Aus und vorbei…

Ich weiß noch gar nicht, wie ich anfangen soll.

Optimistisch: Hey, ich habe jetzt wieder Zeit zum Bloggen!

Vielleicht mit Humor: Hey, ich war in der Hölle und hab vergessen Ansichtskarten zu schreiben!

Pathetisch: Und Anfang glänzt in allen Bruchstücken unseres Seins.

Sachlich: Ich habe das Referendariat abgebochen.

 

In den letzten Monaten ist so viel passiert…

  • im Seminar sank die Stimmung, ein Grüppchen hat sich gut verstanden und fand heraus, dass man sich noch viel besser versteht, wenn man einen zum schwarzen Schaf bestimmt. Irgendwann war ein Außenseiter nicht mehr lustig genug, also checkte man, wer sonst noch passen könnte und kam auf mich.
  • Ich schrieb eine Mail an die gesamte Gruppe und schilderte die Situation. Nachdem die Situation schön aufgekocht war, kühlte sie ab. Ich war zwar nicht gerade beliebt, hatte aber meine Ruhe vor fiesen Stalkern.
  • Dann redete eine meiner Mentorinen nicht mehr mit mir und nach einem Unterrichtsbesuch brach ein Sturm an Anschuldigungen aus ihr hervor. Eine Woche später bat ich sie zum Gespräch und klärte die Lage…dachte ich.
  • Die Bahn baute wie verrückt und ich saß 6, 7, 8 Stunden oder bei Personenunfällen noch länger in Zügen, SEV-Bussen oder auf Bahnhöfen.
  • Für das Seminar musste ich in wenigen Wochen zwei Unterrichtsbesuche samt dicker Ausarbeitung, eine Lernbereichsplanung für den Prüfungszeitraum mit kreativen Stundentiteln und angedachten Methoden und eine umfangreiche, sehr komplexe Praxisaufgabe erstellen. Nebenher musste ich noch den normalen Unterricht und die Jahresplanung für die Schulleitung abfertigen.
  • Die Praxisaufgabe schaffte ich nicht, denn ich sollte nicht nur etwas erarbeiten, sondern auch im Unterricht durchführen und reflektieren. Ich präsentierte zwar etwas, fühlte mich aber so unwohl, dass meine Arbiet mit „erfüllt nicht die Anforderungen“ und „enttäuschend“ beschrieben wurde. An dem Abend dachte ich bereits, meine Ausbildung ist vorüber, aber im Unterrichtsbesuch (am nächsten Morgen) zeigte ich, was für eine Lehrerpersönlichkeit in mir steckt. Auch wenn es methodisch nicht überzeugte, mein Kopf blieb vorerst dran.
  • Dann streikte die Bahn und ich kam nicht früh genug von Leipzig nach Dresden, meine Mentorin schritt wütend zum Schulleiter und beschwerte sich bitterlich. Der Schulleiter ist ein sehr sachlicher Mann und bemühte sich um Schlichtung.
  • Auch meine andere Mentorin kritisierte mehr und mehr, wurde immer distanzierter und fieser. Alles, was ich gut fand, fand sie schlecht und was ich weniger gut fand, fand sie untragbar.
  • Mit der Gruppe, in der ich die Praxisaufgabe so bescheiden präsentiert hatte, sprach ich auch nochmal und die Situation schien sich zu entspannen.
  • Dann kam der Hauptausbildungsleiter auf mich zu und bat um einen Termin, es gäbe große Kritik seitens meiner Mentoren.
  • Ich sprach meinen Schulleiter und meine Mentoren darauf an, die Mentoren hatten wieder nur Negatives zu sagen, schlichtweg alles was ich tat und auch was ich nicht tat, war schlecht und wurde immer schlechter.
  • Hauptargument: Sie werden später im Lehrerberuf Probleme kriegen.

Kurzfassung: Arbeit, Bahn, Schreibtisch, Konflikte, kaum Schlaf, konnte nichts Essen, Vorwürfe über Vorwürfe, Heulkrämpfe häuften sich, Zusammenbruch.

So sieht die Ausbildung zum Lehrer aus. Sollten Mentoren ihre Schüler nicht führen? Ist es wirklich deren Aufgabe zu orakeln, wie man von diesen wahnwitzigen Umständen auf eine Situation in der Zukunft schließen kann?

Als ich zur Fachausbilderin meinte, dass der Workload viel zu hoch sei, verwies sie mich auf die Situation von Juristen und Ärtzen, alsob das einzige Gütekriterium der Ausbildung wäre, zu checken, wie viel Stress man verträgt.

 

Falls meine Sätze unvollständig und wirr sind, das liegt daran, dass ich derzeit nicht ich selbst bin. Ich bin so erschöpft und fertig, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen kann. Dauernd gibts neue Tränenfontänen, ohne das die durch konkrete Umstände ausgelöst würden. Ich suche dringend einen Therapeuten, aber so schnell klappt das auch nicht.

