Lauter kleine Abschiede…

Seit den Weihnachtsfeiertagen war ich nur einmal im Studio. Selbst die Verabredung mit Henry hab ich im letzten Moment abgesagt. Was ist nur los mit mir, frag ich mich dauernd. Sonst brauchte ich doch regelmäßige Trainingseinheiten genau wie Kaffee zum Frühstück und jetzt? Drückeritis deluxe! Mir kommt es vor, als würde mein ganzes bisheriges Leben endet.

Das könnte unter Umständen daran liegen, dass dem genau so ist.

Bisher hatte ich:

  • endlos lange Zeit für mich
  • den tollen Job im Zoo
  • im Studio meine Trainer, auf die ich mich freue
  • keinen Stress
  • einen kurzen Arbeitsweg

Und nun steht ein Abschied nach dem anderen an. Und ich bin so schlecht im Verabschieden!

Heute habe ich mit einem Kollegen gearbeitet, den ich ganz besonders mag. Ich mag einfach seine ruhige Art, die verrückten Geschichten, die er erzählt und die ernsten Gespräche, die wir hatten. Auf Schichten mit ihm hab ich mich immer besonders gefreut. Und heute war unsere letzte gemeinsame Schicht. Er fährt in den Urlaub und wenn er wiederkommt, bin ich nicht mehr da. Ich hatte überlegt, ihm ein kleines Abschiedsgeschenk zu machen. Vielleicht eine Dose Zinkkapseln oder Eiweißriegel. Aber die will er bestimmt nicht und wenn ich nur ihm was schenke, was denken dann die anderen? Und überhaupt, schickt sich das? Und wie übergibt man das? Oh Gott, da schäm ich mich ja in Grund und Boden!
Dann lieber ein paar liebe Worte, die ausdrücken, wie schön es war, mit ihm zu arbeiten. Und dass ich ihm alles erdenklich Gute wünsche, eine Hand kameradschaftlich auf der Schulter. Und bei Gelegenheit während der Schicht das schonmal ansprechen. Tausend Ideen im Kopf, eine peinlicher als die nächste.

Und heute bei der Schicht?
Smalltalk.
Positionswechsel.
Ich darf eine viertel Stunde länger bleiben.
Dann endgültig Abschied.
„Auf Wiedersehen und genießen sie ihren Urlaub.“ Händeschütteln, weg bin ich.
Ich bin sogar zurück zum Sie gewechselt, dabei duzen wir uns!

Und da wurde es mir klar..ich drück mich gar nicht vorm Training, ich drück mich vor all den kleinen Abschieden, die jetzt auf mich warten. Und weil mir so emotionales Zeug peinlich ist, tauch ich gar nicht auf oder mach einen auf abgebrüht.
Ich Feigling.
Dabei sollte ich die Zeit genießen, in der noch alles so ist, wie es ist. So mit Lieblingstrainer im McFit und netten Gesprächen auf Arbeit.
Aber ich lebe ein Leben mit viel Würde. Und Hätte. Und Sollte…

Und um von dem ganzen peinlichen Zeug abzulenken, zeig ich euch noch fix ein paar Insidereinblicke in den Zoo. Es gibt haufenweise Tiere, die die Besucher nie erblicken, weil sie in den Ecken leben, wo keiner hinschaut.
So hat man in der letzten Woche im Gamanil eine Schildkröte entdeckt, die offensichtlich von einem Besucher dort ausgesetzt worden ist.
Oder es gibt diese kleinen Frösche, die am Bootssteg hinterm Mülleimer leben. Die sind wirklich winzig, aber ihre Haut hat ein metallischen Glanz, der jeden Autolack in die Ecke stellt.
frosch

Schwer zu erkennen ist hier ein heller Fisch im Wasser, der auch gar nicht eingeplant war. Vom Baumwipfel aus habe ich ihn beobachtet und er steht, anders als die anderen, wusendeln Fische dort, wie an einer Stelle festgenagelt. Für Stunden. Und dann ist er plötzlich mal weg. Und später wieder da..an der gleichen Stelle. Und rührt sich nicht vom Fleck, obwohl das Wasser fließt. Total verrückt, der Fisch!
fisch

Was wir im Gondwanaland alles für exotische Pflanzen importiert haben, begreift man auch erst, wenn man sich damit beschäftigt. Auf den folgenden Bildern seht ihr derzeit wachsende Papayas, Kakaofrückte und Breiapfel, eine Art Gummigewächs. Mitten im Winter blüht und gedeiht im Gondwanaland der Sommer. 🙂

