Handwerksfrust

Abbrennen! Alles abbrennen!

Wenn ich mich bei dem Gedanken erwische, weiß ich, ich sollte besser ganz schnell was anderes suchen, denn diese Gedanken habe ich häufig, wenn ich versuche irgend eine sinnvolle Veränderung der Wohnung vorzunehmen.
In mir muss ein unbezwingbarer Enthusiast und Optimist stecken, oder ich habe schon Alsheimer, dass ich immer wieder ein solches Unternehmen allein beginne, um mir am Ende die Haare raufen und alles abreißen zu wollen.

Dabei wollte ich heute etwas Schönes machen, eine Radtour zum See, in Spaziergang im Park um Eichhörnchen aus der Hand zu füttern oder eine Stadtführung vom Bus aus. Aber dann war das Wetter grau und voller Regen und die Kratztonne mal wieder aus ihrer bisherigen Halterung gesprungen.

Dann habe ich eine Gedächtnislücke und die nächste Erinnerung zeigt mich, auf der Leiter über die Küchentür gebeugt, mit der Bohrmaschine in der Hand. Der Bohrer zieht sich durch die halbe Wand, statt einem Loch entsteht ein Spalt und egal wo ich ansetz, die Bohrung endet abrupt ca. einen Zentimeter bevor die für den Dübel benötigte Tiefe erreicht wird.
Natürlich benutze ich Steinbohrer, wie kommt es da, dass es plötzlich kein Millimeter mehr voran geht? Ist da eine Stahlplatte dahinter?

Unmöglich, schließlich habe ich mir extra einen Skil Detector 0550 zugelegt, der alle Metallplatten, Kabel und sogar Holz aufspüren kann.
Aber egal wie oft ich mit diesem Gedanken gerüstet noch versuche in die Wand hinein zu kommen, es geht nur weiter aufwärts oder abwärts, links oder rechts, aber nicht hinein!
Einen ganzen Termitenbau habe ich da hineingebohrt! Und nur ein einziger Dübel kommt tief genug hinein!
Der muss aber mit Heißkleber eingeklebt werden…in den Termitenbau. Schließlich hätte noch eine ganze Batterie solcher Dübel ringsum Platz gehabt!
Die großen Katzen haben schon vor Beginn der Bauarbeiten mit schreckgeweiteten Augen das Schlachtfeld verlassen. Nur die Kleine tut völlig ahnungslos, kaut gedankenverloren an meinen Dübeln, während ich, im Schweiße meines Angesichts, darüber nachdenke, ob Nägel mir wohl zu einer Art grimmiger Zufriedenheit, man könnte es Rache nennen, verhelfen würden. Aber dann legt sich die Kleine direkt neben mir schlafen und ich kann nicht anders, als mich zu erinnern, wofür ich das mache.
curry während handwerksarbeiten

Für mein altes Ossiherz natürlich, das nichts verschwenden kann und das ständig an den kleinen Kasten denkt, der lange Zeit ein ungeliebter Minikratzbaum war und jetzt nicht einmal mehr dafür gut ist.
Der is dor noch gud! Der muss an die Wand!

Also wende ich mich der Rigipswand zu und versenke ohne Probleme zwei Gipsspreizdübel sauber und ordentlich in der Wand, schraube die Winkel fest, stell die „Hütte“ drauf. Die will nach vorn wegkippen, aber auch das löse ich mit Engelsgeduld. Dann noch zur Sicherheit eine Metalleiste zwischen „Hütte“ und Brett, nun hält alles bombenfest.
Der Beweis:
hütte2
Wenn es Kloppsi aushält, hält es alles aus.
Der hat sich übrigens freiwillig und ohne mein Zutun als Testperson gemeldet. 🙂
Danach kam er mir auf dem Kratzbaum entgegen und hat so geschmust und geschnurrt, als wolle er sich persönlich bedanken. Hach….
hütte1

Derart ermutigt ging es also an die Kratztonnen, die nun mittels Drahtseil befestigt werden sollen. Natürlich wieder in der Rigipswand. Was sonst. Man zieht in einen Altbau und stellt fest, dass die gesamte Wohnung nur eine einzige massive Wand enthält. Und zwar mitten in der Wohnung, nicht etwa zum Nachbarn hin.

So sollen die Dübel aussehen. Dazu bohrt man mit einem 10er Bohrer ein Loch in die Wand (am besten ohne am hohlen Ende mit vollem Gewicht auf die Wand zu fallen, natürlich mit der Haarspange voran, worauf dieser alle Zacken abbrechen und man glaubt, diese erst aus der Schädeldecke herausziehen zu müssen).
Dann steckt man den Dübel rein, hämmert ihn fest, schraubt die Schraube ca. 6mm heraus, setzt die 20 Euro teure und zu sonst nichts gute Zange an, spannt diese Zange und mit etwas Glück spannt man damit den Dübel auf und hebelt nicht aus Versehen eben jenen unsäglichen wieder aus der Wand!
Total einfach!
Und es geht so leicht…so leicht, das man nie weiß, ob der Dübel bereits voll gespannt ist oder ob man seine gesamte Körperkraft gerade dazu einsetzt, den Dübel aus dem Rigips herauszubrechen.
Der Verkäufer im Obi sagte, man höre das Einrasten. Alles was ich höre, sind meine knirschenden Zähne. Oder den knirschenden Gips, der ankündigt, dass mir da gerade ein 3cm großer Radius Rigips rausgebrochen ist.

