehr rund und an den Abenden quälte mich ein unstillbarer Appetit.
Im Gespräch mit meinem Coach vereinbarten wir einen Planwechsel. Er versprach mir einen neuen Ernärungsplan zu basteln und fürs Training einen doppelten Zweiersplit zu erstellen.
Ich war erleichtert. Ich musste mich nicht selbst kümmern. Musste nur ein paar Tage warten, bis die neuen Pläne fertig sind und konnte dann mit einem kleinen Neustart beginnen. Alles prima.

In den Tagen darauf war ich stets in Versuchung, meinem Coach nochmal zu schreiben, dass er bitte an dies uns jenes denken solle. Aber ich ließ es bleiben. Da mein Coach die Stunden, die er an solchen Plänen verbringt, nicht abrechnet, aber bis tief in die Nacht daran arbeitet (die letzten Pläne kamen gegen 2:00 Uhr nachts…), drückte mich das schlechte Gewissen und ich wollte das ganze nicht unnötig verkomplizieren.
Von Tag zu Tag wurde mir unbehaglicher zu Mute. Was, wenn er seinen geliebten (und von mir verabscheuten) Milchreis einbaut, oder Essen, was sich auf Arbeit unmöglich mitnehmen lässt oder was mich überhaupt nicht befriedigt…

Als er samstags schrieb, dass ihm zur Ernährung noch keine optimale Lösung eingefallen sei, war ich richtig erleichtert. Seit dem Treffen war der quälende Appetit wie weggeblasen. Auch der Blick war endlich wieder auf die Zukunft gerichtet, während ich die Wochen davon nur noch gesehen habe, wie lange ich nun schon auf Diät bin und auf was ich alles verzichte. Ich war so froh, mich nicht auf unbequeme Ideen einstellen zu müssen sondern weiter ganz selbst zu bestimmen, wie ich meine Tage gestalte, dass ich neue Kraft daraus schöpfte.
Ist das nicht wieder ein Beweis, wie bescheuert man manchmal ist?

Nur eines habe ich geändert…bisher plante ich immer Trainingstage mit ein. Da dieses Training immer öfter weggefallen ist, musste ich ständig kurzfristig umplanen, was selten mit den Makronährstoffen klappte und immer das Gefühl hinterließ, dass es nicht nach Plan geht. Stattdessen plane ich nun durchweg Nichttrainingstage und habe einfach für Trainingstage eine kleine Extramahlzeit erstellt. So bin ich flexibler, habe immer genug Eiweiß zusammen und das gute Gefühl, dass alles nach Plan läuft. kleine Änderung, großer Effekt…so mag ich es.

Dann kam der Trainingsplan.
Wie besprochen, ein Zweier-Split.
Sobald ich die Datei geöffnet hatte, hatte ich Bauchschmerzen.
Es begann mit den Vorüberlegungen: nüchternes Morgencardio (also nachts?), ging über die Aufteilung (Oberkörper-Unterkörper-Split, was bedeutet, dass die Beine eine Einheit sind und der restliche Körper am zweiten Tag trainiert wird) hin zur Übungswahl und -reihenfolge. Kurz: er gefiel mir überhaupt nicht, die Umstellung von meinem Plan war so gigantisch, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte. Alles in mir sperrte sich dagegen.
Mit rabenschwarzem Gewissen schrieb ich meinem Coach und er reagierte gewohnt cool: „Kein Problem, pass ihn an, wie du möchtest. Nächstes Mal sprechen wir deinen Plan durch und ich zeige dir die Übungen, die du noch nicht kennst.“
Ich war erleichtet und bastelte mir einen 3er-Split mit einer optionalen 4. Einheit.
Alles nach meiner selbstbestimmten Nase.
Herrlich!

Seither läuft es so gut, ich war sogar joggen!
Ich kann stolz und zufrieden sein.

