Gib mir die Rotation, baby!

Lange Zeit war ich oft unzufrieden mit meinen Haaren. Ich wollte immer ganz anders aussehen, als der Spiegel mich zeigte. In den letzten Monaten dagegen war ich plötzlich zufrieden. Meine Haare langen nicht etwa besser oder waren mal nicht die pusteblumenartigen Anarchisten, die sie nun einmal sind. Nein, ich war einfach irgendwie mit mir insgesamt zufriedener und meinen Haaren kam nicht mehr diese große Rolle zu.

Wenn da nicht die Ansätze wären…erst nur leicht, bald aber ziemlich deutlich brachen sie mein Haarbild auf, als hätte mir jemand eine Schaufel voll Matsch aufs Haupt geklatscht.
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Und so kam es, wie es kommen musste, ich meldete mich bei Wella an.
In Leipzig zu leben hat nämlich den großen Vorteil, dass hier eines von wenigen Fortbildungsstudios für Friseure ist, eben das von Wella. Alles, was man braucht, ist Zeit und eine gewisse Offenheit für Neues.
Man bezahlt nichts, alle Pflegemittel, Farben etc. sind kostenlos und werden geradezu verschwenderisch gebraucht. Man erhält eine ausführliche Haaranalyse, die Wünsche werden ausführlich besprochen und es wird viel experimentiert. Dabei wird nicht an Komplimenten gespart.

Vorher sah es so aus:
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Heute hatte ich gleich drei Friseusen (Wie heißt das jetzt politisch korrekt?), die schon länger in dem Beruf arbeiten, richtige Profis also. Die waren ganz wild auf eine neue Strähnchentechnik.

„Rotations! Mit Coleston! Da machen wir hier und hier die Windmühlenflügel und mischen eine 9.1.1 mit einer 8.6. 6% würde ich sagen. Und in die Strähnchen nehmen wir alles, was wir an wilden Farben in der Palette finden.“

Wer kann bei so einem Feuereifer schon widerstehen? Ich nicht. Bei der Vorstellung hörte ich aus dem Nebenraum schon, wie ein paar Friseure nach grünen oder lilafarbenen Haaren fragten. Mein altes Ich wollte schon mit den Armen rudernd auf die Bühne rennen. Aber dann bekam es eine schallende Ohrfeige von meinem jetzigen Ich, das grummelnd meinte: Weißte, wie das nach ein paar Wochen aussieht? Wer soll das denn frisch halten?
Und so verging die Gefahr und ich sagte doch nur mein braves Sprüchlein von wegen Strähnchen, weil ich nicht dauernd die Ansätze neu machen lassen will.
Als die Damen dann so stürmisch meinen neuen Schopf beratschlagten, hörte sich „alles Wilde aus der Palette“ dann aber doch gut an.
Der Coach war damit einverstanden. (Notiz am Rande, bei dickem rot-eitrigem Pickel auf der Brust, sollte man von Brustdekolletee doch Abstand nehmen. Da hilft alle Männlichkeit nix!)

Und da kullerten auch schon die ersten Komplimente. Meine immerschlaffen Fransen wurden zu Prinzessinnenhaar. Mein Hautbild sei toll und wirke super mit den Kontrasten (Augenbrauen und Brille). Nun müsse ich nur meine Stärken noch mit den perfekten Farben und dem passenden Haarschnitt zum Leuchten bringen. Kühle Farben müssen rein, weil ich ein kühler Typ bin! Das Gelb lasse mich verschwinden. Und drunter muss es dunkler werden, um meinen feinen Haaren mehr Kontur zu verleihen.
Und dann wurde mit Fachbegriffen jongliert, dass einem nur so die Haare flattern. Zack, zack, zu zweit alles aufgetragen, sah es dann so aus:
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Isse nicht schick? Man kann schon erkennen, dass da ein Braunton mit drin ist und zwei verschiedene Lilatöne. Insgesamt vier Farben. Bei einem echten Friseur wäre das allein schon ziemlich teuer. Aber die Mädels hatten echt ihren Spaß an mir.

