4 Monate Single

4 Monate und ich kann noch immer nicht behaupten, dass ich verstünde, wie das richtig geht.
Es ist noch immer eine riesen Umstellung von der bedrückenden Enge in die absolute Freiheit zu springen, nur um dann festzustellen, dass die andere Wiese auch gar nicht so viel grüner ist.
Oder dass das grellere Grün auf Dauer nicht gut zu ertragen ist.

In einem Roman fand ich letztens das Wort, welches mein neues Leben gut beschreibt: unbehaglich. Man versucht es sich gemütlich zu machen, aber irgendwie klappt es nicht so richtig.

In meinem alten Leben hatte ich es geschafft, viel Zeit zu füllen, mit kochen, Serien schauen, zocken, nähen. Zu meinem neuen Leben passt das nicht mehr. Es fühlt sich an, als würde ich versuchen nochmal mit Barbies zu spielen. Ich sehe, was mich daran gefesselt hatte, aber es fesselt mich jetzt eben nicht mehr.

Dennoch brauche ich Struktur,
denn die bewahrt mich vorm Fall ins Nichts.
Und was bietet mehr Struktur als Bodybuilding?
Ich koche noch immer nach Plan für mehrere Tage im Voraus. Und noch immer hasse ich es.
Außerdem gehe ich trainieren. Neulich hat nun endlich mein neues 2. Zuhause (John Reed) offiziell eröffnet und ich fühle mich dort sehr wohl, auch wenn es echt verdammt kalt ist! *brrrr*
Ich fotografiere mich noch immer gern.

Letzte Woche war ich zweimal beim Training. Auf den Stairmaster ging ich gern und fühlte mich wohl. Doch bald ging mir die Puste aus. Macht nichts, dachte ich und wollte ans Eisen, nur um festzustellen, dass ich urplötzlich müde war. Zu müde um irgendwelches Gewicht zu bewegen. Beim 1. Mal schob ich es noch auf Verspannungen. Aber beim 2. Mal machte ich mir Sorgen…was ist nun schon wieder los mit mir?

Ich grübelte und hatte eine Idee: Was, wenn ich Erscheinungen einer depressiven Verstimmung habe?
Passt zu meinem Kaufverhalten (Ich darf auf keinen Fall Geld ausgeben, ich darf nicht tiefer in den Dispo kommen..ach scheiß drauf, ich kauf mir was Schönes!)
Passt zu meinem Essverhalten (Heute halte ich mich einfach an den Plan, kostet ja auch viel zu viel sonst und ich darf auf keinen Fall fett werden…oh Gott, die Riegel brauchte ich jetzt! Aber jetzt sind keine mehr da! Ich muss noch welche auf Vorrat kaufen.)
Passt zum Training (ENDLICH ein neues 2. Zuhause, endlich richtig rocken beim Training! Och, ist das heute alles schwer! Und wie mir alles wehtut und im Bett ist es viel gemütlicher.)
Passt zum Freizeitverhalten (Ich würde ja spazieren gehen…aber es ist grau und ich kenne die Gegend nun doch schon. Ich würde ja nähen, aber das ist doch auch anstrengend. Ich würde ja eine Runde auf dem Balkon chillen, aber es ist doch schon zu kalt. Ich würde ja tanzen gehen, aber 23 Uhr ist echt schon spät.)

Meine Selbstdiagnose erklärt das alles ziemlich gut. Also „behandel“ ich mich nun selbst auf Depression. Ich nehme täglich meine Dosis Vitamin D+K. Ich bin nachsichtig mit mir, wenn ich mal einfach entspannen will, tret mich aber auch hoch, wenn ich weiß, dass es besser wäre. Ich verordne mir Spaziergänge, auch wenn ich keine Lust dazu habe und Trainingseinheiten, selbst wenn sie schlecht laufen. Desc Weiteren rede ich mit meinen Freundinnen und meiner Familie, auch wenn mir nach einigeln zumute ist.
Und es klappt. Gestern habe ich Beine trainiert. Und ich habs durchgezogen.
3 Schichten Shirts…damit bleib selbst ich warm, trotz Schweiß.

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Sturz aus dem Chaos in die totale Ordnung.