Bin es aber natürlich nicht. Stattdessen drängelt Fräulein Ungeduld.
Letztens bin ich durch die Stadt gelaufen und mir kam ein Fit Chick entgegen, dass in etwa so aussah:

Und ich dachte nur: WTF am I doing wrong?!$%&$
Sofort sehe ich wieder nur, wie viel Schwabbel noch immer da ist, frage mich ,wie lang ich noch diäten muss, um endlich zum Aufbau übergehen zu können, ob ich je einen richtig festen Körper bekommen werde oder immer „weich“ bleibe, ob ich mal anständige Schultern kriege und wann, WANN WANN es endlich mal anständig aussieht.

Tja…es ist echt einfach, sich selbst zu frustrieren. Aber weil das nicht hilft, setze ich mir nun kleine Ziele.
Ziel diese Woche war es:

  • einmal zu joggen (check),
  • endlich endgültig unter 75kg zu kommen (check),
  • nach Plan zu essen (check) und
  • dreimal trainieren zu gehen (fast check…morgen steht die dritte Einheit an).

Für nächste Woche sieht es ähnlich aus. Vielleicht fällt mir noch ein zusätzliches Ziel ein, mal schauen.

Over and out.

26. Woche…einfach am Ball bleiben.

Wenn man in einem Blog viel über ein Thema liest und dann plötzlich nichts mehr kommt, kann das nur eines heißen: es läuft mies.
So schaut es aus. Die Zeit, in der mir die Diät leicht fiel und fast wie von allein ging, ist vorbei.

Meine bessere Hälfte ist noch immer auf Arbeitssuche. Das zermürbt langsam, dazu der Druck vom Arbeitsamt. Da er gut vermittelbar ist, wurde er sogleich in eine Intensivbetreuung gesteckt. So ist die Stimmung hier häufig im Keller und Dominos schreibt, es vermisse uns.

Wenn es eh schon mies aussieht, gibt es noch eine Erkältung gratis dazu!

Also gab es hier im letzten Monat häufig richtige Sündentage, an deren Ende ich nach Luft japsend und mit essensschwangerem Kugelbauch im Bett lag und mich fragte, wie es nur wieder soweit kommen konnte.

So endete Slaines Geburtstagsgrillparty mit einem lockeren kg Rindfleisch in meinem Bauch. Ohne Probleme…dazu etwas Kuchen und Haribo. 😛

Umso überraschter war ich dann gestern, als die Vergleiche zum Vormonat doch -1kg Gewicht und einige fehlende cm ergaben.
Außerdem ist mir ein großer Fehler aufgefallen.
Ich hatte mich schon gewundert, weshalb ich mich immer öfter total erschöpft und ermattet fühlte. Dazu kam ständige Gereizheit. Aber klar! Da ich mit dem neuen Job eine wirklich kurze Mittagspause habe, hab ich vormittags seit April kaum etwas gegessen. Und das machte mir mit der Zeit immer mehr zu schaffen.
Jetzt esse ich bewusst wieder mehr und fühle mich dadurch besser. Die Energie reicht länger und auch die Nerven liegen nicht mehr dauerhaft blank.
Sondern nur so aller halbe Stunde. ;D

Am Mittwoch setz ich mich wieder mit meinem Coach zusammen und werden Änderungen am Schlachtplan besprechen. Mal schauen, was dabei rauskommt.
Und sonst heißt die Parole wie immer: durchhalten!

Immerhin passt mir inzwischen diese Hose. Die hat Slaine mir vor 2 Jahren zu Weihnachten geschenkt…viel zu eng! Doch nun…seht selbst. 😉

Iron Fist (Netflix Original)

Iron Fist ein eine Netflix Originalserie um den Marvel Superhelden „Iron Fist“.
Vorsicht, Spoileralarm!

Worum geht es?
Danny Rand (Loras Tyrell aus GoT) ist als Junge mit seinen Eltern über dem Himalaya abgestürzt. Seine Eltern sterben bei dem Unfall, während er, schwer verletzt und halb erfroren, von Mönchen eines geheimen Ordens gerettet wird. Im Laufe der Jahre wurde Danny so zum Kämpfer ausgebildet und hat jede Herausforderung angenommen. So durfte er sich schließlich auch einer geheimnisumwitterten Herausforderung stellen, bei der er seine geheimnisvollen Kräfte erlangt hat. Er kann sein Karma in seiner Faust konzetrieren, sodass sie gelb leuchtet. Ach, und natürlich kann er damit alles zertrümmern.
Seine Aufgabe ist klar: Für den Rest seines Lebens muss er den Eingang zum Kloster bewachen.