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Schön ist es auch, wenn die Dämmerung heraufzieht und die Tiere langsam müde werden. Die Vögel fliegen zu ihren Schlafplätzen. Bei den Kragentauben ist das zufällig die Hängebrücke am Baumwipfel. Zum Feierabend hocken sie da, zu fünft oder sechs, wo man die Täubchen sonst kaum einmal zu sehen bekommt. Und dann sind die alle zusammen plötzlich so nah. Ich wusste nicht einmal, dass es so viele sind.
kragentauben
Und auch man selbst wird unter der Kuppel von so einer abendlichen Gemütlichkeit erfasst.
brücke

gondwanaland bei nacht

Wo sich so viele Tiere wohl fühlen, da dürfen die hier nicht fehlen…sehr zum Verdruss des Homo Sapiens.
kakerlake

Es gäb noch viel mehr zu erzählen, von bootfahrenden Faultieren und all den Menschen, die fast beim Zustieg am Boot ihren Kopf verloren hätten, vom eingeschmuggelten Hund in der Handtasche. Aber erstmal muss ich los. Curry muss sich von ihren Operationsfäden verabschieden.
Machts gut. 😉

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7 Kommentare zu “Lauter kleine Abschiede…

  1. Ach die Abschiede… ich bin auch total schlecht in sowas. Ich bin eher zu rührselig und drücke mich auch lieber um alles *gg*

    Du musst wirklich mal mehr von diesen coolen Insider-Zoo-Geschichten erzählen 😀 Das klingt immer so spannend!! Und die Stimmung am Abend: wow. Das hat man ja nur im Winter… sollte ich wohl bald mal doch wieder hin 😉

    Gute Besserund an die kleine Curry 🙂

    • Huhu 🙂
      Irgendwann schau ich mal, was ich schon erzählt habe, heute war ich mir da nicht mehr so sicher und hatte keine Zeit. Aber irgendwann erzähl ich da noch mal mehr. =)
      Ja, derzeit ist im Zoo nichts los, es ist schön warm und abends echt gemütlich. Ich kanns nur empfehlen. Es gibt auch geführte Touren, wo man viele Insidereindrücke bekommt. Sowas will ich auch irgendwann mal als Kunde mitmachen. Hach, ich vermisse den Zoo und die schöne Zeit da jetzt schon. 🙂

      Danke, dem kleinen Monster geht es soweit gut…eigentlich viel zu gut, für ihren Zustand. Die sollte noch gar nicht so wild rumhüpfen, aber das tut sie unerlässlich. 😉

  2. Hej,

    also Deine Berichte machen echt Bock auch mal sowas zu machen.
    Ich hätte nur gedacht, dass man ohne Schulung, Ausbildungund Lehrgängen nicht mal Kamelmist wegmachen dürfte 😉
    An den genannten Kollegen konnte ich mich sofort erinnern, nicht weil ich ihn kenne, sondern weil Du ihn schon 1-2mal erwähnt hattest.

    Abschiede sind nicht meinr Problem, ich kenne eher dieses ‚Es lohnt nicht mehr‘ denken.
    Hatte deswegen seit quasi August nichts mehr gemacht, weil erst war ich verletzt.
    Dann nochmal (DrecksAutofahrer*grmbl*), dann hat es sich ja nicht mehr gelohnt, die 3 Wochen vorm Urlaub, dann..hmm..weiss ich nicht mehr..und dann war es ja schon fast Weihnachten*sülzsülz*
    Aslo was mit da echt nocht fehlt ist ein Umdenken. Jedes mal, und wenn es nur einmal in der Woche sein sollte aktuell für wer weiss wie lange ist besser als NICHTS!
    Was macht Dein Freund? Hat es ihn da auch erwischt?

      • Gute Besserung, hält ja lange an.
        Also ist Süsskram auch eher Dein Niedergang als Deftiges?
        Für mich ist Schokolade von der man nicht zunehmen würde definitiv mehr wert als die Weltformel!

      • Huhu, ne, bei mir ist es beides. Ich würde mich auch durch Bacon satt essen. *gg* Aber derzeit ist es definitiv Kinder Pinguiiiiii. 😀
        Aber hey, ich habs heute geschafft, Training und Diät. Yay, ein Tag geschafft.

      • Ah,okay. Ne da habe ich keine Probleme zu stoppen oder zu verzichten.
        Aber sobald ich Schokolade auch nur ERAHNE!!

        Graaats, Du hast es durchgezogen, toll!

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