Bist du glücklich?

…fragt mein Freund mich vorsichtig. Er meint, wie ich mit der Situation um die neue Katze zurecht komme.
Es ist zwar schade, dass die Kleine jetzt erstmal größtenteils in Quarantäne muss und dass ihr erster Tag so stressig ablief. Es ist auch keine schöne Vorstellung so viel Gewimmel in ihrem Fell zu wissen.
Aber die Kleine ist so ein Sonnenschein. Sie ist nicht gern allein, erkundet neugierig ihre Umgebung und lässt sich auch vom schüchternen Fauchen unserer Großen nicht entmutigen.
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Als sie heute kurz auf Küchenerkundungsgang war, habe ich ihr Zimmer gesaugt. Ziemlicher Krach, trotz verschlossener Tür. Als ich sie direkt im Anschluss suchte, sah ich sie nicht. Also rief ich ihren Namen (den sie ja erst seit gestern hat) und sie antwortete mir und kam unterm Küchenregal hervor auf mich zu gerannt, Schwänzchen zum Spazierstock aufgerichtet.
Da geht einem das Mutterherz auf.
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Und die Großen?
Da wir die Kleine fast die ganze Zeit in Quarantäne haben, haben sie kaum Gelegenheit zum Kontakt. Da beide ebenfalls ihre Portion Flohmittel abbekommen haben, geht es bei der Quarantäne eher darum, nicht die ganze Wohnung mit den Flöhen der Kleinen zu versorgen, sondern den Raum relativ klein zu halten.
Aber die beiden Großen verhalten sich sooo putzig!
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Sie sind sichtlich verunsichert, haben geradezu Angst vor der Kleinen. Immer wieder nähern sie sich tänzelnd dem Raum, als wäre nichts. Aber sobald die Kleine auftaucht, weichen sie zurück und fauchen ganz leise oder erzählen was.
Die Art zu erzählen kenne ich bereits. Wenn eine Fliege so hoch an der Decke sitzt, dass sie nicht heran kommen können, dann erzählen sie mir, wie frustrierend das ist. Und genauso erzählen sie jetzt von ihrer Frustration über ihre Verunsicherung. Wie soll man mit so einem neuen Fellknäuel umgehen? Was macht man da?
Noch hat hier keine einer anderen eine gelangt, es bleibt beim Annähern, Beobachten, Zurückweichen.
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Aber wir Herrchen bekommen die Unsicherheit köstlich zu spüren, weil man sich immer wieder bei uns mit Schmuseeinheiten versichert, dass alles okay ist.
So ist der Tag wunderbar ausgefüllt mit Schmusen, Spielen und Kuscheln.

Le me happy. ❤

Das Nebenzimmer als erste Erkundungszone zu nehmen ist nicht nur wegen der Quarantäne eine gute Entscheidung gewesen. Da wir uns seltener dort aufhalten, haben die Großen diesen Raum nie so intensiv in Beschlag genommen. Ist der Rest der Wohnung strikt unter den Großen aufgeteilt (Klopsis Stuhl, Schrankfläche, Fressplatz, Floppsis Krähennester im Kratzbaum, Liegeplatz hinter meiner Tastatur…usw.), so war das Nebenzimmer bisher immer egal. Dadurch ist die Kleine in einer Grauzone gut aufgehoben. Neutraler Boden, perfekt um sich zu begegnen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. 🙂

Die bisherige Halterin habe ich auch angeschrieben. In der Tierklinik meinte die Schwester mit leicht erhobenem Zeigefingertonfall, man soll sowas nicht unterstützen, denn so niedlich die Tiere auch sind und so leid sie einem tun, man sorgt nur dafür, dass noch viele Tiere nach ihnen deren Schicksal teilen werden.
Recht hat sie und trotzdem hätte ich das kleine Flohmädchen auch mitgenommen, wenn ich von den Flöhen gewusst hätte, denn die Kleine ist einfach zuuu süüüß. Und trotz der Flöhe ist sie die bestsozialisierte Katze hier im Areal.
Unser Floppsi ist ein Findelkind, abgehungert, völlig entkräftet und viel zu klein für sein Alter, wurde er in einem Garten gefunden. Er war höchstens 8 Wochen alt und somit viel zu jung, um von der Mutter getrennt ums Überleben zu kämpfen. Die ersten Wochen merkt man ihm bis heute an.
Und Kloppsi wollten wir extra älter haben, weil ich um die Priorität der ersten Wochen in der Sozialisation einer Katze weiß. Als Kloppsi uns dann gebracht wurde, erwähnte die Halterin in einem Nebensatz, dass er hier wohl schon 1-2 Wochen allein und von der Mutter getrennt gehalten wurde. Und auch Kloppsi merkt man seine ersten Wochen an.
Von dem Standpunkt aus ist die Kleine der besterzogenste Banause von allen, denn ihre prägende erste Sozialisation ist abgeschlossen. Sie kennt keine Panik, ist neugierig, geht auf unsere Großen zu und ist rundherum voller Urvertrauen.

Ich habe mich gegen wütenden Protest und für einen freundschaftlichen Ton in der Nachricht an die Halterin entschieden, weil ich denke, dass ich nicht mein Gemüt an ihr kühlen will, sondern eher eine Verbesserung für die verbliebenen Katzen erhoffe.
Also dankte ich ihr erstmal für dieses wunderbar sozialisierte Kätzchen, dass so zutraulich und wohlerzogen ist.
Ich sagte ihr, was ich für eine Freude an dem Wonneproppen habe.
Aber ich schrieb auch, dass sie mehr Mitbewohner hat, als sie ahne.
Ich schickte ihr ein Bild mit all den toten Flöhen, die ich heute morgen um die Kleine herum aufgesammelt habe und schrieb, dass die alle tot sind, dank der Flohmittelbehandlung, bei der wenige Tropfen, in den Nacken geträufelt, helfen.

Eine Antwort habe ich gar nicht erwartet, schließlich haben Flöhe etwas asoziales an sich und keiner will damit konfrontiert werden, dass er sowas an seinen Kätzchen nicht bemerkt und die ganze Wohnung damit bevölkert ist.
Aber sie hat geantwortet und sich entschuldigt. Es sei ihr gar nicht aufgefallen und sie werde ihre anderen Katzen untersuchen lassen. Falls sie das macht, hab ich alles erreicht, was ich wollte.

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