Und plötzlich wird ihm klar, was er lange verdrängt hat: er ist ein Fremder, der sich gut angepasst hat. Aber er kennt auch noch eine andere Welt da draußen, voller Möglichkeiten, alter Bekannter und Abenteuer. Also haut er ab und schlägt sich zu seiner Heimat durch: New York. Und hier setzt die Serie ein. Danny Rand kommt als naiver ausgeglichener Bettler nach New York. Zunächst kann ihm kein Rückschlag die Laune vermiesen. Das ändert sich, als man ihm den Zutritt zur Firma seiner Eltern verweigern will. Denn die haben nicht irgendeine Firma, sondern einen riesen Konzern geleitet, zusammen mit ihren Partnern, deren Kinder inzwischen die Leitung übernommen haben: die Geschwister Walt und Joy Meachum.

Zu Beginn ist die Serie echt spannend…der naive Bettler in der Großstadt, der sich sichtlich bemüht, sein Zen zu erhalten. Später wird die Geschichte um Danny und seine charakterliche Entwicklung leider echt seicht und öde.
Dafür tritt aber ein anderes Argument für die Serie zutage: Der Charakter des Walt Meachum!

Anfangs nur ein arroganter, abgeklärter Karrieremacher, der sich nur für sich interessiert, entwickelt der Charakter im Laufe der Geschichte eine erstaunliche Tiefe, die der Schauspieler Tom Pelphrey mit kleinen Gesten und Blicken zum eigentlichen Hauptdarsteller macht. Zum einen ist das Verhältnis zu seinem machthungrigem, verstecktlebenden Vater sehr schwierig, weil der ihn einerseits als Erben fördert und andererseits manipuliert und erniedrigt. Seine Schwester weiß nicht, dass ihr Vater noch am Leben ist und vergöttert Walt und seine Art, die Firma zu leiten, obwohl es eben nur zum Teil seine Entscheidungen sind. Raum für Privatleben gibt es für ihn nicht. Bis Danny auftaucht und die wohlgeordnete Welt ins Wanken bringt. Fassade und Abgrund…das ist zunächst alles, was man in Walt Machum erkennt, doch als die Fassade aufbricht, kann auch Walt sich endlich entwickeln. Und diese Entwicklung ist das eigentlich spannende an dieser Serie. Der Nebencharakter stielt dem Hauptcharakter die Show!

Selbst die deutsche Synchronstimme von Walt Meachum ist eindrucksvoll. Wenn ich in den Witcherromanen von Geralts tonloser gefühlsarmer Stimme lese, dann höre ich innerlich Walt Meachum.
Gänsehaut!

22. Woche: stolpern, aufstehen, weiter machen

Woah…der Sommer ist da. Ganz plötzlich hält man es in Jeans nicht mehr aus und ZACK! packe ich die langen Hosen in den Schrank und zerre die Röckchen aus der Schublade.

Und endlich passen sie wieder. Manche sogar gerade noch so…die werden schon locker! 😀
Dann noch die Blusen dazu…man! Sind das wirklich meine schlanken Beine, die ich da im Spiegel sehe? Und schau dir diese Taille an! Die Arme passen endlich in die Ärmel!
Und wie die Menschen ringsum auf den Look reagieren…eine Teilnehmerin brummt frustriert und lässt den Kopf auf den Tisch knallen…ich habe keinen Schimmer, was sie damit sagen will.
In Läden geben mir Männer bereitwillig Auskunft.
„Ich schau mal, ob wir sowas da haben. Gehen sie ruhig weiter einkaufen, ich finde sie!“
Das hätte er mit meiner 95kg schweren Version sicher nicht gemacht.
Es ist Sommer und ich kann ihn endlich mal genießen. Es liegt Jahre zurück, dass ich mich nicht mehr schämen musste.

