Wat tun, wenn eine von drei Katzen zu fett ist?

Die Frage bereitet uns schon länger Probleme. Wasabi hechelt, sobald er drei Meter rennt, kann sich ohne „Lehne“ nicht mehr putzen, weil er dann immer zur Seite rollt und liegt überhaupt nur noch herum. Dabei war er früher so ein verspielter Kater. Die akrobatischsten Saltos hat er hingelegt und nie das Objekt der Begriede verfehlt, egal, wie wild man damit gewedelt hat.

Doch was tun?

  • Die Portionen beschränken fällt flach, weil Paprika grundsätzlich nur frisst, wenn er ganz alleine und alles ruhig ist. Denn wenn ringsum Unruhe herrscht, erbricht er nach zwei Minuten alles.
  • Getrennte Fütterplätze fallen auch aus. Sobald hier eine Tür geschlossen wird, empfinden die ausgeschlossenen Katzen das als Affront und beschweren sich durch Maunzen und Kratzen…da denkt keiner mehr ans Fressen.
  • Einen Napf hochstellen, damit nur die schlankeren Katzen herankommen? Fällt auch aus, obwohl er kugelrund ist, springt Wasabi noch wie ein junger Gott.
  • Diätfutter…ich bin skeptisch. Was ist, wenn der Kater einfach mehr davon drisst?

Trotzdem haben wir das Diätfutter jetzt ausprobiert. Irgendetwas muss man ja unternehmen und es scheint zu schmecken. Zusätzlich haben wir die Futternäpfe durch Activity-Spielnäpfe ausgetausch. Jetzt wird nicht mehr nur der Kopf in den Napf gehalten, jeder Brocken muss erst erarbeitet werden!

Wasabi hat allerdings so viel Spaß daran, dass ich befürchte, er frisst allein durch den Spieltrieb so viel, dass er irgendwann platzt. Also versuchen wir die Rationen zu portionieren und Paprika bekommt zusätzlich die Leckerlies und Futterdinger, die Wasabi gar nicht mag.

Phew…Spaß haben die drei daran, mal sehen, ob es hilft. Ich werde berichten. 😉

2

 

Meine neue Ideenschmiede

Unterricht zu planen, ist gar nicht so leicht.
Erst legt man fest, welchen Stoff aus dem Lehrplan man nimmt, dann schaut man, ob der sich gut mit einem anderen Stoff verknüpfen lässt. In Deutsch beispielsweise Grammatik mit Literatur. Dann beginnt die Recherche: worum geht es bei dem Thema wirklich, wo sind Anknüpfungspunkte zur Lebenswelt der Schüler? Welche Faktoren führten dazu, dass es so kam? Und, und, und. Lehrer wollen immer alles wissen.
Und wenn ich dann alles weiß, dann muss ich mir überlegen, was die Schüler davon verdauen können. Didaktische Reduktion nennt sich das.
Dann legt man fest, welche Ziele man erreichen will. Was sollen die Schüler am Ende können oder wissen?

Und jetzt kommt der spaßige Teil: Materialien zusammenstellen.
Im günstigsten Fall hat man in der Schule ein gutes Lehrbuch und gute Arbeitshefte, die man nutzen kann. Meistens ist das nicht so. In Reli kann man das ganz vergessen. In Reli erfindet man das Rad immer neu.

UND DAFÜR braucht man Material. VIEL Material. Bilder, Texte, Wissenschaft, Zeitungsartikel und vor allem ganz, ganz, ganz viele Bücher.
Rebuy hat diesen Monat echt gut an mir verdient, aber ich bin auch sehr glücklich, dort richtig viele Schätze für 79 oder 99 Cent ergattert zu haben. Ohne wäre ich hier nicht klar gekommen.

