*augenreib*

Puh…was für zwei Nächte. 16:00 Uhr und ich bin gerade erst wach geworden. Die Katzen sind auch ganz verwirrt.
Ich würde hier gerne Fotos posten, die einen klitzekleinen Eindruck davon vermittelt, wie spannend die letzten zwei Nächte waren. Aber aus rechtlichen Gründen geht das leider nicht.

Für mich uns meinen Freund war es spannend, wie nie. Mit jedem Jahr kennt man mehr Athleten, fühlt sich mehr mit der Szene und den Persönlichkeiten verbunden und drückt mehr Favoriten die Daumen.
Was es dieses Jahr aber noch spannender machte, war das starke Feld an Athleten. Es gab so viele Athleten, die sich im letzten Jahr nochmal richtig krass verbessert haben, was bei diesen Extremen immer überrascht.
Und es gab einige Athleten, die man so gar nicht auf der Karte hatte und die in überraschender Form auftraten.
Allem vorweg Big Ramy…der neue Wundereinsteiger. Glaubt man den Gerüchten, hat er vor drei Jahren mit Bodybuilding angefangen und seither 40kg reine Muskelmasse aufgebaut. Ich bin da ja mehr so für die Reagenzglastheorie, weil das so unglaublich klingt. Aber Big Ramy ist nicht nur groß, er bringt auch eine erstaunliche Härte und ein richtig gutes Posing auf die Bühne…eine unglaubliche Leistung.
Schön für deutsche Fans war Dennis Wolf mit einer verdammt krassen Form. Wirkte er vor dem Wettkampf immer etwas seltsam entspannt, so als wäre er eher Zuschauer als Wettkampfteilnehmer, konnte er auf der Bühne alle überraschen. Immer wieder wurden die Top-Sechs-Athleten auf der Bühne hin und hergewechselt, es gab einfach keine Schwachstellen, die eine klare Entscheidung möglich machten. Das mitzuerleben, zu bestaunen, war ein faszinierendes Erlebnis.
Auch der grinsende Holländer, Roelly Winklaar überraschte in sensationeller Form.

In den letzten Jahren hatte die Mr.O-Wahl immer einen bitteren Beigeschmack. Athleten, die sichtlich nicht in Form waren, belegten Top-Plätze. Da kocht die Gerüchteküche natürlich über. Aber dieses Jahr war das bei den Männern nicht so, da kann man wirklich sagen, dass die Athleten ihre Plätze verdient haben. Das war ein tolles Gefühl.

Nur bei den Bodybuilding-Damen, da schien die Jury wieder beeinflusst gewesen zu sein. Alina Popa, die ich bei meinen Lieblingsbodybuilderinnen schon vorstellte, brachte eine Wahnsinnsform, ein elegantes Posing, ein tolles Styling und ein einfach perfektes Gesamtaket mit auf die Bühne. Dazu diese Ausstrahlung! Die Aura einer menschgewordenen Superheldin umgab sie, ihre Posen strotzten nur so vor geschmeidiger Kraft und wenn sie in die Back-double-bizeps-Pose ging, sah es aus, als würde sie gefederte Flügel aufspannen, so wunderschöne kleine, volle, pralle Rückenmuskulatur hat sie. Diese weibliche Ausstrahlung, bei der Masse…einfach unglaublich.
Iris Kyle dagegen wirkte etwas unsymmetrisch, die Proportionen in sich verdreht. Die weibliche Aura geht ihr eh schon immer völlig ab, auch wenn ihre Posen geschmeidig waren. Aber neben Alina wirkte sie einfach wie ein Stofftier neben einer Barbie.
Und gewann den Wettkampf, zum neunten Mal.
Niemand hat je so oft den Titel geholt, wie Iris Kyle, aber aus den Augen vieler hat ihn Iris dieses Jahr verloren, die scheinbar Unüberholbare wurde überholt. Und es stellt sich wieder einmal die Frage, ob ein Nichtamerikaner nach Schwarzenegger den Titel holen kann, oder ob das aus patriotistischen Gründen nicht möglich ist.

Wochenende der Campions

Dieses Wochenende ist es soweit: die Mr. Olympia-Wahl steht an.
Der Wettkampf aller Bodybuilding-Wettkämpfe. Nur die allerallergrößten und besten treten auf diese Bühne. Wer auf diesen Brettern läuft, hat Jahre an Wettkämpfen hinter sich und das normalmenschliche weit hinter sich gelassen.