Da sollte man meinen, es geht nun alles leichter.
Seltsamerweise ist das Gegenteil der Fall. Es fällt mir zur Zeit unheimlich schwer. Slaine ist total erkältet. Und obwohl ein großer Teil in mir gerne zum Training will, um all die Muskeln ordentlich durchzupumpen, schaffe ich es nicht. Ich schaffe es einfach nicht, mich nach Feierabend noch aufzuraffen. Auf Arbeit bin ich voller Energie und zum Feierabend…nur leere Akkus.

Der Hunger ist abends häufig zu Besuch. Stöhnend rumort mein Magen und alles steht auf Konsumbereitschaft. Dass Slaine sich beinahe täglich Fast Food beim Lieferservice bestellt oder wir zusammen durch die Supermärkte schlendern, während ich gar nichts kaufen muss und nun all die leckeren Sachen wahrnehme, die alle nicht auf meinem Plan stehen, macht es auch nicht gerade einfach. Dann kommt noch der Stress dazu. Keine Ahnung, ob es die Diät ist, der Zyklus, das Erbe meiner Workoholicmutter oder schlicht die Tatsache, dass mich mein Job so er-/ausfüllt, dass ich irgendwie nichts anderes mehr finde, was mich noch erfüllt…jedenfalls arbeite ich gefühlt dauerhaft und merke, wie meine Nerven dünner werden. Da kann es schonmal vorkommen, dass ich nach Feierabend in der Küche stehe und auf den sorgenvollen Ruf meines Freundes mit einem sehr bestimmten „Ich will diese Sache jetzt noch durchziehen und dabei nicht angesprochen werden!“ reagiere. Immerhin merke ich noch selber, dass das kein guter Zustand und nicht ganz angemessen ist. Leider ist das einzige, was mich dann rettet eine halbe Tüte Haribo. Wirkt Wunder bei akuten Stimmungstiefs und entspannt ungemein.

Tja, und so kommt es dann zur nächsten Phase: die Waage steigt leicht an und obwohl ich weiter Zentimeter verliere und toll aussehe, zähle ich all die Abweichungen vom Plan Stück für Stück zusammen und bekomme als Summe:

totales Versagen

Von jetzt auf gleich kippe ich in tiefe Verzweiflung, weiß nicht mehr weiter und habe keine Power für irgendwas.

Auch diese Situation habe ich hundertfach erlebt. Unzählige Male!
Sie waren der Endpunkt jeder Diät.
Immer.
Ich kam nie darüber hinweg. Konnte nicht mehr voran gehen, musste stehenbleiben und meine Batterien mit Scheißkram füllen. Und danach fand ich natürlich nie in die Diät zurück.
So lief es immer.
Jedes einzelne Mal.
Jahr um Jahr.
Erfolg-Stagnation-Abweichungen vom Plan-Verzweiflung-due Uhr läuft rückwärts und schlittert über Start

Diesmal nicht.
Ich weiß, da draußen ist mein Coach, mit dem ich mich wieder treffen werde. Und ich will, dass er stolz auf mich ist. Ich will, dass er sieht, wie hart ich an mir arbeite. Ich möchte sein Lob. Und ich glaube an seinen Plan. Es ist nicht mein Plan. Es ist ein Expertenplan. Mir ist klar, wie naiv und kindisch das ist. Ich gebe meinen Verstand ab und glaube ganz einfach. Ich glaube an meinen Coach, als ob er ein religiöser Heiland wäre und ich brauche genau diese naive Art des Urvertrauens, denn die ist das Einzige, was gegen die Verzweiflung hilft.
Denn trotz dieser bescheuerten Gefühle in mir und trotz der häufiger werdenen Ausrutscher und obwohl ich es nicht zum Training schaffe, läuft doch jeder Tag erstmal nach Plan und hat damit die Chance, mich wieder einen Schritt weiter zu bringen.

Stolpern, aufstehen, weiter machen und bloß nicht lang zurückschauen! Das ist meine neue Devise.

…und kein Schweinenacken. :(

Das Unfassbare ist passiert: Ich habe mit meinem Coach eine Stunde lang mögliche Bauchübungen durchexerziert. Und ich lebe noch! Ich hatte obendrein kaum Bauchmuskelkater. Total verrückt.