ABER Bücher brauchen Platz.
Mein Arbeitsplatz sah letzte Woche so aus. Wobei die Katze optional ist.
schreibtisch vorher

Und was macht man, wenn man Platz für Bücher braucht?
Richtig, man pilgert zur heiligen Stätte der Wohnlösungen: Ikea.
Gestern kam die Lieferung und ich stürzte mich ohne groß zu überlegen ins Imbus-Abenteuer.
Zuerst wurde ausgepackt, geschraubt ud gehämmert. Curry wollte mir immer die Schrauben vorsortieren, aber das wollte ich dann doch lieber selber machen.
curry hilft

Wir mussten feststellen, dass bei Ikea der Preis über den Komfort beim Aufbauen bestimmt. Während mein kleines Schreibtischschränkchen für seine Größe echt teuer war (fast so teuer wie der riesige Kleiderschrank), war die Anleitung dafür sehr exakt, eindeutig beschrieben und der Zusammenbau ein echtes Vergnügen. Beim Doppelregal war auch alles gut beschrieben udn der Zusammenbau relativ problemlos.
Der Kleiderschrank hingegen, der allein einen Lieferumfang von vier! Paketen hatte, war lasch und ungenau beschrieben. Es dauerte ewig allein die richtigen Teile zu finden. Von vier riesigen Paketen mussten drei geöffnet werden, um überhaupt die ersten Schritte vollziehen zu können. Allein der Platz dafür brachte uns zur Verzweiflung, wie man auf dem nächsten Bild erahnen kann.
verzweiflung
Das schlimmste aber war die Planung. Die Befestigung für die Türen musste teilweise erfolgen, während die Tür bereits eingehangen ist.
lampe
Man musste also halb in den finsteren Schrank kriechen, um die Türhalterung innen am oberen Rand erst einzustellen und dann mit der dritten und vierten Hand zu fixieren.
test
Mittlerweile war es nachts halb eins und mir ging die Puste aus. Vorher hat alles Spaß gemacht, aber der Schrank hat mich echt geschafft.
Aber Ende gut, alles gut.
nachts halb eins

Und weil ich schon dabei war alles neu zu machen, musste auch die Abstellkammer, in der immer eine Lawine drohte, entrümpelt werden.
Vorher
1abstellkammer vorher

Der Flur mittendrin. Hier dachte ich ehrlich „What the hell did I do?“
flur 2

Abstellkammer nachher. Sieht sicher noch total chaotisch aus, ist es aber tatsächlich nicht. Man kommt an alles Wichtige ran, ohne Angst haben zu müssen, erschlagen zu werden. UND man kann sogar den Fußboden sehen.
abstellkammer neu

Heute morgen habe ich dann noch hier und da das ganze Geramsche eingeräumt und siehe da:
schreibtisch nachher

kleiderschrank

Und heute ist eher so:
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Kahlschlag

Wo wir einst so schön in der verwilderten Natur saßen und im rechtlichen Niemandsland Freunde einluden und grillten…
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sieht es nun plötzlich so aus…
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Aber ich habe immerhin Schneeglöckchen entdeckt, die Natur wird zurück schlagen!
Bestimmt!
Aber dann…!

Ersteindruck DayZ (gesprochen Daysie) Alpha

Kommt mein Freund gestern ins Arbeitzimmer und ruft aufgeregt: Na, haste ne Mail bekommen?!?
Ne?
Nich?
Ne?
Oh, da muss ich nochmal gucken.

Ja, bezahlen musste er auch noch, für knappe 25 Euro hat er mir nämlich den Early Access zu DayZ geschenkt. Das Spiel, weil ihn seit neuestem so gefangen nimmt, dass er nachts davon träumt und regelmäßig beim Spielen Gänsehaut bekommt. So ein Erlebnis muss ich natürlich mit ihm teilen. Also tat ich gestern meine ersten Schritte in DayZ. Und das sah ungefähr so aus.
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Worum gehts?
Es geht nicht ums Pimpen, nicht ums Leveln, nicht um Quests. Es geht ums nackte überleben. Wer The Walking Dead kennt, der wird hier schon ziemlich schnell an die Serie erinnert. Man erwacht irgendwo mit nichts, als ein paar Klamotten am Lein und einem grummelndem Magen. Ich habe also Hunger. Dann geh ich mal etwas zu Essen suchen, möglichst kein verottetes, denn davon werde ich krank. Und einen Rucksack. Wasser. Oh, ich habe eine Dose gefunden. Mist, ich habe keinen Dosenöffner, also weitersuchen mit grummelndem Magen, bis ein Dosenöffner oder etwas anderes gefunden ist.

