Einen Knacks weg…

Vor über 4 Monaten, am 16. Oktober 2014, war für mich der Tag gekommen, an dem mir alles zu viel wurde. 8 Monate lang hatte ich mehr als alles gegeben, um mich an ein Berufsfeld anzupassen, um zu zeigen, dass ich genügend Biss und Duchhaltevermögen habe und dabei das Lächeln nicht vergesse. 8 Monate in denen es kaum ein Ich gab, sondern nur Aufgaben und Anforderungen.

Am 16. Oktober 2014 suchte ich ein Aussprachegespräch mit meinen Mentoren unter Beisein des Schulleiters und bekam zu spüren, wie unzufrieden man mit mir ist und dass meine 120% noch mindestens 50% zu wenig sind, um den Ansprüchen zu genügen. In diesem Gespräch war ich total am Ende, alle Batterien geleert. Am Ende wusste ich nur eins: Dass ich dies keinen Tag mehr aushalte.

Die erste Zeit danach war wie eine Neugeburt. Zwar gingen mir stündlich die Gespräche durch den Kopf und ich legte vor meinem inneren Gericht eine Rechtfertigung nach der anderen vor, aber dazwischen gab es diese Zeit des Erwachens, in der man alles neu und intensiver wahrnimmt. Der Wind im Haar, das Grün des Stadtparks, die still dahinfließende Zeit…die Ruhe über den Dingen.

Ich fand im großen und ganzen langsam zu mir zurück, fühlte mich wieder in mir Zuhause. Aber eines blieb und ist bis heute zu spüren: der tiefe Knacks in mir. Es ist, als wäre an jenem 16. Oktober eine Kiste aufgerissen worden, aus der zuvor nur manchmal etwas entrinnen konnte. Eine Kiste die tief in mir schlummerte, stets verdeckt unter Optimismus und „andere schaffens doch auch“.
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Es heißt, ein Mensch könne monatelang ohne Essen leben, Tage lang ohne Trinken aber keine Sekunde ohne Hoffnung. Zu verzweifeln bedeutet genau das: die Hoffnung aus den Augen zu verlieren. Und das leckt seither aus jener tief vergrabenen Kiste: purer Zweifel.

Das Abitur fiel mir (von Mathe einmal abgesehen) noch relativ leicht. Die Fächer, die mir nicht lagen, wählte ich ab und was danach übrig blieb, beflügelte mich. Auf anstrengende Abschnitte folgte stets die Belohnung in Form von neuen Erkenntnissen und Verknüpfungen. Ich war wie betrunken vor Wissensdurst und dem guten Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Dieses Gefühl wollte ich erhalten, ich wollte nicht zurück in eine stumpfsinnige Welt der Arbeiter. Ich wollte über Dinge nachdenken, bis ich sie durchdringe und sie Teil meines Lebens sind. Deswegen entschied ich mich fürs Studieren.

Auch im Studium gab es Seminare, die in mir dieses alte Hochgefühl erweckten, aber anders als im Abitur blieb wenig Zeit zum Verweilen, schon ging es im Sturzflug ins nächste Thema. Kaum hatte ich ein Thema auch nur angedacht, war es Zeit für die Hausarbeit oder die Klausur, in der ich zeigen sollte, dass ich all das wissenschaftlich widerkäuen kann, was ich gelernt habe. Ich war nie besonders gut darin, meine eigenen Erkenntnisse konnte ich nur schwer im wissenschaftlichen Duktus formulieren. Langsam verlor ich an Boden und hier und da entwich ein Schwall schwarzer Gedanken aus der Kiste des Zweifels, aber noch hielt mich der Gedanke, dass es anderen nicht besser geht, am Laufen. Alle jammerten darüber, dass sie sich schlecht auf den Beruf des Lehrers vorbereitet fühlen, jeder Kommilitone, mit dem man sprach, sprach auch von seinen Ängsten.

Ich kann auch nicht sagen, man hätte mich nicht gewarnt. Schon im ersten Semester sagte man uns, wie hart der Beruf des Lehrers sei und wie viele von uns mit Burnout oder Alkoholsucht in Kliniken landen. Damals dachte ich noch, ich werde doch im Studium dafür ausgebildet, so schlimm kann es doch nicht werden. Aber die Universitäten haben ihre eigenen Maximen und das Idealbild des Lehrers bietet so viele Facetten, dass man sich willkürlich eine raussuchen kann, der man begegnet um dann zu sagen: Wir machen das gut, sehen sie her, die Studien sagen, dass die von uns ausgebildeten Lehrer viel weniger schlecht in diesem oder jenem Aspekt sind.