Aber ich muss auch was tun. Ich merke es an der Wirbelsäule. Beim Sitzen brennt mir der Unterrücken, ich sitze total schief. Bei den Kniebeugen oder beim Langhantel-Frontdrücken fehlt mir die Staibität im Rücken. Und wenn ich entspannt im Bad steh, ruft der Freund regelmäßig: „Oh, ein Schildkrötenbauch!“. Also heißt es jetzt auch noch den Bauch zu quälen.

Tja, und wie ich so meinem Coach erzähle, dass die Waage gerade total zickt und dass ich dennoch Anfang Juni wieder einen Ausnahmetag nehme, um den Geburtstag vom Slaine zu feiern, bei dem wir so richtig grillen wollen, sagt der Coach:

„Grillen? Kein Problem! Du musst dich nur entscheiden, ob du Eiweiß mit Fett oder mit Kohlenhydraten kombinierst.“

Keine Frage, denk ich…Wer braucht schon Kohlenhydrate, wenn er ein Kilo Schweinenac…

„Du kannst alles machen…Pute, Huhn, schön mariniert! Sogar Fisch! (ich reiße entsetzt die Augen auf) Forelle vom Grill, mit leckeren Kräutern, ich sag dir, ein Gedicht! (mein Gesicht ist vollständig entgleist)
Rind kannst du natürlich auch machen (sagt er versöhnlich, was aber nichts rettet und so fragt er schließlich) Was wolltest du denn machen?“

SCHWEINENACKEN! Ich will nur Schweinenacken.
Nun schaut er mich entsetzt an und schüttelt anschließend den Kopf. X(
Kein Schweinenacken?!%$& NEEEEEIIIINNNN. Mir blutet das Herz. Wirklich und wahrhaftig.

Wir haben uns dann auf Rind geeinigt. Bisher fallen mir die meisten Umstellungen durch den Coach wirklich leicht. Diese nicht. Grillen ohne Schweinenacken….das ist bitter.

Heute sind wir mal wieder im Clara-Zetkin-Park hier in Leipzig gewesen. Mitten durch die Innenstadt ist Leipzig von wunderschönen Parks durchzogen, aber nur im Clarapark kann man Eichhörnchen, Meisen, Spatzen, Sperber und Raben aus der Hand füttern. Dazu die frische Luft, Sonnenstrahlen, blühende Büsche uns quakende Frösche.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Was könnte da die Stimmung trüben?
Doch niemals der Zwischenstopp auf einen Kaffee im Glashaus, welches sich mitten im Park, unter den Bäumen befindet.
Sicher nicht.
Aber was zieht mir da in die Nase und lässt mich wie einen sabbernden Hund fast auf alle Viere fallen?
Der Grill im anschließenden Biergarten…mit dem Odeur von frisch gegrilltem SCHWEINENACKENSTEAK. AAARRRWWWWWWWW…noooooooooo! X(
Kein Schweinenacken in den nächsten Monaten für mich.
DAS ist schwer.
Wie soll ich das nur schaffen?

Da hilft nur der Stolz auf die eigenen Erfolge. Da darf man sich ruhig mal selbst auf ein Podest stellen. ;D

21. Woche

Es ist ja eine kurze Woche, haben sie gesagt. Die geht schnell rum, haben sie gesagt.
Und ich nur so…

Letzten Freitag habe ich meinen Coach getroffen. Ursprünglich wollte ich ihn ja hauptsächlich, um die Ernährung mal auf die Kette zu kriegen. Das ist noch immer so, aber die Ernährung habe ich ganz gut auf die Kette gekriegt. Was nun? Also haben wir uns Stück für Stück Trainingsfragen vorgenommen. Und ich habe seine Meinung schätzen gelernt.