Mein Freund und ich schälen uns seit Jahren nachts um 4:00 aus den Kissen, um die Wahl per Livestream zu verfolgen. Im ersten Jahr hatten wir noch einen Kumpel hier, im zweiten Jahr haben wir mit anderen Studiobekannten gekocht und Munchkin gezockt. In einem anderen Jahr klingelte gegen 5 Uhr plötzlich das Telefon und ein paar Freunde riefen an, sie wären noch wach, sturzbetrunken und würden mitschauen. Von all den Freunden interessiert sich inzwischen keiner mehr für Bodybuilding, die Freakshow hat ihren Reiz verloren.
Aber nicht für mich, mir schürt dieser Wettkampf jedes Jahr aufs Neue die Glut. Da schaff ich es sogar mal wieder Kalorien zu zählen!
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Für die einen ist es eine Freakshow, aber ich kann immer wieder nur staunen, wie krass man seinen Körper entwickeln kann. Anfangs fiel es mir ja häufig schwer, zu begreifen, wie so ein Muskel arbeitet. Aber man muss sich nur diese „Mutanten“ beim Training anschauen und kann es einfach sehen. Jeder Muskel ist riesig, prall, man erkennt Sehnen, Ansätze, Struktur pur.
Noch immer glauben viele, man müsste sich nur irgendwelche Mittel spritzen und könne dann so aussehen. Wer sowas sagt, hat nichts von diesem Sport begriffen, der tatsächlich anfangs schwer zu begreifen ist.

Bodybuilding ist mehr als ein Sport und weniger. Mehr als ein Sport meint, dass Training nur ein Teil des Ganzen ist. Um im Wettkampf andere zu schlagen, reicht Training nicht aus, man muss auf eine sehr strenge Ernährung achten, Mahlzeiten werden pünktlich zu bestimmten Uhrzeiten eingenommen und bestehen aus genau geplanten Lebensmitteln. Zwischen Training, Ausdauersport und Mahlzeiten muss es auch Ruhezeiten geben…das ist Clockwork, wie der Engländer sagt, leben ach der Uhr. Der ganze Tag ist durchgeplant. Das Leben ein Stundenplan.
Bodybuilding ist weniger als ein Sport, damit will ich sagen, dass das Ziel kein Wettkampf im sportlichen Sinne ist, sondern eine Bühnenshow. Oft werden Bodybuilder pampig gefragt, was sie denn so drücken oder kreuzheben oder kniebeugen. Das ist, als ob man so ein Magermodel vom Laufsteg fragt, wie schnell sie denn auf 100m sprinte. Das Ziel im Bodybuilding ist ein ästhetisches, kein sportliches. Darin gleicht es eher einer Kunstausstellung. Das zu begreifen, fällt vielen schwer. Muskelmasse reicht nicht, es geht um Styling (zB bei der aufgetragenen Hautfarbe), das Posing ist ganz elementar, um Muskelhärte, Proportionen, Symmetrie, um Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr und Entwässerung. Wer auf der Bühne steht, bringt seinen Körper ans Limit. Nicht nur der Fettgehalt wird extrem minimiert, auch der Wasserhaushalt wird extrem beeinflusst. Man will das Wasser aus der Haut haben, aber im Muskel soll eine optimale Menge verbleiben, sodass die Muskulatur gleichzeitig trocken-sehnig sichtbar, aber auch voll und aufgepumpt wirkt. Schon deswegen sind solche Wettkämpfe eine Grenzerfahrung, ein Extrem.

Gestern war bereits die Pressekonferenz. Für mich persönlich ein albernes Theater, bei welchem die Athleten gegeneinander aufgestachelt werden. Die dämliche Frage, ob man glaubt diesen oder jenen schlagen zu können, soll die Spannung steigern, ich finde es einfach albern. Man darf ja gar nicht „Nein.“ sagen, man muss sich kampfeslustig, selbstbewusst und siegesgewiss zeigen. Das erinnert zu sehr an die amerikanischen Soaps mit den eingespielten Lachern…alles Affekthascherei. Ich weiß gar nicht, wer letztes Jahr meinte, sein stärkster Gegner wäre immer er selbst und dass es darum ginge, sich selbst jedes Mal aufs Neue zu schlagen. Vielleicht Evan Centopani? Ich fand die Antwort jedenfalls richtig gut, die Moderatoren und der größte Teil des Publikums sah das anders.