Quelle: illumann.de

Als ich anfing zu studieren, hörten wir in vielen Veranstaltungen, dass das Hauptproblem der Lehrer sei, dass sie ungebildet seien. Deshalb müsse man sie wissenschaftlich ausbilden, um bessere Lehrer zu schaffen. Alles Praktische lernen sie dann ja noch im Beruf. Und so lernte ich viel über Sprachgeschichte und die neuesten wissenschaftlichen Theorien über die deutsche Grammatik, aber nichts darüber, wie ich das didaktisch vermittle. Schulgrammatik kam nie vor. Es gab ein Seminar zu kreativen Ideen für die Vermittlung von Grammatik…aber wie man Schülern die Basics beibringt, erfuhren wir nicht. Im Bachelorstudium hoffte man noch auf den Master und im Master war klar: da kommt nichts mehr. Jetzt sprach jeder vom Referendariat als dem Grauen der Neuzeit. Der Zweifel schwappte immer öfter über mich herein, aber ich hatte noch meine Vision von mir als Lehrerin, die ich wie ein strahlendes Schild entgegenhielt.

Jetzt sitz ich hier…über 4 Monate nach dem Zusammenbruch und dem Abbruch des Referendariats. Ich schreibe jede Woche Bewerbungen für alle möglichen Stellen. Kaum jemand schreibt zurück und sei es nur eine Eingangsbestätigung. Zu Vorstellungsgesprächen laden mich nur Personaldienstleister für Call-Center-Jobs ein. Für die einen Jobs bin ich unqualifiziert, für die anderen Jobs überqualifiziert, dem einen oder anderen gefällt vielleicht schlicht mein Anschreiben nicht, wer weiß.
Und so hat der Knacks Raum um zu wachsen…was kann ich überhaupt? Was bin ich wert? Wer will sich mein Gejammer schon anhören? Und wie lang? Braucht mich denn keiner? Habe ich Talente oder mach ich mir nur wieder etwas vor? Übernehme ich mich dabei nicht? Solche Fragen treiben einen in den Wahnsinn…oder konkret: sie treiben mich seit Oktober in den Wahnsinn.
Das Referendariat hat eine schon lange vorhandene Wunde offenbar gemacht: Dass Ausbildung etwas anderes sein muss. Das fängt mit dem Studium an. Wie konnte sich die begeistete Abiturientin, die ich einmal war, in dieses Wrack verwandeln? Ich fühle mich ausgesondert, weil ich langsamer bin als andere. Und das ist der Kernpunkt: Es muss alles immer schneller gehen…und daran gehen einige eben kaputt.

Es ist Zeit, der Kiste wieder ihren Riegel vorzuschieben.

Ich habe von so vielen Refabbrechern gehört, die Zugang zu anderen tollen Jobs gefunden haben. Wie haben die das nur gemacht? Letztens habe ich so einen Karrieremachertest ausgefüllt, als Ergebnis erhielt ich den Vorschlag zur Umschulung als Logistik-Fachangestellte, kostet auch nur 13.000 Euro. O_o
Wer berät Leute, die so einen Bruch hinter sich haben, ohne dafür gleich das letzte Hemd zu verlangen? Ermutigend war auch die Zuständige vom Jobcenter: Haaach, meinte sie, das wird schwierig. Bis Mai kann ich Sie noch aus Callcentern raushalten, aber danach müssen sie alles annehmen. Das Callcenter ist der neue Straßenfeger…

Und jetzt mach ich die Kiste für heute zu und geh zum Training.

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18 Kommentare zu “Einen Knacks weg…

  1. Puh, schwierig Worte niederzuschreiben, viele verschiedene Gedanken, ich versuche mich kurz zu fassen 😉

    Erster Gedanke war ein absolutes Staunen mit großen Augen.
    Dass es ein verdammt hartes Studium ist.
    Nicht nur von den Anforderungen her, sondern auch der Motivation.
    Es durchzuziehen wenn man das Gefühl hat..oder eher das Wissen, dass elementares fehlt.
    Und die eigentliche und wichtige Lehre (also Schüler als Lehrer sein ;)) noch kommen wird. Und noch härter sein wird.
    Bin da gerade echt ernüchtert, aber eigentlich dann nicht verwundert, dass das Niveau Schulbildung nicht gerade so ist, wie sie in diesem Land sein könnte.
    Das Kinder und Jugendliche immer mehr Probleme haben, nicht weil sie dumm sind!

