Die ersten Tränen…

Während des Studiums hörten wir es ständig: Am Anfang heulst du fünfmal die Woche, am Ende nur noch einmal pro Woche. Untermauert wurde das mit Film, Buch und Doku. Für mich war klar, die Zeit wird die Hölle und danach klammert man sich an die Hoffnung, dass es besser wird.

Die ersten Wochen vergingen, ich fühle mich ausgelaugt, überarbeitet, angespannt, aber auch immer wieder glücklich, stolz und bereichert. Der Stress ist wirklich enorm, ich habe noch nie in meinem Leben so viel und durchgehend gearbeitet und ich weiß ganz genau, dass das auch nicht mehr lang so weitergehen kann. Aber alles, was ich investiere, hat auch einen Effekt. Wenn ich durch Recherchen trockenen Stoff mit spannenden Erzählungen auflockern kann oder mit einem angeschafften Buch tolle Materialien zeigen kann, dann zahlt sich das aus. Und das macht es auch so schwer, auszusteigen. Lege ich die Planungen aus der Hand, lass ich meinen Blick über das sich füllende Bücherregal gleiten, in dem so tolle Bücher stehen, die so viele Schätze enthalten. Aber irgendwann kann man einfach nicht mehr und ich muss mir sagen: die Bücher warten.

Gestern war es dann so weit. Die Woche war geschafft, die letzten Stunden wieder sehr anstrengend und in der Auswertung fallen plötzlich Aufsichten vom Himmel, Konferenzen und Arbeit, Arbeit, Zusatzarbeit. Also fuhr ich heim, nutzte die Zeit im Zug und setzte mich Zuhause auch nochnmal ran. Zumindest dieses noch schaffen und über jenes nochmal nachdenken… Nach neun Uhr abends war es, ganze 18h nach dem Aufstehen, als ich Feierabend machte und mich vor den privaten Zockrechner schleppte. Es fühlte sich an, als wäre ich Monate nicht mehr Zuhause gewesen. Und als ich dem Freund etwas erzählen will, kann der mich nicht verstehen, weil das Game über die Boxen dröhnt und der Kumpel, der nicht weiß, dass ich rede, plötzlich laut losplappert.
Und das war der Moment, an dem ich das Gefühl hatte, hier liefe alles an mir vorbei. Mein Freund, meine Katzen, mein Leben…alles fand ohne mich statt, weil ich nur noch Arbeit war. Ich hatte Kopfschmerzen und wollte weder zocken noch lesen, was wollte ich überhaupt noch? Was bleibt von mir, wenn die Arbeit endet? Und da kullerte es und der beste Mann von allen kam und holte mich zum gemeinsamen Tierdokuschauen, die Katzen kamen dazu und ich war endlich wieder Zuhause.

Heute habe ich zum ersten Mal Pausen eingeplant und gegen 19 Uhr Feierabend gemacht. Es wird nie anders werden, wenn ich es nicht anders mache und ich will nicht Zaungast in meinem eigenen Leben sein.
Für Morgen ist das erste Training seit Wochen angesetzt. Ich muss mal wieder richtig Adrenalin ausstoßen! 😉

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4 Kommentare zu “Die ersten Tränen…

  1. Klingt sehr gut. Also das sehen und merken und fühlen, dass etwas niht richtig läuft.
    Und es ändern!

    Pass auf Dich auf.

    Und Viel Spaß 😉
    Aber schön langsam und behutsam.

    • Hallo, vielen lieben Dank. Tja, viel anderes bleibt mir nicht übrig, seit zwei Wochen schleppe ich eine Erkältung herum, die vor allem Hals und Stimmbänder trifft. Und es will einfach nicht abheilen. Wenn mein Körper schön laut „Halt! Stopp!“ ruft, da muss man auch mal hinhören. ^^ Ein Gutes hat es aber: Essen ist mir zur Zeit ziemlich egal und das merke ich an den Klamotten, dem Spiegel und der Waage. 😉

  2. Ohje ohje, wünsche dir ganz schnell gute Besserung und dass bald eine Routine rein kommt, die Körper und Geist nicht so angreift (hoffe ich auch für mich, die ich derzeit von essen zu schlafen zu arbeiten zu essen zu schlafen … wandele -.-) Tschakka!

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