Als ich meinte, meine Haare seien so schwer zu frisieren, stieß ich zum ersten Mal auf eine Friseuse, die mein Haar wirklich richtig kennt.
„Frisieren? Das geht gar nicht. Dein Haar kann man nicht frisieren. Da muss der richtige Schnitt rein und dann fallen die von alleine. So muss das sein. Dein Haar ist so toll, das glänzt immer! Aber es muss gut geschnitten sein, denn frisieren lässt es sich nicht.

Man, das hab ich so vielen Friseuren versucht zu erklären. Und mich dann immer wie ein Idiot gefühlt, weil ichs anscheinend nur nicht richtig frisieren kann. Und dann kommt diese Dame und spricht mir endlich mal aus der Seele. Hach…und natürlich weiß sie auch, wie man mein Haar richtig schneiden muss.
Und weil die Damen so viel Spaß mit mir hatten, wurde auch gleich das eigene Schminkzeug ausgepackt und ich bekam noch ein Make-Up!. Die Riesenglitzer im Lidschatten sind mir zwar auf meine 32jährigen Augen etwas too much, aber sonst…dufte! Fertig sah es so aus:
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Und im Kaufland wurde ich gerade ernsthaft nach dem Ausweis gefragt! Das ist mir bestimmt seit über zehn Jahren nicht mehr passiert. Vielleicht sollte ich meine Falten öfter wegglittern.
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Als allererstes musste ich mir aber natürlich wieder ein Haarspange kaufen, denn dass mein Pony so im Gesicht rum wedelt geht nunmal gar nicht. Typ hin oder her. ;D
Für mich wars heute auf jeden Fall wieder sehr interessant und entspannend.

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*Klingelingeling*

Nein, ein blöderer Titel ist mir wirklich nicht eingefallen, um die beknackte deutsche Benennung einer wirklich tollen Buchreihe einzuleiten.
Es geht um die Klingenreihe von Joe Abercrombie.

Wobei ich bis jetzt nur die ersten drei Bände vertilgt habe:

  1. Kriegsklingen
  2. Feuerklingen
  3. Königsklingen

Und da kommen wir auch zum größten Makel der (deutschen) Reihe: Die Benennung der einzelnen Bände. Wäre mir die Reihe nicht wärmstens empfohlen worden, hätte ich bei so nichtssagenden Titeln nicht einmal auf die Rückseite geschaut, versprechen die Titel doch eher, dass es um irgendeine unsinnige Tradition rings um Schwerter geht. Irgendwelche heiligen Schwerter die gefunden werden müssen, hätte ich mir da vorgestellt.

Weit gefehlt!
Wie häufig bei Fantasy geht es um Länder, die miteinander im Krieg liegen. Soweit nichts Neues. Statt nun Vertreter der einzelnen Länder kennenzulernen, sind die Protagonisten sich in Bezug auf die Seite, auf der sie stehen, eigentlich einig. Alle sind aus unterschiedlichen Gründen für den Sieg der Union. Aber auf derselben Seite zu stehen, heißt nicht, zusammen zu kämpfen und sich zu verstehen. Viel zu verstrickt ist ist das Gebilde aus Lüge, Verrat, Machtränken und gesellschaftlichen Ständen.
Die englischen Titel sind da vielsagender: „The blade itself“ Das kann eine Waffe, aber auch ein Mensch sein…wahrscheinlich ist dadurch jemand auf die umwerfende Idee gekommen, alle Bände „*klingen“ zu nennen, um klar zu machen, dass es sich um eine Reihe handelt, auch wenn Titel und Inhalt dann nichts mehr miteinander gemein haben. „Before they are hanged“ hätte mich jedenfalls weit mehr angesprochen, als „Feuerklingen“ und auch „Last argument of kings“ klingt verheißungsvoller als „Königsklingen“.