    Und dann dachte ich mir noch, vielleicht ist es besser so für Dich, jetzt auszusteigen.
    Als in 20-30 Jahren, völlig zerschrammelt kaputt. Unheilbar :/

    Du hast sehr gute Erkentnisse und Erfahrungen über Dich gemacht. Bist dieses am Analysieren und verarbeiten.
    Ja, es sieht nach Versagen und Zweifel aus.
    Aber war es das wirklich? War es wirklich das richtige für Dich, also ‚Deines‘?

    Ich kenne Dich nicht, aber es war in Deinen Beiträgen sehr deutlich zu lesen, was Dir Spaß gemacht hat.
    Generell (auch schon im Zoo) : mit Menschen zu arbeiten.
    Gerne auch wechselnd. (im Vergleich zu einem Büro, in dem es wenig ‚Bewegung‘ gibt‘).
    Und anderen zu helfen, beizubringen, richtig?
    Ist jetzt nur eine Idee aus der Ferne, aber abgesehen von diesem Messefragebogen, hattest Du Dich mal hingesetzt und reflektiert, welche Ecke an dem Studium Dir wirklich gefallen haben? Dich motiviert haben, so eine heftige Zeit durchzuziehen so lange es ging? (Ich wäre eher zusammengeklappt).

    Vielleicht wäre es eine Basis zu überlegen, was man aus diesem für andere Berufe finden würde. Welches Studium/Ausbildung passender für Dich wäre?

    Und zuallerletzt, toll dass Du Dein Training durchziehst!!
    Sowas kostet (meiner Erfahrung nach) echt Kraft (vor allem in Kombi mit Futterrationierung). Du bist auf einem guten Weg, bleib dran!

    • Liebe Kayah, Danke für deine lieben Worte.
      Ja, viele sind in dem Studium an der Motivation gescheitert. Ich habe es durchgezogen, weil immer ein paar wenige Seminare waren, die mein Hirn zum Klackern brachten und die Didaktikseminare über Kinder- und Jugendliteratur haben mich stark geprägt und mir meinen Traum erhalten.
      Das ist auch die Richtung, die ich so gerne machen würde: Kinder und Jugendliche für Bücher zu begeistern, ihre Lesekompetenz zu fördern und einfach mit Ihnen über Bücher zu reden. Dafür habe ich mich ehrenamtlich beworben, mal sehen, ob da etwas passiert.
      Oder Schülern gezielt zu helfen. Deshalb habe ich mich auch vermehrt für diese Jobs beworben. Stützunterricht, Berufseinstiegsbegleiter, Softskilltrainer. Bei einer Stelle habe ich nachgefragt, da hieß es, ich brauche das 2. Staatsexamen, das kommt für mich aber nicht nochmal in Frage. Andere wünschen sich eine mehrjährige Berufserfahrung, auch an die kommt man nicht so leicht.^^ Was mir fehlt, ist ein Berater, der weiß, wie man in solche Jobs reinkommt, um erstmal Fuß zu fassen. Noch ein Studium bzw. Ausbildung will ich nur machen, wenn ich nebenher in dem Beruf arbeiten würde. Denn vom ersten Studium habe ich bereits ~20.000€ Schulden in Form von Bafög und einem Bildungskredit. Das wäre also eher etwas zur Weiterbildung als Aufstiegschance, aber nochmal drei Jahre Ausbildung oder 5 Jahre Studium ohne Verdienst kommen schon wegen der Kreditraten nicht mehr in Frage. Ich werde bald 34, ich will nicht erst mit fast 40 ins Arbeitsleben zurück. Da tickt auch die gesellschaftliche Uhr. Dennoch werde ich mir weiter Gedanken machen, ob ich evtl. Seminare besuche oder Kurse belege, die mir weiterhelfen. Ich halte augen und Ohren auf jeden Fall offen. 🙂

      Im Nachhinein bin ich wirklich froh, raus aus dem Lehramt an staatlichen Schulen zu sein, das hätte mich wirklich kaputt gemacht. Bitter bleibt die Erfahrung, dass der Hochschulabschluss so wenig gewürdigt wird. Für mich steht fest, dass ich einen Job finden muss, in dem ich mich halbwegs wohl fühle. Und das kann vieles sein. Wie du schon sagst, im Zoo war ich auch sehr glücklich. Und da will ich wieder hin: einen Job zu finden, in dem ich aufgehe und auch etwas zurück bekomme.