Mit meinem Trainer habe ich wirklich Glück gehabt. Er ist freundlich, aber bestimmt. Verrückterweise scheint er zu spüren, wenn ich auf Abwege gerate, denn irgendwie kommt dann immer eine Whatsapp-Nachricht von ihm. Oder spioniert er mir nach? *psychotischumschau* ;P Und was ich am meisten schätze, ist sein Fachwissen. Wenn er mir etwas zeigt, hat das Hand und Fuß.
Vor ein paar Wochen bin ich beispielsweise beim Brusttraining verzweifelt. Durch viele Trainingspausen hatte ich gar kein Muskelgefühl mehr, keinen Tonus, weder Kraft noch Ausdauer. Es war zum Heulen. Ich fühlte mich wie ein totaler Anfänger. Er zeigte mir eine Übung am Kabelzug, mit der ich die Brust richtig aufwärme. Und siehe da, nach dem Aufwärmen habe ich einen Pump wie noch nie. Die Brust ist dann voll einsatzbereit und weil sie so aufgeplustert ist, kann ich sie sehr gut spüren. An Kraft fehlt es noch immer, aber das Volumen macht das allemal wett.
Dann erklärte er: und dasselbe machst du zum Abschluss, nur dehnst du nach jedem Satz 20 Sekunden die Brust und startest dann ohne Pause den nächsten Satz mit 20 Wiederholungen. Das Ganze machst du viermal und ich verspreche dir, du wirst keinen Muskelkater haben.
Na logo, dachte ich da noch…nach einem harten Training fies dehnen…der Muskelkater wird mich umbringen!
Und was soll ich sagen…er hat recht! Ich spüre natürlich, was ich gemacht habe. Die Brust ist noch Tage später k.o. und voll. Aber der erwartete Höllenmuskelkater bleibt aus.

So macht das Training Spaß.

Blöd nur, wenn man mitten im Training spürt, wie der Hals zu kratzen beginnt. Es wundert mich nicht, arbeite ich doch seit Wochen permanent, bin oft ganz schön frustriert und das nervöse Zucken am Auge ist auch wieder da. Also wird der Hals wieder munter mit Kräutertinkturen und Kamillentee präpariert und das Training fällt mal wieder aus.
Mäh!
Dabei hab ich mir vom Coach das Rezept für pralle Handtaschen-Halter-Schultern geben lassen. Das will ich doch mal ausprobieren!
Außerdem ist mein Gewicht letztes Wochenende vor Schreck gleich unter 76kg gesunken. Und meine Beintrainingshose rutscht über den Hintern! So ohne Training schwappt das Gewicht gleich wieder über die 76-kg-Schwelle. Verdammt! 😉

Das neue Tiefstgewicht habe ich gleich zum Shoppen genutzt.


Das zweite Teil ist mit Kapuze. Ich liebe es! ❤

Drückt die Daumen, dass der Hals mitmacht. Ich will dicke Schultern! ;D

20. Woche: Uff!

20 Wochen Diät, knappe 10kg weniger. Das ist doch schon was. Gestern hatte ich wieder einen Termin beim Coach. Der schaut sich die Gewichtskurve, die Kalorienmengen samt Makroverteilung an und sagt nur: Läuft. Man sieht es auch.

Ich kann mich selber wieder cool finden und bin total gespannt, wie ich aussehen werde.

Der Job schlaucht mich derzeit heftig. Die Illussion, gut vorbereitet zu sein, habe ich diese Woche verwerfen müssen. Was die Arbeit mit Analphabeten schwierig macht, ist ihre Unberechenbarkeit. Ständig brechen eruptionsartig Konflikte los. Und jeden Tag musste ich mehrmals hören „Wenn dies oder jenes nochmal passiert/eintritt/sich nicht ändert, dann komm ich nicht mehr.“. Gründe dafür gibt es viele. Die Aufgaben zu schwer, zu leicht, zu langweilig, zu kindisch, zu verspielt, zu kompliziert erklärt, unliebsam oder man erkennt schlicht den Sinn dahinter nicht und stellt deswegen alles in Frage. Andere Teilnehmer sind zu laut, zu hektisch, zu unterschiedlich im Niveau, zu vorlaut. An manchen Tagen fühlt es sich an wie ein Eiertanz mit einem Kettenpanzer…man kann einfach nichts recht machen. Da hilft nur eine geradlinige Ansage. So habe ich mir den oben zitierten Satz inzwischen verbeten. Es darf gerne kritisiert werden, ich nehme auch Lob und Anregungen gerne auf, aber ich will nie wieder damit erpresst werden, dass jemand nicht mehr kommt, wenn ich nicht sofort springe.