Es gibt keine Quests außer dem Überleben. Kein Interface außer deinem Inventar. Keine Karte, außer du findest eine im Spiel. Keine Orientierung außer der Sonne und eventuell einen gefundenen Kompass.

Außerdem gibt es Zombies. Als ich gerade ein verlassenes, blutverschmiertes Haus durchsuche und mich am Ende der Treppe nach ergebnisloser Suche umdrehe, steht plötzlich einer hinter mir und grunzt mich an. Den Schrei, der mir entfährt, haben bestimmt auch die Nachbarn gehört. Min Herz schlägt bis zum Halse. Ich habe noch keine Waffe und renne blind los. Nur weg vom Zombie, die Straße rauf. Plötzlich höre ich Spieler über den Ingame Voice-Chat. Erst noch entfernt, kommen sie mir schnell näher. Zack, auf die Taste gepatsch und „I’m friendly! I’m friedly!“ gerufen. Die Stimme, die mir antwortet kenn ich, oh, das ist mein Kumpel! Dann sind ja alle da, denk ich, bis mein Kumpel ruft: „Renn weg! Die killen dich!“
Oh, das sind nicht alles meine Kumpel, die anderen sind fremde Spieler und das heißt in DayZ eigentlich immer: Feinde.

Irgendwann merke ich, dass meine Augen schmerzen, sie sind trocken geworden, weil ich nicht zwinker. Ich muss auf Toilette, also leg ich mich auf einer Wiese hin und hoffe, dass mich weder Spieler noch Zombie finden. Die Landschaft sieht so detailreich aus und so schön gestaltet, dass man richtig eintaucht, sofort. Reiner Nervenkitzel. Und jetzt les ich nicht mehr Korrektur, ich geh direkt wieder rein. 😉

Wieder eine Woche geschafft…

Die zweite Woche ist rum und, total überraschend, lebe ich noch. Von mittwochs bis freitags klingelt mein Wecker erst um drei Uhr an dann nochmal um 3:40. Nach dem ersten Klingeln kommen Curry und Paprika zu mir ins Bett. Schmusezeit. So als ob ich die erste Weckzeit extra für sie gestellt hätte und nicht, um meinem übernächtigtem Körper noch ein paar wohlige Minuten des Schlummerns zu gönnen. Aber wenn Curry ihren schnurrenden Körper so schwungvoll gegen meine Stirn schlägt, dass ein Purzelbaum daraus wird, kann ich ihr gar nicht widerstehen. Es ist einfach zu süß.

Um 4:24 fährt mein Bus. Zumindest laut Fahrplan. Tatsächlich prescht er aber schon um 4:21 in einem Tempo los, dass man meint, er wäre auf der Autobahn. In diesem Bus sitzt immer ein lustiges Trüppchen, an jeder Haltestelle kommt jemand hinzu, der munter begrüßt wird, man schwenkt seine Coffee-to-go-Tassen und rutscht zur Seite. Da gibt es immer was zu erzählen, da ist um 4:25 schon richtig was los. Ich dachte erst, die gehören alle zu einer Firma. Tatsächlich scheint es sich aber nur um eine lose Truppe zufällig häufig zusammen fahrender Männer und Frauen zu handeln, denn so wie ständig neue Truppenmitglieder einsteigen, steigen sie auch alle an unterschiedlichen Stellen wieder aus und den „Bis morgen!“-Rufen entnehme ich, dass sie sich auch sonst tagsüber nicht treffen.