      Das Training hilft mir unheimlich. Das ist derzeit mein Rettungstau, der Ort, an dem ich mich selbst erfahre und feststelle: gucke, so viel kannst du und dabei wächst du immer weiter über dich hinaus. Letzte Woche gab es zwar auch drei Tage, an denen ich das einfach nicht hinbekommen habe, aber das ist das schöne daran: Man kann jederzeit wieder einsteigen und weitermachen.

      Und das Schreiben hilft mir. Hat man es einmal konkret ausformuliert, verliert das Ungreifbare auch ein wenig von seiner Macht. Wenn dann noch jemand antwortet, tut das doppelt gut. Denn das schlimmste ist doch, alleine hier zu hocken und sich zu quälen. Das muss nicht sein, dafür gibts das Internet. Also nochmal Danke, es ist schön, dich zu lesen. 🙂

      • Hej,

        sehr gerne. War mir irgendwie ein Bedürfnis 😉

        Ja mittlerweile habe ich auch gelernt, dass es sehrsehr gut tut, mal etwas mitzuteilen und es nicht in seiem Kopf gären und schmoren zu lassen.Auch wenn ich es nicht so offen kann, geht nur bei wirklich sehr engen Personen.

        Hehe, ich bin auch fast 34, sag nicht bei Dir ists auch im Mai soweit?

        Das mit den Studienschulden ist übel 😦

        Du hattest etwas von fehledem 2. Staatsexamen für einen Job geschrieben, hast Du denn das erste?
        Ich schnöder DiplomInformatiker(FH) orientiere mich in der Branche so gar nicht.

        Und wenn das Training Dir hilft, dann ist es definitiv das richtige!

        Entspannten Abend wünsche ich

      • Huch, hatte ich hier noch gar nicht geantwortet? <..> Bei mir ist die 34 schon viiieeel näher….MÄRRRZ! Aaahhh, aber immerhin habe ich heute schon mit meinem Modeberater zwei Geschenke ausgesucht, die ich zufällig im Studio tragen werde, da gibts also bald mal einen Trainingsbericht mit Bildern. ^^
        Das erste Staatsexamen ist mein Uniabschluss: Master of Universe..ne, das war der geheime…Master of Education. *g* Tja, wenn man es nochmal so gebündelt niederschreibt, klingt es echt niederschmetternd, aber ich rappel mich gerade wieder auf und denke langsam wieder: Wird schon werden, es ist nicht das Ende der Welt. Dir auch noch einen schönen Abend *wink*

  2. Hallo,

    leider nur kurz, Kind wartet. 🙂
    Es gibt bestimmt sowas wie ambulante psychosoziale Hilfenin Leipzig. Das erfrägt man beim Amt für Soziales, Fachbereich Eingliederungshilfe. Dann bekommt man ggf. einen Begleiter an die Hand, der auch reflektorisch einfach nützlich sein kann.

    Und der kann dann zB auch die jobcenter-tussi on bay halten. 🙂

    Ansonsten denke ich: Waldorflehrer könnte passen. Mehr Kreativität, auch in der Ausbildung. Und macht Spaß und ist gefragt.

    Desweiteren: Deutschkurse für Migranten / Flüchtlinge.
    Oder gleich ne eigene Nachhilfeschule. Die sind rar gesät. Oder so ein Angebot in ner Jugendhilfeeinrichtung etablieren. Beim Jugendamt anbieten.

    Mir fiele noch mehr ein, allerdings bin ich wie gesagt etwas knapp dran 🙂

    gerne unter email falls bedarf besteht.

