Wie stehts mit den guten Vorsätzen?

…fragte heute ein Blog, den ich gerade nicht wiederfinde.

Super! möchte ich da triumphilieren. Heute habe ich die 5. Woche auf Diät geschafft. Ich war seit Sonntag jeden Tag im Studio und hab mir den Arsch aufgerissen. Momentan fällt mir das leicht. Ich hab nichts zu tun, als immer mal etwas an meiner Masterarbeit zu schreiben. Keinen Nebenjob mehr. Kein MMO, das mich am Rechner hält. Und Bücher les ich abends im Bett.

Ich hab Zeit…soooo viel Zeit. Und ich kann nichts damit anfangen. Meine Zukunft hängt an dünnen Fäden, die immerzu reißen wollen. Und selbst wenn sich alles zum Guten ändert, entscheiden Andere über mich und darüber, wo ich hin versetzt werde. Das frisst mich innerlich. Wenn andere ihren Job nicht ertragen, kündigen sie und bewerben sich anderswo.  Ich muss dann Anträge einreichen, um versetzt zu werden und bin der Gnade dieser Behörden ausgeliefert. Und bin nicht mal Beamte. Das alles knüllt sich zu einem Kloß Schicksal zusammen, der wie ein Damoklesschwert über mir baumelt. Ein Los, gegen das ich nicht kämpfen kann, dem ich mich nur beugen kann.

Und da meine Zukunft momentan nicht rosig aussieht, nutz ich das Heute, um so viel wie möglich selbst zu bestimmen. Ich nutz die Zeit um an meinem alten Traum zu arbeiten, das Beste aus mir herauszuholen und so viel Ego aufzubauen. Dabei erreich ich langsam einen Grad, der an ultimate Beklopptness grenzt. Nicht nur, dass ich morgens aufwach und mit Lee (Priest) und Heidi (Vuorela) rede, die mir von den riesigen Bildern an der Wand aus sagen, dass es ein guter Tag wird. Nicht nur, dass ich dauernd Bodybuilding-Weisheiten und vor Schmerz schreiende Männer auf dem MP3-Player anhör. Und sechs mal die Woche zum Training renn. Wenn ich völlig erledigt aus dem Studio geh, noch immer das Geschreie der Großen auf den Ohren, dann sehne ich schon die nächste Einheit herbei. Und ich beschwöre vor jedem Satz das Bild von Kai Greene herauf, der vor einer Wand mit Postern von Profis steht und sagt: „Imagine, with every contraction, THIS is the result!“ Mittlerweile bin ich so drin im Training, dass mir Gewichte ziemlich egal sind und Wiederholungen, selbst Satzzahlen verlieren an Aussagekraft. Zufriedenheit erlang ich nur, wenn ich im Satz ganz die Bewegung im Zielmuskel spüre und fühlen kann, dass ich dort mehr Fasern anspannen und damit den Muskel besser treffen kann. Es sind nicht die Sätze, nicht die Kilos auf der Stange, nicht die Wiederholungszahlen, die mein Training beenden. Mein Training ist um, wenn ich fertig bin, wenn der Muskel sich nicht in drei Minuten Pause erholen kann, um noch einen Satz zu schaffen.

Heute waren die Haxen dran. Von der 90°-Beinpresse hab ich lange Zeit nur Arsch- und Beugermuskelkater bekommen, den Strecker aber nicht richtig angesprochen bekommen. Letztes Mal dann meinen Lieblingstrainer gefragt (Jaa, in meinem McFit gibt’s Trainer die einem wohlbegründete, ausgeklügelte Tricks verraten. Hab ich ein Glück!) und seitdem arbeite ich schwer daran, voll und ganz mit den Streckern zu arbeiten. Das bedeutet erstmal wieder weniger Gewicht. Es bedeutet in den Folgeübungen schnellere Erschöpfung. Aber ich weiß: das werden mal Haxen! Da freu ich mich heut schon drauf. Jetzt gerade fühlt es sich zwar nach tauber Querschnittslähmung und bei Bewegung ein bisschen nach Höllenfeuer an, aber das Gute daran ist ja eben, dass man weiß, wenn man die richtigen Reize gesetzt hat, ist das wie  mit den Blumen: Einmal gegossen kann man sich darauf verlassen, dass sie wachsen.

Und dass die Diät läuft, das ist das Sahnehäubchen für mich. Ich trainiere seit 2008. Seitdem hab ich so viele Diäten gemacht, bin so oft gescheitert und mit jeder beendeten Diät war mein Wille gebrochen, mein Ego am Boden und ich wurde schwerer und schwerer…nahm wieder ab, wieder zu…ätzend.

Aber mit jeder Diät hab ich mehr über mich gelernt. Über meine Schwächen und Stärken und darüber, was ICH leisten kann und was MIR zu viel ist. Den letzten großen Knall gab es vor einem Jahr, als ich wieder eine Diät machte und wie in allen vorausgegangenen Diäten kamen Tage, in denen die Waage nichts davon honorierte, was ich tat. Statt weniger wurde das Gewicht mehr und mehr. Und damals fiel der Groschen: weg mit der Waage, dieses Mistding soll nie wieder über Erfolg oder Misserfolg entscheiden! Und ich habe auch gelernt, dass ich kein permanentes Kaloriendefizit und permanente Esskontrolle via Abwiegen und Kalorienzählen ertrage. So zähle ich jetzt fünf Tage sehr strikt Kalorien und fahre ein Defizit, am Wochenende aber lass ich es mir richtig gut gehen. Da wird geschlemmt!

Fünf Wochen habe ich ewig keine Diät durchgehalten. Der Gürtel wird ein Loch enger geschnallt, die erste Trainingshose rutscht und an meinen Armen zeichnen sich die Muskeln stärker unter weniger Gewabbel ab. Es funktioniert, ganz locker. Und das macht das Heute zur besten Zeit, die es gibt. Nicht gestern, nicht morgen, heute ist die beste aller Zeiten. 🙂

Und irgendwo im Hinterkopf flüstert eine Stimme:

Imagine if you will be on your deathbed. And standing around your bed: the ghosts of the ideas, the dreams, the abilities, the talents given to you by live. And that you for whatever reason, you never acted on those ideas, you never pursued that dream, you never used those talents, we never saw your leadership, you never used your voice, you never wrote that book. And there they are standing around your bed looking at you with large angry eyes saying we came to you, and only you could have given us life! Now we must die with you forever.

The question is – if you die today what ideas, what dreams, what abilities, what talents, what gifts, would die with you? “
– Les Brown

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