Ich hab den Vater der Schwerter gesehen….

Muss es denn Dresden sein? ZWEI Stunden Fahrt für eine Strecke, da sind wir ja VIER Stunden nur unterwegs udn wenn ich dann die Nase voll habe, muss ich ZWEI Stunden Fahrt zurück im Zug ertragen, quengelt der Freund am Freitag Abend. Aber ich wollte wenigstens einen Tag im Urlaub mal nicht mit dem Kopf in Stundenplanungen stecken und so musste er wohl oder übel mit: Zur Rüstkammer in Dresden!

In meiner Lehrzeit war ich schon einmal dort, damals las ich keine Fantasy und fand es schon irgendwie beeindruckend. Aber jetzt, wo ich mit dem Heckenritter von Westeros auf Turnieren war, wo ich mir mit Tyrion Lanister den Arsch wund geritten, mit Whirrun von Blei den Vater der Schwerter geschwungen habe, da sind echte alte Rüstungen und Waffen nochmal etwas ganz anderes für mich. Und was ich dort zu sehen bekam! Von einfacheren Feldrüstugen über Fußturnierrüstungen (ist das dann ein Buhurt?!?) bis hin zu unglaublich verzierten Prunkrüstungen, bei denen man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam. Allein das Geschirr der Pferde war teilweise so filigran und schick! Bei Krieg und Kampf denkt man eher an ungeschlachte Panzer, aber dort war jedes Schwert verziert, vergoldet, mit Inschriften und irgendwie geschmückt. Man sah Pistolen, Pulverdöschen, Turnierlanzen mit den Kronen, Rüstungen mit Trefferabdrücken, wo diese Kronen eingeschlagen sind. Leider durfte man keine Fotos machen, so bleibt nur das Prospekt.Prospekt

Vor meinem inneren Auge lebte da der alte Hofstaat auf. Und bei Rüstzeug wie diesem…von oben bis unten verziert und mit Geschichten der Odyssee bedeckt…unglaublich, dass so viel Kunst mit Krieg verbunden war. Es sollte ein Werbegeschenk des schwedischen Königs sein, der damit das Herz einer englischen Dame gewinnen wollte, doch auf dem Seeweg wurde es von Dänen geraubt und erreichte nie sein Ziel. Wie bitter muss das denn gewesen sein?  Natürlich gab es auch mannshohe Gemälde von alten Fürsten auf denen sie die (anderen) ausgestellten Rüstungen trugen. Und es gab winzige Kinderrüstungen für Knaben, mit winzigen Scharnieren und Gelenken.
Rüstung2

Und dann kam der Vater der Schwerter, ein über zwei Meter langes, zweihändiges Breitschwert…so stell ich mir den Vater der Schwerter vor. Über 8kg schwer, das klingt erstmal nicht viel, aber haltet das mal ausgesteckt und führt es gleichzeitig zur Verteidigung und zum Angriff…nee, ehrlich, was muss das für ein Kerl gewesen sein, der so ein Schwert geführt hat. Zumal die damals ja alle kleiner waren. Ich hab da keine Rüstung für 2m große Kerle gesehen, die waren doch höchstens 1,80.
Kurzum: ich war beeindruckt! Und dieser Raum hätte für das Eintrittgeld von 12 Euro schon genügt.

Aber das Ticket berechtigte zur Besichtigung weiterer Ausstellungen, da sagt man ja nicht nein. Also ging es weiter zur türckischen Kammer.
Türkische Kammer Das Bild ist von der Eintrittskarte und man sieht ein riesiges Zelt, dass in einem recht dunklen Raum aufgespannt ist. Innen ist der Stoff fein bestickt und verziert und ich fühlte mich in die Zeit zurückversetzt, als ich mit Peter Berlings Grahlreihe von den Mongolischen Horden las, die mit ihren Krummschwerter selbst dem gestähltesten Heer Angst und Schrecken einjagten, deren Wissen über die Medizin damals allen anderen überlegen war und deren Kultur so entwickelt wie exotsich war. Man sag Dolche und Köcher mit Diamanten und Saphiren verziert und ein ganzes Pferdegeschirr voller Edelsteine. Nach dieser Ausstellung war ich schon ziemlich erledigt vor lauter Staunen und „Oahr!“