    Ciao

    • Ja, mensch, ein dickes Danke! Ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Das klingt echt gut, werds gleich mal angehen. Auch Deutsch für Migranten sollte eigentlich momentan händeringend gesucht sein, da schau ich mich mal um. Das hilft mir viel weiter. 🙂

  3. Oh my gosh! Das tut mir echt leid für Dich. So ein Mist.

    Darf ich mal nachfragen? Hattest Du den das Gefühl, von Deinem Mentor gut angeleitet worden zu sein? Denn, dass die Uni nicht gut auf den Beruf vorbereitet ist zwar ärgerlich aber auch bekannt. TOCK, TOCK, TOCK. Das scheinen ausgerechnet die Lehrer nicht gut hinzubekommen in Deutschland, den Nachwuchs auszubilden. Ein Schelm der böses dabei denkt. Das Referendariat ist eigentlich dazu da, dass Praktiker die Referendare AUSBILDEN, sie da abholen, wo sie stehen und sie sensibel dahin leiten, wo es im Beruf notwendig ist. Hört sich jetzt für mich nicht so an, also ob das bei Deinem Mentor der Fall war, oder?

    Eine Freundin erzählte, dass bei ihr die ausbildende Lehrerin im Referendariat sie erst völlig allein ließ mit Stundenvorbereitung und Unterricht, ihr dann aber schlechte Noten gab und sie vor anderen schlecht machte. Eine Art Wissensmanagement zur Stundenvorbereitung gab es garnicht. Jeder sollte den Unterricht allein (!) vorbereiten. Alle wachten darüber, dass niemand etwas Gutes „abguckte“, also Lehrer von Lehrer. Brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Freundin auch aufgehört hat. Wie so viele andere motivierte und gute Leute, die den Kids echt viel zu geben hätten. Und sie ist nicht an den Kids oder fehlendem Wissen, mangelnder Intelligenz, fehlendem Biss oder Durchhaltevermögen gescheitert. Das war ganz eindeutig mobbing und das hält leider tatsächlich so ziemlich niemand aus, gerade von Ausbildern oder Vorgesetzten. Da kannste n Krokodil sein mit so viel Biss, hilft nich.

    Ähnliches habe ich schon so oft gehört aus dem Lehrerberuf, gerade von staatlichen Schulen. Schrecklich, wenn ich mir vorstelle, was diese „Lehrer“ bei den Kids verbrechen, wenn sie schon mit dem eigenen Nachwuchs so umgehen.

    Kenne natürlich auch total tolle und nette Lehrer, die oft in solchen Fällen in die Bresche springen. Aber die scheinen echte Glücksfälle zu sein.
    Mensch, tut mir echt leid für Dich. Schade.

    Die Tipps in den anderen Kommentaren finde ich sehr gut, vor allem Dich wirklich extern beraten zu lassen. Ich kann aus Deinem Text leider nicht herauslesen, wo die Kuh mit der Nase aufs Eis geknallt ist. Mir scheint, als ob es vielleicht noch klärungsbedarf geben könnte. Kann das sein? Es hört sich in so einer Situation ja eher blöd an, wenn man sagt, dass das bestimmt auch sein Gutes hat. Krise als Chance und so. Nu, diese Aussagen kommen ja so oft von vielen Seiten, dass ja vielleicht doch auch was dran ist… Vielleicht, wenn Du genau sehen könntest, was genau die Schwierigkeit für Dich war (schlechte Ausbildung an der Uni allein? Zu wenig Unterstützung im Kollegium oder vom Mentor? Zu wenig gute Anleitung im Referendariat durch parallele Kurse? Blöde Kids? Falsches Fach? Doofe Arbeitszeit? Fachliche Überforderung? Nervende Eltern? Fehlende Nerven? Dreckige Klos? Miese Technik….) kannst Du vielleicht Deinen Weg leichter finden. Ich meine jetzt nicht, was Dein Mentor sagte. Nein, nur was Du gefühlt hast. Was Du Dir genau anders, besser gewünscht hättest. Aus eigener Erfahrung -oh ja, zwar im anderen Ref aber mobbing vom Feinsten- kann ich sagen, dass man oft die Probleme der Ausbilder ausbaden darf. Könnte da Sachen erzählen… Naja, aber das ist ja nicht Thema… Oooouuupsi… Sorry, bisschen lang geworden. Ist aber auch ein Abendfüllendes Thema:)