Ein gutes Beispiel ist folgend Situation: Als Einstiegsritual habe ich einen „Wetterbericht“ gewählt. An die Tafel werden vier Bilder gehangen: Sonne, Sonne mit Wolke, Wolke, Wolke mit Blitz. Die Aufgabe lautet: Überlege, wie du dich fühlst, schnapp dir einen Magneten, platzier ihn entsprechend und sage mindestens einen Satz darüber, wie es dir geht. Das kann auch ein einfaches „Mir geht es heute gut.“ sein, gerne jedoch mehr. Rituale erleichtern die Arbeit ungemein, da sie den Tag strukturieren, Verlässlichkeit bieten und wenn sie erst einmal akzeptiert sind, von der Gruppe getragen werden. Rituale mit konkreten Gegenständen erleichtern das Reden. Und ich wollte mindestens einmal am Tag hören, wie es den Leuten so geht.
Gegen das Ritual gab es von Anfang an Widerstand, der nicht weniger werden wollte. Jeden Morgen schauten erst alle stur auf den Tisch, bis der erste anfing. Jeden Morgen grummelte es „Schon wieder?“ oder „Heute mach ich nicht mit!“ Diese Woche zitierte ich mir zwei zum Klärungsgespräch. Und auch da war diese Übung wieder Thema. Also gab ich nach: „Wir machen eine Abstimmung, wenn die Mehrheit dagegen ist, lassen wir das.“
Und siehe da, die Mehrheit war dagegen. Ich traute meinen Augen nicht.
„Das bedeutet aber auch, dass der Moment wegfällt, in dem ihr euch selbst mal fragen könnt, wie es euch eigentlich geht und in dem ihr von den anderen erfahrt, wie es ihnen gerade geht.“
„Wieso?“ kam da die erstaunte Frage, „Das haben wir doch immer gemacht! Im alten Kurs schon.“
Ich so: O___o
Letztendlich fand ich heraus, dass sie sich nicht an dem offenem Gespräch stören, sondern schlicht an den Bildern, dem Gang zur Tafel und den Magneten.

Und soetwas passiert ständig. Hintergrund ist eigentlich immer eine Angst, die dabei hervorschimmert. Bei dem „Wetterbericht“ ist es wohl die Angst, wie ein Kind behandelt zu werden (Bilder sind für Kinder).

Eine andere Situation: Schon beim Vorstellungsgespräch wurde erzählt, dass für jeden Teilnehmer Lük-Kästen da sind, mit denen die Teilnehmer selbständig lernen. Auch von meiner Kollegin wurde das erwähnt. „Deine Vorgängerin hat freitags immer gesagt: Freitag nach eins macht jeder seins. Da können sie mit den Lük-Kästen üben oder Aufgaben im Buch lösen oder lesen.“
Ich ging davon aus, dass das so läuft, dass die Teilnehmer sich ihre Lük-Kästen holen, in den Heften nach Aufgaben suchen und die in Ruhe lösen, jeder nach seinem eigenen Tempo. Also gebe ich am Ende eines anstrengenden Lerntages eine Lük-Aufgabe zur Konzentration aus. Das Bild einer bunten Papageienzeichnung wurde zerschnitten und man soll es richtig zusammen setzen. Eruptionsartige Empörung schlägt mir entgegen. Shit, denke ich, ist das für die Kinderkram? Habe ich sie unwillentlich damit bloßgestellt?
Denkste. Die sind mit Lük-Kästen nicht fit! Die wissen zum großen Teil nicht, wie man die Aufgabe deutet und löst. Und Überforderung schlägt sofort in Wut um, sodass man mich nicht erklären lässt. Es kocht reihmum hoch, einer nach dem anderen verlässt den Raum, das totale Chaos. Zwischendrin zwei, die es mit Leichtigkeit lösen und nun ihrerseits rummöpen: „Wieso kannst du das denn nicht alleine? Ist doch total einfach!“ Wie ein sturmgepeitschter Ozean und ich im Paddelboot mittendrin. Dabei sollte die Übung entspannen, zum Abschluss nochmal etwas Ruhiges sein, wo jeder für sich in Ruhe überlegt, ohne sich zu sehr anzustrengen (offiziell für die Vorschule gedacht).