Aber es gab ja noch mehr!
Dionysus 2
Wir trotteten zur Dionysos-Ausstellung…besoffene halbnackte Leiber, wo man hinschaute. In Reli behandel ich gerade die Entstehung der Kirche und dabei auch das antike Umfeld mit seinen Mysterienkulten. Der Dionysuskult war einer davon und fiel entsprechend auf. In der Kunst wurde das Motiv des Exstatischen, der direkte Berührung mit dem Göttlichen hat, häufig wieder aufgenommen. Meinem Freund gefiel das hier besonders gut:
Dionysus 1 Der kleine Dionysus als dickes Kind, das gleichzeitig säuft und pisst. Feixend standen wir davor, das Bild sollte wohl zur Erheiterung wie auch zur Mahnung gegen Völlerei und Trinksucht dienen. Jaja, wie gut, dass sich solche herrlichen Bilder mit dem Hinweis, dass dies zur Erziehung diene, erhalten lassen.
Es gab auch einige Faune zu sehen, wobei nie klar war, wo der Unterschied zwischen Faun, Silen und noch einem dritten Begriff, der mir sofort wieder entfallen ist, liegt. Der Audioguide lag leider nicht auf direktem Wege und nachdem wir schon zurückgeschickt wurden, um unsere Taschen einzuschließen und ich auf Nachfrage nur eine grobe Wegbeschreibung zum Stand mit den Audioguides erhielt, war mir das zu umständlich. Nachher habe ich bereut, nicht hartnäckiger gewesen zu sein.

Nach dieser Ausstellung war ich eigentlich schon zu k.o., um überhaupt noch visuelle Reize zu verarbeiten. Ich gähnte in einem fort. Aber Nemeryll hatte noch von einem Hofstaat von Dehli erzählt, der teurer war, als das ganze Schloss Morizburg. Den musste ich noch sehen, also ab ins neue grüne Gewölbe. Und dort wurde man wirklich erschlagen von Prunk und Pomp. Selbst wenn ich nicht schon in drei Ausstellungen gewesen wäre, hätte es hier noch genug „Wow“ und „Nein!“ gegeben, um einem die Sinne schwirren zu lassen. Uhren mit Kristallmurmelbahn und Miniorchester, ein metallener Globus, auf dem wir Länder und Städte von heute erkannten und der als Trinkspiel mechanisch über den Tisch wanderte und bei wem er stehen blieb, der musste ihn öffnen und aus ihm trinken, ein riesiger grüner Diamant, durch natürliche radioaktive Strahlung so verfärbt, wurde in eine Hutgemme eingearbeitet, dass es nur so funkelte. Und bei all den Kistchen aus Topas, Achat, Jaspis, Lapislazuli, Jade und Rosenquarz fühlte ich mich gleich an Reckless und die Tintenwelt erinnert. Endlich konnte ich mir mehr unter diesen Begriffen vorstellen. Es gab unglaublich detaillreich verzierte Waffen, Geschirr udn Besteck, Hausaltäre, Vasen, Orden, Schmuck und…einfach viel zu fiel. Wir waren beide fertig und hatten schon fünfmal beschlossen, dass wir einfach nichts mehr aufnemhen können, doch es gab immer noch etwas, das unseren Blick anzog und uns nochmal ein Staunen entrang.
Also wer mal nach Dresden kommt, investiert das Geld, ihr bekommt mehr, als ihr verkraften könnt. ^^