Kai Greene, Foto von seiner fb-fanpage


Auch gestern gab es so peinliche Provokationen und Seitenhiebe auf Ereignisse aus der Vergangenheit von Kai Greene, die einfach respektlos und unter der Gürtellinie sind. Das war kein Showbiz, das war schon fast psychische Manipulation. Das ist wahrscheinlich der Nachteil daran, dass Bodybuilding immer mehr in den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit gerät. Da glauben mache gleich wieder eine Dailysoap draus machen zu müssen, weil es sonst zu uninteressant sein könnte.

Für diese und nächste Nacht wünsche ich mir deshalb einen schönen, fairen Wettkampf, in dem keine Platzierungen vergeben werden, die sich jemand erkauft oder erschlichen hat. Das mag ein Wunschtraum sein, aber man darf ja noch träumen. 😉 So oder so, bin ich gespannt darauf, die Athleten zu sehen.

Big Ramy

Big Ramy wird eine große Überraschung sein, weil er dieses Jahr quasi die Überraschung schlechthin ist. Roelly Winklaar wird wohl nicht mehr von „Omi“ Sibil gecoacht, ob er nun mit neuer Form überraschen kann? Kai Greene wirkte in den letzten Wochen mehr denn je wie ein fanatischer Mönch. Wenn ich versuche mir Bayaz, den ersten Magi aus der Klingenreihe von Joe Abercrombie vorzustellen, kommt mir immer Kai Greene in den Sinn…
Wird Branch Warren diesmal wirklich in guter Form auftreten, oder hat er sich wieder einen Platz erkauft? Und Jay Cutler, der viermal Mr. O war und diesen Wettkampf wirklich nur aus Liebe zum Sport nochmals bestreitet, wie wird er aussehen? Für mich wird es wieder richtig spannend.

Aber es gibt natürlich mehr als die Mr. O-Wahl, es gibt die leichteren Herren, die für unter 96kg Gewicht erstaunliche Muskelberge zeigen. Es gibt die Fitnessgirls, die nicht nur eine tolle Figur haben, sondern auch wahnsinnige Akrobatik und Fitness zeigen. Die Figurmädels, deren Ästhetik für mich stets ein ganz großer Traum ist. Und die großen Frauen dürfen dieses Jahr auch noch mal auftreten. Vielleicht zum letzten Mal auf der Mrs. O Bühne? Man will die Klasse gerne loswerden.
Spannend, spannend, spannend…

Fight!

Wie ich glaube auszusehen, wenn ich Gotscha spiele:

Quelle: totallygamergirl

Wie ich wirklich aussehe:
ick

Wie andere Mädels dabei aussehen:
Nemeryll

Gestern ging es für mich zum ersten Mal zum Paintballspiel ins Gelände. In mehrere Schichten Klamotten gehüllt, gepolstert und geschützt hockte, hüpfte und kniete ich im Dreck und hatte jede Menge Spaß.
platz
Noch mehr Spaß hätte es gemacht, wenn ich öfter mal getroffen hätte, aber immerhin ging mein erster Schuss ins Ziel. Aber mal selber sowas zu machen, anstatt nur einen Avatar zu steuern, der das ganze elegant und ohne Schweiß erledigt, ist mal eine echt empfehlenswerte Erfahrung. Beschlagene Schutzmasken und blaue Flecken gibts im Game nicht, und im Reallife merkt man die Knie nach zehnminütigem Hocken schon ordentlich. Also eine echte Lara Croft wird wohl nicht aus mir, aber Paintballspielen würde ich trotzdem wieder gehen. Ein echter Spaß. 😀

Nach der Anstrengung hab ich mir ein ruhiges Wochenende verdient. 😉
wochenende
Euch auch noch einen schönen Restsonntag!

Der Winter naht…

Es ist soweit, die Pfefferkuchen stehen wieder in den Regalen (und werden mit zerstörerischen Blicken liegen gelassen…noch!), auf dem Weg zum Studio ist es bereits zappenduster, und ich habe eine Kanne dampfenden Tees vor mir stehen….der Winter naht.
Die gemütliche Jahreszeit, in der die Natur langsam zur Ruhe kommt, die Eichhörnchen im Park ihren dicken, grauen Salamimantel tragen und allgemeine Faulheit eintritt.

