Warum ich nun doch Bilder zeige und meine Emails nicht verschlüssel…

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich meinen alten Blog geschlossen habe. Ich habe alle Bilder gelöscht, meinen Facebookaccount so gut es geht von Angaben gesäubert, habe eine Verschlüsselung auf meinen Emailkonten eingerichtet, habe den Tor-Router installiert und schließlich deinstalliert.

Das kam so:
Durch meine Masterarbeit über Cory Doctorows Roman „Little Brother“ habe ich Zeitungsartikel zum Thema Überwachung gelesen und gespeichtert, ich fand immer mehr und mehr Stoff und landete schließlich beim Privacy-Handbuch. Das war der Moment, wo die Angst in mir so bedrohlich groß war, dass ich nicht mehr nur Leser bleiben konnte, ich musste handeln. Ich hatte das Gefühl zu ersticken und etwas ändern zu müssen, um dieses Korsett aus Angst loszuwerden.
Also tat ich was oben steht und noch viel mehr. Ich löschte Picasa von der Festplatte, deinstallierte Google-Analytics, erstellte neue Emailadressen, löschte meinen G+-Account, verlor darüber meinen U-Tube-Account.

Aber egal was ich tat, die Angst nahm eher zu als ab.

Und das lag einfach daran, dass ich bei jedem Schritt wusste, dass es nicht ausreicht. Ein Beispiel ist das beliebte Exempel Facebook. Bei Facebook kann man Daten im Profil löschen, aber sie bleiben gespeichert. Mit ein wenig Googlezauberei findet man alles, auch wenn du es gelöscht hast. Und noch besser: Facebook nutzt Trackbacks. Solange du bei Facebook eingelogt bist, zeichnet Facebook alles auf, was du surfst. Nicht nur Seiten mit Likebutton, nein, alles. Jede Seite, die du ansurfst wird protokolliert. Also weiß Facebook alles über mich und ich geb mich nicht der Illusion hin, dass Facebook das zum Spaß betreibt. Meine Daten werden verkauft, mein Kaufverhalten und sämtliche Interessen und Schattenseiten liegen offen. Habt ihr schon mal nach Hautkrankheiten oder Mentruationsbeschwerden oder Übergrößendessous gesucht, Sexspielzeug bestellt oder extra festes Klopapier ergoogelt? Facebook kennt jedes noch so banale aber private Interesse eurerseits und durch Algorithmen lässt sich daraus ein ziemlich genaues Profil eurer Person, eurer Vorlieben, eurer Krankheiten, eurer Psyche erstellen.

Die Ängste
Als das Korsett immer enger wurde, wurde mir klar, dass da nicht ein einzelner Aspekt drückt, sondern dass ich mich rundherum verfolgt und unter Druck fühlte. Das mag verrückt klingen, aber was ich unter der brodelnden Oberfläche fand waren folgende realistischen und unrealistischen Ängste:

  • Deutschlandweite staatlicher Überwachung->kommen irgendwann in naher Zukunft besorgniserregende Googleabfragen in mein polizeiliches Führungszeugnis?
  • Überstaatliche Überwachung->werden meine zukünftigen Urlaubspläne ins Wasser fallen, weil ich in vielen Ländern durch meinen digitalen Fingerabdruck auf Flugverbotslisten gelandet bin?
  • Ausverkauf meiner Daten->Werde ich irgendwann im DM an der Kasse angesprochen, ob ich noch genug Blasen- und Nierentee oder Hühneraugenpflaster Zuhause hätte.
  • Verknüpfung zwischen Berufs- und Privatleben->Werde ich irgendwann einen Skandal in der Schule auszubaden haben, der von einem privaten Blogeintrag herrührt? Diese Angst ist groß, ich sehe die Bildzeitungsschlagzeile schon vor mir, in der mir jedes Wort aus dem Kontext gerissen und umgedreht wird.
  • Verknüpfung zwischen Berufs- und Privatleben->Werde ich irgendwann Photomontagen oder lustige Bilder, die aber nicht in den Schulalltag gehören, von mir bei Schülern auf dem Handy finden? Was privat ein Spaß ist, ist ja in der Institution Schule ganz schnell die Verurteilung zum Fegefeuer.
  • Ausverkauf meiner Daten im Gesundheitsaspekt-> werde ich bald bei der Krankenkasse mehr zahlen und weniger Behandlungen bekommen, weil ich tätowiert bin? Für Blutspenden bin ich deswegen schon gesperrt, weil ich in eine Risikogruppe mit Homosexuellen, HIV-Infizierten und Sextouristen falle.
  • Werden die Ökos und Vegetarier die Herrschaft übernehmen und eine Bio-Diktatur installieren?