Am Bahnhof ist alles wie ausgestorben, nur ein kleiner Bäcker bietet schon Kaffee, Gebäck und belegte Brötchen. Aber ich hab immer meine Thermoskanne dabei, voll mit Kaffee, so wie ich ihn gern trinke und mein Magerquark gluckert ebenfalls im Rucksack herum. Also schau ich, ob der Bahnsteig noch stimmt und gehe zu meinem Zug, der zwar schon wartet, aber weder Zielanzeige noch Licht hat. Meistens springt das Licht nach zwei, drei Minuten an und ich kann mir einen Platz (Vierersitz, ganz für mich allein, alle Plätze mit meinem Krimskrams belegt!) in der Nähe meines neuen, portablen Bades erobern. Mittlerweile ist es fünf Uhr und ich habe über eine Stunde Zeit, bis ich umsteigen muss. Zeit um meinen Quark zu essen, Kaffee zu trinken, Buch zu lesen und schließlich mit meiner neuen Reisezahnbürste, Reisezahnpasta und Reisemundwasser (Listerine ist wirklich das widerlichste Zeug, was ich je im Mund hatte, dagegen schmeckt so manches medizinische Tränkchen wie Limo!) mein neues, fahrendes Badezimmer aufzusuchen. Nach so einem ausgedehnten Frühstück und Morgenritual bin ich dann auch wach und guter Laune.

Gegen 6:15 steige ich um und das ist richtig fies. Der Wind fährt einem wie eine kalte Hundezunge unter Hose und in den Kragen, der Treppenaufgang wirkt da kaum schützend, trotzdem stellen sich dort alle wie auf einer Rolltreppe an, um wenigstens etwas Schutz zu finden. In dieser Treppenschlange steht auch stets ein Herr mittleren Alters mit umgeschlagenen Hosenbeinen (die dadurch zu kurz werden), einem fettigem Zopf, der unter einer Glatze prangt und zwei Stoffbeuteln voll mit irgendwelchem undefinierbaren Gekröse. Die Stoffbeutel werden schnaufend zu seinen Füßen abgestellt, wobei plötzlich ein haariger Mond aufgeht, oder sind es zwei runde Vollmonde? Mich durchfährt dabei der Gedanke „Sechs Uhr fünfzehn ist einfach zu früh für nackte Männerärsche.“ und der treibt mich dann auch fluchtartig hinaus in das volle Ausmaß an fies peitschendem Wind. Dann fährt der Zug ein, fährt an allen Passagieren vorbei und hält am anderen Ende des Bahnsteigs. Auf Knopfdruck leuchtet der Türöffnungsknopf grün auf, ein Pfeifen erklingt und die Landerampe wird ausgefahren, dann, nach sechs unendlich langen Sekunden blinkt der Türknopf und dies ist der Moment, in dem man dann ein kleines Zeitfenster hat, um per Druck flehentlich um Einlass zu betteln. Da alle potentiellen Zugmitfahrer dem Zug hinterher gelaufen sind, sitzt mir der Vollmond im letzten Zugabteil genau gegenüber. Da hilft nur ein gutes Buch. Hab ich zum Glück! Erst war es Blutklingen, jetzt ist es der Planetenwanderer, beide sehr geeignet, um schlimme Bilder auszulöschen. Zumindest bis mich im nächsten Halbschlaf der Vollmond erschüttert.

Vom Bahnhof sind es dann noch zwanzig Minuten zu Fuß bis zur Schule, 15, wenn man richtig flitzt und die Ampeln mitspielen. Mittlerweile ist es 6:50 und die hektische Begrüßerei beginnt. Die LehrerInnen geben sich morgens immer die Hand. Furchtbar! Stets steh ich da und weiß nicht, ob ich in Unterhaltungen mit einer forsch vorgestreckten Hand hineinfahren soll, oder ob ich lieber mit einem für diese Uhrzeit viel zu gut gelauntem „GUTEN MORGEN“ beginnen soll. Aber weil ich ein von Natur aus kontaktscheuer Mensch bin, entscheide ich mich stets für die Gute-Laune-Brüll-Variante. Die Stimme muss schließlich auf Touren gebracht werden. Und schon zischen die ersten Umarmungs-Abwehr-Begrüßungshände herum und wandern von Arm zu Arm. Schnell räumen diese Umarmungs-Abwehr-Hände jede Idee von Ganzkörper-Begrüßungen aus, indem sie wie gezogene Stilette auf den zu Begrüßenden zu fahren. Nach dieser emotionalen Achterbahn ist man dann endlich bereit für den Unterricht. Da muss zum Glück nicht angefasst werden. Man muss nur aufstehen und mit dem Blick alle Augenpaare im eigenen Fokus für den Bruchteil eines Augenblickes festnageln. In meiner ersten Stunde hab ich erst noch in meinen Sachen gekramt und bin dann aufgestanden, sofort stellten sich alle hin, um einen Augenblick später empört zu bemerken, dass ja noch Pause sei! Aber, aber, ich bin doch nur aufgestanden.*gg*
Aber was soll ich sagen…jede Stunde ist ein großer Auftritt, Ruhm und Ehre liegen eng mit Niederlagen, Schmähungen und vergeudeter Zeit zusammen. Es ist aufregend und man bekommt sofortiges Feedback vom Publikum, wenn es schlecht läuft. Applaus gibt es allerdings selten. Aber ich mag das Gefühl, auf diese Bühne zu treten und mit meinem Publikum zu interagieren. Noch weiß keiner, dass ich tätowiert bin. Das wird eine Überraschung! *gg* In den nächsten zwei Wochen ist kein Unterricht, ich vermeide das Wort Ferien. Dafür gibt’s Seminare und jede Menge Stunden vorzubereiten. Nach der unterrichtsfreien Zeit muss ich öfter ran und das Pensum eigener Stunden steigt stetig. Aber ich glaube, das kann ein richtig toller Job sein. 