Und nun kommt das Eigentliche: Die Charaktere!
Oft läuft Fantasy ja nach dem Schema: Kleiner Junge stößt auf Abenteurer, überlebt das ausweglos Erscheinende unbeschadet und reift an den Herausforderungen. Abercrombie aber hat eine Schwäche für Veteranen. Für die alten Krieger, die den Krieg schon kennengelernt haben und Wunden davon getragen haben, die niemals heilen.
Zu der Kategorie zählt „Sand dan Glokta“
Einst schillernder Kriegsoffizier von eldem Geblüt, Weiber lagen ihm zu Füßen und die Männer folgten ihm in jede Schlacht. Bis er sein Schicksal einmal zu oft herausforderte, in Kriegsgefangenschaft geriet und drei Jahre lang gefoltert wurde, bevor er endlich befreit werden konnte.
Nun ist er ein Krüppel, eine schreckliche Mahnung für alle jungen Heißsporne, die glauben, im Krieg gäbe es nur Ehre zu gewinnen. Seine obere Zahnreihe ist zertrümmert, leeres Zahnfleisch mit ein paar Zahnruinen darin. Sein eines Bein ist gelähmt, schmerzt dabei aber höllisch. Wer dabei an Dr. House denken muss, trifft den Nagel auf den Kopf. Zu gebrauchen ist es nicht, die Schmerzen sind die Hölle, aber ohne wäre man einer weiteren Stütze beraubt und überhaupt sieht man hinkend noch weniger nach Krüppel aus, als mit nur einem Bein.
Bei der Armee ist kein Platz für einen Krüppel und wer sonst könnte ihn noch brauchen?
Richtig, die Inquisition! Hier eine staatliche Einrichtung zum Schutze des Königs, die Menschen verhört, Komplotte gegen die Krone aufdeckt und nebenher immer irgendwen zum Foltern in den Kellern hat.
So wird aus dem Gefolterten ein Folterknecht…einer der härtesten.

„Ich kenne das Gefühl“, sagte Glokta, der gequält dreinblickte, während er die eigenen Stiefel hin und her bewegte. „Ich kenne es, wirklich und wahrhaftig, und ich fühle mit ihnen. Erst der blendende Blitz des Schmerzes, dann kriecht die Übelkeit und schwindelerregende Schwäche des zerschmetterten Knochens im Körper hoch, danach beginnt das Bein langsam zu pochen, und der Schmerz zieht das Wasser aus den Augen und lässt den ganzen Körper erzittern.“ Langfuß keuchte und winselte, Tränen glitzerten auf seinen Wangen. „Und was kommt danach? Wochenlanges Humpeln? Monatelanges verkrüppeltes Hinken? Und wenn der nächste Schlag ihren Knöchel trifft?“ Glokta tippte mit der Seite des Hammerkopfes gegen Langfuß‘ Schienbein. „Oder gleich direkt die Kniescheibe, was dann? Werden sie je wieder gehen können? Ich kenne diese Empfindung gut, das können sie mir glauben.“ Wie kann es dann sein, dass ich sie jetzt anderen Menschen zufüge? Er zuckte mit den verdrehten Schultern. Das Leben ist voller Geheimnisse. Königsklingen S. 215

Wer glaubt, dass sojemand nur unsympathisch sein kann, der irrt.

Zu dieser Kategorie zählt auch „Logen Neunfinger“
Berüchtigter Häuptling der Nordmänner, Schrecken aller Krieger, selbst unter den eigenen Leuten. Er hat alles, was man zu einem Anführer braucht: Klugheit, List, Eiseskälte, für seine Statur überraschende Gewandtheit, Kraft und Geschick mit allen Waffen.
Und noch mehr steckt ihn ihm, eine dunkle Seite, die in aussichtslosen Lagen stets sein Leben rettete: Der Blutige Neuner…für ihn ist alles Einerlei..Freund, Fein, alles in seiner Reichweite fällt seinen Waffen zum Opfer, seinen Händen, seinem Blutdurst. Der Blutige Neuner ist der Schrecken jeder Schlacht.
Und mit den Jahren auch Logens Schrecken. Wie viele Gräueltaten hat der Blutige Neuner vollbracht, wie viele gute Leute hat er umgebracht. Und auf jeden dieser Leute kommt eine ganze Schar von Anhängern, die nun seine Feinde sind.

