Veganorexie

Wenn man sich in Internetforen oder sonstigen internedialen (selbsterfunden!) Marktplätzen herumtreibt, ist man immer live dabei, wenn eine Idee zum Trend ausreift und viele Leute begeistert.
So auch bei Bodybuildingforen.

Da die Ernährung, gerade im Bodybuilding, ein wesentliches Element ist, ziehen auch hier regelmäßig neue Trends auf. Natürlich wird auch hier mit den üblichen Marketingstrategien gearbeitet. Alles Bisherige ist schlecht und dient nur den Wirschaftsriesen. Da wird die Bevölkerung vergiftet und weiß es nicht einmal.
Aber lies folgende Artikel und werde auch du zum Eingeweihten einer unterdrückten Wahrheit, die die meisten Leute nicht hören wollen!

Bodybuilding ist an und für sich schon sehr extrem angelegt. Wie oft wird da propagiert: it’s a lifestyle, was nichts anderes bedeutet als: Wenn du es richtig machen willst, bleibt kein Raum für Anderes. Und so kommt es, dass auch dünne Mädchen plötzlich ganz heiß auf Diäten sind, ihre Kalorien zählen und letztendlich auch einem Trend bei der Ernährung folgen.
Es kann aus Sicht einer Dicken durchaus befriedigend sein, wenn Mädchen, die nie in ihrem Leben Probleme mit ihrer Figur hatten und daher auch noch nie zuvor überhaupt eine Diät gemacht haben, plötzlich über Fressanfälle, Probleme mit der Disziplin beim Essen, nicht schwinden wollenden Kilos und Heißhunger klagen.

Bodybuilding mit Wettkampfambition ist wirklich hart. Man versucht nicht nur die Muskulatur über jedes normale Maß hinaus zu trainieren, man senkt auch den Körperfettanteil auf Werte jenseits natürlicher oder gesunder Marken, man spielt mit dem Wasser- und dem Mineralhaushalt des Körpers, wie mit einem Chemiebaukasten, um für ein paar Stunden eine übermenschliche Form anzunehmen.

Nun sieht man immer die professionellen Athleten auf Bildern in Topform. Gestreifte Muskulatur, kein Fett auf den Rippen. Und diese Bilder prägen sich ein, werden für manchen zur neuen Norm erhoben, von der man selbst ja noch abweicht.
Da hilft nur eins, mehr Disziplin muss her!
Wie kann ich das schaffen?

Wo die Vernunft nicht genug Kraft hergibt, muss man darüber hinaus gehen. Und nichts schafft es besser, die Vernunft an Kraft zu übertreffen, als ein fester Glaube. Und was haben wir im nachnihilistischen Zeitalter da so zur Verfügung?
Den Nachkommen des Übermenschen: Werde selbst ein Gott! Bezwinge all deine Gelüste und Begierden, gewinne Kraft daraus und leite sie in neue Bahnen, die du nie für möglich gehalten hast. Mache dich zum gütigen Herrscher über die Welt, indem du sie rettest und gleichzeitig deinen schwachen Körper neu gestaltest.
Wir versuchen nicht nur, die Körperchemie, den Stoffwechsel und unsere natürlichen Anlagen zu überlisten, nein, wir retten auch die Welt! Wir sorgen mit unserer Ernährung für weniger Leid in der Welt, die Heilung der aus den Fugen geratenen, zerbrechlichen Natur und für schöneres Wetter. Und ganz nebenbei schaffen wir auch noch, einen sowieso schon stark eingeschränkten Ernährungsplan, noch krasser einzuschränken, als bloßes Bodybuilding das bereits erfordert.
Wir machen veganes Bodybuilding und werden der neue Urtypus Mensch. Wir haben mehr Disziplin, mehr Härte, machen alles noch krasser. Gegen uns sehen normale Bodybuilder aus wie Weicheier. Von uns kann sich jeder noch eine Scheibe abschneiden!
Und wenn das noch nicht reicht, um endlich glücklich und zufrieden mit uns zu sein, dann gibts ja immer noch noch Trends, die wir neu kombinieren können.
Dann machen wir Highcarb-lowfat-vegan oder lowcarb-highfat-vegan oder carbbackloading-vegan oder ketogen-vegan oder, oder, oder…
Wenn da mal nicht die Pforten zum Paradies von allein aufschwingen!