Was haben die Ökos damit zu tun?
Die größte Gefahr besteht da, wo Menschen sich zusammentun. Wie sind rein theoretisch eine Demokratie. Was für die Mehrheit von Interesse ist, wird, zumindest vor Wahlen, zum Staatsinteresse. Gerade über Facebook beobachte ich, wie Themen rund um Gesundheit und ökologischen Lebenseinstellungen immer mehr vom persönlichen Interesse zur moralischen Grundsatzfrage verschoben werden. Längst sind es nicht mehr einzelne Menschen, die sich für solche Themen interessieren und ihr persönliches Leben dahingehend ändern, es ist vielmehr ein gesellschaftlicher Wert geworden.
Wenn ich ein Video von einem Kind betrachte, dass seine Meeresfrüchte nicht essen möchte, weil es nicht möchte, dass dafür Tiere sterben und darauf nicht sofort zum Veganer werde, dann bin ich ein Mörder und Schlächter…so ist der allgemeine Usus in dieser Bewegung.
Wenn ich bei Kosmetikprodukten nicht zu Bioprodukten greife, dann bin ich persönlich für Hochwasser, Tsunamis und Erdbeben und Hautkrebs verantwortlich. Ich trage die Schuld.
Wenn ich bei Kik Klamotten kaufe, dann habe ich all die Inder in der eingestürzten Fabrik umgebracht.
Menschen, die so denken sind leicht zu benutzen um shitstormartig eine stasiähnliche Diktatur zu errichten.
Wo mit dem Finger auf Andere, private Einstellungen und Meinungen gezeigt und ohne Abwägung verurteilt wird, lassen sich leicht Überwachungsstrukturen innerhalb der Bevölkerung installieren. Die Menschen werden zu Überwachern und Richtern und solange sie Recht und Gewissen auf ihrer Seite glauben, werden sie die eigene Integrität nie infrage stellen.

Deswegen habe ich Angst vor Ökos und Vegetariern.

Was mich heute zu diesem Artikel bewogen hat, ist dieser Artikel in der Zeit, der mir aus der Seele spricht und die alte, schwärende Wunde geöffnet hat.
Wie gesagt, je mehr ich las, je mehr ich unternahm, desto größer wurde die Angst und eine Einsicht verlangte Gehör, nämlich dass ich der Überwachung nur entkommen kann indem ich:

  • kein Facebook mehr nutze
  • nirgends Passwörter speicher
  • Firefox mit vielen anonymisierenden Addons nutze
  • den Tor-Router nutze
  • Emails verschlüssel und nur noch mit Leuten Emails schreibe, die diese Verschlüsselung ebenfalls nutzen
  • Flash-plugins deaktiviere
  • dadurch keine Videos, Flashanimationen und ähnliches sehen kann
  • keine Messanger nutze
  • überall nur noch Bar bezahle

Fazit: Ich müsste mich komplett aus dem Internet zurückziehen, es am besten gar nicht mehr nutzen, denn jede Nutzung hinterlässt für einen Nichtprofi wie mich Spuren und außerdem müsste ich im Alltag überall nach Kameras spähen und die Kamerawinkel möglichst meiden, nichts spontan kaufen, wenn ich kein Bargeld dabei habe, stets eine Cap tragen, um mein Gesicht vor Kameras zu verbergen.

…ich würde leben wie ein Verdächtiger in einer Diktatur. DAS wäre die Konsequenz.