„Man kann nie genug Messer haben, hatte sein Vater ihm gesagt. Es sei denn, dass sie alle auf dich zeigen und in den Händen von Menschen liegen, die dich nicht sehr mögen.“ Königsklingen S. 196

In diese Kategorie gehört auch „Collem West“, ein Bürgerlicher, der im Krieg so viel Ruhm errungen hat, dass er zum Oberst aufgestiegen ist. Sehr zum Missfallen seiner Adligen Kollegen. Aber Collem West hat den Krieg immer dem Zuhause vorgezogen, wo sein trunksüchtiger Vater wütete. Vor dieser Schlacht ist er geflohen und hat seine Schwester in diesem Schlachtfeld zurückgelassen. Das Gefühl schwerer Schuld lastet auf ihm und so wird er zerrieben, zwischen arroganten Adligen und der eigenen Schwester.

Es gibt noch mehr solcher Charaktere, alles Gezeichnete auf ihre Art und Weise und alle schlagen sich durchs Leben, klammern sich an ein paar Prinzipien und geben der ganzen Geschichte ein sehr menschliches Gesicht voller Abgründe. Schwarzer Humor vom Feinsten ist garantiert. 😉

Kettenliebe

Warnung: Dieser Post enthält hysterisch-euphorische Sprachmittel, bedient sich poetischer Ausdrücke in völlig unpassendem Kontext und zeugt auch sonst von übersteigerter Begeisterung.
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Letzte Woche berichtete ich bereits von den neuen Ketten im McFit und der damit verbundenen neuen Belastung für meine Muskulatur.

Seitdem konnte ich es kaum erwarten, wieder an die Ketten gehen zu können.
Und heute war es soweit! Oh edles Geschmeide, sanft wogende Glieder, wie konnte ich es nur eine Woche ohne euch aushalten? Euer sinnliches Rasseln klingt in meinen Ohren schöner als Vogelgezwitscher am ersten milden Frühlingstag.

Kaum eine Woche da und schon gab es das erste Modding. Zwei Haken lassen die Länge nun beliebig variieren. Dadurch kann man das Gewicht weiter verändern. Aufgewärmt habe ich mit bloßen, ausgehängten Ketten, dabei liegt ein beträchtlicher teil der Kette auf dem Boden.
Im Gewicht der Kette habe ich mich übrigens vertan, eine Kette wiegt wohl ca. 12kg. Drei Glieder ungefähr ein Kilo.

Schon beim Aufwärmen spürte ich wieder, dass die Belastung sich ganz anders anfühlt. Die Ketten schwingen leicht, sodass man mehr stabilisieren muss und durch die steigende Belastung bei steigender Bewegung wird das Gehirn, dass leichtere Führung erwartet, ausgetrickst und muss alles neu koordinieren.
Wie bereits geschrieben wird dadurch automatisch die Konzentration, die erforderliche Kraft und die Länge der Kraftanstrengung erhöht.
Und im unteren Bewegungsbereich, also nah über der Brust, wo der Muskel am stärksten zu kämpfen hat, wird es leichter. Dadurch kann ich leichter den vollen Bewegungsradius nutzen und lass die Hantel richtig tief ab, habe aber volle Kontrolle über das Gewicht, was die Belastung für all die kleinen beteiligten Muskelfasern verringert.

Beim ersten richtigen Arbeitssatz ließ ich die Kette in der Ausgangsposition frei schweben. Ich hatte noch immer kein Gewicht hinzugefügt, nur die bloßen Ketten. Was ich dabei vergessen habe ist, dass die erste Bewegung beim Rausheben ja Richtung Füße verläuft. Schwebt die Kette dabei frei, pendelt sie dann erstmal wild hin und her. Ich sah nur meine Fäuste wie wild vibrieren und war froh, dass ich kein Extragewicht dranhängen hatte, ich hätte die Hantel sonst nur schwer halten können.

Also ließ ich sie noch ein Stück tiefer hängen, sodass sie auch beim Rausheben knapp den Boden berührt. Nun kamen aber Scheiben hinzu. Ich nahm zwar weniger Gewicht, als in der Woche davor, aber da die Kette nun schwerer wog, müsste es ungefähr aufs selbe rauskommen. In Ausgangsstellung dürften es ca. 55kg Arbeitsgewicht gewesen sein, in der untersten Position ca. 51kg.

