real Poser

Wenn Freunde – oder noch schlimmer Familienmitglieder unsere Wohnung betreten, zeigen wir immer unsere Spiegelkonstruktion. Das ist an sich nichts Verwunderliches, zwei Spiegel, die so im Flur montiert sind, dass man sich selbst gleichzeitig von vorn und von hinten betrachten kann. Praktisch um zu checken, ob der Wirbel am Hinterkopf wie ein Tornado aussieht oder brav frisiert ist. Noch praktischer aber, um zu Posen.

Dann kommt bei Freunden und Familienmitgliedern stets der Blick…meinen wir das jetzt ernst? Stellen wir uns echt davor und spannen mit unseren fettleibigen Körpern halbnackt die Muskeln an? Wie selbstverliebt sind wir eigentlich? Haben wir die Realität total aus den Augen verloren?
Für normale Menschen sind Spiegel dazu da, um zu schauen, ob man normkonform ausschaut, oder ob man kurz davor ist, das Haus im ‚Edward mit den Scherenhänden-Look‘ zu verlassen.
Und Posen ist nur eins: peinlich!
Selbst in Fitnessforen gibt es darüber stets Beschwerden: Solche Poser, die im Studio vorm Spiegel das Muscleshirt vom Körper reißen und ihre lächerlichen Muskeln anspannen. Zum Fremdschämen!

Aber Posen ist vor allem eins: Körperbeherrschung. Das gezielte Aktivieren bestimmter Muskeln.

Wer schon mal versucht hat, seine Brustmuskeln im Beat des Lieblingsliedes zucken zu lassen, der weiß, dass das einige Übung und Konzentration verlangt. Wer gar nicht aus der Szene kommt, kennt das vielleicht von Tanzstunden. Was der Tanzlehrer vormacht sieht so einfach aus, aber wenn man selbst die Schritte nachmachen will, verheddert man sich und man fragt sich, wie man es eigentlich schafft auch nur eine Treppe zu erklimmen.
Bewusste Bewegungen verlangen eine ausgeprägte Verknüpfung zwischen Steuerzentrale (Hirn) und Muskel. Und die kann man trainieren.
Beim Training selbst kümmert man sich normalerweise mehr um die Gewichte. Dicke Scheiben, um sich und alle anderen zu beeindrucken und dann will man sich ja nicht lächerlich machen, also müssen sich die Gewichte auch bewegen. Man drückt oder zieht an den Hanteln, Geräten und Scheiben, aber was man eigentlich will, als Bodybuilder, ist, zu lernen, wie man die Kontrolle gewinnt, über seine Muskeln.

Wenn ein Athlet auf die Bühne geht, spreizt er nicht einfach die Arme und spannt den Bizeps an. Vielmehr ist das Ganze ein Ablauf von Bewegungen bei denen eine Partie nach der anderen aktiviert wird, wie Straßenlaternen bei Nacht, eine nach der anderen beginnt zu leuchten. Das schafft man nicht nur mit Training, man muss es bewusst üben und jedes Posing verstärkt die Verknüpfungen zwischen Steuerzentrale und Muskel. Mit jeder Pose, die man vorm Spiegel übt, bekommt man gezieltere Kontrolle über die Ansteuerung dieser Muskeln.
Und wenn es vorm Spiegel gut klappt, dann kann man das Ganze mal ohne versuchen….und fängt wieder von vorn an. Denn die optische Rückmeldung des Spiegels ermöglicht ein direktes Feedback, fängt man an ohne zu Posen, fühlt man sich zunächst wie ein Blinder, der den Weg durchs Labyrinth sucht. Posen ist also nicht nur Eitelkeit (also zu 90% schon, ne,….), sondern Posen IST Training, IST Fortschritt.
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Kai Greene geht noch einen Schritt weiter, in zwei neuen Videos erklärt er, wie er ganz normale Übungen ausführt und das Spezielle an seiner Ausführung ist, dass er dabei erklären kann, wie diese Übungen auf der Bühne beim Posen wiederzufinden sind. Das ganze Training ist ein gezieltes Posen. Posen IST Training, Training IST Posen. Wie schon bei der Vorstellung geschrieben, hört man von Kai oft „imagine“. Und dabei sind keine Traumreisen gemeint, bei denen wir uns in das Land der Regenbögen und Einhörner begeben. Es geht vielmehr darum, die Verknüpfung zwischen Geist und Körper zu verstärken, sich über alltägliche Bewegungsabläufe bewusst zu werden. Zu fühlen, was der Körper dabei alles kontrolliert und diese Kontrolle bewusst zu übernehmen. Unbewusstes bewusst machen.
Das mag jetzt für den ein oder anderen irgendwie fanatisch-bescheuert klingen, aber ich denk dabei eher an Mr. Miyagi, der seinen Schüler erstmal sein Auto polieren lässt, damit der dabei Karate lernt. Bewegungen bewusst zu führen und dabei ein Bild vor Augen zu haben, wie das Ganze abläuft, das ist der Schlüssel zur Fitness. Ob man nun Poledance, Bodybuilding oder Lambada lernen will.

Hier die Videos, ein echter Tipp. Die Art wie Kai erklärt, was er macht und wie er das macht…unbezahlbar!
Quelle:

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