Frische Veränderung gefunden…

Auf Arbeit gibt es immer Momente, wo man mit Kollegen zusammensteht, kein Gast in der Nähe und man fängt an zu schwatzen. Und irgendwann ist dann immer der Moment gekommen, an dem es ums Training geht.

Was mache ich denn für ein Training?

Ich sage dann meistens „Kraftsport“, manchmal „Fitnessstudio halt“, weil das alles leichter einzuordnen ist, als die Antwort „Bodybuilding“. Und spätestens wenn ich meinen Eiweißshaker nehme, ahnen die meisten, dass ich das irgendwie ernsthaft betreibe. Oft erzählen die Leute, was sie so treiben und was ihnen Spaß daran macht. Und dann erzähl ich, was mir an meinem Sport Spaß macht, aber es fühlt sich immer ein wenig wie das Bewegen auf einem schmalen Grad an, zwischen den Abgründen Lächerlichkeit und Freak. Freak bin ich gerne, aber niemand wird gern als lächerlich betrachtet.

Die meisten Leute nehmen Bodybuilding nicht als echten Sport wahr.

Radfahren, Tischtennis, Fußball…das sind alles ernstzunehmende Sportarten. Aber beim Bodybuilding nehmen die doch nur Steroide und Eiweißpulver und haben kaum Kraft. Die können ja nicht mal nen LKW ziehen. Dann stehen die nur braungepinselt auf ner Bühne rum und lassen sich feiern ohne richtig Sport gemacht zu haben…so in etwa scheint die Vorstellung zu sein.

Also erzähl ich, dass ich lange Spaß daran hatte immer mehr und mehr Gewicht zu bewegen. Größere Hanteln, größere Scheiben, aber irgendwann merkte ich, dass die Muskeln nicht wirklich mehr wurden. Und wozu brauchte ich die Kraft? Den Kühlschrank krieg ich auch ohne Training auf und die Vorstellung, dass irgendwann ein Haus über mir einstürzt und ich mich nur retten kann, weil ich die Betonplatten wegbankdrücke…ja, also für den Alltag hat das nicht viel Nutzen. Und da ich lange mit Muskelversagen gearbeitet hatte, spürte ich auch die Belastung fürs zentrale Nervensystem ziemlich stark. Ich schlief oft gar nicht ein, fühlte mich schlapp und müde. Beim Training konnte man regelmäßig meine Plomben zählen, wenn ich nicht irgendwo an einer Wand lehnte. Vergnügen und Erschöpfung hielten sich gerade so die Waage, aber ich wollte Ergebnisse sehen. Mit Betonung auf SEHEN.
Und dann fragte ich mich, wo eigentlich die Wegkreuzung ist, bei der man sich entscheidet für Kraftsport ODER Bodybuilding. Beide trainieren mit schweren Gewichten, sehen aber meistens sehr unterschiedlich aus.

Was also ist der Unterschied zwischen Kraftsport und Bodybuilding?

Darauf antworten viele: Das liegt am Wiederholungsbereich, Kraftsportler trainieren mit weniger Wiederholungen. Aber wer sich in der Praxis umschaut merkt schnell, dass das nicht die Antwort sein kann. Denn die Wiederholungsbereiche sind meistens variabel.
Eine andere Antwort ist: Kraftsportler machen nicht so harte Diäten. Die Futtern durchweg.
Das ist sicherlich ein entscheidender Faktor. Aber ist das der grundlegende Unterschied? Würden alle Kraftsportler so gemeißelt wie Bodybuilder aussehen, wenn sie nur eine Diät machen würden? Sagt man nicht auch, Kraftsportler hätten viel dichtere, festere Muskelfasern?

Im Gespräch sag ich, dass es im Kraftsport hauptsächlich ums Gewicht geht, das gedrückt/gezogen wird. Das steht im Fokus, darauf wird die Technik, die Haltung und alles ausgerichtet.
Im Bodybuilding geht es um die Größe, das Aussehen. Ziel im Bodybuilding ist der Körper und dabei bei jeder Bewegung im Zielmuskel mehr und mehr Muskelfasern anzuspannen.
Wer schon mal körperlich gearbeitet hat, kennt das Phänomen: Anfangs fällt es furchtbar schwer, man weiß gar nicht, wie man das lange durchhalten kann, aber schon nach 1-2 Wochen fallen dieselben Bewegungen leichter, man bracht viel weniger Anstrengung für dieselbe Arbeit. Das nennt man den Anpassungseffekt. Der Körper optimiert die Bewegungsabläuft um sie mit so wenig Muskelfasern wie möglich zu bewältigen, das spart Energie.
Im Bodybuilding will man diesen Effekt umkehren. Für eine Bewegung immer mehr und mehr Fasern zu benutzen braucht Konzentration und Körpergefühl und hat etwas fast Meditatives. Das finde ich spannend. Wie beim Bogenschießen im Buddhismus, wo es nicht darum geht, mit dem Pfeil ein Ziel zu treffen, sondern darum, zusammen mit dem Bogen den ganzen Körper anzuspannen, sich ganz zu versenken und die eigenen Kräfte und Energien zu erspüren.