Dann kommt ein ganz spannender Moment. Passen die Schrauben der Drahthaltevorrichtung in die blöden Gipsdübel? Das wäre ja sowas von einem Zufall!
Und was soll ich sagen, ein Gott hat Erbarmen und die blöden Schrauben passen.
Jetzt nur noch anziehen…Ritsch!%&$§“!!
Oh…beim Andrehen der Schraube gibt der Dübel nach und dreht sich in der Gipswand mit!

Vier scheißteure Dübel für zwei Schrauben habe ich gebraucht. Und selbst jetzt hängt einer schon einen Millimeter zu weit raus, weil ich ihn anziehen wollte.
Beim Versuch die Kabelschrauben anzuziehen, ist mir das halbe Kabel in den Daumen gefahren. Dann geht eine blöde Kabelschraube trotzdem noch ab.
Aber kurz bevor ist vorm kritischen Meltdown bin, ist alles irgendwie in der Wand und Curry hüpft vom Brett auf die Kratztonne und sagt damit: Das hält, lass es gut sein.
tonnenbefestigung

Habt ihr auch so schöne Erfahrungen gemacht? Oder lasst ihr gleich ganz die Finger davon?

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11 Kommentare zu “Handwerksfrust

  1. Also ehrlich: Respekt! Finds immer wieder bewundernswert, dass du sowas kannst und dir dabei nicht aus Versehen ins Auge bohrst, was immer meine Befürchtung ist, wenn ich sowas in die Hand nehme. 😉
    Ich trau mich an so was absolut nicht ran und flenne dann hilflos nach (vornehmlich) männlichen, helfenden Händen. Gott sei Dank ist mein Freund Handwerker, sonst hätte ich schon mein ganzes, mikriges Vermögen in bezahlte Fachkräfte investiert (oder dich heulend angerufen :-D). Aber ich kann Glühbirnen wechseln. Ja, und darauf bin ich stolz! -.-

    • Na du hast ja auch einen Handwerker. Da würde ich auch lieber zuschauen, als selbst Hand an zu legen. Aber mir bleibt nix anderes übrig, da Slaine ja leider noch weniger Ahnung und Geduld hat. ^^

  2. Super!! Nein, ich mache sowas nicht, ich bin zwar handwerklich auch ganz ok, aber in den letzten 10 Jahren waren solche Arbeiten nicht nötig. 😀 Jetzt baue ich nur noch Legoautos – wenn der kleinere Kerl im Haus es so möchte 🙂

  3. Wow, also an sowas wie Bohren traue ich mich nicht ran, nur 1-2 mal versucht..eher mit schiefem Erfolg….
    Doch ich bin echt froh, dass die Kater kein Interesse am Internet haben, sonst wäre das Gemauze nach ‚Auch haben wollen‘ nicht auszuhalten ;-p

  4. Sei froh, bei dir gehen so Dinger in die Wand. Ich habe viele Wände in der Wohnung, in die erst gar nichts geht. Da kommt Freude auf. BIld anbringen? Nope, da hält nicht einmal ein schlichter Nagel. 😉
    Männer ohne Geduld bei handwerklichen Dingen … kommt mir bekannt vor. Mein Freund bekommt schon die Krise, wenn der Aufbau eines Schrankes nicht auf Anhieb klappt. Den Rest muss ich dann meist allein machen, da er vor lauter Wut sonst eher noch das Ding zerdreschen würde. 😉

    • Hehe, das gibts öfter, als man denkt. Ich hab einige Bekannte, wo die Frau schnell alles macht, bevor der Mann nach Hause kommt, weil es sonst viel stressiger wird. XD
      Aber Wände in denen kein Nagel hält kenn ich aus anderen Wohnungen auch nur zu gut. Das frustriert total, dann lieber Gips. 😉

    • Minikatze. XD
      Seit die Kleine hier ist, ist es hier endlich ein so schönes Miteinander und solche Harmonie, wie ich mir sie immer gewünscht habe.
      Wenn man zwei distanzierte Kater hat, hat man vorher ne Menge angst, ob es mit einer dritten besser wird, aber Curry passt perfekt hier rein, schmust, kuschelt und spielt mit den großen, dass alle angesteckt werden. Einfach wundervoll. Da bringt man gerne neuen Schwung in die alten Wände. 😀

      • Wenn ich das so sehe und lese, hätte ich auch gerne wieder eine Katze *seufz*.
        Vielleicht kann die Kleine den beiden Herren noch eine Menge beibringen 🙂

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