Problem erkannt, Problem gebannt, könnte man sagen. Wenn man so wenig Geld hat, dass die freie Zeit zur Qual wird, dann sucht man sich am besten einen Nebenjob. Und genau das habe ich getan.
Zwei Jobs, zwei Arbeitsorte, viel strukturierte Zeit. Irgendwann gibts auch mal Geld dafür.
Im Moment tut es mir gut, auf lange Sicht wird es wohl zur Belastung werden. Deswegen habe ich mich auch bei neuen Stellen beworben, auch wenn es sich furchtbar anfühlt, mir vorzustellen, den Job aufzugeben.

Und ich habe angefangen, Träume zu realisieren. Letzten Monat kaufte ich das Ticket für die Fibo und die Fiboparty, diesen Monat buchte ich das Hotel. Träume aus eigener Hand realisieren, auch wenn es eigentlich (finanziell) nicht geht. Das tut gut.

Durch den neuen Job habe ich allerdings nicht nur weniger Zeit, nein, da es dort furchtbar zieht, habe ich auch gleich mal eine Erkältung mitgenommen. Das wird die nächsten Monate eine ordentliche Abhärtungskur für mich. Doch im Moment kann ich dadurch nicht einmal an den wenigen freien Tagen trainieren.

Auch merke ich, dass die Zeit zwar gefüllt ist, aber nicht erfüllt. Die Sehnsucht nach Leben schlägt ganz heftig in meiner Brust. Da ich erstmal nicht mehr date, stellt sich die Frage, was es da sonst noch geben könnte. Leben, das sich erfüllt anfühlt, ohne dass ich von anderen abhängig bin.

Bei mir bedeutet dass in erster Linie, dass meine Psyche mich regelmäßig beim Essen ausrasten lässt. Jeder Tag beginnt nach Plan, aber schon in der Mittagspause kann ich an dem ganzen Futterkram, den die Kollegen anbieten, nicht vorbei. Abends muss dann natürlich ordentlich Zucker her. Auch wenn der Verstand weiß, dass es nicht funktioniert, der Bauch sehnt sich nach Glücksgefühlen und Erfüllung. Wenigstens einmal genießen, flüstert es mir. Auch wenn das, was ich da treibe mit Genuss nichts zu tun hat.

Was also tun?
1. Ich habe mir die Regel auferlegt, nichts unterwegs, im Stehen oder mal schnell zwischendurch zu futtern, sondern wenn, dann wirklich als bewusste Ruhephase. Das klappt auch immerhin.
2. Balkonpausen..wird bei den Temperaturen immer schwieriger, aber dort komme ich richtig runter.
3. Tanzen! Sobald es geht, muss ich tanzen gehen. Dort fühle ich mich wild, lebendig, spüre mich und mein klopfendes Herz.
4. Nicht aufgeben. Ich kaufe weiter nach Plan ein. Versuche mich zu motivieren. Versuche dran zu bleiben. Nur nicht ganz aufgeben.

Aber ich habe Angst…Angst vor psychischen Abgründen, Angst vor Verschuldung, Angst vor Überforderung, Angst vor einem Leben als Untote. Dieser Angst muss ich mich stellen.

Wie ein Versager…

Nun sitz ich hier, versuche meine wirren Gefühle zu ordnen und frage mich, wer ich bin.

ER war hier. War. Er ist schon weg. Denn mit mir war nichts mehr anzufangen. Mein Hirn ist von Hormonen geröstet, kaum Konversation möglich. Ich versuche klare Gedanken zu fassen, aber alles bleibt verworren, lässt sich nicht greifen. Wo sind mein Witz, Charme und vor allem: meine Verrücktheit, auf die ich mir immer so viel einbilde? Die ich wie eine Rüstung trage?

ER war hier und zeigte mir Teile seiner Welt. Nichts krasses, nur ein paar Musikclips, Comedy-Clips, Serien, die er mag.