Wer hier länger mitliest, der weiß, dass es mir weniger auf Gewicht als vielmehr auf das Gefühl im Muskel ankommt. Ich erlebe oft, dass ich eine Wiederholung nicht zu Ende führen kann, weil irgendwo die Kraft fehlt, ohne, dass ich näher bestimmen könnte, welcher Muskel da aufgegeben hat. Auch fühle ich nach solchen Sätzen oft keine Erschöpfung in dem Sinne, dass ich glaube, nach zwei Atemzügen nicht noch ein paar Wiederholungen bewältigen zu können.
Oder anders gesagt: Ich habe oft nicht das Gefühl, wirklich Kontrolle über die Muskelaktivität zu haben und diese wirklich mental ansteuern zu können. Es fühlt sich eher an, als mache man eine Faust. Es passiert einfach, auf ein nicht spürbares Signal hin, ohne, dass man sagen könnte, wie es passiert.

Durch die länger anhaltende und sich ständig verändernde Belastung habe ich heute einen Grad an Konzentration und Kontrolle erlangt, der mich einfach nur geflasht hat. Ich hätte Jubeln und laute Urschreie ausstoßen mögen, so glücklich war ich. Es fühlte sich alles einfach nur richtig an.
Richtig intensiv.
Richtig kontrolliert.
Richtig bewusst empfunden.
Richtig hardcore.
Ich kämpfte in jeder Wiederholung um jedes hängende Kettenglied.
Meine Brustmuskulatur bekam einen richtigen Pump und bei der zweiten Übung, dem Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln, zitterte die Muskulatur vorm Satz.
Verdammt noch mal, ich konnte die ganze Brustmuskulatur spüren, die ganzen pulsierenden, prallen Muskel. Und das war ein verdammt schönes Gefühl.
Das war ein so gutes Gefühl, dass ich selbst in der zweiten Übung alle bisherigen Rekorde durchbrochen habe.
Drei Sätze mit zwei 20kg Kurzhanteln habe ich bewältigt, hab in jedem Satz allein das Gewicht umgesetzt, rausgedrückt und richtig tief abgelassen. Und die Wiederholungszahlen! 11-8-9!
Aber vor allem das Gefühl…diese Kontrolle!
Vor jedem Satz dachte ich, die erste Wiederholung, wenn die Hantel an der Brust zu kleben scheint, nicht allein rausgedrückt zu bekommen. Letzte Woche war es so! Da ging gar nichts mehr.
Aber heute ging alles. Kurz überlegte ich sogar, die 22,5kg Kurzhanteln anzutesten, wollte aber keinen Fail riskieren, schließlich fühlte sich jeder Satz so…so richtig an!

All die Fressereien der letzten Woche und dass ich kaum Ausdauertraining gemacht habe, obwohl ich es mir vorgenommen habe und all der Frust, das alles verblasst vor dieser extrem geilen Einheit. Ich fühl mich, als hätte ich eine Grenze überschritten und ein neues Level erreicht.
Und das fühlt sich einfach verdammt gut an. So gut, dass ich heute gern meinen Magerquark essen werde, um der Muskulatur alles zu geben, was diese braucht. Das hat sie verdient. Und mein zentrales Nervensystem hat seinen Schlaf verdient. Und morgen hat sich mein Kreislauf eine Runde Cardio verdient, um meine Mitochondrien mal richtig durchzublasen. Ich hab es verdient mich so gut zu fühlen und will deswegen das Richtige tun, um mich weiter so gut zu fühlen.

Und ein kleiner Teufel flüstert mir ins Ohr: Das ist nur das Grenade in Kombi mit DAA.

Klappe Teufel, ich hab mir das schwer erarbeitet!

Belastungsprobe

Mein Freund hat einen Faible für gute Grafikeffekte. Bevor er irgend ein Spiel spielt, wird erstmal kräftig an der Grafik geschraubt. Details, die ich gar nicht wahrnehme, kann er ausführlich loben und sich daran orgiastisch erfreuen.
Umso schlimmer ist es, wenn dann etwas nicht stimmt.