Auf dem Heinweg kommt heute die Fahrkartenkontrolleurin zielstrebig auf mich zu. wir befinden uns auf Höhe der letzten Haltestelle vor dem Zielbahnhof Leipzig und ich denk noch „Die wird doch jetzt nicht wohl noch meine Karte sehen wollen?“, aber im letzten Moment fällt ihr Blick auf die rote Toilettenanzeige „besetzt“ und ihre Stirn legt sich in Falten. „Das ist eine ältere Dame.“, sage ich.
„Dann muss ich in der Nähe bleiben.“, sagt sie. „Da kommt bestimmt gleich der Toiletten-Notknopf.“ Und als hätte sie damit eine höhere Macht angerufen, erschallt aus dem Lautsprecher ein Knacken, gefolgt von der Ansage: „Zugführer bitte zur Tiolette, der Toilettennotknopf wurde betätigt. Bitte überprüfen, der Toilettennotknopf wurde betätigt.“ Kurz überlege ich, wer den Zug fährt, wenn die Zugführerin vor mir steht, aber das macht dann wohl das Servicepersonal. Die Frau nimmt einen „Ich habs doch gewusst“-Gesichtsausdruck und lockere Haltung an. Drinnen wird die Klospülung zum zweiten Mal betätigt, der Riegel wird umgelegt und die kleine, alte Dame steckt den Kopf zur Tür raus: „Wo kommt denn hier das Wasser?“ und nein, die meint nicht die Spülung, die hat sie ja schon zweimal gefunden, sie meint den Wasserhahn mit Bewegungssensor zum Händewaschen. Wenn man sich nach dem Besuch einer öffentlichen Toilette nicht die Hände waschen kann, ist das schon ein Grund, wild auf alle leuchtenden Knöpfe zu drücken, bis der Zugführer kommt.

Voll auf Kaffee…

die erste Woche ist rum und ich bin echt glücklich.
Am Dienstag ging es auf dem Weg zum Seminar erstmal schön frühs durch den Palmengarten. Auf den Pfützen lag eine dünne Schicht Eis, der Kanal floss gemütlich dahin, Hunde rannten nach den geworfenen Stöckchen und in der Luft lag eine scharfe Kälte. Ich fühlte mich so unbändig wach und frisch und alles fühlte sich so voll an, so sinnhaft.

Die Stunden und Tage sind nur so dahin gerauscht, kein stundenlanges im Bett Gewälze, bei dem ich versuche, irgendetwas zu finden, was die Zugkraft besitzt, mich aus den Federn zu heben. Stattdessen steh ich um 3:40 auf, pack meinen Rucksack und flitz zum Bus. Zack, ab zum Zug, Buch auf, Quark in die Kuchenlade, aufm Zugklo Zähne putzen, umsteigen…es ist verrückt, aber jetzt, wo meine Zeit in vorhersehbare Schollen zerplatzt, fühlt sie sich endlich nicht mehr wie ein Gegner an. Ich bin raus aus der Wüste sinnloser Ewigkeiten und meine freien Stunden sind wieder kostbar. Gestern lag ich über eine Stunde im Ölduftbad in der Wanne und habe geschmökert. Das habe ich den ganzen Winter noch nicht getan!