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15 Kommentare zu “Aus und vorbei…

  1. Ach du grüne Neune!!! Oh Gott!! Das schockt mich total und überwiegen tut auf jeden Fall das Mitleid! Du arme, das klingt alles ganz, ganz fürchterlich 😦 😦 :(!
    Dass das Referendariat kein Zuckerschlecken ist, hört man ja immer wieder… ich versuche mich schon die ganze Zeit mental darauf vorzubereiten, dass Stundenentwürfe in der Luft zerrissen und in der Nachbesprechung der UBs nur Negatives aufgezählt werden wird, weil ich das von vielen Seiten so zugetragen bekommen habe. Frei nach dem Motto „man kann eigentlich gar nichts richtig machen“. Aber das, was du beschreibst, ist ja der Horror pur. Oh weh… jetzt habe ich noch ein bisschen mehr Schiss vor dem Ref als ohnehin schon. Und bin absolut erschüttert… Ich nehme an, du weißt jetzt auch noch gar nicht, wie es beruflich für dich weitergehen wird? ;(
    Man oh man… ich hoffe, du fängst dich irgendwie wieder und findest etwas, das dich glücklich macht! :/

    • Hach, das tut mir leid, ich weiß, wie sehr man sich davor eine Rübe macht. Ich wollte deine Angst nicht schüren. Wenn ich nochmal vor dem Schritt stehen würde, würde ich mir Folgendes sagen: Die Mentoren sind keine Freunde, egal, wie nett und toll die anfangs wirken mögen. Da ist es besser, man stumpft sich ab gegen Kritik und das ja nicht zu ernst nehmen.
      Haushaltsführung ist total unwichtig, da sollte man sich nicht verrückt machen, wenn alles liegen bleibt.
      Man muss unbedingt darauf achten, dass man Feierabend macht und sich ablenkt, egal, wie viele Pflichten noch offen sind. Lieber etwas nicht schaffen, als irgendwann kein Licht mehr zu sehen. Nerven gehen vor!
      Und mich hat lange der Kommentar einer Freundin gerettet, die meinte: Ehrlich, das Jahr war das schlimmste meines Lebens, aber danach wird es leichter.
      Wenn mir nicht von allen Seiten der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre, hätte ichs geschafft, trotz Pendelei. Also: Man kann es schaffen…aber es sollte anders laufen. Es ist einfach nicht okay so. Das ist keine Ausbildung, das ist ein Horrortrip. Ichg drück dir aber ganz doll die Daumen, dass es bei dir anders läuft.

      • Das muss dir nicht leidtun – wenn du eben diese Erfahrung gemacht hast, solltest und musst du das auch nicht beschönigen. Ich weiß, dass es nicht überall so schlimm ist, meine Schwester ist auch Lehrerin und hat es da irgendwie durchgeschafft, bei ihr war’s zum Glück viel angenehmer, aber nichtsdestotrotz bleibt diese Negativität der Mentoren als Grundtendenz, die mir alle Menschen mit Ref-Erfahrung bestätigt haben.
        Ich sehe gerade übrigens erst, dass da „einjähriger Vorbereitungsdienst“ steht… ist das echt auf 1 Jahr, also 12 Monate, gekürzt worden?! Das ist ja auch TOTAL krank und absurd. Früher war das Ref ja überall 24 Monate lang, bei uns sind’s inzwischen 18 (und das finden sämtliche Menschen mit Ahnung schon absurd). 12 ist ja absolut unvorstellbar, da muss ja alles noch 100x stressiger sein. Oh man.
        Es tut mir wirklich sehr leid für dich, dass alles, was du auf dich genommen hast, jetzt vergebens war. Ich hoffe, du kannst beruflich zumindest dein Studium noch irgendwie nutzen, das wäre dann zumindest nicht „verloren“.
        Danke für die Tipps, die werde ich beherzigen.
        Viel Glück dir erst mal für alles, was kommt!

      • Ja, hier in Sachsen sind es nur 12 Monate. Man schaut drei Wochen zu und dann unterrichtet man. Und nach drei Monaten erwarten die Mentoren offensichtlich, dass man alles besser macht, als sie. Der schiere Wahnsinn.

  2. Ach Mensch, mir tut das nach wie vor total leid für dich! Du weißt ja, wie gut ich deine Situation nachvollziehen kann und ich drück dir alle Daumen, dass sich alles so entwickelt, wie es dich glücklich macht. Wenn du reden willst, … du weißt Bescheid 🙂 Ich drück dich ganz lieb!

  3. Sprachlos.
    Es tut mir so leid.
    Schräg, denn ich kenne Dich ja nicht wirklich.
    Aber ich finde es unglaublich schade.
    Denn aus Deiner Beschreibung, Deiner Einstellung, Deinen Ideen und deren Umsetzung und vor allem daraus, wie sehr Du Dich da reingekniet hast, was Du auf Dich genommen hast (und damit ist nicht nur das früh aufstehen gemeint..)..aus all dem hat sich für mich ein verdammt gutes Pädagogenbild ergeben.
    Mehr als durchschnittlich, wenn ich an die ‚Bildungspersönlichkeiten‘ denke denen ich so begegnet bin, von denen ich Berichte gehört hatte.
    Und es klingt abgedroschen, doch jedes Ende ist eine andere Chance auf einen anderen Anfang, für etwas, das besser passt.

    Doch erstmal finde zu Dir selbst, finde Deine Kraft und Dein Selbstbewusstsein.
    Du hast nun wieder Zeit für Dich (und fürs Sporten, dass Dir immer gut Auftrieb gibt ;)).

    Und dann kommt Nachdenken und etwas Neues.

    Wünsche ich Dir sehr!

  4. Oh nein 😦 Das tat mir wirklich total leid, zu lesen.
    Drücke dir die Daumen, dass es dir bald wieder besser geht und du einen Therapeuten findest! Ich weiß, dass das nicht einfach ist :/

    Aber Kopf hoch! Die Welt ist noch nicht untergegangen 🙂

  5. Ohje, das lese ich ja jetzt erst. Es tut mir sehr leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest. Hier hat jemand in seiner Rolle auf Deine Kosten versagt.
    Ich hoffe sehr, dass Du das schnell verdauen kannst und eine Alternative für Dich findest.

  6. Pingback: Referendariatserfahrungen | tinatainmentia

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