Neulich im Studio…

also eigentlich gestern. Ich komme gerade vom Aufwärmen auf die Tanzfläche in den „Männerbereich“ und sehe einen richtig schmalen Jungen in der Hackenschmidt klemmen. Nach dem Satz schlender ich rüber und frage:

Na? Wie viele Sätze machste noch?

Er guckt eingeschüchtert zur Seite und nuschelt etwas, was wie zwanzig klingt. Da sind mir auch schon die Gesichtszüge entglitten, er guckt mich erschrocken an uns sagt:

„Öh…10, 10!“

Als ich mich langsam wieder fasse, kriege ich ein Lächeln zustande (er sah aus, als würde er gleich wegrennen) und sagte: Okay, ja dann… Ja. Dann habe ich eben mit der Klitschkopresse angefangen und nach meinem ersten Arbeitssatz (ca. 6 Min. später), kommt der junge Mann rüber und sagt „Wenn sie mögen, können sie jetzt an das Gerät.“ Gute Manieren hatte er ja! Während des ganzen Trainings haben wir uns immer die Klinke in die Hand gedrückt, stets übernahm einer des anderen Geräte. Für seine Statur ein beachtliches Pensum, im Stillen zollte ich ihm Respekt.

Später hatte ich noch eine Begegnung der anderen Art. Ich hatte mich in die Mädchen-Schämecke (Auch Frauen-Freihantelbereich genannt) verschanzt. AUSGERECHNET bei den Pullthroughs (ja, die oberpeinliche Seilfickübung ist wegen ihrer intensiven Wirkung auf den Gluteus Maximus im Plan geblieben) kommt ein Typ im Muscleshirt um die Ecke spaziert (die Schämecke ist ca 4m² groß und durch eine Holzwand vom Rest abgetrennt), mustert die Kurzhanteln (1 bis 10kg!!!), schnappt sich welche aus der Mitte und curlt mit dem ganzen Körper wild drauf los. Mein Hirn regte sich…

Siehst gar nicht aus, wie ne Frau.

Bist du zum Putzen hier?

Die Männergewichte liegen oben.

Entschuldigen Sie, das ist der Frauenbereich.

Ach, ich hätt dich jetzt glatt für nen Mann gehalten. Sorry, mein Fehler.

Diese und andere Stilblüten trieben mir durch den Kopf, als mir ein anderer Gedanke wie ein Stachel ins Fleische stach…ich kann doch nicht so gegen die ganze Genderkacke hetzen und dann selbst bei der ersten Gelegenheit „Das ist nur für Mädchen, geh raus!“ brüllen. Zumal ich es unfair finde, dass es zwar einen Bereich nur für Frauen gibt, wir Frauen aber munter überall bei den Kerlen mitwuseln dürfen. Und das auch tun…in den letzten Monaten sind richtig viele Frauen im (Männer-)Freihantelbereich und trainieren mit anständig Gewicht. Also musste ich mich meiner eigenen Logik beugen und ließ ihn übergangslos von Bizepcurls zu Kickbacks wechseln, ohne ihn zu behelligen. Als Strafe habe ich mich dann auch nicht von meiner peinlichen Übung abbringen lassen. Das hat er nu davon!

Und eigentlich war ich ja froh, dass ich überhaupt Beine trainieren konnte, denn zwei Tage zuvor konnte ich mich kaum bücken, weil ich mir den Beinbeuger gezerrt hatte, oder irgendeine Sehne oder ein Band. Und wie kam das? Na durch Unvernunft natürlich. Alter schützt vor Torheit nicht. *g*

Beim Rückentraining habe ich zwar den Rücken schön aufgewärmt, aber die Beine vorm Kreuzheben nicht. Und so legte ich gleich mit 80kg los. Seit ich ein besseres Muskelgefühl habe, fällt mir das Kreuzheben wesentlich schwerer. Früher habe ich nichts gespürt und konnte einfach irgendwie ziehen, was geht. 100kg habe ich so schon gehoben. Jetzt aber spüre ich viel mehr Muskulatur und damit Bereiche, die bewusst angespannt werden wollen und plötzlich ist Kreuzheben viel komplizierter und schwieriger, erfordert mehr Konzentration. Außer ich mache es richtig schnell und zackig. Bämm, bämm, bämm, dann denke ich nicht nach und spanne ganz automatisch an. So schaffe ich auch mehr Wiederholungen….dachte ich und ZACK, gerade am untersten Bewegungspunkt geht mir plötzlich ein reißender Schmerz durch den Beuger. Hammel, wie ich bin, muss ich jetzt natürlich ausprobieren, obs wirklich schlimm ist und mache erstmal noch zwei Wiederholungen weiter, bis auch wirklich feststeht: es ist kein Mückenstich, ich habe mich tatsächlich verletzt. Ja, manchmal macht einen der Ehrgeiz richtiggehend dämlich. Zum Glück ist alles wieder verheilt und gut. In meinen Rückentrainingsplan steht nun auch ein Aufwärmsatz fürs Kreuzheben und das „schnell und zackig“ lassen wir auch mal wieder. Es geht doch nichts über natürliche Pädagogik. *g*

Und sonst?

