Kettenliebe

Warnung: Dieser Post enthält hysterisch-euphorische Sprachmittel, bedient sich poetischer Ausdrücke in völlig unpassendem Kontext und zeugt auch sonst von übersteigerter Begeisterung.
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Letzte Woche berichtete ich bereits von den neuen Ketten im McFit und der damit verbundenen neuen Belastung für meine Muskulatur.

Seitdem konnte ich es kaum erwarten, wieder an die Ketten gehen zu können.
Und heute war es soweit! Oh edles Geschmeide, sanft wogende Glieder, wie konnte ich es nur eine Woche ohne euch aushalten? Euer sinnliches Rasseln klingt in meinen Ohren schöner als Vogelgezwitscher am ersten milden Frühlingstag.

Kaum eine Woche da und schon gab es das erste Modding. Zwei Haken lassen die Länge nun beliebig variieren. Dadurch kann man das Gewicht weiter verändern. Aufgewärmt habe ich mit bloßen, ausgehängten Ketten, dabei liegt ein beträchtlicher teil der Kette auf dem Boden.
Im Gewicht der Kette habe ich mich übrigens vertan, eine Kette wiegt wohl ca. 12kg. Drei Glieder ungefähr ein Kilo.

Schon beim Aufwärmen spürte ich wieder, dass die Belastung sich ganz anders anfühlt. Die Ketten schwingen leicht, sodass man mehr stabilisieren muss und durch die steigende Belastung bei steigender Bewegung wird das Gehirn, dass leichtere Führung erwartet, ausgetrickst und muss alles neu koordinieren.
Wie bereits geschrieben wird dadurch automatisch die Konzentration, die erforderliche Kraft und die Länge der Kraftanstrengung erhöht.
Und im unteren Bewegungsbereich, also nah über der Brust, wo der Muskel am stärksten zu kämpfen hat, wird es leichter. Dadurch kann ich leichter den vollen Bewegungsradius nutzen und lass die Hantel richtig tief ab, habe aber volle Kontrolle über das Gewicht, was die Belastung für all die kleinen beteiligten Muskelfasern verringert.

Beim ersten richtigen Arbeitssatz ließ ich die Kette in der Ausgangsposition frei schweben. Ich hatte noch immer kein Gewicht hinzugefügt, nur die bloßen Ketten. Was ich dabei vergessen habe ist, dass die erste Bewegung beim Rausheben ja Richtung Füße verläuft. Schwebt die Kette dabei frei, pendelt sie dann erstmal wild hin und her. Ich sah nur meine Fäuste wie wild vibrieren und war froh, dass ich kein Extragewicht dranhängen hatte, ich hätte die Hantel sonst nur schwer halten können.

Also ließ ich sie noch ein Stück tiefer hängen, sodass sie auch beim Rausheben knapp den Boden berührt. Nun kamen aber Scheiben hinzu. Ich nahm zwar weniger Gewicht, als in der Woche davor, aber da die Kette nun schwerer wog, müsste es ungefähr aufs selbe rauskommen. In Ausgangsstellung dürften es ca. 55kg Arbeitsgewicht gewesen sein, in der untersten Position ca. 51kg.

Wer hier länger mitliest, der weiß, dass es mir weniger auf Gewicht als vielmehr auf das Gefühl im Muskel ankommt. Ich erlebe oft, dass ich eine Wiederholung nicht zu Ende führen kann, weil irgendwo die Kraft fehlt, ohne, dass ich näher bestimmen könnte, welcher Muskel da aufgegeben hat. Auch fühle ich nach solchen Sätzen oft keine Erschöpfung in dem Sinne, dass ich glaube, nach zwei Atemzügen nicht noch ein paar Wiederholungen bewältigen zu können.
Oder anders gesagt: Ich habe oft nicht das Gefühl, wirklich Kontrolle über die Muskelaktivität zu haben und diese wirklich mental ansteuern zu können. Es fühlt sich eher an, als mache man eine Faust. Es passiert einfach, auf ein nicht spürbares Signal hin, ohne, dass man sagen könnte, wie es passiert.

Durch die länger anhaltende und sich ständig verändernde Belastung habe ich heute einen Grad an Konzentration und Kontrolle erlangt, der mich einfach nur geflasht hat. Ich hätte Jubeln und laute Urschreie ausstoßen mögen, so glücklich war ich. Es fühlte sich alles einfach nur richtig an.
Richtig intensiv.
Richtig kontrolliert.
Richtig bewusst empfunden.
Richtig hardcore.
Ich kämpfte in jeder Wiederholung um jedes hängende Kettenglied.
Meine Brustmuskulatur bekam einen richtigen Pump und bei der zweiten Übung, dem Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln, zitterte die Muskulatur vorm Satz.
Verdammt noch mal, ich konnte die ganze Brustmuskulatur spüren, die ganzen pulsierenden, prallen Muskel. Und das war ein verdammt schönes Gefühl.
Das war ein so gutes Gefühl, dass ich selbst in der zweiten Übung alle bisherigen Rekorde durchbrochen habe.
Drei Sätze mit zwei 20kg Kurzhanteln habe ich bewältigt, hab in jedem Satz allein das Gewicht umgesetzt, rausgedrückt und richtig tief abgelassen. Und die Wiederholungszahlen! 11-8-9!
Aber vor allem das Gefühl…diese Kontrolle!
Vor jedem Satz dachte ich, die erste Wiederholung, wenn die Hantel an der Brust zu kleben scheint, nicht allein rausgedrückt zu bekommen. Letzte Woche war es so! Da ging gar nichts mehr.
Aber heute ging alles. Kurz überlegte ich sogar, die 22,5kg Kurzhanteln anzutesten, wollte aber keinen Fail riskieren, schließlich fühlte sich jeder Satz so…so richtig an!

All die Fressereien der letzten Woche und dass ich kaum Ausdauertraining gemacht habe, obwohl ich es mir vorgenommen habe und all der Frust, das alles verblasst vor dieser extrem geilen Einheit. Ich fühl mich, als hätte ich eine Grenze überschritten und ein neues Level erreicht.
Und das fühlt sich einfach verdammt gut an. So gut, dass ich heute gern meinen Magerquark essen werde, um der Muskulatur alles zu geben, was diese braucht. Das hat sie verdient. Und mein zentrales Nervensystem hat seinen Schlaf verdient. Und morgen hat sich mein Kreislauf eine Runde Cardio verdient, um meine Mitochondrien mal richtig durchzublasen. Ich hab es verdient mich so gut zu fühlen und will deswegen das Richtige tun, um mich weiter so gut zu fühlen.

Und ein kleiner Teufel flüstert mir ins Ohr: Das ist nur das Grenade in Kombi mit DAA.

Klappe Teufel, ich hab mir das schwer erarbeitet!

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2 Kommentare zu “Kettenliebe

  1. Der Mann an meiner Seite trainiert ja auch gelegentlich im Mc Fit. Natürlich musste ich ihm gleich erzählen, was es da tolles, neues geben soll 🙂 Das war dann gestern mit großer Recherche und einigen Ahas! verbunden. Mal sehen, wanne r zum ersten mal die Ketten an der Hantelstange hängen hat.

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