    Schön, dass Du bei Deinen Sachen bleibst, die Dir Kraft geben! Hach, wenn Du das den Kids beibringen könntest. Das ist eine ziemliche Stärke und wirklich überlebenswichtig. Toll. Und andere haben auch was davon, Deine schönen Texte zu lesen:) Drücke die Ohren und halte die Daumen steif oder wie das verdammt nochmal heißt… Liebe Grüße Emma

    • Hey Emma, ja die Rahmenbedingungen im Ref. hier in Sachsen sind schon extrem. Bei mir kam als erster Fehler das Pendeln per Bahn dazu. Statt eingeplanter 5h saß ich durchschnittlich viermal pro Woche 6-8h pro Tag im Zug oder auf Bahnhöfen oder im Schienenersatzverkehr und dann kamen die Streiks. Auf die Bahn zu setzen war schonmal ein Fehler. Aber wirklich das genick gebrochen haben die Mentoren. Die eine Mentorin war vom ersten Tag an eisig. Nur das nötigste, kein Smalltalk, keine Anleitung. Wir haben meine Stunden zwar hinterher immer ausgewertet, aber sowas hilft auf Dauer nicht wirklich weiter. Hinterher ist man auch selbst immer klüger. Mit der Zeit wurde sie immer unzufriedener, den Satz „Das sind doch nur 12h, wie wollen sie später klarkommen, wenn sie jetzt schon zu lange für die Vorbereitung brauchen?“, konnte ich mir oft anhören. Wenn sie einmal Änderungswünsche für die Planung hatte, ließ sich das oft nicht so einfach realisieren, aber auf die Frage, wie ich das denn integrieren soll, warf sie den Ball stehts nur zurück, das sei schließlich genau meine Aufgabe. Mein Eindruck war, dass ich für sie von Beginn an ein Ärgernis war. Solange ich kaum Hilfe brauchte, ertrug sie es, aber wenn sich anbahnte, dass ich ihre Zeit raubte, dann wurde sie giftig.

      Mit der anderen Mentorin verstand ich mich zu Beginn sehr gut. Sie half mir, zeigte mir ihr Material, gab mit gute Tipps und Ideen. Das änderte sich, nachdem ich ein paar Tage krank gewesen bin. Sie setze mich mit mir für ein Gespräch zusammen. Darin analysierte sie meine Probleme (pendeln) und schlug mir vor, nach Dresden zu ziehen. Ich sagte ihr, dass das ich diese Idee zu Beginn des Refs durchgerchnet hätte, es mir aber schlicht nicht leisten kann, da die günstigste WG schon fast 300 Euro kostete, unmöbliert, ich hätte da nicht einmal ein Bett gehabt. Dann wurde es schon schräg, als sie mit Nachdruck verlangte, dann müsse ich eben einne Kredit aufnehmen (Klar…noch nen dritten) oder das Geld von meinen Eltern leihen. Wir verblieben so, dass ich nochmal gut drüber nachdenke, wie ich mir selbst die Situation leichter machen kann. Dann kamen die Sommerferien und danach wurde alles schlimmer. Baustellen und Streiks bei der Bahn, unzuverlässige Mitfahrgelegenheiten, die kurz vor der Abfahrt die Fahrt stornierten und eine Überfülle an Aufgaben von der Bildungsagentur. Ich schlief und aß kaum mehr, meine Mentoren sprachen nicht mehr mit mir, aber sie beschwerten sich bei meinen Vorgesetzten. Ich bat meine zweite Mentorin zu einer aussprache, die eigentlich gut lief. Sie gab zu, dass sie einen Groll gegen mich entwickelt habe, weil sie mir helfen wolle, ich aber nur Ausreden finden würde (mit anderen Worten: Kind, warum machste nit eefach, was man dir sacht?!) Ich stellte klar, dass ich allein über meine private Situation entscheiden würde. sie dürfe mir gerne Tipps geben, aber die Entscheidungskraft liegt bei mir. Wir gingen im guten auseinander, dachte ich, als die nächste Abteilung mir mitteilte, dass es massive Beschwerden über mic hgibt. Diesmal von beiden Seiten. Daher das letzte Aussprachegespräch, in dem ich mit Vorwürfen überschüttet wurde. All der aufgestaute Ärger meiner Mentoren überzog mich dort, Sachverhalte, die ich längst geregelt glaubte, unmögliche Forderungen und alles im Ton: nichtmal das können sie. Alles, was ich machte und was ich nicht machte, war schlecht. Es waren auch gerechtfertigte Dinge dabei, klar, wer macht schon nach 8 Monaten perfekten Unterricht? Aber was sich dort anhäufte hatte nichts mit konstruktiver Kritik zu tun, das war reine Vernichtung. Es war alles schlecht was ich machte und wurde immer schlechter. Kein: Das haben sie schonmal beser gemacht, da wollen wir wieder hin, oder hier müssen wir dran arbeiten. Nein, es war ein reines: und das machen sie auch falsch und dies und jenes auch und hier hab ich auch noch etwas, was mich an ihnen ärgert.