Und meine Schule ist toll. Bei der Religionslehrerin hatte ich zweimal schon eine Gänsehaut, so hat mich der Unterricht mitgenommen. Nächste Woche übernehm ich da die erste Klasse. Aufregend!
Und heute war ich bei einer Deutschlehrerin im Lese-Rechtschreib-Nachhilfekurs. Sie zeigte mir, was die Kinder so machen können. Alles spielerische Arbeiten am PC. Dann beugte sie sich etwas vor, sodass sie hinterm Monitor, für die Kinder unsichtbar, verschwand und flüsterte: „Das ist der XXXXXXX, der ist schon so vom Leben gebeutelt, aber ein ganz lieber ist das. Das sind sie alle. Helle Köpfe, aber manche Dinge werden denen eben nicht klar. Ich kenn das selber, ich habe eine Rechts-Links-Schwäche. Wenn ich Zeit habe zu überlegen, mit welcher Hand ich schreibe, geht es. Aber ohne überlegen geht es nicht. Deswegen kann ich das nachvollziehen. Die müssen üben und brauchen Lob, aber auch ehrliche Kritik. Das brauchen alle, aber die hier brauchen eben ein Lob mehr.“

Das war in der fünften Klasse, danach hatte ich bei ihr Deutsch in der 9. Die 9. kannte ich schon aus anderen Fächern, die sind nicht wild, das sind ganz ordentliche, aber hier waren sie…wie eine Horde Mönche beim Gebet. Ich kanns nicht beschreiben, man könnte den gegenseitigen Respekt spüren. Auch wenn sich jemand langweilte oder abschaltete, saßen die still, kein Kippeln, kein Schwatzen und dabei sprach sie ruhig, fast leise. Kein hohes Gequäke, wie das Frauen leider oft passiert, wenn sie sich durchsetzen wollen. Als eine Schülerin eine Antwort, trotz Hilfestellung, nicht wusste, hörte man von der Seite kurz spöttisches Schnauben. Das hätte man leicht ignorieren können, weil es kaum zu hören war. Aber die Lehrerin schaute auf einen Punkt an der hinteren Wand des Raumes und sagte: „Leute, ihr wisst, wie ich das finde, wenn man sich selbst über andere erhebt. Jeder steht mal auf dem Schlauch!“
Kurz vor Ende der Stunde kam sie zu mir hinter und fragte, ob ich noch Fragen häötte, sie hätte in der Pause Aufsicht und keine Zeit. Ich fragte sie, wie sie ihre ersten Stunden in einer neuen Klasse hinsichtlich Regeln und Ritualen gestaltet. Weil ich staune, wie ruhig die Klasse hier ist.

Sie ging wieder vor ans Lehrerpult und stellte die Frage ans Plenum. Viele Hände gingen hoch.
„Wir müssen am Anfang die Rucksäcke zu machen und die Jacken hinten an den Haken hängen.“
„Wenn wir was ausfressen, müssen wir selber nach Lösungen suchen und Vorschläge machen.“
„Gegenseitigen Respekt zeigen.“
„Wir sollen in ganzen Sätzen antworten.“
„Wer kippelt muss stehen.“

„Und wenn mich etwas stört, dann sage ich es laut für alle, aber ich nenne keine Namen und gucke keinen an. Ich will niemanden beschämen. Nur wenn es dauernd vorkommt, drohe ich damit, beim nächsten Mal Namen zu nennen. Jetzt ist es angenehm hier zu arbeiten, aber in Klasse 6 und 7 haben wir uns auch ganz schön gekabbelt, stimmts?“ Die Schüler nicken und grinsen dabei.
Klare Regeln, respektvolles Verhalten und selbständiges Mitdenken…das ist eine Rolle, in der ich mich auch gut sehe.

Nächste Woche wird meine Feuerprobe, ich bin so aufgeregt!