Das gilt nicht nur für Spiele, sondern besonders auch für Kinofilme. „Hast du gesehen? Da waren die Projektoren wieder nicht richtig kalibriert, das wirkte immer leicht verschwommen.“
Ich seh sowas nicht, aber für meinen Freund kann das den Unterschied zwischen echtem Genuss und Enttäuschung ausmachen.
Wir streiten uns relativ selten und nie haben wir so oft gestritten, wie vor Kinobesuchen, weil mein freund immer unbedingt mittig in einem möglichst leeren Kino mit optimal eingestellten Projektoren sitzen muss.

Heute stritten wir gar nicht. Naja…an der Kasse flehte ich den Kassierer an, mir einen anderen Platz zu geben, als den Kuschelsitz neben meinem Schrank Freund, weil ich die Vorstellung, über 90 Minuten neben ihm eingequetscht zu sein, so gar nicht attraktiv fand. Aber der Kassierer schaute nur kurz irritiert und reichte dann die Karten rüber. Selbst als ich mich im Türrahmen verkrallte, einen hoffnungsfrohen Blick zurück warf und fragte: „Kommt mich dann jemand wiederbeleben?“, zuckten bei ihm nur kurz die Mundwinkel. Es gibt auch keine Ritter mehr auf der Welt….
expectations
reality
Jedenfalls hatten wir, aus Sicht meines Freundes, die optimalsten Plätze ergattert! Und wie erhofft, war es auch gar nicht voll. nur eine handvoll Kinder lümmelte in unserer Reihe und hinter uns, sonst war das ganze Kino leer! Was für ein Glück, möchte man da laut ausrufen!

Man weiß ja wie Kinder so sind. Erst ein bisschen laut, aber wenn der Film losgeht, sinken sie in die Sessel ein und man vergisst sie. Was macht es da schon, dass der junge zwei Sitze weiter im Zehnsekundentakt „LOL!“ sagt.
Gar nichts macht das.
Oder dass er die erste Werbung kommentiert.
Und was ist das auf der Leinwand? Doch nicht etwa ein Fleck?! Doch, es bleibt, egal welcher Spot gerade von dem blöden Blag mit „LOLkrassAlter“ kommentiert wird. Es sind sogar zwei Flecken, zwei große flecken mitten auf der Leinwand. Und jetzt, wo ich sie entdeckt habe, muss ich immer wieder hingucken. Kaum lass ich mich von einem Trailer gefangen nehmen, zack…da war er wieder, der große Fleck. MIST!
Das Kind höre ich bei Kinolautstärke nicht mehr, außer wenn Sandra Bullock gerade hyperventilierend um ihr Leben kämpft und dieses Rotzbalg laut und gekünstelt zu lachen anfängt.
Aber dann nimmt mich der Fleck, äh, der Film wieder gefangen und ich vergesse es.

Mein Freund nicht, mein Freund hört ihn die ganze Zeit, nimmt sein Gezappel wahr, das Popcorn das auf ihn einprasselt und denkt mit zusammengebissenen Zähnen: Wenn du es anschreist, lacht es dich nur aus und alle anderen sind sauer auf dich. Haust du ihm eine runter, kommen die Bullen.
Sehr entspannend.
Mein Freund war danach in eigentümlich angespannter Verfassung.
Zum Glück kam schnell Rettung in Sicht. Schon vor zwei Wochen entdeckten wir diesen drolligen Herren in der Innenstadt:
hahaha
Er balanciert dieses riesige Gebilde aus Eiern und Dämonenfratzen frei auf dem Kopf, während er mit Rasseln rasselt und seine Bongos trommelt und poetische Dissonanzen wie „Leipzig hahaha, Leipzig jajaja, ei-nen gut-en Tag“ rhythmisch hervor stößt. Es ist einfach so abstrus, dass es komisch ist. Zack, war unsere Laune wieder gehoben, der Tag gerettet.
Es lebe die Kultur! *g*

IIiieek! %$§“/&!!

Gestern wurde eine meiner Befürchtungen wahr: ein Brett kam aus der Wand und hinterließ zwei fette Löcher.
Da ärgert man sich echt. Vor allem, weil die blöden Dübel so teuer sind ja auch unbedingt einer speziellen Zange bedürfen, die nun völlig nutzlos ist, weil ich nie wieder einen dieser dämlichen Spreizdübel verwenden werde.

