pain is temporary…

Am Donnerstag war ich zum zweiten mal bei der manuellen Therapie, was quasi eine Art Massage ist. Hier und hier erfahrt ihr, warum ich die verschrieben bekommen habe. Nach der ersten Massage tat sich leider nichts, was für mich eine herbe Enttäuschung war, hatte ich doch gehofft, nach der Therapie wieder fit und voll funktionstüchtig zu sein.

Ich wusste, dass ab der zweiten Behandlung jemand anderes übernimmt, also war ich gespannt, wie das wohl werden wird. Als mir schließlich so ein jungscher Typ die Hand hinstreckte, stand mir gleich der Schweiß auf der Stirn, schließlich muss man sich dafür obenrum frei machen.
Aber der nette Typ sagte mir, wie ich mich hin zu legen hätte und verließ dann kurz den Raum, so auch nach der Therapie, was die Scham doch enorm abbaute. Ich konnte also ganz entspannt wie eine Seekuh auf der Liege rumrobben, bis ich bequem lag.
Er besprach kurz, was mir fehlte, was bisher unternommen wurde, ob ich Medikamente nehme und wie es zu den Schmerzen gekommen sei. Alles sehr professionell. Dann sagte er, wenn es zu schlimm wehtut, soll ich mich melden. Das hatte die Frau beim letzten Mal auch gesagt, aber bei ihr hat es nicht wirklich weh getan. Also versuchte ich mich zu entspannen.
Als erstes fuhr er ganz langsam die Rückenstrecker rauf…Uff! Das war schon mieser. Und gleich nochmal von vorn…und nochmal. Bis ich glaubte, es nicht mehr aushalten zu können. Und dann ging es hoch zum Nacken. Knurps…da sprang eine Verspannung unter den Fingern weg, also erstmal schön den Daumen drauf und halten….halten….halten….AAHHH.
In dem Moment durchfuhrt mich eine Wut! Der Arsch beschert mir hier Schmerzen wie in der Hölle! Und als ob er das gespürt hätte, meint er nochmal, ich soll ruhig sagen, wenn es nicht auszuhalten ist.
Worauf ich ihm erzähle, dass die ganz großen Bodybuilder sich freiwillig genau diesem Schmerz aussetzen. Deep Tissue (Erklärung aus dem Net: Some of the same strokes are used as classic massage therapy, but the movement is slower and the pressure is deeper and concentrated on areas of tension and pain.) nennt sich das. Die Bodybuilder beschreiben es als die Hölle und Dennis Wolf erzählte, dass er nach der ersten Runde dachte, jetzt wären seine Muskeln zerstört und er könnte gar nicht mehr trainieren. Aber drei Tage später hätte er sich richtig erfrischt gefühlt und Regionen gespürt, die er sonst nie gespürt hätte. Durch die Lockerung soll die Durchblutung gefördert werden und damit auch die Regeneration. Das soll richtig Power geben.
Hier seht ihr mal den Big Bad Wolf heulen…^^

Und deswegen, schloss ich, will ich das aushalten, auch wenn es höllisch weh tut. Gut, sagt der Typ, aber nicht das Atmen vergessen. Ich sag euch, atmen unter Schmerz kann echt eine herbe Konzentrationsübung sein.
Nachdem er mich so malträtiert hat, sollte ich mich noch auf den Rücken legen und er hat zunächst durch ein Loch unter meinem Nacken ganz leicht abwechselnd mit einzelnen Fingern den Nacken entspannt und schließlich nur mit ganz leichtem Zug meinen Nacken gehalten. Zwischendrin drehte er meinen Kopf nach links und rechts und sagte, ich solle ganz loslassen und ganz entspannt liegen, den Kopf fallen lassen. Irgendwann hab ich das wohl getan. Ein kalter Schauer fuhr mir über den Rücken und ich hab losgelassen. Für ein paar Minuten entspannte ich mich vollkommen, alles fühlte sich so in Ordnung an und ich fühlte mich….keine Ahnung. Erlöst.