Und mein PC wird auch herbstlich-langsam, braucht Ewigkeiten um mich von A nach B zu teleportieren. Hat er es dann mal geschafft, stecke ich zunächst für weitere Ewigkeiten im Boden fest, bis der gute, alte rafft, hoppla, da fehlt noch das Charaktermodel.
Und so gemütlich ich auch eingestimmt bin, die Altersschwäche meines PCs nervt gewaltig. So gewaltig, dass es meinen Freund erschüttert hat, unter welchen Bedinungen ich hier zocken muss…und er mir einen neuen PC bestellt hat!

Jaaaa…hier ist er!
karton

Huch, falsche Hälfte! Aber es ist wirklich toll von den Versandhäusern, dass die immer so tolles Katzenspielzeug mitschicken.
Hier ist der neue PC:
pc
Noch etwas unhandlich, aber das Zusammenbauen muss noch bis heute Abend warten.
Ich kann zwar eine Wohnung zusammenschrauben, aber den PC überlasse ich lieber meinem Freund. 😉

Und weil es so garstige Geschöpfe gibt, die so wunderbar über Single Player Rollenspiele schreiben, dass ich mich sehnlichst dorthin wünsche, habe ich bei Steam zugeschlagen und mir sämtliche Lara Croft-Teile besorgt (inklusive des neuen Teils für nur 17,99!!!) und The Witcher 1.
Der zweite Teil muss warten, sonst kommen noch die Kuckuckskleber. XD

Oh man oh man…ich kann es gar nicht abwarten.
Und für alle (Männer), die jetzt wissen wollen, was für Teile das denn bei meinem neuen PC sind. Also ich kann euch sagen…..

…dass Slaine mir jedes Teil genannt hat, dann kam bla bla besser/schneller/mehr Speicher…bla als das alte.
Super, was? Ein rundherum schnellerer Rechner!
Oh, ich kann es kaum erwarten heute Abend den On/Off-Knopf zu drücken. :))
Komm doch Winter, ich bin bereit!

Kein Stress…

Endlich war es soweit! Boote schubsen stand auf Arbeit an. Nach den bewegungsarmen letzten Wochen freute ich mich richtig darauf, wieder Vollgas zu geben und mich mal so richtig zu verausgaben.
Wenn das Herz pumpt, der Rücken knirscht und der Schweiß läuft, fühl ich mich einfach richtig lebendig und bin rundherum gut gelaunt. Da kommt mir ein Scherz nach dem anderen über die Lippen, bis alle Kollegen von meinem Übermut angesteckt worden sind.
Und dann war auch noch der Lieblingskollege da, was kann da schon schiefgehen?

Doch dann macht der Lieblingskollege Mittagspause und ich bin für eine Stunde allein mit Fritz Castaneda (Name selbstverfreilich geändert). Gemütlich kommt er angeschlurft, gibt mir die Hand, obwohl wir uns vorher schon begrüßt haben. Ich pack wieder ans Boot und zieh. Und nichts passiert…ich guck nach hinten, Fritz steht aufrecht neben dem Boot, eine Hand am Pfosten, relaxt.
„Wir haben Zeit, kein Stress.“, sagt er. Das Boot fängt über die Linie, an der alle rausschieben, ich zieh. „Keinen Stress“, kommt es von hinten…
Fritz wartet anscheinend immer, bis das grüne Licht leuchtet.
Gut, warte ich auch aufs Licht.
Und da leuchtet das Licht und ich ZIEH und hab das Gefühl, als versuche ich Berge zu versetzen.
Da wurde es schon langsam nervig.
„Warte noch, das Boot davor war voll, das schwimmt langsamer, deswegen schieben wir das später raus, wusstest du das nicht?“
Hmpf…doch, aber dann zähl ich bis zwei und schubse und warte nicht bis drei Minuten rum sind!!!
Mein Puls steigt, meine Wangen werden rot.

Ich versuche Fritz zu erklären, dass das hier mein Ausdauer-Fitness-Programm ist und ich es furchtbar langweilig finde, wenn ich alles nur halb so langsam machen muss, wie sonst, dass mir jede Minute dann wie Stunden vorkommt und die Warterei mich nervt und ich müde werde.
Aber Fritz sieht das anders, gibt mir die Schuld für zu langsam ankommende Boote und hält die Boote immer ca. fünf Sekunden länger fest. Er hält sie fest, sodass die Arbeit für mich nicht nur doppelt so schwer ist, weil er nie mitschiebt, nein, sie wird viermal so schwer, weil er das Boot auch noch festhalten muss.
Den ganzen Quatsch begründet er damit, dass er Stress nicht mag.
UND MIR SCHWILLT DIE HALSCHLAGADER!
Da krisch ich Stress!