Und dann hätten all die Überwacher und moralischen Richter gewonnen, dann WÄRE ES DIE DIKTATUR. Und DAS ist nicht das Leben, das ich möchte. Das ist kein Leben das ich ertragen könnte. Deswegen werde ich die Piraten wählen. Wer glaubt denn wirklich, dass die es direkt in die Regierung schaffen und die Merkel ablösen? Aber mitreden müssen die dringend, denn so bunt gemischt und verrückt der Haufen ist, sie setzen sich für die Freiheit meiner Heimat ein: dem Internet! Das mehr Heimat für mich ist, als Leipzig oder Deutschland oder Europa. Ich bin im Internet Zuhause und ich lass mich nicht vertreiben und unterdrücken. Nehmt meine Daten solange ich euch nicht daran hindern kann, aber fürchtet euch vor den Ureinwohnern Neulands, wenn sie Zähne zeigen.

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19 Kommentare zu “Warum ich nun doch Bilder zeige und meine Emails nicht verschlüssel…

  1. Interessant.
    Einiges kenne ich davon…einiges jedoch nicht..bin gerade etwas geschocktüberrascht was FB alles trackt. Hast Du da irgendwo genauere Infos die man lesen kann?

  2. Cory Doctorows „Little Brother“ habe ich gerade gelesen, die Fortsetzung liegt hier schon. Ich bin in Hinblick auf Datenschutz, Privatsphäre etc. an einem Punkt, wobei ich nie Paranoid in diesem Zusammenhang war, dass es mittlerweile eh egal ist ob man sich zurückzieht oder nicht – umfangreiche Profile sind sowieso schon erstellt. Ich versuche es soweit zu beeinflussen, wie ich es beeinflussen kann und nehme Rücksicht auf die anderen (so frage ich bspw. immer bevor ich bei FB jemanden tagge oder ein Foto hochlade, ob es okay ist).

  3. wow! ich bin momentan ziemlich verwirrt! nur eine frage, die mir momenatn durch den kopf geistert: kannst du einen emailanbieter empfehlen?

    • Im Prinzip kannst du aber jeden Anbieter nutzen, solange du deine Nachrichten verschlüsselst. Soweit ich da allerdings durchseh, muss auch derjenige, der deine Nachrichten empfängt dieselbe Verschlüsselung nutzen und deinen Key akzeptieren. Und das macht niemand von meinen Freunden, nicht einmal mein Freund. 😉

  4. Danke! Das mit dem Schlüssel für die Gegenseite stellt sich für mich auch als Problem dar, weil die Menschen der Gegenseite einen dann meist total irritiert anschauen und für völlig bekloppt halten. Ich habe schon reagiert. Ich habe bei meinem Provider meinen alten Webspace reaktiviert und somit auch wieder die Möglichkeit, Emailadressen anzulegen, die dann also hundertprozentig NICHT unter dem Dach von Gmail, Web.de, Aol.com, GMX.de oder sonstwem laufen. Ich habe es meiner Frau erzählt und sie gebeten, mit ihrer Emailadresse sukzessive bei Gmail wegzugehen und auch nur noch die Email-Adresse ihres Praxis-Webspace zu nutzen. Ich danke … wem auch immer … dass ich nie bei Facebook mitgemacht habe!!!!! Ich habe auch schon darüber nachgedacht, meinen Blog dem Erdboden gleich zu machen.
    Bei der ganzen Sache sehe ich übrigens noch etwas ganz anderes: das ist alles für mich ein unheimlicher Zeiträuber! Als ich begann, bei „Google+“ mit zu mischen und „Hangouts“ mit Bekannten oder Arbeitskollegen zu starten, lief der Schlepptop die ganze Zeit, nur um nicht zu verpassen, wenn jemand reagiert hatte. Oder bei meinem Blog kostet es auch immer viel Zeit, Beiträge zu schreiben. Und andere lassen sich das alles ja auf ihr Smartphone pushen und reagieren dann immer „zeitnah“. Ich danke … wem auch immer … dass ich mir kein Smartphone zugelegt habe!!!!! Da ist man dann nämlich auch in einer Spirale: man meint, man brauche jetzt UNBEDINGT ein Smartphone – das bekommt man durch Vertragsverlängerung (für 24 Monate natürlich!) für NUR 100 EUR – muss noch 25 EUR einmalige Einrichtungsgebühr bezahlen – bezahlt aber auch 49,95 EUR pro Monat, weil man ja auch eine Datenflat benötigt – und zum Schluss hat einen dann das Handy nach insgesamt 2 Jahren insgesamt 1323,80 EUR gekostet. ???????? !