Sämtlichen vorgearbeiteten Pläne sind längst begraben. Ich plane von einem Tag auf den anderen, überlege jede Übung ganz genau. Und merke immer mehr: Gegen die Angst hilft nur eine starke Hand. Ruhig auch mal sauer sein und klipp und klar sagen: „Erst zuhören, dann ausprobieren und wenn es dann noch immer fruchtbar ist, DANN dürft ihr meckern und euch weigern. Aber nicht, wenn ihr es nicht verstanden oder versucht habt!“

Statt 35h Woche mach ich jeden Tag auf Arbeit Überstunden, um die gröbsten Handgriffe (kopieren, schneiden, ordnen, korrigieren) zu schaffen und setze mich Zuhause hin, um zu planen, Material zu erstellen und zu grübeln.
Das erste Jahr ist als Lehrer so, sagt man……………man sollte wirklich nicht aller zwei Jahre ein neues Klientel wählen. *seufz*

Ich hoffe, ich kann das länger machen, denn trotz des Stresses spüre ich: Das ist mein Ding! Individuell fördern, grübeln, wie man jemanden über eine Hürde hilft, zu Schritten ermutigen, die als unerreichbar galten. Und wenn nicht gerade die Lava in Strömen fließt, mag ich meine Leute. Ich verstehe ihre Ängste, kenne sie selbst! Ich kann das Theater nachvollziehen und deswegen immer wieder einen Schlussstrich ziehen und mich ihnen zuwenden.

Als wir von Berlin zurück kamen, erstellte ich Arbeitsblätter, die über die Exkursion berichten sollten. Ein schwereres mit weniger Vorgaben und ein leichteres, bei dem man vorgegebene Sätze zusammensetzen musste. Zu jeder Station sollten die Teilnehmer ihre Meinung ausdrücken. Dabei war alltäglicher Wortschatz vorgegeben (gut, schön, nicht toll), aber auch eine Auswahl an elaboriertem Wortschatz (informativ, interessant, angenehm).
(Hintergrund: die Teilnehmer fühlten sich von einer Frau bloßgestellt, die auf der Fahrt dabei war und abfällige Bemerkungen machte, weil die Teilnehmer nicht gut lesen und schreiben können).

Im Ministerium ist sogar das Wasser politisch.


Nach dem ersten Proteststurm (mit dem ich schon gerechnet hatte) bat ich die Teilnehmer, sich folgende Situation vorzustellen:
„Ihr kommt von einer der Führungen und unterhaltet euch, während die Frau in der Nähe zuhört und sagt soetwas wie: Ich fand die Führung gerade sehr informativ. Und der nächste sagt: Ja, ich fand sie auch recht angenehm. Was denkt ihr, würde die Frau noch genauso auf euch herabsehen?“ Zwei meinten: „Ja.“ aber die meisten spürten, dass eine Kraft in den Worten steckt, die Menschen zu anderen Beurteilungen führt. Das nenne ich Angeberwortschatz. Und der ist wichtig, denn der hilft, damit man sich nicht mehr verstecken muss, sondern anderen Menschen damit über den Mund fährt.

Und was soll ich sagen, die meisten haben das Wort informativ für ihren Bericht gewählt. Und sie können es richtig schreiben. Es ist ein gutes Wort und sie wollen mehr davon! Die sind neugierig auf mächtige, schwere Wörter geworden.

Kein Wunder, dass die Diät dabei von alleine läuft. Ich habe schlicht keine Zeit für etwas anderes. Nur das Training muss wieder mehr Raum bekommen.

Und ich brauche echte Entspannung. Das Solarium habe ich für mich wiederentdeckt. Einmal pro Woche zwanzig Minuten erzwungener Ruhe unter rauschendem Fönwind. Klappt besser als Meditation, die immer von Arbeitsgedanken gestört wird. Auch die Badewanne ist mehrmals pro Woche angesagt. Mit einem Buch im Schaum verschwinden. Das hilft.