Die Serien schaut er immer auf Englisch. Ob ich das auch machen würde…
…ich kann Englisch, aber nicht so sicher, dass ich mir Serien anschauen würde.
Musik-Clips, die wohl recht bekannt sind…nur kenn ich sie nicht.
Und dann zeigt er mir Rave-Festivals auf denen er war. Riesige Rave-Festivals, tobende Massen. Oder kleine Konzerte.
Ich war auch auf Konzerten, möchte ich sagen. Aber das klingt so erbärmlich. Und auf Rave-Konzerten war ich definitiv nie. Denn elektronische Musik hörte ich erst spät. Aber ich hörte sie viel und lang und tanzte allein in der Küche. Während ich Essen kochte. Doch niemals draußen. Kein Club, kein Konzert, kein Festival.
Wäre ja auch nicht schlimm….doch tatsächlich habe ich mir das immer gewünscht.
Doch ich habe es nie gemacht, wie ich so viele andere Dinge nie gemacht habe. Und das tut gerade sooo weh. Als hätte ich eine einmalige Chance verpasst.
Das Geld war nicht da, der (Ex-)Freund wollte nicht..ich höre meine eigenen Ausreden und höre, wie hohl sie klingen. So hohl, dass ich sie IHM nie unterjubeln würde. Kann mir ja selbst schon nicht glauben.
Fakt ist, ich habe im letzten Jahrzehnt nichts gemacht, außer mich versteckt. Und nun steh ich da und fühle mich wie ein Versagen, obwohl ich mich gerade wie im siebten Himmel fühlen müsste.

ER zeigte einen Clip vom NEVERLAND-Festival auf dem er war. Ich sah Leute feiern, hörte Musik die mich sofort zum Beben bringt, fühlte die Stimmung und spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen.

Jetzt bloß nicht heulen!, sagte ich mir und schluckte alles runter. Nur cool bleiben!
Aber ich war alles andere als cool.

Unterlegen, ertappt, langweilig. Alles keine schönen Gefühle.

Wer bin ich?
Ein Vogel mit schlecht verheilten Brüchen. Jemand der das Leben liebt und gleichzeitig Angst hat, dass er sich unter Menschen verloren fühlt. Und ich bin jemand mit Stolz.
Ich habe viel unterlassen, verpasst, viel Zeit vergeudet. Doch noch habe ich Zeit. Ich muss nur weiter „ja“ sagen.
Morgen eröffnet das John Reed mit großer Party. Da werde ich sein. Und ich werde versuchen so locker, gelassen und entspannt zu sein, wie nur möglich. Und bestimt auch mal tanzen. Kann doch nicht so schwer sein.
Ob ich es am Wochenende auch mal in die Destillery schaffe? Ich weiß gar nicht, wie oft ich da schon hingehen wollte. Werde ich es diesmal schaffen?

Wer will ich sein?
Ich, nur ohne mich zu schämen.
Ich will die sein, für die sich auf Tanzflächen alle fremdschämen, weil sie hemungslos tanzt.
Ich will die sein, die im Abendkleid über die Fibo latscht.
Und ich will Partner sein. Teil eines Teams, dass zusammen her ergibt, als die Summe seiner Teile.

Form wird besser

Hiho zusammen…

Obwohl ich zur Zeit wirklich viel futter, wird die Form besser. Das liegt zum einen am neuen Trainingsplan. Nun merke ich, das ich wirklich zu lang stets dasselbe trainiert habe und dadurch manche Aspekte der Muskulatur vernachlässigt wurden. Denn die jammern jetzt ordentlich.

Zum anderen merke ich, dass es mich selten mal eine Stunde auf einem Stuhl hält. Ich muss in Bewegung sein. Wahrscheinlich ist mein Verbrauch dadurch auch etwas höher.
Ich trainiere zur Zeit auch sehr viel. Viel öfter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass mir furchtbar langweilig ist. Mein ganzes Leben langweilt mich zu Tode, da mach ich doch lieber etwas, was immerhin ein Ergebnis bringt. Zum anderen könnte es auch damit zu tun haben, dass ein sportlicher Mann mein näheres Interesse geweckt hat. ^^

Doch die Langeweile ist wirklich schlimm. Es ist, als ob da draußen eine riesen Party tobe und ich sei als einzige nicht eingeladen. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht tun zu können, was ich bedarf, macht mich wirklich fertig, zersetzt mich langsam von innen heraus.

