Man muss nur wissen, wen man fragen muss…

Manchmal treibt das Leben wilde Blüten. Vor ein paar Wochen tippelte ich mit wohlformulierten Fragen und Formularen zum Arbeitsamt, doch statt meiner Betreuerin traf ich auf eine unbekannte Frau, die mir mitteilte, dass meine Betreuerin krank sei. Da sie meinen Fall nicht kannte, konnte sie meine Fragen natürlich nicht beantworten. Peinlich betreten saßen wir voreinander und sie fragte in die Stille hinein, ob sie sonst etwas für mich tun könne. „Vielleicht mal über meine Bewerbung drüberlesen?“, sagte ich mit einem leichten Achselzucken.

Da atmete sie erleichtert auf und meinte: Sowas machen wir hier nicht, aber dafür gibt es eine tolle Maßnahme. Und eh noch ein Augenblick vergangen war, hielt ich ein Schreiben in der Hand, dessen Inhalt mich die nächsten Wochen beschäftigen würde.

Maßnahme vom Amt…das hat was von Strafe, da schwingt direkt eine Ermahnung mit, oder sinnlos verplemperte Zeit…dachte ich. Doch ich sollte mich täuschen. Aber erstmal gabs Krach.

Das erste Modul hieß „Selbstvermarktungsstrategien für Akademiker“ und mich erwartete ein älterer Herr, der in einem fort redete.
Auch wenn er mich gerade etwas gefragt hatte.
Und so kam es zu einem Missverständnis.
Der Herr quartierte mich in einem Traumschloss ein, dass er mit heldenhaftem Zungenschlage in die Realität rücken wollte. Für mich klang der Rettungsversuch aber kräftig nach der Rückkehr meiner fiesen Mentoren. Es klang wie „Du machst nicht, was ich sage, das solltest du aber schleunigst ändern, sei mal nicht so zimperlich.“ Ich war sauer! Und natürlich erzählte ich meinem Freund davon. Der war auch gleich sauer. Und dann sagte er einen Satz, der ganz schön ziepte: Wieso passiert dir das nur immer?

Und das fragte ich mich auch…wieso passierte es mir in letzter Zeit ständig, dass sich nette Leute plötzlich in machthaberische Presslufthammer verwadeln, die nicht davon ablassen, mich falsch einzuschätzen und anschließend mit ordentlich Druck umerziehen möchten?

Hab ich ein „Schlag drauf“-Gesicht?
Geh ich bucklig?
Seh ich aus, als möchte ich geschoben werden?
Nein.
Also muss es an meiner Sprache liegen.

Nun ließ der Mann mich nicht zu Wort kommen…oder höchstens zu einem. Sowas mit einem Wort zu klären, ist schwierig. Also zeigte ich ihm einfach ein paar meiner alten Bewerbungen. Und da verstand er.

Ein paar Stunden später, hatten sich die Gewitterwolken verzogen, ich war mit guten Vorschlägen und toller Hilfe reich beschenkt worden und wir verstanden uns wie zwei alte Saufkumpane. Aber die alte Frage wurmte mich noch immer:
Wieso ist das passiert?
Und so fragte ich: Du, Heiko, sag mal…wie bist du auf den Gedanken gekommen, ich säße in meinem Luftschloss und sähe die Realität nicht mehr?
Nun, sagt er, das lag an deinem „NEIN!“. Egal, was ich dir vorschlug.

Und er hatte Recht, auf seine ersten Ideen zur Rettung der schiffbrüchigen Lehrerin hatte ich gleich mit Nein geantwortet.
Etwa auf die Idee, ich könne doch bundesweit umziehen.
Oder mich selbständig machen (Rackern bis zum Umfallen und immer um die Existenz bangen? Niemals!)
Und überhaupt könne ich mir die erträumte Ausbildung mit meinem Abschluss abschminken.

Und das war schon der ganze böse Zauber. Jede einzelne Frage hatte ich schon zuvor für mich selbst durchdacht und beantwortet, daher kam die Antwort auch sofort. Das kommt beim Zuhörer allerdings so an, als ob ich generell alles ablehne. Und schon hat man sein Missverständnis und Gesprächspartner, die einem den Sturkopf austreiben wollen.

Das klingt banal, aber für mich war das ein riesen Durchbruch. Nicht nur, dass ich endlich begriff, warum ich immer so ein Verhalten bei Leuten auslöste, ich konnte die Situation auch auflösen und die Lösung ist denkbar einfach. Statt mein eckiges Nein auszusenden, werde ich mir angewöhnen, eine unverbindlichere Antwort zu geben. „Ja, das klingt gut.“ etwa oder „Das ist interessant.“ oder „Das mache ich sicher mal.“

Und das Beste war, dass ich nicht nur den Konflikt gelöst hatte, sondern mich danach richtig gut mit ihm verstand und überhaupt mit allen. Ratzfatz ergab sich eine kleine nette Runde. Kein Zwist, kein Mobbing, kein Druck, nur Herzlichkeit, gemeinsame Seufzer und Lachen.

Und gelernt habe ich wahnsinnig viel…neue Berufsfelder entdeckt, Mut bekommen, ein schickes Bewerbungslayout erstellt UND prompt Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten. Nach der ewigen Dürreperiode aus mangelnden Rückmeldungen und Ablehnungen geht es nun endlich aufwärts to the future! 😀