    • Ja, die Abhängigkeit ist auch so ein Problem, das stimmt. Aber ich habe das Gefühl, das ist ein Prozess. Eine Zeit lang stürzt man sich da hinein und hängt dauernd an der Strippe, bis man merkt, dass es einen selbst stört. Und dann ändert man es wieder. Mir geht es mit Rollenspielen so. Eine Zeit lang exzessiv und nun nur noch bei Langeweile oder um Leute, die ich mag, zu treffen. Wie gesagt, ich habe für mich herausgefunden, dass ich das Internet liebe und mich gern dort aufhalte. Ich würde mich mittlerweile einsam fühlen ohne. Deswegen geb ich das nicht her, ich zieh mich nicht zurück sondern verteil weiter Daten. Weil es meine Freiheit ist, zu denken und zu schreiben. Noch kann mir die keiner nehmen und dafür kämpfe ich weiter, wenn auch nur, indem ich die Piraten wähle und bloge. 😉 Nur nicht der Angst beugen, denn dann lebst du schon in ihrer Diktatur und beugst dich ihrem Druck. All der Terrorwahn dient doch vor allem denen, die durch unsere Angst verdienen, darum geht es letztendlich, aus unserer Angst Kapital zu schlagen und uns zu steuern. Schaut her, ein Selbstmordattentat, kauf dir jetzt eine Alarmanlage für Zuhause und fühl dich sicherer, überwache deinen Hauseingang und schließe eine Selbstmordattentäter-Versicherung ab, dann kann dir nichts passieren. Lass dich nicht unterkriegen. 😉

      • ok! da hast du recht! ganz zurueckziehen möchte ich mich eigentlich auch nicht! aber mein google-konto ist spätestens Ende der Woche tot und gelöscht !!! tschakkkaaaaa …

      • goil ! das „wer überwacht eigentlich schäuble?“ – transparent war geil … iss leider nur zu weit weg für mich …

  5. Hmja… diese ganze „Gläserner-Mensch“-Geschichte ist echt schwierig.
    Wird lustigerweise auf nahezu jedem Familientreffen von meinem Vater in irgendeiner Form aufs Tapet gebracht. Woraufhin mein Onkel, der Informatiker oder sowas Ähnliches ist, jedenfalls bewandert auf dem Gebiet, letztens den Rat hatte: „Überlasten. Einfach überlasten. NSA & Co. mit Daten nur so vollmüllen.“ Natürlich gibt’s Möglichkeiten, aus großen Datenmengen was rauszufischen bzw. Berge zu verwalten. Aber mir kommt der Gedanke inzwischen einigermaßen plausibel vor, dass, je mehr Informationen(schnipsel) rumfliegen, desto weniger ist der einzelne wert und desto weniger wird er beachtet. Und in Hinblick auf Sicherheitsfragen u. Ä. kann ich mir schon vorstellen, dass das was bringt. Wenn über jeden irgendeine Kleinigkeit vorliegt, was ist das dann bitteschön wert, sie ins Führungszeugnis einzutragen? Gar nichts. Und genauso lässt sich bei nahezu jedem irgendeine Peinlichkeit ausgraben. Was sich dann eben auch wieder ausgleicht.
    Was Anderes ist aber natürlich die Verwertung der Daten durch Firmen, und die macht mir ehrlich gesagt auch Bauchschmerzen. Andererseits geht es da, soweit ich weiß, bisher ja „nur“ um Werbung. Banner, die gezielt das bewerben, was mich (vermeintlich) interessiert, hinterlassen bei mir zwar ein mulmiges Gefühl. Andererseits: Welcher Schaden entsteht mir dadurch? Überhaupt keiner. Ich kann die Sachen einfach ignorieren. Oder gar mich darüber freuen, von Dingen zu erfahren, die mich wirklich interessieren anstatt den drölfzigsten Rasenmäher um die Augen gehauen zu kriegen.
    Dass ein umfassendes Profil von mir erstellt wird, gefällt mir nicht, klar. Ich fühle mich „enttarnt“. Aber das wird ja „nur“ dafür genutzt, mir bestimmte Produkte anzupreisen. Was ja so oder so andauernd passiert, ob nun personalisiert oder nicht. Ich glaube kaum, dass sich bei den Datenmassen jemand hinsetzt und wirklich hinschaut „Ach, die Frau Sowieso hat also letzte Woche Sexspielzeug gekauft und löst heute ein Rezept für Vaginalpilzcreme ein, hat die denn noch nie was von Desinfektionsmittel gehört? So ein Ferkel.“
    Aber vielleicht bin ich da auch naiv und/oder kurzsichtig.