Ihr wisst ja, ich bin lösungsorientiert. Was also tun?
Nun, zunächst muss man an den Ursachen arbeiten…
Ursache Nr. 1 ist, ich verdiene so wenig, dass es einfach hinten und vorn nicht reicht. Ich liebe meinen Job, aber ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten.
Also habe ich a) einen Nebenjob gesucht..yay. Dabei habe ich so lange für weniger Arbeitszeit gekämpft. Doch ohne Geld ist die Zeit erdrückend geworden.
Und b) reiche ich dem Teufel die Hand und bewerbe mich beim Staat als Lehrer. Obwohl sich mir beim Gedanken daran echt der Magen umdreht. Das Trauma des Referendariats steckt noch tief in mir. Andererseits bin ich inzwischen ein gestandener Lehrer, der weit mehr als 24h unterrichtet.
Kann es da so schlimm werden?

Wir werden sehen.

Heute geht es erstmal zum Coach, über ein paar Wehwehchen klagen, grundlegend das Essensprinzip überdenken und ein paar Übungen rocken.

Und danach kommt der Mann, der alles mitbringt, wonach es mich dürstet. Ob er meinen Durst stillen kann? =)

immer hungrig

So, lange nichts passiert hier. ;P

Ich habe zunächst versucht, allein zurück auf Bodybuilding-Kurs zu kommen. Klappte natürlich nicht gut. Also habe ich mich eines nachts verzweifelt an Marcel gewandt…und der freute sich. Zack, stand der nächste Termin.

„Wie schätzt du denn selbst deine eigene Form ein?“
„Tja, 2 kg müssen sicher noch, aber die gehen von allein. Ich will jetzt lieber an die Zukunft denken und einen Aufbauplan machen.“
Daraufhin verzieht Marcel das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.
„Ich kenne deinen Anspruch an dich selbst. Mit weniger als 5kg wirst du nicht zufrieden sein. Aber dann bist du wie abgezogen, Muskulatur richtig sichtbar, Haut liegt schön an.“

Verdammt…er weiß einfach immer, was er sagen muss, um mich zu triggern.
Also versuche ich wieder auf 1600kcal runter zu kommen.
Klappt überhaupt nicht. Der Hunger treibt mich den ganzen Tag in den Wahnsinn und abends reißt mir regelmäßig der Geduldsfaden.

Und Marcel hat mir wieder einmal einen Trainingsplan geschrieben. Bisher ein No-Go.
Das hatte er schonmal versucht, aber ich habe das dann immer geknickt, weil ich damit einfach nicht zurecht komme.
Diesmal war es aber Zeit für Abwechslung. Ich habe vorher nur noch die Lieblingsübungen gemacht, immer mehr Sätze und Übungen ganz gestrichen. Das konnte man schon fast nicht mehr Training nennen.
Der neue Plan dagegen ist, nachdem die anfängliche Skepsis überwunden ist, richtig geil. Damit wird sicher noch einiges voran gehen. Ich merke, dass ich wieder richtig Lust auf Training habe.

Sonst steht in der neuen Wohnung soweit alles. Das Konto ist ein riesiger Meteorkrater. -.- Aber das wird auch irgendwie wieder.
Blöd nur, dass Geld für die Freizeitgestaltung fehlt.
Ich würde gern wieder Pole Dance trainieren, einen Tango-Argentino-Partner suchen oder mal in gewisse Clubs gehen…Doch das muss alles warten.

Und wie immer fällt das Warten am schwersten. Deswegen komme ich zwischendrin immer auf so dumme Ideen, wie mal durch die Innenstadt zu bummeln…nur zum gucken und anprobieren. Ist klar, ne? ;P
Und dann räume ich zum Schluss sehnsüchtig das neue Kleid und die passenden Schuhe in den Schrank und träume von Gelegenheiten, sie zu tragen.

Hallo, ihr kennt mich nicht.

Lange war es still hier. Das liegt daran, dass es den alten Blogautor nicht mehr gibt. Und das kam recht plötzlich.

Lange hatte ich mich um meinen Freund gesorgt, weil er sich m.M.n. nur noch in virtuellen Welten versteckte. Die Wohnung verkam, alle Aufgaben fielen mir allein zu und ich steckte in einem durchroutiniertem Alltag fest, der mich schlichtweg erstickte. Dazu kam, dass mir die Libido vor einigen Jahren stiften gegangen ist. Da war nichts mehr, was mich reizte. Keine heimlichen Fantasien. Kein Prickeln. Sex wurde zur Qual. Und das ist für mich eigentlich kein normaler Zustand.

