*Klingelingeling*

Nein, ein blöderer Titel ist mir wirklich nicht eingefallen, um die beknackte deutsche Benennung einer wirklich tollen Buchreihe einzuleiten.
Es geht um die Klingenreihe von Joe Abercrombie.

Wobei ich bis jetzt nur die ersten drei Bände vertilgt habe:

  1. Kriegsklingen
  2. Feuerklingen
  3. Königsklingen

Und da kommen wir auch zum größten Makel der (deutschen) Reihe: Die Benennung der einzelnen Bände. Wäre mir die Reihe nicht wärmstens empfohlen worden, hätte ich bei so nichtssagenden Titeln nicht einmal auf die Rückseite geschaut, versprechen die Titel doch eher, dass es um irgendeine unsinnige Tradition rings um Schwerter geht. Irgendwelche heiligen Schwerter die gefunden werden müssen, hätte ich mir da vorgestellt.

Weit gefehlt!
Wie häufig bei Fantasy geht es um Länder, die miteinander im Krieg liegen. Soweit nichts Neues. Statt nun Vertreter der einzelnen Länder kennenzulernen, sind die Protagonisten sich in Bezug auf die Seite, auf der sie stehen, eigentlich einig. Alle sind aus unterschiedlichen Gründen für den Sieg der Union. Aber auf derselben Seite zu stehen, heißt nicht, zusammen zu kämpfen und sich zu verstehen. Viel zu verstrickt ist ist das Gebilde aus Lüge, Verrat, Machtränken und gesellschaftlichen Ständen.
Die englischen Titel sind da vielsagender: „The blade itself“ Das kann eine Waffe, aber auch ein Mensch sein…wahrscheinlich ist dadurch jemand auf die umwerfende Idee gekommen, alle Bände „*klingen“ zu nennen, um klar zu machen, dass es sich um eine Reihe handelt, auch wenn Titel und Inhalt dann nichts mehr miteinander gemein haben. „Before they are hanged“ hätte mich jedenfalls weit mehr angesprochen, als „Feuerklingen“ und auch „Last argument of kings“ klingt verheißungsvoller als „Königsklingen“.

Und nun kommt das Eigentliche: Die Charaktere!
Oft läuft Fantasy ja nach dem Schema: Kleiner Junge stößt auf Abenteurer, überlebt das ausweglos Erscheinende unbeschadet und reift an den Herausforderungen. Abercrombie aber hat eine Schwäche für Veteranen. Für die alten Krieger, die den Krieg schon kennengelernt haben und Wunden davon getragen haben, die niemals heilen.
Zu der Kategorie zählt „Sand dan Glokta“
Einst schillernder Kriegsoffizier von eldem Geblüt, Weiber lagen ihm zu Füßen und die Männer folgten ihm in jede Schlacht. Bis er sein Schicksal einmal zu oft herausforderte, in Kriegsgefangenschaft geriet und drei Jahre lang gefoltert wurde, bevor er endlich befreit werden konnte.
Nun ist er ein Krüppel, eine schreckliche Mahnung für alle jungen Heißsporne, die glauben, im Krieg gäbe es nur Ehre zu gewinnen. Seine obere Zahnreihe ist zertrümmert, leeres Zahnfleisch mit ein paar Zahnruinen darin. Sein eines Bein ist gelähmt, schmerzt dabei aber höllisch. Wer dabei an Dr. House denken muss, trifft den Nagel auf den Kopf. Zu gebrauchen ist es nicht, die Schmerzen sind die Hölle, aber ohne wäre man einer weiteren Stütze beraubt und überhaupt sieht man hinkend noch weniger nach Krüppel aus, als mit nur einem Bein.
Bei der Armee ist kein Platz für einen Krüppel und wer sonst könnte ihn noch brauchen?
Richtig, die Inquisition! Hier eine staatliche Einrichtung zum Schutze des Königs, die Menschen verhört, Komplotte gegen die Krone aufdeckt und nebenher immer irgendwen zum Foltern in den Kellern hat.
So wird aus dem Gefolterten ein Folterknecht…einer der härtesten.

