Tipps zum Schmökern

Bevor es in den Kurzurlaub geht, wühl ich besonders gern im Buchregal, man will ja auf der Fahrt nicht darben. ;D Und ihr sollt auch nicht ohne Schmökertipps bleiben.

Diesmal gibts drei düster-deftige Lesetipps, die mich alle drei stark beeinflusst haben. Bei allen wird tief in die Psycho-Schauerkiste gegriffen und kräftig an den eigenen Moralvorstellungen gerüttelt.

Das erste Buch ist nichts..äh, ich meine, das erste Buch ist „Nichts“ von Janne Teller. Das Buch hat herbe Kritik geerntet, aber auch viel Lob, die Geister scheiden sich an ihm und auch unter meinen Kommilitonen fand man es entweder großartig oder furchtbar, dazwischen scheint es nichts zu geben.
Worum gehts?
Ein Junge weiß, dass nichts im Leben von Bedeutung ist und zieht daraus die Konsequenz, sich um nichts mehr zu bemühen. Er geht nicht mehr zur Schule, kleidet sich nicht nach der Mode, hört auf niemanden, will niemandem zu Gefallen sein. Stattdessen neckt er, von einem Baum herab, seine Mitschüler und ruft ihnen jeden Tag, wie ein kleiner Prediger, seine Erkenntnisse zu.
Mit erstaunlicher Wirkung.
Die Mitschüler fühlen sich von diesem Nichts bedroht und beginnen die Suche nach einem Sinn, nach bedeutsamen Dingen…die Suche nach Etwas, dass das Nichts aufhalten kann und alle wieder in die Normalität entlässt.
Dieses Buch rüttelt an den Grundfesten unserer ausgehöhlten Werte und schickt aus auf eine „was wäre wenn“-Reise….was wäre wenn nichts einen Sinn ergäbe, wenn aller Sinn nur durch unsere persönliche Festlegung entstünde…

In „Evil-Das Böse“ von Jan Guillou geht es um Gewalt. Alles ist Gewalt…der Stiefvater prügelt kategorisch, die Lehrer prügeln, die Schüler bilden Banden und verprügeln sich gegenseitig und mitten in diesem Treiben lebt Erik und kämpft. Er kämpft um Beherrschung wenn der Vater ihn prügelt, zeigt den Lehrern seinen Trotz, wenn die ihn prügeln und taktiert mit klugem Geschick die Prügeleien unter seinen Mitschülern, sodass er der Chef der gefährlichsten Bande ist. Zurechtkommen mitten in der Gewalt.
Erik ist klug, versteht es sich durchzusetzen, versteht es sich unbesiegbar erscheinen zu lassen, nichts kennt er so gut, wie die Angst. Und die setzt er auch effektiv gegen andere ein. Erik will sich nicht prügeln, aber er weiß, das er keine Gnade erwarten kann.
Aber je härter er zuschlägt, desto härter werden bald alle um ihn herum, jeder beißt die Zähne ein wenig mehr zusammen und die Spirale der Gewalt spitzt sich zu.
Man mag Erik von Anfang an, er ist das Opfer, ist Täter, dabei aber nicht stumpf oder gebrochen. Nein, Erik ist klug, überlegt, strategisch und hat das Herz am rechten Fleck, aber in der falschen Umgebung nützt das nichts. Man fiebert mit Erik, wünscht sich, dass er seine Schlachten gewinnt und alles dadurch gut wird…und merkt erst zu spät, was er dadurch vorantreibt. In einer Gesellschaft, in der Gewalt als böse betitelt und damit tabuisiert wird, in der zwar an jeder Ecke gegen Gewalt demonstriert, aber Gewalt dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, als etwas, das nur Opfern widerfährt, trifft dieses Buch wie ein Faustschlag und zeigt zum einen die verführerische Seite der Gewalt…man will, dass Erik gewinnt, dass er siegt, aber andererseits wird auch die Auswirkung von Gewalt begreiflich gemacht…man gewinnt nicht, man macht nur alle härter.
Es gibt einen Film nach der Romanvorlage: Faustrecht, inzwischen zu Evil umgenannt.
Interessant ist der Vergleich von beiden, Erik wird im Film als moderner Gandhi hingestellt, der eben nicht Teil der Gewalt sondern nur stoisches Opfer ist. Dadurch verliert der Film aber genau die knisternde Spannung, die den Roman so eindringlich und authentisch macht. Der film ist nett anzusehen, aber er bleibt in seiner Kuschelromantik nur ein „Gewalt ist böse“-Film unter vielen, will einfach zu viel belehren. Das Buch dagegen schickt den Leser auf eine Reise und lässt ihn selbst zur Erkenntnis kommen.

„Nach dem Schnee“ von Sophie D. Crockett erzählt von Willo. Willo zieht die Wildnis der Gesellschaft von Menschen vor. Mag sein Vater auch noch so viel predigen, sie sollen „Leuchttürme der Hoffnung“ sein, Willo ist lieber in seiner Höhle, jagt ein paar Hasen oder folgt einem Wolfsrudel. Willo, der wilde Junge mit dem Hundeschädel auf dem Kopf und dem zerfressenen Fell über der Jacke.
Doch als er diesmal heimkehrt, sind alle weg. Die ganze Familie, alle aus dem Haus sind weg, LKW-Spuren vorm Haus, das Feuer im Kamin tot und Willo weiß, dass sie wahrscheinlich nie wiederkommen werden. Das ändert alles…

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