Der Fluch des Nihilismus

Was ist Nihilismus?
Der Glaube ans Nichts, oder besser: der Glaube daran, dass es nichts Hohes gibt, an das man glauben kann. Kein Gott, keine unwiderrufliche Wahrheit, keine beständige Moral, kein Lernen aus der Geschichte. Alles wiederholt sich in ewig stumpfem Rhythmus, ohne dass der Mensch wesentlichen Einfluss darauf hätte. Nihilismus ist die Entwertung aller Werte.

Als Schüler habe ich mich dem Thema wie einem Rausch hingegeben, war doch mein pubertierendes Leben voller überholter Werte, die es samt und sonders über den Haufen zu fegen galt. Man, hat das Spaß gemacht! Weg mit den alten Ansichten und her mit dem regellosen Leben! Wenn einer kam und meinte: Das würde ich nicht tun, das tut nicht gut, dann gab es nichts Schöneres als genau das zu tun. Befreit von all der Last vergangener Generationen und überholter Richtlinien, konnte ich mich nun ganz dem Eigentlichen widmen. Nicht wahr?

Carpe diem
Nutze den Tag! Verschwende deine Zeit nicht. Du hast nur dieses eine Leben, also fülle es!
Wenn man den Himmel streicht und Gottes Urteil über dein Leben und sich selbst erklärt, dass auch das Urteil aller anderen Menschen über dein Leben nichts als Eitelkeit ist, dann streicht das ziemlich viele Punkte auf der „Sinn des Lebens“-Liste. Wenn man genau hinsieht, ist alles, was da noch bleibt, ein Staubflusen, der sich beim Reinemachen verirrt hat. Und es bleibt die große Frage im Raum: Wie nutze ich den Tag?
Zu nächst scheint das klar: Mehr Wissen ansammeln, also Hausaufgaben machen, Bücher lesen, Dokus schauen.
Und dann kommt ein Moment, eine leichte Nervosität und ein Gedanke schleicht sich ein: Wozu? Wozu brauch ich mehr Wissen, wenn nichts davon bleibt?
Nietzsche starb in völliger Umnachtung in einer Irrenanstalt, bar all der Erkenntnisse, die er in seinem Leben geborgen hatte.
Aber es gibt ja noch so viel mehr! Aktivität heißt das Zauberwort. Nutze den Tag heißt auch: Schaffe etwas!
Also schafft man und ist aktiv und macht und macht.
Und irgendwann konnte ich nicht mehr, ich war ein einziges nervöses Wrack, dass unruhig von Aufgabe zu Aufgabe rannte, nirgends verweilen wollte und dennoch nichts zu Ende brachte. Und wehe wenn mir keine Aktivität mehr einfiel, dann saß ich vorm Rechner, hörte Musik, spielte Solitär, chattete im MIRC, recherchierte auf Internetseiten, hatte die Hausaufgaben offen vor mir liegen und machte alles gleichzeitig.
Nutze den Tag heißt, keine Zeit zu verschwenden, obwohl es doch keine Möglichkeit gibt, Zeit effektiv zu nutzen, weil alle Zwecke entwertet sind.
Man KANN Zeit also gar nicht nutzen, man kann sie nur bewusst vergeuden, denn alle Zeit ist, vom Standpunkt der Ewigkeit aus betrachtet, vergeudete Zeit.
Ich hab keine Ahnung, ob das hier nur wirr klingt oder ob irgend jemand folgen kann und will. Aber das hier ist schließlich mein Gehirnramschkasten, also entmüll ich mal weiter, was da rumfliegt.

Suche nach Glück
Jedenfalls kommt der Tag, an dem jemand erzählt, wie toll letztens ein Nachmittag mit Freunden war, an dem nichts passiert ist und der gerade darum so schön war. Wie in der Kindheit habe man sich gefühlt, als die Zeit irgendwie vollwertiger war, obwohl man doch nichts Sinnvolles gemacht hätte. Und du erwischst dich dabei, wie dir von dieser Erzählung der Saft in die Augen schießt und du dich fragst, was eigentlich schief läuft.
Und da wird es dir klar:

Es ist alles vergebens und trotzdem rennst du wie der Hamster im Laufrad, Runde um Runde und wenn das Rad stillsteht, fühlst du, wie der Boden unter den Füßen weiter läuft.

Die Zeit ist dir zum Fluch geworden, weil du, ohnmächtig, feststellst, dass du sie nicht füllen kannst, sie aber auch nicht mehr einfach dahinfließend genießen kannst. Was dir fehlt, ist Glück.
Und du machst wieder Pläne für Aktionen, die dich glücklich machen könnten. Und dann schaffst du es, dich zu überwinden und tust den ersten Schritt UND!
…nichts passiert. Keine Freude, kein Glück. Wo ist es nur hin?

Und wer die Antwort wissen will, der muss mal Gerhard Schöne fragen. Um kein Urheberrecht zu verletzen, verlink ich ihn lieber nur. *klick zum Glück*

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