Der Jahresurlaub kam. Außer 3 Tage Zürich war nichts geplant, obwohl ich seit Dezember gequengelt hatte.

Die Nacht des letzten Arbeitstages endete gegen 4 Uhr, als ich mit Panik aufwachte. Plötzlich ertrug ich nichts mehr. Ich ertrug den Gedanken, 2 Wochen in dieser Wohnung zu leben nicht. Ich ertrug die Alltagsroutinen nicht. Und vor allem ertrug ich den Gedanken, mit diesem Mann weiter so ein eingepferchtes Leben zu führen, nicht. Ich wollte raus, am liebsten sofort in eine WG ziehen. Diese Gedanken kamen für mich völlig unvorbereitet. Ich hatte mich die Tage zuvor nochmal richtig in die Arbeit und diverse Aktivitäten reingekniet. Aber nun wurde mir klar: Ich will ausbrechen. Damals dachte ich noch, dass sich die Beziehung sicher kitten lasse. Wer geht schon nach über 13 Jahren glücklicher Beziehung plötzlich weg?

Ich beschloss zunächst auf Arbeit zu gehen und das lenkte mich tatsächlich gut ab. Ich funktionierte. Nach Feierabend, auf dem Weg zur Tram begleiteten mich meine Lerner. Doch je näher ich der Tramstation kam, desto wilder schlug mein Herz. Die Panik war wieder da. Ich konnte nicht zurück in die Wohnung.

Der Freund rief mich an, um mir zum Urlaub zu gratulieren. Ich sagte nur, ich könne noch nicht heim kommen und er wusste sofort Bescheid. Er wusste, was Sache ist, bevor ich es richtig realisiert und im vollem Ausmaß begriffen hatte: ich wollte raus aus der Beziehung.

Perspektivwechsel…ist der Akku immer halbvoll oder halbleer?

Die vierte Diätwoche läuft gerade. 1600 kcal an trainingsfreien Tagen, 1800 kcal an Trainingstagen. Bis auf einen Tag (Mitarbeiterfest), ist jede Tag perfekt. Einfach perfekt. Der Hunger drückt ab und an, manchmal liegen auch die Nerven kurz blank, aber im Großen und Ganzen läuft es sahnig.

Slaine bestellt dauernd Pizza oder schleppt mich als Zuschauer zum All-u-can-eat-Buffet. Aber es hebt mich kaum an. Im Moment kann ich es kaum erwarten, wieder die alte Form zu erreichen und dann natürlich die Grenze zu überqueren, um noch tiefere Einschnitte, meine Bauchmuskulatur, meine Wadenform, all das noch verborgene freizulegen. DAS will ich mehr als alles andere.

Wenn ich sehe, welch schöne Formen unter der Fettschicht stecken…da sind schöne Bauchmuskelpakete drunter, der Hintern bekommt zur Zeit eine neue seitliche Linie, die die eigentliche Backe abteilt, meine Schultern bekommen stärkere Konturen und selbst der lange vernachlässigte innere Rücken wächst langsam…davon will ich mehr sehen. Und ich will mich bewegen. Zweimal war ich bisher beim Poledance und jedes Mal war mindestens ein überraschter Jauchzer dabei, der von der Überraschung über die ungeahnten Möglichkeiten berichtet. Ich kann! Ich kann viel mehr, als ich mir zugetraut habe. Und das sickert so langsam durch.

Als Kind träumte bestimmt jeder mal davon, höher zu springen, schneller zu rennen oder geschmeidiger am Stufenbarren zu turnen als die anderen. Doch die Erfahrung zeigte immer: vergiss es, du bist ganz unten dabei. Mein Sportlehrer schaute regelmäßig am Ende des Schuljahres auf all die gesammelten 5en und sagte dann: Du hast immer so schön geschwitzt, dafür gibt es eine 3. Ich habe in all den Schuljahren stets die Erfahrung gesammelt, dass ich zum Sport nicht zu gebrauchen bin. Selbst bei meinem über alles geliebten Reitsport passte meine Ambition nicht zu meinem Können. Ich bekam die Knie einfach nichts ans Pferd und stieg regelmäßig im hohen Bogen über den Hals des Pferdes fliegend ab. Sport war für mich stets eine Serie von Enttäuschungen.