Und ich spüre, wie die Leute das verstehen und spannend finden. Es ist noch immer freakig, aber nicht mehr…lächerlich. Und das tut unheimlich gut. Ich hab früher nie mit flüchtigen Bekannten über mein Hobby geredet, habe nichts davon erzählt, weil ich es selbst zu peinlich fand. Jetzt rede ich gern darüber und schäme mich auch nicht, wenn es jemand nicht versteht.

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6 Kommentare zu “Frische Veränderung gefunden…

  1. Guten Morgen,

    ich bin wirklich happy Deinen Blog gefunden zu haben.
    So viele Interessante Erklärungen und Hintergründe in der Sportart in der ich auch (im Vergleich zu Dir sowas von amateurhaft!) unterwegs bin.
    Mal wieder, Danke.

    Ich hatte mir noch nicht wirklich gedanken gemacht, was die Unterschiede sind.
    Aber so ganz habe ich es noch nicht geschnallt.
    Machen KSler und BBler andere Übungen um die Muskeln anders zu belasten?
    Oder wie genau kriegt man den Trainingsunterschied hin?*neugier*

    Ich musste heute morgen übrigens herzhaft lachen.
    Einer meiner Kater ist etwas zu moppelig und muss auf Diät.
    Und das nicht, weil ich ein Figurfreak bin, das sagt auch der Tierarzt.
    Das neue ‚LightFutter‘ das wir gekauft haben wir tatsächlich mit….
    LCarnitin.
    Ich kenne es nur aus BBFutter oder aktuellen IN-Produkten.
    Jetzt weiss ich, was ich mir also zur Not reinspachteln kann*giggl*

    Wünsche einen sonnigen Tag

    • Hehe, lecker Katzendiätfutter. XD
      Ja das mit dem Unterschied zwischen Kraftsport und BB ist auch nicht mit einer Antwort erklärt, ich denke, da gibt es viele kleine Faktoren, die eine Rolle spielen. Bei uns im Studio sind Kraftsportler, die tatsächlich aussehen wie Bodybuilder. Bühnenreif, mit Streifen.
      Ich weiß, dass Kraftsportler weniger Isoübungen und mehr Verbundübungen machen. Die Funktionalität der Übungen steht im Fokus, der ganze Körper muss stärker werden, nicht nur eine kleine Partie. Während Bodybuilder eben aufs Aussehen hin trainieren. Da ist es nicht so wichtig ob man (als Mann) mit 110 oder 130kg Bankdrücken macht, Hauptsache man trifft die Brust richtig. Während der Kraftsportler immer zusehen wird, dass er möglichst schwer trainiert, weil nunmal das Gewicht im Fokus steht.
      Trotzdem gibt es immer wieder Momente, wo auch ich mir die Frage neu stelle und es gibt auch immer neue Antworten darauf. Ganz lösgelöst voneinander ist es eben nicht, es sind verwandte Sportarten. ^^
      Dir auch einen schönen Sonn(en)tag. 🙂

      • Ah, jetzt hab ich es besser geschnallt.Danke!
        Wie isset bei euch im Studio? Ich habe meinen Montag auf morgen früh verschoben*uffz*

      • Da ich mir am WE was eingefangen hatte, waren wir Sonntag schon nicht wie geplant beim Training. Also drückte heute entsprechend das Gewissen und ich habe heute volle Power beim Rücken und Brusttraining gegeben. ^^
        Dir morgen viel Spaß und auch viel Power, trotz der Hitze. 😉

  2. Ein interessanter Artikel. Hat zum nachdenken angeregt.

    Ich selbst trainiere weder noch, außer mit meinen Minihanteln. Fällt in keinen der beiden Bereiche.

    Dir einen schönen, sonnigen Sonntag. 🙂

    • Das freut mich, wenn meine Artikel zum Nachdenken anregen. Wenn mein Freund nicht so begeistert von dem Sport gewesen wäre, hätte ich auch nie damit angefangen. 😉

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