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12 Kommentare zu “Veganorexie

  1. Dafür bekommst du von mir mindestens 35.000 Thumbs up 😀

    Mir gehen diese Übermenschen auch so dermaßen auf die Nerven…. Lustigerweise ist es bei mir auch so, dass alle streng vegan lebenden Menschen, die ich kenne, psychische Störungen haben (dissoziativer Natur). Zufall? Wer weiß.

    Liebe Grüße 😀
    Jana

  2. Veganes Bodybuilding ist doch irgendwie sehr abstrus: Auf der einen Seite kein Fleisch, weil nicht gut für den Körper, auf der anderen Seite muss aber mit irgendwelchen Kapseln nachgeholfen werden, damit kein Mangel von irgendwas entsteht.

    (Ja, es gibt auch welche die das nicht machen… aber die „Trendfolger“ machen das so und ersetzen ihr Fleisch durch Tofu-Würstchen; irgendwie Inkosequent)

    • Aber genau der Gedanke, alles konsequent machen zu müssen, birgt für mich das Krankhafte an diesen Einstellungen. Wo steht denn, dass etwas Gutes konsequent sein muss? Dadurch rutschen viele Ernährungsumstellungen doch erst so nah an Essstörungen heran, dass sie kaum davon zu unterschieden sind. Ich finde Inkonsequenz gesund.

      • Da kann ich dir durchaus Recht geben, aber: Eine bestimmte Ernährung hat einen bestimmten Grund. Wenn ich Beispielsweise Veganer bin, weil ich keine toten Tiere sehen kann, dann sind ab und zu Tofu-Würstchen in Ordnung. Wir befinden uns im Bodybuildingbereich und da hat eine bestimmte Ernährungsweise ein bestimmtes Ziel: Weniger Fett, mehr Muskeln und so weiter.

        „Ich mache Low-Carb, aber meine tägliche Tafel Schokolade kann ich mir nicht verkneifen.“ ist für mich Inkonsequent. Es sollte jedem klar sein: Der Kerl/die Kerlin wird so kein Fett verlieren oder nicht so wie es sein soll.

        Klar ist für mich: Dauerhaft eine Diät zu machen, in der man sich zwanghaft zwingt etwas nicht zu essen oder was bestimmtes zu Essen, ist verdammt ungesund. Für den kurzen Erfolg (weil nur noch 2 Monate bis zum Sommer/ Wettbewerb/ Hochzeit) halte ich es legitim – aber dann soll man es auch richtig machen.

        Nicht zu vernachlässigen sind die Menschen, die von sich ganz Steif behaupten: „Nur diese eine Ernährungsweise ist die Perfekte“ – dazu zähle ich mal die Anti-Fleisch-Fraktion. Sie lehrem jedem das es nur diese Ernährungsform sein kann… beweisen durch ihre Inkonsequenz aber genau das Gegenteil.

        Ich hoffe jetzt bin ich besser verständlich.