      Da gabs keine Luft mehr nach oben, keinen Funken Hoffnung, das durhczuhalten. Mein Schulleiter war top, der meinte, ich könne den Rest auch ohne Mentoren durchziehen. Aber ich war so am Ende, und ich hatte eben den Zweifel in mir. Der Keim, dass ich gar nichts richtig könne, war in meiner Schwäche aufgegangen wie die Zauberbohne im Märchen.

      Dazu kommt, dass es unter meinen Mitstreitern Mobbing und Intrigen gab. Von Leuten, die mit mir im selben Boot saßen.

      Zu Beginn meiner ausbildung habe ich mich einer Ausbilderin anvertraut und sagte, dass mit meiner ersten Mentorin einiges schief läuft. Nach dem ersten Unterrichtsbesuch stellte diese Ausbilderin fest, dass sie sich sehr gut mit meiner ersten Mentorin versteht, wie zwei alte Freundinnen. Von da an wurde sie mir gegenüber zickig, stellte mich bei Gelegenheit vor anderen bloß. Nicht systematisch, aber wenn ich einen Fehler machte, ließ sie mich das spüren. Es war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber wenn man erschöpft ist, trifft das eben.

      Kurzum, du hast schon genau ins Schwarze getroffen mit deiner Vermutung. Für mich kommt ein zweiter Anlauf nicht in Frage. Es gibt auch nettes Personal unter Lehrern, auch in meiner Ausbildung, aber die wiegen die miesen nicht auf. Vor Beginn des refs hatte ich an privaten Schulen angefragt, die hätten sich riesig auf mich gefreut und mich gerne betreut, aber die Sächsische Bildungsagentur stellt sich da quer, die will lieber ihre geschulten (und in meinem Fall ausgebrannten) Mentoren…ein albernes Machtspiel ist das.

      • Grusel, ist ja noch schlimmer, als ich gedacht hatte. Hört sich jedenfalls an, als ob es sowas von überhaupt nicht an Deiner fehlenden Kompetenz, Biss, Willen, Kraft oder so liegen würde. Ich kann die Auswahl der Schule nicht beurteilen aber das erscheint mir klar das größere Problem. Fände ich schade, wenn Du Deine Träume und Deine gesamte Ausbildung für einen CallcenterJob aufgeben würdest, weil die äußeren Faktoren so mies waren. Vielleicht wäre gerade wegen des Mobbings wirklich psycho Beratung bzw. einfach Unterstützung nach diesem Mobbing angesagt. Das hält nämlich auch die stärkste Seele nicht aus. Wäre schade, wenn Du wegen dieser Verletzungen und der Erschöpfung Entscheidungen triffst, über die Du später vielleicht eher den Kopf schüttelst.
        Übrigens werden in Berlin und ich glaube auch in Brandenburg Lehrer gesucht. Billige Wohnungen im Grünen findet man etwas am Stadtrand;) Na klar, auch hier kann man sehr leicht echt Pech haben. Aber ich kann Dir vielleicht Leute empfehlen, die Dich unterstützen könnten… Naja, kannst ja mal drüber nachdenken. Es ist so schade, dass es immer wieder die A…lö..er schaffen, gute Leute fertig zu machen und damit allen zu schaden. Grrrmmpf. Liebe Halt-die-Ohren-steif-Grüße Emma

      • Danke, das ist lieb von dir. Lehrer werden hier auch gesucht, aber nicht eingestellt. Dafür fehl das Geld. Ich möchte gern in Leipzig leben und arbeiten. Ich liebe diese Stadt, hier ist meine Wohnung, mein Freund, meine Freunde und ich fühle mich im allgemeinen wohl. Unterstützung habe ich mir auch schon geholt, nur was einen Beruf angeht, kann die mir nicht weiterhelfen. Ich schau jetz nochmal, wo ich dafür mehr Hilfe bekomme. Es muss sich doch was ergeben.

