Gib mir die Rotation, baby!

Lange Zeit war ich oft unzufrieden mit meinen Haaren. Ich wollte immer ganz anders aussehen, als der Spiegel mich zeigte. In den letzten Monaten dagegen war ich plötzlich zufrieden. Meine Haare langen nicht etwa besser oder waren mal nicht die pusteblumenartigen Anarchisten, die sie nun einmal sind. Nein, ich war einfach irgendwie mit mir insgesamt zufriedener und meinen Haaren kam nicht mehr diese große Rolle zu.

Wenn da nicht die Ansätze wären…erst nur leicht, bald aber ziemlich deutlich brachen sie mein Haarbild auf, als hätte mir jemand eine Schaufel voll Matsch aufs Haupt geklatscht.
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Und so kam es, wie es kommen musste, ich meldete mich bei Wella an.
In Leipzig zu leben hat nämlich den großen Vorteil, dass hier eines von wenigen Fortbildungsstudios für Friseure ist, eben das von Wella. Alles, was man braucht, ist Zeit und eine gewisse Offenheit für Neues.
Man bezahlt nichts, alle Pflegemittel, Farben etc. sind kostenlos und werden geradezu verschwenderisch gebraucht. Man erhält eine ausführliche Haaranalyse, die Wünsche werden ausführlich besprochen und es wird viel experimentiert. Dabei wird nicht an Komplimenten gespart.

Vorher sah es so aus:
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Heute hatte ich gleich drei Friseusen (Wie heißt das jetzt politisch korrekt?), die schon länger in dem Beruf arbeiten, richtige Profis also. Die waren ganz wild auf eine neue Strähnchentechnik.

„Rotations! Mit Coleston! Da machen wir hier und hier die Windmühlenflügel und mischen eine 9.1.1 mit einer 8.6. 6% würde ich sagen. Und in die Strähnchen nehmen wir alles, was wir an wilden Farben in der Palette finden.“

Wer kann bei so einem Feuereifer schon widerstehen? Ich nicht. Bei der Vorstellung hörte ich aus dem Nebenraum schon, wie ein paar Friseure nach grünen oder lilafarbenen Haaren fragten. Mein altes Ich wollte schon mit den Armen rudernd auf die Bühne rennen. Aber dann bekam es eine schallende Ohrfeige von meinem jetzigen Ich, das grummelnd meinte: Weißte, wie das nach ein paar Wochen aussieht? Wer soll das denn frisch halten?
Und so verging die Gefahr und ich sagte doch nur mein braves Sprüchlein von wegen Strähnchen, weil ich nicht dauernd die Ansätze neu machen lassen will.
Als die Damen dann so stürmisch meinen neuen Schopf beratschlagten, hörte sich „alles Wilde aus der Palette“ dann aber doch gut an.
Der Coach war damit einverstanden. (Notiz am Rande, bei dickem rot-eitrigem Pickel auf der Brust, sollte man von Brustdekolletee doch Abstand nehmen. Da hilft alle Männlichkeit nix!)

Und da kullerten auch schon die ersten Komplimente. Meine immerschlaffen Fransen wurden zu Prinzessinnenhaar. Mein Hautbild sei toll und wirke super mit den Kontrasten (Augenbrauen und Brille). Nun müsse ich nur meine Stärken noch mit den perfekten Farben und dem passenden Haarschnitt zum Leuchten bringen. Kühle Farben müssen rein, weil ich ein kühler Typ bin! Das Gelb lasse mich verschwinden. Und drunter muss es dunkler werden, um meinen feinen Haaren mehr Kontur zu verleihen.
Und dann wurde mit Fachbegriffen jongliert, dass einem nur so die Haare flattern. Zack, zack, zu zweit alles aufgetragen, sah es dann so aus:
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Isse nicht schick? Man kann schon erkennen, dass da ein Braunton mit drin ist und zwei verschiedene Lilatöne. Insgesamt vier Farben. Bei einem echten Friseur wäre das allein schon ziemlich teuer. Aber die Mädels hatten echt ihren Spaß an mir.

Als ich meinte, meine Haare seien so schwer zu frisieren, stieß ich zum ersten Mal auf eine Friseuse, die mein Haar wirklich richtig kennt.
„Frisieren? Das geht gar nicht. Dein Haar kann man nicht frisieren. Da muss der richtige Schnitt rein und dann fallen die von alleine. So muss das sein. Dein Haar ist so toll, das glänzt immer! Aber es muss gut geschnitten sein, denn frisieren lässt es sich nicht.