Tatortfoto 1:
durchgedrehter dübel
Bei diesem Dübel war mir schon klar, dass der nicht ewig halten würde. Nach dem „festzurren“ wollte ich, dass das Regal bombenfest sitzt. Also ab mit dem Akkuschrauber die Schraube richtig „anknallen“. Aber was war das? Der Dübel drehte sich mit! Auf dem Bild sieht man auch, weshalb. Die eigentlich gespreizten Flügelchen sind durch den Druck einfach eingeklappt und schmiegen sich nun um die Hülse.
Toll!

Tatortfoto 2:
dübel2
So ähnlich soll das gute Stück ja aussehen, nur eben IN der Wand! Im Nachhinein betrachtet, halte ich die Dübel für eine vollkommene Fehlkonstruktion. Vergleicht man die kleinen Druckflügelchen, die ja die Stabilität ermöglichen sollen, mit der Oberfläche eines herkömmlichen Gipsdübels, wird schnell klar, dass die einfachere, nervensparendere und billigere Variante wesentlich mehr Oberfläche und damit mehr Halt und Stabilität bringt!

Diese herkömmlichen Dübel lassen sich auch wieder entfernen! Was man bei Mietwohnungen ja durchaus auch bedenken sollte (oh, wieso hab ich das nicht vorher bedacht?!). Und reißen einem nicht solche monstösen Löcher in die Wand:

Tatortfoto 3:
Loch in Wand

Tja, so lernt man dazu.
Und als ob das nicht doof genug ist, hat der Liebste Rückenschmerzen. Sein rechter Rückenstrecker ist schon immer größer gewesen, als sein linker. Jetzt ist er aber so verspannt, dass er sich gar nicht mehr entspannen kann. Es schmerzt ihn permanent.
Da ich selbst ja bereits Erfahrungen mit permanent verspannten Muskel hatte *klick*, schleppte ich ihn am Montag nach Arbeit noch zu meinem Physiotherapeuten.
Der kam schlussendlich mit erhobenen Händen aus dem Behandlungszimmer und sagte:
„Nur damit keine falschen Verdächtigungen aufkommen, ihr Freund wird Blutergüsse bekommen. Die sind von mir. Aber es wird helfen.“
Ich grinste nur. Als mein Freund rauskam, meinte ich nur: „Du hast ja gar nicht geschrien.“
Er antwortete: „Du klingst ein bisschen enttäuscht.“
Als er Zuhause das Shirt hochzog, bin ich dann aber doch erstmal zwei Schritte rückwärts gewankt. Du meine Güte!
rücken
Inzwischen sieht es schon besser aus, aber eine Sitzung allein reicht nicht, er muss noch ein paar Mal hin, eh diese Verspannung ganz gelöst ist.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. In den letzten Wochen hat mich der herbst mit seiner dunklen Stimmung voll eingeholt und ich hab gleich wieder richtig zugelegt. Von 80,5kg ging es zackig rauf auf 82,7kg. Die Shirts beim Training saßen spack, wie Malmsheimer sagen würde: eng ist zu weit.
Wie sollten die Pfunde denn jetzt wieder verschwinden, wo ich doch nicht mehr im Zoo Boote schiebe, dachte ich.
Aber irgendwie verschwinden sie wieder. Ich zähl zwar Kalorien, gönn mir dann aber abends immer Naschereien, die mich weit über 2000kcal bringen. Hab also eigentlich kein Defizit, dass den Erfolg erklären könnte.
Aber hey, wer bin ich ,dass ich das infrage stellt?
Von furchterregenden 82,7kg bin ich heute morgen ganz plötzlich wieder bei 80,7kg. Yeah!
Gleich mal n Selfie darauf und ab zum Training! 😀
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rasselnde Ketten

Ohne große Ankündigung hingen gestern plötzlich an einer Flachbank zwei Ketten an der Stange. Nanu, dachten wir im ersten Moment.
Als der Trainer meinte, eine dieser Ketten wiege ca. 20kg, dachte ich schon: Pustekuchen, daran brauchst du erstmal nicht zu denken. Schließlich wiegt die Stange allein 20kg, dazu ca. 40 kg Ketten, das wird nix.

