Pffff….

Die Ferien sind vorbei und die Stunden, an denen ich die ganzen zwei Ferienwochen gearbeitet habe, sind gehalten.
Und waren ein voller Reinfall.

Wenn ich in Reli Texte auflege, gehen die Lider aller Schüler runter. Da ist der Unterricht eigentlich schon gegessen.
Und dann leg ich auch noch den zweiten Text vorm ersten auf und merke meinen Fehler erst, als sie den falschen vorgelesen haben. Und dann war nicht mehr genug Zeit für alles und ich ging einfach zum nächsten Schritt über. Plötzlich hatte ich zwanzig Minuten Zeit und nichts mehr zu tun…das war mein persönlicher Albtraum und er wurde gleich in der ersten Stunde wahr. Und das bei der Stunde, an der ich zwei Wochen lang gefeilt hatte!

Da stellt man seine Arbeitsweise schon mal in Frage.

Aber die Woche war ja fertig geplant, also gehen wir in Deutsch in die 5. Klasse mit dem schönen Märchenpuzzle. Die Merkmale von Märchen waren da schön in einer Tabelle angeordnet (Anfang, gute und böse Personen, besondere Dinge und Kräfte, Sprüche und Verse und das Ende). Drunter standen ungeordnet Teile von bekannten Märchen, die Schüler sollten also alles ausschneiden und in der richtigen Reihenfolge zusammen puzzeln. Spiel und Lernen in einem, auf einfachem Niveau, das macht doch Spaß!

Denkste…was als 20 Minuten Übung vorgesehen war, dauerte DREI (3!!!!) Unterrichtsstunden. Da nach zwei Stunden nämlich endlich auch der Letzte alles ausgeschnitten hatte, lag der gesamte Boden voller Schnipsel und die Einzelteile überall verstreut…so konnte ich die ja nicht heimschicken und meine Mentorin gab mir noch einer ihrer Stunden. Am Ende resümierte einer der Schüler: Haben wir jetzt echt drei Stunden nur ausgeschnitten und geklebt? Er gab sich mit einem kritisierendem Kopfschütteln selbst die Antwort.

Aber Freitag, da hatte ich erst eine super abwechslungsreich geplante Stunde zum Expressionismus (mach ich richtig gerne!) und dann noch eine coole Einstiegsstunde Krimi. Ich hatte ein provokantes Bild auf Folie gezogen, dessen Elemente ich erstmal nennen ließ, dann sollten die Schüler die Wirkung beschreiben. Da kam nur „langweilig“ und „öde“. Darauf war ich nicht gefasst gewesen, also ging ich einfach zum Gedicht über. Aber da ich die Schüler schon mit dem Bild verloren hatte, erwartete mich jetzt die Wand des Schweigens. Ich stand hilflos da und wusste nicht, ob das zu schwer war oder zu leicht oder hatte ich die Schüler einfach unterwegs verloren und jetzt verweigern die?
Ich brach die Stunde ab und wollte Feedback bekommen…es kam nichts. Tipps? Keine…nur Schweigen.
Und ich wusste, dass nach einer freien Stunde noch eine Stunde bei derselben Klasse anstand. Das war wirklich frustrierend.

Total desillussioniert ging ich also in die letzte Stunde. Als Einstieg in das Thema Krimi sollten die Schüler einen Steckbrief schreiben „Ächts, boah…“
Dann las ich den Anfang eines Textes vom Arbeitsblatt vor: „Schule ist doch der langweiligste Ort der Welt.“, sagt Jonas zu Hans, als sie nach den Ferien lustlos über den Schulhof schlendern. Frieder kommt von der anderen Seite auf sie zu und ruft schon: „Ich hab so keinen Bock!“ Walter reißt die Schultür auf und gemeinsam betreten sie das Treppenhaus. Sonnenstrahlen fallen im ersten Stock durch das Fenster und lassen winzige Stäubchen tanzen. Irgendetwas schien in der Schule verändert, die Gespräche verstummten, die drei traben weiter in Richtung Klassenzimmer. Noch ahnen sie nicht, welch furchtbare Entdeckung ihnen unmittelbar bevor stand. Als Hans die Hand auf die alte Klinke legt…“
*Namen geändert

Die Namen waren Namen von Schülern. Nun sollte das Thema benannt werden. Nach einer Minute Stille kam „Geschichten“ als Vorschlag. Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit „Kurzgeschichten“. Auf Krimi kam keiner und als ich das Thema nannte, ging wieder ein Stöhnen um.
Nun sollten die Schüler die Geschichte weiterschreiben. Einzelne überlegten, die meisten weigerten sich. Mir war mittlerweile alles egal, wie im Schock machte ich einfach weiter.
Dann sammelte ich die ersten zwei Kurzgeschichten ein, sah zwei Mädels noch schreiben.
Nun ließ ich von einem Schüler die erste Kurzgeschichte vorlesen „…alle Schüler waren tot, die Wände blutverschmiert…“
plötzlich waren alle wach, es wurde gelacht, gelauscht und auf einmal auch das eigene Blatt vollgeschrieben. Von hinten gaben schnell noch einige ihre Geschichten vor. Ich ließ Daten aus dem dazugehörigen Steckbrief vorlesen und schnell wurde der „Verdächtige“ ermittelt und dieser Verdächtige las nun die nächste Geschichte, den nächsten Steckbrief vor. Ich lag im Zeitplan, die Schüler waren Feuer und Flamme, die Stimmung ausgelassen.