Man, das hab ich so vielen Friseuren versucht zu erklären. Und mich dann immer wie ein Idiot gefühlt, weil ichs anscheinend nur nicht richtig frisieren kann. Und dann kommt diese Dame und spricht mir endlich mal aus der Seele. Hach…und natürlich weiß sie auch, wie man mein Haar richtig schneiden muss.
Und weil die Damen so viel Spaß mit mir hatten, wurde auch gleich das eigene Schminkzeug ausgepackt und ich bekam noch ein Make-Up!. Die Riesenglitzer im Lidschatten sind mir zwar auf meine 32jährigen Augen etwas too much, aber sonst…dufte! Fertig sah es so aus:
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Und im Kaufland wurde ich gerade ernsthaft nach dem Ausweis gefragt! Das ist mir bestimmt seit über zehn Jahren nicht mehr passiert. Vielleicht sollte ich meine Falten öfter wegglittern.
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Als allererstes musste ich mir aber natürlich wieder ein Haarspange kaufen, denn dass mein Pony so im Gesicht rum wedelt geht nunmal gar nicht. Typ hin oder her. ;D
Für mich wars heute auf jeden Fall wieder sehr interessant und entspannend.

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6 Kommentare zu “Gib mir die Rotation, baby!

  1. Aaah, nicht frisierbar, hier, ich auch! Ich wusste nur nicht, dass das auch „offiziell“ sein kann. Welche Erleichterung.

    Ehrlich gesagt hatte ich bei den Nachherbildern ein mildes „WTF?“: Braun? Lila? Wo denn? Hab ich allerdings oft bei Friseuren. Irgendwie bin ich auch in Sachen Farbwahrnehmung Grobmotoriker.^^
    Aber nicht, dass du mich falsch verstehst: Es sieht richtig klasse aus. (Nur eben nicht besonders braun und lila für meine Augen.^^)
    Und du bist ja wirklich sooo hübsch. Allerdings gefällst du mir ungeschminkt viel besser als nach der Profibehandlung (das habe ich seltsamerweise aber sehr oft, dass mir die Friseurmakeups oft schlechter gefallen als der Vorher-Zustand, auch wenn ich gar nicht sagen kann, woran’s eigentlich liegt). Do it your way, das ist das Beste. 😉

    Und nach dem Ausweis gefragt werden: Was für ein tolles Kompliment! Das ist mir jetzt auch ewig nicht passiert, und ich bin ja nochmal etwas jünger als du. (Immerhin wurde ich aber gestern für ’ne Studentin gehalten und hab ’nen Kaffee günstiger gekriegt – ganz ohne mein Zutun, ich schwör’s. Fand ich auch nett.) Obwohl’s ja wirklich Kleinigkeiten sind, sowas kann einem den Tag echt versüßen.

    • Ja, ich fands auch echt erleichternd sowas zu hören und mich nicht immer wie ein trottel zu fühlen. Das Lila sieht man nicht, zum Glück! Es ergibt nur halt im Endergebnis so ein Silber, kein Gelb. Also kühle Farbe statt satter. Aber das ist ja immer so, vorher denkt man, das wird ganz wild und nachher ist es nur halb so wild. Studentenbonus ist immer gut, hehe.

  2. Sieht toll aus, gefällt mir gut und sehr natürlich. Schon ein Unterschied, ob sich jemand selbst was in die Haare kleistert, oder die Profis ranlässt. Ich finde gar zu unnatürliche Färbungen ja weniger toll. Was die da mit dir gemacht haben ist echt klasse und bringt mich gerade ins grübeln, ob ich nicht auch mal zum Friseur gehe und umfärben lasse. *g* Weg von der Naturfarbe zu ja … hm … irgendwas halt. 😀

    PS: Das Make-Up finde ich auch nicht so toll. Das Glitzer ist irgendwie schrecklich. Wobei der Rest da auch gut ist. Aber das Glitzer … geht gar nicht. 😀 Wie du selbst schon sagst, muss man in dem Alter nicht mehr haben. 🙂

    • Ja, der Glitzer hat noch tagelang überall rumgeglitzert. Ist bestimmt so eine Berufskrankheit, wie das „helmen“, so nenn ich das, wenn am Ende der tolle, neue Schnitt überall rund und glatt geföhnt wird, bis man aussieht wie He-Man. 😉

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