Und ich geh zu meinen Kollegen, seh mir bettelnden Augen in die ihren und frage: Willst du mit Fritz schieben? Ein breites Grinsen scheint mir entgegen, schön und gehässig wie ein Atompilz. Ich bin wohl nicht die einzige, die Probleme mit Fritzens Arbeitsweise hat.

Und nochmal versuch ichs mit Argumenten. Ich habe ja totales Verständnis, wenn nicht jeder aus seiner Arbeit ein Fitnessprogramm machen will oder wenn er nicht genug Kraft hat oder sich schlapp fühlt. Aber etwas um jeden Preis vermeiden zu wollen kann genauso stressig sein, wie etwas unbedingt und um jeden Preis haben zu wollen.
Und bei jedem blöden Boot spüre ich für anstrengende Sekunden diesen Widerstand, der sich mir entgegenstemmt und mich meiner Kraft beraubt.

Und dann gibt etwas in mir nach.

Und ich denke: Arschloch, das Spiel können zwei spielen. Und leg meine Patschehand lose aufs Dach, rede herzlich mit den Leuten und lass Fritz alles alleine machen. Er bestimmt das Tempo, mittlerweile stauen sich die Boote hinter uns. Er bestimmt wann er rausschiebt, wann er vor und zurück läuft und ich lass ihn ganz allein machen, mein Hand nur lose am Boot.

Und dann kommt er an, was ich denn für Sport mache…Smalltalk. Die Kollegen feixen sich eins, wenn ich ihnen entgegengrinse, als wolle ich nach ihnen schnappen.
Eine Stunde, denk ich, schwatz mit den Gästen und würge Fritzens Smalltalk schnell ab.
Dann ist die Stunde endlich um und Fritz schaut mir in die Augen, gibt mir die Hand und sagt: Wir sehen uns wieder.

Und wie das erste Boot wasserpflügend in Richtung Tunnel davon gleitet, hör ich die Kollegen von hinten grinsend rufen: Da kann sie wieder lachen!

Stress ist eben für jeden was anderes…

Handwerksfrust

Abbrennen! Alles abbrennen!

Wenn ich mich bei dem Gedanken erwische, weiß ich, ich sollte besser ganz schnell was anderes suchen, denn diese Gedanken habe ich häufig, wenn ich versuche irgend eine sinnvolle Veränderung der Wohnung vorzunehmen.
In mir muss ein unbezwingbarer Enthusiast und Optimist stecken, oder ich habe schon Alsheimer, dass ich immer wieder ein solches Unternehmen allein beginne, um mir am Ende die Haare raufen und alles abreißen zu wollen.

Dabei wollte ich heute etwas Schönes machen, eine Radtour zum See, in Spaziergang im Park um Eichhörnchen aus der Hand zu füttern oder eine Stadtführung vom Bus aus. Aber dann war das Wetter grau und voller Regen und die Kratztonne mal wieder aus ihrer bisherigen Halterung gesprungen.

Dann habe ich eine Gedächtnislücke und die nächste Erinnerung zeigt mich, auf der Leiter über die Küchentür gebeugt, mit der Bohrmaschine in der Hand. Der Bohrer zieht sich durch die halbe Wand, statt einem Loch entsteht ein Spalt und egal wo ich ansetz, die Bohrung endet abrupt ca. einen Zentimeter bevor die für den Dübel benötigte Tiefe erreicht wird.
Natürlich benutze ich Steinbohrer, wie kommt es da, dass es plötzlich kein Millimeter mehr voran geht? Ist da eine Stahlplatte dahinter?

Unmöglich, schließlich habe ich mir extra einen Skil Detector 0550 zugelegt, der alle Metallplatten, Kabel und sogar Holz aufspüren kann.
Aber egal wie oft ich mit diesem Gedanken gerüstet noch versuche in die Wand hinein zu kommen, es geht nur weiter aufwärts oder abwärts, links oder rechts, aber nicht hinein!
Einen ganzen Termitenbau habe ich da hineingebohrt! Und nur ein einziger Dübel kommt tief genug hinein!
Der muss aber mit Heißkleber eingeklebt werden…in den Termitenbau. Schließlich hätte noch eine ganze Batterie solcher Dübel ringsum Platz gehabt!
Die großen Katzen haben schon vor Beginn der Bauarbeiten mit schreckgeweiteten Augen das Schlachtfeld verlassen. Nur die Kleine tut völlig ahnungslos, kaut gedankenverloren an meinen Dübeln, während ich, im Schweiße meines Angesichts, darüber nachdenke, ob Nägel mir wohl zu einer Art grimmiger Zufriedenheit, man könnte es Rache nennen, verhelfen würden. Aber dann legt sich die Kleine direkt neben mir schlafen und ich kann nicht anders, als mich zu erinnern, wofür ich das mache.
curry während handwerksarbeiten