Ach verdammt….

eben habe ich folgendes Bild gesehen und es hat mich angesprochen, als wäre es nur für mich gemacht (Quelle: Facebook):

Und bei diesem Bild möchte ich direkt ins McFit (Quelle: Facebook).

Tatsache ist, dass die letzten Wochen so durchzogen waren von guten Nachrichten und superschlechten Nachrichten, dass mein emotionaler Pool derart erschöpft ist, dass mir alles egal ist(Dreimal „dass“…oh yeah! Ach egal…). Ich kümmer mich nur um die Aufgaben, die direkt anstehen und unbedingt erledigt werden müssen. Alles andere wird ausgeblendet. Und um noch eine Ausrede zu haben, habe ich mir eine leichte Erkältung eingefangen. Die Ärztin sagte: Was man halt so zur Zeit mit sich rumschleppt.
Heute morgen habe ich einen groben Plan für meine ersten Unterrichtsstunden erstellt und es fühlte sich gut an. Ich habe Ideen, weiß, wo ich gutes Material finde und ich freu mich darauf, zwölf Monate lang erstmal nicht täglich Angst vorm Briefkasten haben zu müssen oder vor unregelmäßigen Zahlungseingängen, vor endenden Arbeitsverträgen, erfrorenen Füßen und der unmittelbaren Zukunft. Zwölf Monate werde ich jetzt ein Abenteuer erleben, welches wieder einen Abschlussstein unter dem Kapitel „Lebenslauf“ darstellt.

Und wie ich heute so Material um Material sichtete und wusste, dass ich daraus schöne, interessante Stunden machen werde, in denen ich mit meiner Persönlichkeit und meinen Fähigkeiten punkten kann, da überkam mich plötzlich diese Sehnsucht nach Training. Irgendwie lichtete sich der Nebel aus abstumpfenden Sorgen und ich sah eine gute Zukunft vor mir. Und in dieser Zukunft hat auch Bodybuilding wieder seinen alten Platz. Wenn ich in den letzten Wochen ans Studio dachte, fühlte es sich an, wie der Versuch, mich selbst als Zahnarzthelferin zu sehen oder als Nonne…ich sah mich einfach nicht in der Rolle und hatte keinen Bezug zu der Frau, die ins Studio und ihre Ziele verfolgt. Ich hatte auch das Gefühl, schon wieder viel zu lange auf der Stelle zu treten.

Aber gestern kramte ich dann in alten Fotos. Neun Jahre bin ich seit gestern mit meinem Freund zusammen. Und in diesen neun Jahren ging es zunächst steil bergab mit dem Aussehen. Himmel, sind wir teilweise rumgerannt! Mit engen Klamotten auf einer dicken Schicht Speck, mit einem struppigem Bart, der nach allen Seiten abstand (mein Freund, nicht ich! ;D), mit fettigen Haaren, einem schnurrgeraden Pony, Ansätzen bis zum Ohr und unmöglichem Make Up.

Und immer wieder Monate dazwischen, wo wir plötzlich sichtbar schlanker und schicker waren. Bevor die nächste Ranzphase kam.
Dagegen sind die letzten beiden Jahre doch weniger von diesen krassen Schwankungen gekennzeichnet und mehr von sichtbar wachsenden Muskeln. Mir sieht man das neue Lebensgefühl stärker an, weil ich plötzlich gepflegter bin, richtige Frisuren trage und insgesamt…Geschmack entwickel?

Jedenfalls scheine ich langsam wieder zu mir selbst zurück zu finden und ein Gedanke kitzelt mich: Zum 10jährigen Jubiläum nächstes Jahr will ich dem obersten Bild näher gekommen sein. Wir sind so ein tolles Paar, haben uns so gut zusammen geschlagen, entwickelt, verändert, gefeiert, getanzt und gelacht und ich will, dass man auch sehen kann, dass wir miteinander glücklich sind. Jedes Jahr ein bisschen hübscher und fitter und das schaffen wir zusammen. 🙂

Zum Abschluss noch ein paar Schockbilder aus neun actionreichen Jahren. Eines kann ich sagen, langweilig wars nie. Und so soll es bleiben. 😉

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