    So oder so, gefallen tut mir das Ganze nicht, Paranoia hab ich als Option erwogen, aber wieder verworfen, weil’s ja doch nur zu dem führt, was du beschreibst: Freiheitsentzug. (Und dass das DIE Masche der Terrorbekämpfung ist, wo doch der Terror selbst genau diesen Zweck verfolgt und also von seinen „Bekämpfern“ kräftig unterstützt wird, davon will ich lieber gar nicht erst anfangen.) Wir kommen nicht weiter, wenn wir hysterisch kreischend durch die Gegend rennen. Also versuch ich’s einigermaßen gelassen zu sehen. Oder vielleicht ist es auch nur getarnter Fatalismus? Du siehst mich unschlüssig ob dieses Themenkomplexes.

    Und weil ich jetzt schon ’nen halben Roman geschrieben habe, verzeihst du mir hoffentlich, dass ich jetzt nicht noch auf die Gutmenschendiktatur eingehe. Wobei das auch ein spannender und wichtiger Punkt ist. Ich hoffe nur, dass du vor mir keine Angst hast. 😉

    • Huhu, ja, mich überkommen immer mal wieder Schauer. Ich folge z.B. den Piraten auf Facebook und die bringen immer mal Fälle, wo Leute verhört werden, weil man ihre Emails gelesen und Schlüsse daraus gezogen hat. Aber da ist mehr die Angst vorm Reisen mit verbunden und ich würge diese Ängste mittlerweile ab, einfach, weil ich mich machtlos fühle. Das mit den Überschwemmen find ich auch gut.
      Und vor dir hab ich keine angst. Ich respektiere ja die Grundeinstellung, auflehnen tue ich mich nur gegen jene, die daraus eine fanatische Mission machen. Und das tust du nicht. 😉

      • Uäh, ja, sowas wie mit den Reisen, das ist schon gruselig. Aber wie du ja auch schon schreibst: Paranoia ist keine Lösung.

        Sagen wir’s mal so: Ich tue es nicht MEHR. Ich meine, ich war nie so ein Fall, der jetzt beim Grillen die Leute vorwurfsvoll angeguckt oder gar mit einem „Wie kannst du nur?“ angekommen ist. Aber ganz frei davon bin ich nicht. Ich habe beispielsweise regelmäßige Diskussionen mit meiner Stiefschwester, die genau oben beschriebenes Verhalten an den Tag legt, selber aber Fisch isst, weil sie sich vorstellt, dass so ein Fisch ein schönes freies Leben führt. Und dann halt irgendwann dran glauben muss. Von Sachen wie Aquakulturen, Nebenfängen und Ausrottung will sie gar nichts wissen. Und damit habe ich so meine Schwierigkeiten: Mit dieser Vorwurfshaltung und dem impliziten „Ich bin euch moralisch überlegen“ bei gleichzeitiger Inkonsequenz. (Und der Selbstbezeichnung als Vegetarierin – das aber nicht aus dogmatischen, sondern rein praktischen Gründen, weil ich schon oft bei Einladungen ein extra „vegetarisches“ Gericht kredenzt bekam: Fisch. Das tut mir dann einfach so schrecklich leid für die Gastgeber, und darum bemühe ich mich um Begriffsklarheit.)
        Und auch ich bin durchaus diesem „Vegetarismus macht mich zu was Besserem“, das ja nun wirklich epidemisch ist, aufgesessen. Aber ich arbeite dran, mir vor Augen zu führen, dass das Quatsch ist.
        Entschuldige den Roman, vielleicht blogge ich lieber mal drüber. Ist ja hier deine Plattform, nicht meine. 😉 Sorry.

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