Nur noch schnell…

Nur noch schnell mal…

  • die Wäsche anschmeißen
  • die Tests korrigieren
  • das Essen für Morgen fertig machen
  • ganz kurz mit den Katzen spielen
  • das herumliegende Katzenstreu zusammenswiffern
  • über die Planung drüberschauen und
  • die nötigen Materialien zusammensuchen
  • die Testnoten in mein Notenheft eintragen
  • den Abwasch in den Geschirrspüler räumen

na das ist doch wirklich nicht viel, und wenn das gleich geschafft ist, kann ich in Ruhe

  • die Cola vors Bett stellen
  • die Klamotten für Morgen rauslegen
  • nochmal kurz den Einstieg für Morgen im Kopf durchgehen

und friedlich einschlafen. Oder nicht?

Ich habe gar nicht gemerkt, wie anstrengend es in den letzten Wochen wirklich waren. Jeden Nachmittag stand noch irgendetwas zusätzlich an, weshalb ich bis noch am Schreibtisch saß. Oder die Züge fuhren nicht, sodass ich Stunden an irgendeinem abgeschiedenen Bahnhof verbracht habe. Gelesen habe ich in der Zeit viel, aber es ist eben kein Feierabend, wenn man von hunderten kleiner Käfer überkrabbelt wird und im 5 Minutentakt auf die Uhr schaut. Oder wenn man morgens um 7:20 schon friert, weils in Coswig zieht wie Hechtsuppe und man weiß, dass die Bahnhofshalle geschlossen ist, kein Café geöffnet hat und der nächste Zug in einer Stunde kommt. 

Freitag fuhrt ich nach einer unruhigen Nacht, die um 3:30 wieder viel zu früh zu Ende war, zur Arbeit los und merkte, dass irgendwas nicht stimmt. Ich habe meinen Quark kaum runterbekommen, der Kaffee kam mir fast hoch. Aber ich blieb ruhig, was sollte ich auch machen, ohne Essen steh ich den Schultag nicht durch.

Was muss, das muss.

Aber je länger die Fahrt dauerte, desto schlechter ging es mir. Der Nacken zog und brannte, ich bekam Kopfschmerzen, der Boden waberte und mir war schlecht. Als mir in den letzten 15 Minuten Fahrt dann auch noch weiß vor Augen wurde, war klar, dass ich niht arbeiten kann. Aber was tun? Der nächste Zug kam ja auch erst in einer dreiviertel Stunde und ich hatte ja die Tests dabei und die Noten für meine Klassen und die Planung für die Stunden und die Preise für meine Gedichtewerkstatt…also erstmal mit weißgetünchtem Blick und auf Wolkenschuhen zur Schule kämpfen, dort einen langen Brief für die Mentorin schreiben, alle Materialien hinlegen, der Sekretärin Bescheid sagen, es sollen schließlich so weinig Unannehmlichkeiten wie möglich entstehen.

„Ja, ich denke, es kommt vom Nacken, der schmerzt schon seit Tagen.“, höre ich mich erklären. Und das dachte ich auch.Nur der Nacken, den massiert man ein bisschen und schon gehts weiter.

Samstags steh ich am Wäscheständer, die Katzenklos sind noch nicht gemacht und mein Freund will gleich mit mir zum Training los. Schon kommt er um die Ecke, um irgendwas zu erzählen.

„Mir gehts gar nicht gut.“, sag ich und dann schnappatme ich nur noch, während meine Tränenkanäle diese salzige Suppe übers zerknietsche Gesicht ergießen. Und auf einen Schlag komm ich gar nicht mehr klar. Will nicht ins Studio, will keine Katzenklos machen, nicht einkaufen müssen, nicht kochen, mich nicht um meine Figur sorgen und auf gar keinen Fall will ich an meinen Schreibtisch und Stunden für die nächste Woche planen. Allein der Gedanke daran stürzt mich in graue Tiefen.

Ups…so schnell kanns gehen, mit der Überarbeitung.

Am Wochenende war mir wirklich alles zu viel. Selbst kleine Ärgernisse, wie eine klemmende Spülmaschinentür, verwandelten mich in Sekundenschnelle in eine Furie. Oder eine heulende Trauerweide…man höre und staune…das reinste Gefühlslotto.

Also warf ich alle Pläne und Pflichten über Board, setzte mich ein einen nahen Park und las. Stundenlang. Nur sitzen, Vögel hören, Wind spüren, lesen, abschalten. Und was mich da dieses Wochenende so fesstelte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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4 Kommentare zu “Nur noch schnell…

  1. Ohje, das liest sich aber gar nicht gut. Jetzt heisst es rechtzeitig die Kurve bekommen, bevor es noch schlimmer wird! Gib auf Dich acht!

    Liebe Grüße,
    Caro

    • Danke dir. Ja, das ist das Doofe, man hat gar keine zeit, zu reflektieren, wie es einem geht, bis es fast zu spät ist. Erst jetzt, wo ich plötzlich frei habe, merke ich, an wie vielen Stellen mir etwas gefehlt hat. Aber auch das gehört zur Berufsausbildung…Grenzen erkennen und sichern.
      Die Fahrerei wird auch Dauer wirklich zur Belastung, aber da muss ich durch.
      Bergfest war schon, die Tage bis zum Ende des Refs werden schon rückwärts gezählt. Das Unterrichten an sich reizt mich aber nach wie vor und solang das so ist, ist alles im Lot. 🙂

      • So lange es vorübergehend ist, darf man auch mal an und manchmal sogar über seine Grenzen gehen. Nur nicht Dauerhaft, aber es scheint ja endlich zu sein. Für die übrige Zeit wünsche ich Dir Achtsamkeit und pünktliche Züge 🙂

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