  4. Pingback: Back to the roots | Emma on her way…

  5. Deine Postings zum Thema Referendariat sind schon was länger her, aber ich gestern erst darüber gestolpert. Du sprichst mir so aus dem Herzen. Ich habe gerade mit dem BdU angefangen, stehe kurz vor meinem ersten Unterrichtsbesuch und bin einfach nur fertig. Ich bin müde, überfordert, ausgelaugt. Ich kann mich auf die Arbeit nicht mehr konzentrieren und breche in Tränen aus, gleichzeitig denke ich, dass ich das alles doch schaffen müsste. Ich muss mich nur besser organisieren. Zeitpläne schreiben, keine Ahnung vielleicht sogar schneller, intelligenter, stärker sein. Die Selbstzweifel sind am schlimmsten. Bin ich einfach nur faul oder was ist mit mir los?
    Ich habe während meines Studiums sehr viel geleistet und für meine Prüfungen sehr viel getan, mein Akku ist einfach aufgberaucht. Du hast in einem alten Posting geschrieben, dass sich nichts verändern kann, wenn man es nicht endlich ändert. Das denke ich auch immer wieder, aber wann ist es dennoch genug, ab wann reicht es aus?
    Mir geht so viel Kraft und Energie verloren, weil ich einfach fertig bin mit den Nerven.

    …ohje, jetzt quatsche ich dir hier meine Sorgen unbekannterweise entgegen. Wie geht es dir jetzt nach der Zeit des Abbruchs?

    Ganz liebe Grüße!

    • Huhu,
      bei mir liegt es mittlerweile ein gutes Stück zurück, aber seither habe ich so viele kennengelernt, denen es so geht/ging. Den Zustand, den du beschreibst, der ist bewusst geplant. Und jedes einzelne „Organ“ hält es für seine Aufgabe, deine Belastbarkeit weiter auszutesten.
      Da es wirklich schwer ist, ohne 2. Staatsexamen eine Stelle zu finden, kann ich dir nur Mut machen, indem ich dir sage:
      Wer am Ende seiner Kräfte ist, kann kein toller Lehrer sein, weil er eben einfach am Ende ist. Kreativität braucht Energie und einen freien Kopf, keine Druck, der einen zu Boden drückt.

      Das ganze ist eine Farce, die dazu dient, zu testen, ob du mit dem Beruf alt werden kannst, indem man dir den ganzen Stress der ersten Dienstjahre auf einmal auflädt. Wenn du kannst: Halt durch! Einen Tag nach dem anderen. Mach ein bisschen die Klappen dicht und versuche Kritik nicht zu persönlich zu nehmen. Steck deine Ziele runter. Auch wenn es von dir erwartet wird: du kannst nicht heut oder morgen schon der beste Lehrer der Welt sein.

      Heute habe ich genau eine Woche lang Arbeit. Das ist recht kurz, aber trotzdem kann ich sagen: Ich bin endlich die Lehrerin, die ich immer sein wollte und die ich im Ref nie sein konnte. Ich habe es vor lauter Idealvorstellungen einfach nicht geschafft. Ich war ein zum Zerbrechen gespannter Bogen. Jetzt bin ich eine Lehrerin mit Güte und Konsequenz, gerade letztere wird immer erwartet(…aber probiere ja ständig was Neues aus und DAS, das kannste so nicht sagen…nimm lieber diese Strafaufgabe, hab ich dir doch gleich gesagt…so geht das nicht…). Solange dir ständig verschiedene Instanzen diktieren, was sie unter einem guten Lehrer verstehen, musst du erstmal für dich klären, ob du das genauso siehst, ob das notwendig ist und ob du das kannst. Erst danach kannst du dich als Lehrerpersönlichkeit entwickeln.

      Auch wenns furchtbar klingt: Verlange weniger von dir, du musst die Zeit überstehen, DAS ist das große Ziel. Versuch es nicht allen recht zu machen, versuche, nicht jede deine Idealvorstellungen als Maßstab zu nehmen. Sei nachsichtig mit dir, mach die Klappen dicht und komm durch. Lehrer wirst du danach, im Ref heißt es: überlebe! 😉

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