  3. Das verdient mein ‚Facepalm of the Day‘.
    Ich kann mir richtig gut vorstellen wie so ein Forumsthread mit diesem Thema wohl aussieht. Aber eigentlich will ich es mir gar nicht vorstellen. Lieber geh ich in eine Ecke weinen, das macht mehr Spaß *seufz*

    • Hey Varis! Schön, dass du dich her verirrt hast. Lauter alte Bekannte. Das ist schön! Vegan wird ja derzeit überall als großer Trend markiert, da kann es am Bodybuilding nicht vorbei gehen. Aber für mich kaschiert dieser Trend viel zu oft ein gestörtes Essverhalten. :/

  4. Ich finde es so anstrengend. Gekauft wird nur noch im Bioladen, essen geht man nicht mehr, weil „wer weiß was die da so auftischen??!!*schwitzkreisch*“, alle anderen sind unwissende, böse Tiertotschläger und Umweltverschmutzer, die es ja nicht besser wissen (*kopftätschel*) und überhaupt sind überall die bösen, bösen Inhaltsstoffe drin, die dazu führen, dass man am Ende wahrscheinlich an Krebs-Tumoren-Furunkeln-Hämorrhiden-zuviel-Zucker-Pusteln elendig zugrunde geht.
    Ich überlege mir dann immer „wenn ich jetzt nicht oben auf der Nahrungskette wär, dann gibt es bestimmt auch einen lieben, netten Löwen, der lieber das trockene Präriegras futtert, als sich an meinem saftigen Fleisch zu laben…“

    • Ja und es würde auch wieder Bisons geben, die über die Prärie rennen, die wären dann befreundet mit all den Hühnern, Schweinen, Schafen und Kühen, die in freier Wildbahn leben. DAS wäre so, wenn wir nicht immer alle aufessen würden. 😀

  5. Ich bin ein … Veganer.

    🙂 Ok, war ein Scherz. Ich mag dieses Elitedenken auch nicht. Dafür bin ich auch nicht perfekt und habe selbst für einige Zeit massiv in diese Kerbe geschlagen (du erinnerst dich vielleicht noch, Steffi).

    Ernährung oder einfach „essen und trinken“, wie wir landläufig dazu sagen 😉 ist trotz allen absolutistischen Ja- und Neinsagern eine höchst individuelle Thematik. Damit widerspreche ich nicht den Grundprinzipien, die jede/r nach seiner Fasson anwenden kann und je nach Zielsetzung auch sollte.

    Längere Zeit aß ich eher psychotisch und damit meine ich nicht einmal die vegane Schiene (weil das JETZT eindeutig hipp ist, eindeutig). Ich las das, ich schränkte Milchprodukte ein, ich hörte dies, ich aß keine Getreideprodukte mehr, auf Youtube kam das, also verzichtete ich auf Fleisch, Elite-Personaltrainer zeigte mir diese und jene Studien und ich ging nicht mehr auswärts essen, der Kumpel erzählte mir was ganz anderes und ich aß ab sofort kein Obst mehr. Von dem Teufelszeug Süßigkeiten und Knabbereien möchte ich gar nicht erst sprechen.

    Den Punkt könnte man beliebig weiterspinnen, bis ich irgendwann tatsächlich nur an Steinen lutschen würde, die sich in „meinem“ (ich besitze keinen) Garten befinden würden.

    Und ganz, ganz ehrlich: Je mehr Verbote und Zwänge ich mir auferlege, desto übler ging, vielleicht auch geht die Sache nach hinten los. Aus dieser Erkenntnis heraus und mit einer recht eindeutigen Zielsetzung (Befehl abgesetzt, los gehts) schaue ich (wieder) auf Balance. Was immer ICH persönlich als Balance definiere. Natürlich bin ich nach wie vor nicht unbeeinflusst, was auch das Essen und Trinken angeht. Aber ich lockere die Thematik da auf, wo es Sinn für mich macht.

    Kurzum, IMMER (!) wenn ich auf mich selbst höre, in mich gehe und insgesamt lockerer werde, erreiche ich meine Ziele dementsprechend schneller und „quasi einfacher“.

    Für mich ist es wichtig, dass ICH mit mir selbst klarkomme. Da möchte ich niemand meinen Lebensstil aufdrängen und bekomme dann jedoch auch das große Kotzen, wenn andere mir ihren (vermeintlichen) Lebensstil als allumfassende Wahrheit aufdrücken wollen.