Und nun sowas…Poledance und Bodybuilding. Immer öfter erwische ich mich bei dem Gedanken: Zuhause denkst du eh nur ans Essen, geh lieber trainieren. Und dann geh ich trainieren.

Was ist passiert?

Gut, Bodybuilding und ich brauchten lange, um uns anzunähern. Erst als ich entdeckte, dass mein Körper einfach gut darin ist, Muskeln aufzubauen, reizte mich der Gedanke mehr und mehr, endlich etwas zu tun, was meiner Biologie, meinen Anlagen entspricht, statt mich immer zu Sportrichtungen zwingen zu wollen, die ich für „gesundheitlich wertvoll“ hielt.

Poledance ist nochmal etwas ganz anderes. Poledance kam durch die Umsetzung von Pausen.

Und das war so.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich permanent ausgelaugt fühle. Meinem Empfinden nach stand ich schon morgens mit rot blinkender Akkuanzeige auf und schleppte mich dann durch den Tag. Bis mir irgendwann auffiel, dass das gar nicht stimmt. Das Bild von mir war Quatsch, denn das Aufstehen fiel mir nie wirklich schwer. Ich fühle mich morgens meistens fit und munter und auch während der Arbeit bin ich normalerweise voller Energie, flitze Treppen hoch und runter und sprühe vor Energie. Dann kommt der Feierabend und plötzlich ist es, als wäre der Stecker gezogen. Aber ich hab ja noch so viel zu tun und kann mich ja jetzt nicht schlafen legen! Also Kaffee, Energy oder Booster eingeworfen und weiter gemacht. Irgendwann schleppte ich mich nur noch von Kaffee zu Kaffee und war wirklich dauerhaft am Limit.

Ich begriff, dass ich nur mal die Signale meines Körpers ernst nehmen müsste und mir eine Pause gönnen sollte, um das Dauertief in ein normales Auf- und Ab zurückzuverwandeln. Also begann ich freitags nach Arbeit, statt zum Wochenendeinkauf und der üblichen Haushalts-to-do-Liste ins Solarium zu gehen. Zeit des erzwungenen Nichtsstuns…wie wohlig! Wie gut das tut! Dann begann ich Meditationsplaylisten zu hören (Danke für den Tipp! Ich muss gar nicht außer Haus zu Kursen gehen…ich kann es im Bett tun! Manchmal steht man sich echt selbst im Weg.). Der ständig überdrehte Kopf fand endlich einen Ausstieg und Ruhe.

Dann habe ich noch die Kohlenhydrate so verteilt, dass ich sie bekomme, wenn ich sie nötig habe (nämlich auf Arbeit!!!!). Das lästige Einkaufen lässt sich Dank der Diät auf 2x/Woche einschränken.

Plötzlich hatte ich Zeit und Energie! Und ich hatte Lust auf etwas Neues…ein kleines Experiment. Lust mich selbst zu entdecken udn herauszufordern. Pledance hatte mir schon immer gefallen und was kann schon passieren…ich probierte es aus. Meisterschaften werde ich auch darin nie gewinnen, aber mehr Körperspannung, bessere Koordination und jede Menge Spaß.

Seitdem hat sich mein Blickwinkel wirklich gewandelt. Ich empfinde meinen Körper nicht mehr als Verräter, der mich im Stich lässt und immer nur träge ist. Langsam werden wir richtige Kumpel, die sich unterstützen und auch mal Rücksicht aufeinander nehmen. Ich bin gar kein immer schlapper Sack, ich hab sogar ganz schön viel Power, aber die entdeckt man eben erst, wenn man auch die Schwäche mal zulässt und annimmt.

 

Ps: Ich fürchte, wenn ich den letzten Band der Chronik des Eisernen Druiden von Kevin Hearne ausgelesen habe, fall ich erstmal in eine literarische Depression. Mit den Büchern könnte ich stundenlang Cardio machen! Die haben einfach alles! Literarische Zitate, philosophische Unterhaltungen, Hintergrundwissen über Mythen und Legenden, süße Tiere und dazwischen grotesk übertriebene Brutalität und flache Anzüglichkeiten. Einfach mit jedem Band ein absoluter Hochgenuss…wenn das vorbei ist fall ich in ein Loch!