Wie ich mir unterrichten vorgestellt habe…

nach einer Woche Auszeit und Erholung war ich ganz schön aufgeregt, als es wieder mit dem Zug Richtung Schule ging. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen…angespannt wie ein Flitzebogen kurz vorm Bruch.

Wie würde es sein?
Würde meine Mentorin genauso pampig sein, wie mein Kollege, der meinte, dass wir doch alle die gleichen Belastungen hätten und ich mich mal zusammenreißen soll? Würden die Schüler wie Hyänen über mich herfallen?

Als ich die frostige Begrüßung meiner Mentorin hinter mich gebracht habe (Das müssen sie aber besser wegstecken, sonst kriegen sie später Probleme…), erwartet mich eine Horde quirliger Fünftklässler, die alle über mein Unterarmtattoo staunen, denn wenn ich eins aus meiner Krise gelernt habe, dann, dass ich mehr ich selbst werden muss.
Nachdem ich all die Fragen beantwortet habe, war das Thema auch vom Tisch und mein Tattoo gehört nun einfach zu mir, ohne, dass es jemandem auffällt. SO hab ich mir das gewünscht.

Dann ging es in den großen Garten..Straßenbahnfahren mit einer Horde Fünftklässler…mein Alptraum!
…aber alle fanden einen Sitzplatz und waren total lieb! Und mit meinen Superschlauberger unterhalte ich mich plötzlich über Skyrim und MMOs und WoW und Mindcraft und CoD und dann sagt er, er hört Dubstep. Und wieder bin ich einfach ich selbst und plötzlich hören die Störenfriede auf mich, wenn ich sag, sie sollen sich nicht keppeln. Und alle schauen zu mir, wenn ich sag, dass sie nicht drängeln sollen.

Im Großen Garten angekommen, versuchen die Jungs mich mit einem Frisbee abzuschießen, weil sie wollen, dass ich mitspiele. Ich will aber nicht, stattdessen setzen sich zwei Mädels zu mir und schweigen. Spielen nicht, reden nicht, sitzen nur bei mir. Ich smalltalke ein bisschen, als hätte ich Smalltalk studiert und zieh galant einen Schwenker zu dem Buch, dass ich zuuuufällig einstecken habe.
Ich les mal einfach den Klappentext vor und ZACK, sie reißen es mir förmlich aus den Händen.

Und heute Morgen stürmen sie auf mich zu…“Haben sie das Buch dabei?“. Ich gebs ihnen und will erstmal schauen, wo die anderen Schüler sich verstreuen, da fängt mich ein Hundeblick ein „Kommen sie miiit?“
Und immer mal kommen andere Schüler an unserer Lesegruppe vorbei, stellen Fragen, lauschen, bringen uns Grashüpfer. Und sie rufen mich, von allen Seiten…mich, weil sie mir was zeigen wollen, was sagen wollen, was fragen wollen.

Hach, nach all dem Stress, der schlechten Stimmung, den Konflikten und dem STRESS%&$§! waren das zwei sooo schöne Tage und ich hab mich endlich wohl gefühlt, als ICH, nicht als die bieder schimpfende Lehrerin.

Ich wünschte nur, das Referendariat hätte SO angefangen, mit zwanglosem Kennenlernen, statt so mit dem ganzen Bade in den Unterrichtsalltag ausgeschüttet zu werden.

Guckt mal, ein Skorpiongrashüpfer! Der hat hinten einen Stachel, daher der Name. Hab ich von meinen Fünfern gelernt!
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2 Kommentare zu “Wie ich mir unterrichten vorgestellt habe…

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