Von sechs geplanten Stunden war das die einzige, deren Konzept nicht von mir stammte (sondern von einer Kollegin, die mir die Idee mal so nebenher im Seminar erzählte) und es war die einzige, die mal wirklich schön war. Zur Vorbereitung hatte ich vielleicht dreißig Minuten gebraucht…es gibt sie also doch, die Sternstunden des Unterrichtens. 😉

Dieses Wochenende habe ich komplett an der Erstellung einer Doppelstunde gesessen. Inhalt, Ablauf, Material. Wenn man auf kein Lehrbuch und kein Arbeitsmittel zurückgreifen kann, weiß ich nicht, wie ich schneller arbeiten soll. Wenn sich das dann auszahlt, ist es gut. Aber wenn es so läuft wie letzte Woche, versteh ich langsam die Lehrer, die langweilige Arbeitblätter abarbeiten lassen.

Nach der dritten Woche im Ref. bin ich ziemlich ernüchtert…

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8 Kommentare zu “Pffff….

  1. Ja die Praxis ist irgendwie so … desillusionierend. Aber lass den Kopf nicht hängen! Ich finde, jede gute Stunde entschädigt für die ganzen schlechten, weil das Gefühl danach doch einfach grandios ist! 🙂

  2. Hey, ich habe grade erst angefangen, den(/das?) Blog zu lesen, und dachte, ich geb‘ direkt mal meinen Senf hierzu:

    Uffz, klingt ziemlich frustrierend/demotivierend. :/ Vor allem, wenn das mit den eigenen Ideen nicht hinhaut, dabei hat man sich das doch so schön überlegt gehabt mit der Einstiegsfolie pipapo… (Die Krimi-Idee von der Kollegin find ich aber übrigens auch toll, muss ich mir direkt mal merken :D). Aber das hört man ja irgendwie immer aus’m Ref, ich weiß auch nicht, scheint wohl der normale Lauf der Dinge zu sein, erstmal auf die Schnauze zu fliegen. 😀 Und dann erst die Kritik bei den Unterrichtsbesuchen… Das ist bestimmt kein Zuckerschlecken, davor graut’s mir ja auch schon.

    Trotzdem bleibt mir da nur zu sagen: Aller Anfang ist schwer und Kopf hoch :P, wenn ich das richtig mitbekommen habe, sind Sie (bist du? Oh weh, ich find‘ das im Netz immer was schwierig mit der Anrede :P) noch ganz am Anfang vom Ref., dann wird das ja bestimmt noch. 🙂
    Und oh, ich Cleverle, gerade lese ich den Kommentar über mir, dass es ja schon besser gelaufen ist. Sehr schön. 🙂

    Ich werde jetzt mal öfter hier vorbeischneien, gefällt mir hier! 🙂 So, jetzt gehe ich mal noch ein bisschen stöbern.

    LG, Tina

    • Hallo und Willkommen. 🙂 Ja, ich bin noch ganz am Anfang vom Ref. Sag ruhig du zu mir. Bist du auch Lehramtsstudentin/Referendarin/Lehrerin? Ich kann nur sagen, dass es zwischendurch wirklich stressig ist, aber wenn ich eine gute Idee für Stunden habe, bin ich doch immer glücklich und freu mich darauf, diese zu halten. Man kann wirklich kreativ sein und entwickelt sich immer weiter, wächst über sich selbst hinaus. 🙂
      Viel Spaß noch beim Herumwuseln.

      • Wunderbar. 😉 Ja, das find ich auch so toll an dem Job, mit dem Ausleben der Kreativität und so. Macht einfach Spaß, und wenn’s dann noch aufgeht & die Schüler mitreißt – perfekt! 🙂
        Japsi, ich bin Lehramtsstudentin, aber ich arbeite nebenher auch schon an einer Schule, in manchen Bundesländern ist das glücklicherweise möglich 🙂 Ist ganz sinnvoll, ein paar Erfahrungen zu sammeln und sich ein bisschen ausprobieren zu können und sowas. Lässt sich hin und wieder mal auf meinem Blog nachlesen, wenn’s dich interessiert :), ansonsten bin ich noch ein ganz schönes Stückchen vom Ref entfernt und hab‘ auch die Praxisphase des Studiums noch vor mir (leider aus finanziellen Gründen, sonst würde ich das diesen Herbst in Angriff nehmen :/).
        Man schreibt sich sicher noch öfter 🙂

      • Ah, schon zurück-gewuselt, alles klar. 😉 Ich hab‘ dich auch direkt mal in mein(en) Blogroll aufgenommen, ich hoffe, das war ok. 🙂

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