Auf dem Heimweg redeten wir dann darüber. Sonst kündigt McFit immer alles großartig auf Facebook an, so kam auch eine Meldung über die neuen Waagen, die zeitgleich eingetroffen sind. Aber kein Wort über die Ketten.
Ketten sind hardcore, meint mein Freund, die haben so ein brachiales Image.
Hm, meine ich, aber man sieht in letzter Zeit öfters Fotos von Frauen, die Dips mit Kette um den Hals ausführen, oder zumindest sexy in der Ausgangsposition hängen. Und für Hardcoretraining ist es schwer, das Gewicht der Kette einzuschätzen, schließlich liegt beim Bankdrücken die halbe Kette am Boden. Also könnte an das Image zu beiden Seiten auslegen: Ketten für die ganz harten Kerle, oder Ketten für sexy Fitnessmenschen.

Ketten werden manchmal gern genutzt, weil man die als zusätzliche Gewichte um den Hals hängen kann. Beim Bankdrücken allerdings ist das nicht zu empfehlen. ;D Da werden die Ketten an der Stange befestigt und hängen bis auf den Boden runter. Sinn des ganzen ist, eine steigende Last zu haben. Beim Bankdrücken arbeitet der Muskel vor allem in der unteren Bewegung, die ersten Zentimeter sind viel schwerer, als die letzten. Grund dafür ist dass die letzten Zentimeter vor allem durch den Trizeps bewältigt werden, der, einem Klappmesser ähnlich, den Arm streckt. Komplett durchgestreckt kann man sich sogar ein kleines Päuschen gönnen, weil das Gewicht auf den Knochen und Gelenken ruht und nur leicht stabilisiert werden muss. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache, denn wir wollen nicht ruhen und unsere Gelenke verschleißen, wir wollen Muskelspannung in der Brust.
Hier kommen die Ketten ins Spiel. Je weiter unten die Stange sich befindet, desto mehr Kette liegt auf dem Boden, die Last wird weniger.
Bewegt sich die Stange nach oben, wird auch die Kette Glied für Glied angehoben, die Last wird schwerer. Statt mit den ersten Zentimetern zu kämpfen und sich danach auszuruhen, hat man über den vollen Bewegungsablauf eine steigende, bzw. fallende Last.

Als mein Freund meinte, es fühle sich nicht so schwer an, er schätze das reine Gewicht von Stange und den beiden Ketten auf ca. 35kg, war klar, dass ich das probieren musste.
Zack, schon lag ich drunter und bereitete mich innerlich auf einen Schock vor. Das sorgte dafür, dass ich top konzentriert und wie ein Flitzebogen gespannt war. Fokus, Atmung, Muskelspannung, alles war auf Maximum.
Die Wiederholungen kamen sahnig, aber durch die größere Last im oberen Bewegungsradius blieb ich permanent angespannt und konzentriert. Auch erfordert das „Abwickeln der Kette“ etwas mehr Balancierleistung. Schnell bekommt man zu spüren, wenn man einseitig drückt, also eine Seite der Stange tiefer hängt, als die andere, weil das Gewicht dann ungleichmäßig verteilt ist.
Nach meinem Gefühl habe ich heute mit den Ketten konzentrierter und konstanter gedrückt als sonst.

Die Leistung in der zweiten Übung bestätigte das. Obwohl ich vom reinen Arbeitsgewicht beim Flachbankdrücken nicht mehr gedrückt habe, als sonst, brach meine Leistung in der zweiten Übung, dem Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln, schnell ein. Ich bekam mein normales Arbeitsgewicht kaum allein umgesetzt und herausgedrückt, musste auf kleinere Hanteln wechseln und selbst dieses Gewicht konnte ich kaum beherrschen. Brust und Trizeps waren wesentlich stärker vorermüdet und getroffen als sonst.

Fazit: Wer sich stark am reinen Arbeitsgewicht orientiert, für den sind Ketten nichts. Wer aber den Fokus vor allem auf ungewohnte Belastungen und Muskelgefühl legt, der wird mit den Ketten viel Freude haben. Eine schöne Abwechslung sind sie allerdings für jedermann.