    Teils sehe ich aber auch Möglichkeiten, Neues zu lernen und in meinen Alltag zu integrieren. Und wenn ich die nachfolgenden Sachen hier niederschreibe, wird die Masse mich deshalb verurteilen (die nichtvegane Fraktion) und die andere wird mich ermutigen, mehr oder besser noch ausschliesslich diesen Weg einzuschlagen:

    – Ich habe Hanfprotein für mich entdeckt. Es ist absolut geschmacksfrei, sättigt und passt prima in mein Frühstücks“müsli“. Was mir wiederum insgesamt sehr gut schmeckt.
    – Ich esse zwischendurch gerne einen Gurkensalat mit allerlei anderen „Mixed Pickles“ (Oliven, Pepperoni und son Zeugs) und würze das ganze mit Sojasauce (ja, noch so ein übles Produkt :-), Knoblauchgranulat (ja, dieses Fertigzeugs ist grausam und schmeckt nicht :-))) und weissem Pfeffer (ja, hier sind ja im Gegensatz zum schwarzen Pfeffer die ganzen Nährstoffe draussen)
    – Ich trinke Tee und Kaffee immer ohne Zucker und teilweise ohne Milch, dafür Kaffee oft mit irischer Butter – und das Zeug schmeckt mir!
    – Ich mag Linsen, Brokkoli und anderes Gemüse – und zwar besonders dann, wenn es entsprechend zubereitet wurde.
    – Teils esse ich mittags Rohkost (Karotten, Paprika) und ich komme prima durch den Arbeitsalltag

    Das war jetzt nur ein kleiner Auszug und ich habe meinen Fleisch- und Fischkonsum für unsere lieben Veganer rausgenommen. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte keine Art hochloben oder eben eine andere schlecht reden. Ich möchte einfach nur klarstellen, dass ich mir nichts aufdrücken lassen möchte. Soweit möglich, nutze ich meinen Entscheidungsspielraum und habe dann den Vorteil, zumindest einigermassen bewusst vorzugehen.

    In diesem Sinne: Haut rein! 🙂
    (Euer) Thomas

    • Hey Thomas,
      ich könnte auch nicht so giftig über die mentale Seite solcher Ernährungsumstellungen schreiben, wenn ich das nicht selbst erlebt hätte. Und trotzdem probier ich noch genauso gern neue Sachen aus, wie du. Aber ich reflektier eben inzwischen auch stärker, was so eine Umstellung mit mir macht, wie meine Psyche damit klar kommt. Und immer öfter habe ich dabei bemerkt, dass je mehr ich verzichte, desto schwieriger werde ich, desto mehr „Glaube“ brauche ich, um so etwas durchzuhalten. Und genau mit diesem „Glauben“ kommt das fanatische Element hinein, wo ich beginne, andere abzuwerten, um aus der Verachtung die Kraft zu ziehen. Und dann wird ständig alles gut geredet und Probleme einfach übersehen, bis alles schief geht. Und dann ist, rückblickend, alles scheiße gelaufen.

      Das hab ich bei mir beobachtet und sehe es nun immer häufiger bei anderen. Ich weiß um die Euphorie, die damit einhergeht und welch unglaubliche Energie darin steckt, weshalb das Ganze immer wieder so verlockend scheint. Ich weiß aber auch über die Enttäuschung über sich selbst, über den Selbsthass, der mit der Einsicht über die eigenen Schwächen einhergeht. Alles hat seine Sonnen- und Schattenseiten und die sollte man gegeneinander abwägen, um im Blick zu haben, wo man wirklich steht.
      Ich glaube, da sind wir uns einig. Die Balance soll im Blick bleiben und man sollte bewusst vorgehen, genau wie du gesagt hast. Das ist das tolle am Älterwerden, man hat so viele Fehler gemacht, dass man viel daraus gelernt hat. 🙂

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