Teil 2: Die Heimfahrt des Grauens
Nachdem wir uns dann nochmal mit leckerem Essen gestärkt hatten, ging es zum Zug, um endlich nach Hause zu kommen. Ich spürte wieder das seltsame Gefühl, dass Dresden zwar hübsch ist, ich aber nur in Leipzig dass Gefühl von Heimat verspüre. Mit diesem Gedanken setze ich mich, der Zug füllte sich rasch und ich bemerkte, nachdem der Zug abgefahren war, dass es mit kalt am Hosenbein hochpustete. Außerdem hatte ich die mitgebrachte Lektüre bereits ausgelesen! Wenn ich hier über eine Stunde säße, wäre ich krank, wurde mir klar. Und so zwang ich meinen Freund zum Umzug. Aber wohin? Der Zug war völlig überfüllt, er pflanze mich irgendwann auf einen Sitz und stand im Gang. Nun hatte ich ein schlechtes Gewissen! Also wieder hoch und zwei Plätze vorm Klo ergattert. Daneben eine Familie: Nein, du kriegst jetzt dein Handy nicht, du musst auch mal lernen deine Langeweile auszuhalten und damit umzugehen.
Mama du bist doof, ich hab überhaupt nichts zu tun!
Darauf die kleine Schwester mit klirrender Stimme ganz empört: Mama ist nicht doof!
So ging das weiter, bis noch ein verwittertes Pärchen mit Alkoholikerromantik uns gegenüber Platz nahm und sich lallend unterhielt und schließlich noch eine Dame mit Kind, die ein Eau de Toilette aus Dönerbude und stechendem Schweißgeruch trug, sich daneben pflanze, quasi Knie an Knie mit uns…da flüchtete ich, im Kopf bereits Amoklaufend. Und fand einen neuen Platz ohne Geruchsbelästigung, dafür mit einem Mann, der dauernd über sein Hörbuch feixte, während zwei Reihen weiter vorn ein Kleinkind seine Stimme ausprobierte. Meine giftigen Blicke ignorierten beide und schließlich stand der Mann hinter mir auf und suchte sich mit seinem Blindenstock den Weg zum Ausgang.
In meinem Kopf schwang ich den Vater aller Schwerter und ich verfluchte mich, dass ich die dicken Schwarten nicht mitnehmen wollte, weil sie zu schwer wären. Wie leicht wären die gegen die Bürde eines überfüllten Zuges gewesen!
Beruhigen konnte mich dann schließlich eine Flasche Rotkäppchen rose-halbtrocken. Es lebe die erlösende Wirkung des Alkohols. 😉

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6 Kommentare zu “Ich hab den Vater der Schwerter gesehen….

  1. Ahhh ich muss nach Dresden fahren!! Ich schreib gerade über die Türkenbelagerungen von Wien eine Hausarbeit und die haben dort bestimmt Stücke des osmanischen Heeres ausgestellt *___* Aber wenn man nicht fotografieren darf ist das doof :/ Schöner Ausflug! Bei sowas bin ich froh, dass der Freund ein kleines, aber feines Auto hat.. da entfällt der Bahnstress…

    • Aber wenn du vielleicht ein einzelnes Exponat findest, kannst du die Benennung herausfinden und findest vielleicht Bilder. Oder du fragst vorher mal nach, vielleicht kriegst du ne Sondergenehmigung oder Bildmaterial. Spannend ist es so und so. ^^
      Die Zugfahrt wäre auch halb so wild gewesen, wenn ich ein Buch dabei gehabt hätte, dass ich nicht schon auf der Hinfahrt auslese. 😉 Aber ein Auto ist natürlich auch bwquem.

      • Naja, die könnten in unserer Bibliothek auch den Katalog zur Ausstellung haben 🙂 muss ich mal schaun. Aber ich find ja im Original angucken immer cooler. V.a. wenn Du da schon warst und nen guten Tag hattest 😉

        Ja, das mit dem Buch stimmt. Aber bei so viel Gewusel ists manchmal auch schwer mit der Konzentration…

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