„Ich kenne das Gefühl“, sagte Glokta, der gequält dreinblickte, während er die eigenen Stiefel hin und her bewegte. „Ich kenne es, wirklich und wahrhaftig, und ich fühle mit ihnen. Erst der blendende Blitz des Schmerzes, dann kriecht die Übelkeit und schwindelerregende Schwäche des zerschmetterten Knochens im Körper hoch, danach beginnt das Bein langsam zu pochen, und der Schmerz zieht das Wasser aus den Augen und lässt den ganzen Körper erzittern.“ Langfuß keuchte und winselte, Tränen glitzerten auf seinen Wangen. „Und was kommt danach? Wochenlanges Humpeln? Monatelanges verkrüppeltes Hinken? Und wenn der nächste Schlag ihren Knöchel trifft?“ Glokta tippte mit der Seite des Hammerkopfes gegen Langfuß‘ Schienbein. „Oder gleich direkt die Kniescheibe, was dann? Werden sie je wieder gehen können? Ich kenne diese Empfindung gut, das können sie mir glauben.“ Wie kann es dann sein, dass ich sie jetzt anderen Menschen zufüge? Er zuckte mit den verdrehten Schultern. Das Leben ist voller Geheimnisse. Königsklingen S. 215

Wer glaubt, dass sojemand nur unsympathisch sein kann, der irrt.

Zu dieser Kategorie zählt auch „Logen Neunfinger“
Berüchtigter Häuptling der Nordmänner, Schrecken aller Krieger, selbst unter den eigenen Leuten. Er hat alles, was man zu einem Anführer braucht: Klugheit, List, Eiseskälte, für seine Statur überraschende Gewandtheit, Kraft und Geschick mit allen Waffen.
Und noch mehr steckt ihn ihm, eine dunkle Seite, die in aussichtslosen Lagen stets sein Leben rettete: Der Blutige Neuner…für ihn ist alles Einerlei..Freund, Fein, alles in seiner Reichweite fällt seinen Waffen zum Opfer, seinen Händen, seinem Blutdurst. Der Blutige Neuner ist der Schrecken jeder Schlacht.
Und mit den Jahren auch Logens Schrecken. Wie viele Gräueltaten hat der Blutige Neuner vollbracht, wie viele gute Leute hat er umgebracht. Und auf jeden dieser Leute kommt eine ganze Schar von Anhängern, die nun seine Feinde sind.

„Man kann nie genug Messer haben, hatte sein Vater ihm gesagt. Es sei denn, dass sie alle auf dich zeigen und in den Händen von Menschen liegen, die dich nicht sehr mögen.“ Königsklingen S. 196

In diese Kategorie gehört auch „Collem West“, ein Bürgerlicher, der im Krieg so viel Ruhm errungen hat, dass er zum Oberst aufgestiegen ist. Sehr zum Missfallen seiner Adligen Kollegen. Aber Collem West hat den Krieg immer dem Zuhause vorgezogen, wo sein trunksüchtiger Vater wütete. Vor dieser Schlacht ist er geflohen und hat seine Schwester in diesem Schlachtfeld zurückgelassen. Das Gefühl schwerer Schuld lastet auf ihm und so wird er zerrieben, zwischen arroganten Adligen und der eigenen Schwester.

Es gibt noch mehr solcher Charaktere, alles Gezeichnete auf ihre Art und Weise und alle schlagen sich durchs Leben, klammern sich an ein paar Prinzipien und geben der ganzen Geschichte ein sehr menschliches Gesicht voller Abgründe. Schwarzer Humor vom Feinsten ist garantiert. 😉

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2 Kommentare zu “*Klingelingeling*

  1. Hach der Joe…ich liebe ihn ja so ein bisschen 😀 Ich freue mich schon wie bekloppt auf Blutklingen. Der gute schreibt ja wohl auch grade eine Jugendbuchreihe…mal sehn wie die den Titel dann wieder vermurksen. Bis jetzt heißt sie wohl „Half a King“ *hibbel*

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