Nach der Aktion hatte ich ja zwei Futtertage und stellt überrascht fest, dass das Leckerste nicht Pizza oder Eis oder Schokolade war, sondern solche Sesam-Körner-Zucker-Kekse. Und ich hatte das Überfressen ziemlich schnell satt. An den Folgetagen stellte ich fest, dass ich die Kontrolle vermisste, ich wollte meine erzielten Erfolge nicht hergeben. Da schmeckte nichtmal das Essen so richtig, wie ich gedacht habe. Aber kaum zähle ich wieder und versuche mich zusammenzureißen, sieht alles gleich wieder viel leckerer und verführerischer aus. Und es fällt mir recht schwer, bei 1950kcal zu bleiben, mehrmals bin ich schon (weit) drüber gelandet. Außerdem fällt mir auf, dass ich mich jetzt, wo mich die Gelüste wieder schütteln und ich eigentlich viel esse (im Vergleich zu 1500kcal am Ende der Strandfiguraktion) weniger fit fühle. Ich spüre einerseits das Verlangen, mir ständig den Bauch vollzustopfen und andererseits, dass mich genau dieses Gefutter träge macht, schlapp, lustlos. Und das motiviert mich dann wieder, mich mehr aufs Kaloriensparen zu konzentrieren.

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4 Kommentare zu “Neulich im Studio…

  1. Schneggeee, bleib dran. Jeden Tag aufs neue versuchen die Kurve zum Zählen zu kriegen. Den vorherigen Tag vergessen, sich nicht fertig machen.
    Gibt ja s vielleicht irhendwas was Dich in Anspruch nimmt und somit ‚hindert‘ dass es nicht klappt? Also dass Du die Energie/Willen/Kraft für was anderes brauchst?
    Lausch mal in Dich hinein☺

    • Huhu,ja, die Frage beschäftigt mich zur Zeit auch sehr. Im Training erlebe ich von Woche zu Woche neue Erfolge, meine Muskulatur wächst, das bringt auch immer enormen Hunger mit sich und dann ist der ja immer so schwer vom Appetit zu unterscheiden. Ich sag mir einfach, das ist die „Reinkommzeit“, jeden Tag ein bisschen mehr in die richtige Richtung. Wenns total schieflief (letztens am Pausetag, viel gesessen, das ist immer eine sehr ungünstige Kombi) analysiere ich das und überlege, was ich unternehmen kann, damit das nicht so schnell passiert. Letztendlich sind wir doch die Experten für unsere Macken unsere Stärken und alles, solange wir uns was einfalen lassen, sind wir auf einem guten Weg. Wie machst dus? Gibts bei dir was, was dich hindert?

  2. Hej,
    ja. Mir geht es ähnlich. Spüre die Mukkis etwas wachsen, bzw. den Körper formen und etwas die Gewichte erhöhen 😉

    Aber ins Kalorienzählen komme ich nicht rein, hatte es in den vergangenen Wochen ein paar mal versucht.
    Ich glaube im Moment beschäftigt mich dazu die Wohnung zu sehr.
    Und auch das Wissen, dass ich quasi jedes WE mind. einen ‚Ausnahmetag‘ habe, in dem ich unterwegs bin und nicht zählen könnte. Da ist es schwer sich die anderen Tage zu disziplinieren, zumindest für mich.
    Wie isset bei Dir, hast Du es herausgefunden/geschafft?

    • Huhu,
      na das ist auch verständlich mit der Wohnung. Ich machs so, dass ich jeden Tag zähle und abends versuche bei meinem Gemüseteller zu bleiben. Das klappt an sich gut und trotzdem überfällt mich abends dann oft so ein Heißhunger, dass ich noch etwas essen muss. Aber ich bin trotzdem zufrieden mit mir. Ich esse keine riesen Cheatmeals, sondern eben noch nach Bedarf eiweißreiche Sachen. So ging es bei der Strandaktion auch los. Ich habe mittlerweile mehr Geduld mit mir. Die wünsch ich dir auch für dich. 🙂

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