Für mein altes Ossiherz natürlich, das nichts verschwenden kann und das ständig an den kleinen Kasten denkt, der lange Zeit ein ungeliebter Minikratzbaum war und jetzt nicht einmal mehr dafür gut ist.
Der is dor noch gud! Der muss an die Wand!

Also wende ich mich der Rigipswand zu und versenke ohne Probleme zwei Gipsspreizdübel sauber und ordentlich in der Wand, schraube die Winkel fest, stell die „Hütte“ drauf. Die will nach vorn wegkippen, aber auch das löse ich mit Engelsgeduld. Dann noch zur Sicherheit eine Metalleiste zwischen „Hütte“ und Brett, nun hält alles bombenfest.
Der Beweis:
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Wenn es Kloppsi aushält, hält es alles aus.
Der hat sich übrigens freiwillig und ohne mein Zutun als Testperson gemeldet. 🙂
Danach kam er mir auf dem Kratzbaum entgegen und hat so geschmust und geschnurrt, als wolle er sich persönlich bedanken. Hach….
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Derart ermutigt ging es also an die Kratztonnen, die nun mittels Drahtseil befestigt werden sollen. Natürlich wieder in der Rigipswand. Was sonst. Man zieht in einen Altbau und stellt fest, dass die gesamte Wohnung nur eine einzige massive Wand enthält. Und zwar mitten in der Wohnung, nicht etwa zum Nachbarn hin.

So sollen die Dübel aussehen. Dazu bohrt man mit einem 10er Bohrer ein Loch in die Wand (am besten ohne am hohlen Ende mit vollem Gewicht auf die Wand zu fallen, natürlich mit der Haarspange voran, worauf dieser alle Zacken abbrechen und man glaubt, diese erst aus der Schädeldecke herausziehen zu müssen).
Dann steckt man den Dübel rein, hämmert ihn fest, schraubt die Schraube ca. 6mm heraus, setzt die 20 Euro teure und zu sonst nichts gute Zange an, spannt diese Zange und mit etwas Glück spannt man damit den Dübel auf und hebelt nicht aus Versehen eben jenen unsäglichen wieder aus der Wand!
Total einfach!
Und es geht so leicht…so leicht, das man nie weiß, ob der Dübel bereits voll gespannt ist oder ob man seine gesamte Körperkraft gerade dazu einsetzt, den Dübel aus dem Rigips herauszubrechen.
Der Verkäufer im Obi sagte, man höre das Einrasten. Alles was ich höre, sind meine knirschenden Zähne. Oder den knirschenden Gips, der ankündigt, dass mir da gerade ein 3cm großer Radius Rigips rausgebrochen ist.

Dann kommt ein ganz spannender Moment. Passen die Schrauben der Drahthaltevorrichtung in die blöden Gipsdübel? Das wäre ja sowas von einem Zufall!
Und was soll ich sagen, ein Gott hat Erbarmen und die blöden Schrauben passen.
Jetzt nur noch anziehen…Ritsch!%&$§“!!
Oh…beim Andrehen der Schraube gibt der Dübel nach und dreht sich in der Gipswand mit!

Vier scheißteure Dübel für zwei Schrauben habe ich gebraucht. Und selbst jetzt hängt einer schon einen Millimeter zu weit raus, weil ich ihn anziehen wollte.
Beim Versuch die Kabelschrauben anzuziehen, ist mir das halbe Kabel in den Daumen gefahren. Dann geht eine blöde Kabelschraube trotzdem noch ab.
Aber kurz bevor ist vorm kritischen Meltdown bin, ist alles irgendwie in der Wand und Curry hüpft vom Brett auf die Kratztonne und sagt damit: Das hält, lass es gut sein.
tonnenbefestigung

Habt ihr auch so schöne Erfahrungen gemacht? Oder lasst ihr gleich ganz die Finger davon?