Er sagte, dass sich Stress häufig auf bestimmte Körperregionen legt und man das gar nicht groß beeinflussen könne. Solang ich diesen Stress habe, könne man nur ab und zu solche Massagen nutzen, um diese Verspannungen zum Teil zu lösen. Aber solang der Stress besteht, werde ich auch Probleme mit dem Nacken haben. Darüber dachte ich auf dem Heimweg nach. Wenn ich den Kopf zur Brust zog, spürte ich noch immer das fiese Ziehen bis in die Fingerspitzen. Ich wusste also, dass nicht nicht „repariert“ war und weiter aufpassen musste. Aber meine Schultern schlenderten locker durch die Gegend, was sie sonst nie tun. Und ich dachte, wenn eine einfache Massage diese Entspannung hervorrufen kann, dann muss das auch so mal möglich sein. Denn mir wurde klar, dass der Stress immer bestehen wird, solange ich nicht lerne, loszulassen. Da mich zur Zeit vor allem Zukunftsängste plagen, die ich dann zu furchtbaren Infernoszenarien ausbaue, war klar, woran ich arbeiten muss.
Depressionsdiät heißt es in einem Song von den Onkelz und genau das brauch ich. Ich muss aussteigen aus meinen Horrorphantasien und mich denen nicht immer mehr hingeben. Ich muss schauen, was ich Schönes aus den Tagen ziehen kann, statt nur kopflos von Tag zu Tag zu ziehen.

Und schon die ganzen „muss“ machen klar, wie unmöglich es ist, sich aktiv und mit aller Kraft und vollmächtig entspannen zu wollen. Meine Problemlösungsstrategie ist PLANEN. Ich hab immer einen Plan. Wirklich. Immer. Aber genau darin spielen meine Ängste ihre Heldenrolle, denn meine Zukunft kann nicht ich planen, die liegt in den Händen anderer, meine Problemlösungsstrategie greift nicht.
Also was nun?
Zunächst Entscheidungen treffen. Es ist eine Entscheidung, sich nicht in Zweifeln und Ängsten zu verkriechen, sondern sich bewusst zu sagen, dass man daran nichts ändern kann und es deswegen vorerst verdrängt. Wenn der Konvoi mit den Ängsten vorbeifährt, steig ich einfach nicht mehr ein.
Und dann habe ich mich für Dehnübungen entschieden, um meine Muskulatur überall mal zu strecken und so die Durchblutung und den Stoffwechsel zu fördern. Und ich will es mal wieder mit Meditation versuchen. Als Teil der Reizhirn-Generation bin ich zwar immer auf der Suche nach dem Flow, aber während der Massage spürte ich, wie schön es sein kann, sich einfach nur selbst atmen zu hören und sonst nichts zu tun.

Also setzte ich mich am Abend auf das Bett im Gästezimmer, um eine neutrale Umgebung zu haben, schloss die Augen, hörte auf alles was es zu hören gab…die Autos, zwei Kinder liefen am Haus vorbei, die Vögel auf den Dächern, Flopsy, der neugierig angetigert kommt, die Pfoten aufs Bett legt, flopst, mich laut schnüffelnd umrundet, um herauszufinden, was hier passiert ist und schließlich meine Arme von den Knien schubst, um sich gemächlich in meinem Schoß nieder zu lassen. Ab da musste ich nur noch lachen, über die dreiste Aufklärungsarbeit meiner Katze.

Am nächsten Tag begann ich mit Dehnübungen, setzte mich in den Flur, versuchte meine Füße mit den Händen zu umfassen und nicht gleich wieder los zu lassen. Oh, das ging früher mal besser. Dann versuchte ich einen Spagat, den konnte ich in der Schule mal richtig, aber jetzt…lächerlich! Also zurück auf den Hosenboden und die Füße umklammert. Da kommt Kloppsi an, sein Uhu-Lampenblick schaut mich ungläubig an und als ich mir vorstelle, wie es in seinem Kopf gerade rattern muss, um zu analysieren, was hier los ist, löst sich schon wieder ein Lacher. Flopsi ist das unheimlich, also wird schnell der Kopf markierend an meinem Fuß gerieben. Rauf und runter…wenn man Angst hat, muss man das Ding markieren! Dann gehört es einem nämlich. Das Lachen entspannt mehr als alles andere und so bin ich zufrieden. 😉

Mein Rückten fühlte sich in den ersten zwei Nächten an, als wäre es ein einziger Bluterguss. Gestern wagte ich mich erstmals wieder ans Training und wählte die Beine, da dazu am wenigsten Trapeziuseinsatz vonnöten ist. Das lief richtig gut, ich hatte das Gefühl, die Beine ringsum fertig gemacht zu haben. Und heute ging es dann ganz optimistisch zum Brusttraining und auch das lief richtig pralle. Die Brustmuskulatur war voll, das Gefühl, richtig mit dem Muskel zu arbeiten war da und es hat einfach richtig Spaß gemacht. Ich freu mich auf die nächste Massage morgen. Lasst den Schmerz ruhig kommen. 😉

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