Morgens um kurz nach Sieben im Dschungel…

könnt ich mir selbst in den Hintern beißen, weil ich keinen Fotoapparat mitgenommen habe. Andererseits versuche ich viel zu viel auf Foto festzuhalten, statt es mit allen Sinnen zu genießen. Kaum habe ich das festgestellt, überkommt mich eine Ruhe, als würde ich tatsächlich wie ein Ureinwohner auf der Suche nach Nektar durch den wilden Dschungel streifen, statt auf Arbeit zu stehen und auf die ersten Besucher zu warten, die frühestens in zwanzig Minuten ankommen.

Die Sonne streichelt mich durch die Glaskuppel, die Luft umdampft mich, weil der Regen, der hier nachts niedergeht, langsam zu winzigen Tröpfen zerstäubt und aufsteigt. Es riecht würzig, leicht nach Zimt, an manchen Stellen nach den großen rosa Blüten, und eine Nase weiter nach muffig feuchter Erde.

Ein Morgen im Gondwanaland ist für mich etwas ganz besonderes.

Noch fährt kein Boot, keine Kinderschar kreischt, ein Vogel stößt einen melancholischen Schrei aus, immer wieder. Die Totenkopfaffen klettern auf einem Baum mit fächerartigem Blätterdach bis rauf zu mir. Wie hoch mag das sein? Vier Meter, fünf? Und hopsen von Blattfächer zu Blattfächer, auch wenn der Baum sich dabei tief verneigt. Unter mir wuselt etwas Schwarzes in betrunkenen Linien voran. Eine Maus? Ach, nein, es sind die Jungen eines taubenartigen jadegrünen Vogels, der durch die Blätter watschelt und seinen Jungen eine Gondwanalandtour beschert.

Da, ein schwarzer Frosch mit gelben Flecken auf dem Shirt, dort eine Wasseragame bei ihren morgendlichen Liegestützen. Da ist ja auch das frisch verliebte Entenpärchen. Anfangs rannte der Erpel der Dame überall hinterher. Mit Erfolg, will man meinen, denn inzwischen schwimmt er mit stolz geschwellter Brust voraus und zeigt ihr alles. Sie lässt sich gern herumführen.

Als Besucher rannte ich hier oft durch, dachte an den rinnenden Schweiß, dachte, dass ich den Herrn Otzelot schon wieder nicht gesehen habe, dachte, dass die Enten doch ziemlich öde sind. Enten sieht man doch überall.

Jetzt, wo ich hier arbeite und endlich mal zum Stillstand gezwungen bin, fällt mir die Vielfalt der Pflanzen erst so richtig auf und ich entdecke die kleinen Wesen, entdecke die Gerüche für mich, beobachte und werde dabei gelassen und bin total verzaubert. Und dann gibt es da noch die Besucher, die alle den Flammenbaum streicheln und schauen, ob sich seine Blätter zusammenrollen, weil sie glauben, es sei eine Mimose. So sieht also auch die Mimose aus, denk ich. Ob denn der Puderquastenstrauch da drüben echt sei? Ach so heißt der also.Von Besuchern kann man unheimlich viel lernen.

Schaut euch mal um, heißt es bei der Rettungswegeführung, alles Naturmaterialien, die Stühle aus Bambus, die Geländer aus Ästen, selbst die Schindeln auf den Dächern sind aus Hartholz.

Arbeiten im Zoo heißt, sich dieses Wunders erstmal richtig bewusst zu werden und mit allen Sinnen, fern vom Stress, zu genießen lernen.

Hier noch ein kleiner Clip zum Thema „Artenschutzprogramm“

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