*mampf*

„Du musst regelmäßige Mahlzeiten zu dir nehmen!“ „Iss nicht so viel Zuckerhaltiges, das treibt nur deinen Appetit!“
„Iss nicht die Weintrauben, die sind purer Zucker, iss lieber eine MÖHRE!“
Wie oft hab ich das als Kind gehört.

In meiner Familie war unter den Weibern „schlank sein“ schon immer das Schönheitsideal, dass man jeden Moment verlieren kann oder nur für kurze Zeit erreicht. Man musste gefühlt immer darum kämpfen. Auch wenn es nie so explizit thematisiert wurde, lag es doch unterschwellig unter vielen Gesprächen und Alltagssituationen. Dementsprechend waren Ernährungstipps Routine. Ich hatte das Gefühl, ständig beim Essen beobachtet und bemessen zu werden. Als Kind und Jugendliche entwickelte ich deswegen eine Lösungsstrategie, um damit umzugehen: einen dickhäutigen Trotzkopf!

Wann immer mir jemand etwas über meine Ernährung erzählen wollte, schaltete ich innerlich auf Sturm und machte das genaue Gegenteil.

Nun redet mir schon lange niemand mehr herein und ich entdecke all die alten Ratschläge, die längst ihre bestimmende Note verloren haben, für mich selbst. Und entdecke dabei wieder etwas Natürliches in mir: regelmäßige Mahlzeiten sorgen für viel Appetit über den Tag, lassen mich abends aber zur Ruhe kommen. So habe ich tagsüber Power und abends nicht das Gefühl des enormen Verzichts.

Das esse ich derzeit:

1. Frühstück:
250g Magerquark
10g Mehrkomponentenprotein
25g Früchtemüsli
5g Kreatin
100g Milch
30g fettreduzierte Kaffeemilch (im Kaffee)
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2. Frühstück
1 Scheibe Karotten-Eiweißbrot
15g Frischkäseaufstrich
30g Hähnchenbrust
3 Cornichons
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Mittagessen:
150g Reis-Gemüse-Mix
~130g Vossko Caprese Hähnchenmedaillons
200g leichter Kräuterquark
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Abendbrot:
Salat, Gurke, Tomate, Gewürzgurken (tracke ich nicht)
40g Mais
1 Ei
5g Kürbiskernöl
~130g Vossko Hähnchen-Medaillons Elsässer Art
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Hier heißt mein Motto: Bevor nichts runterkullert, ist es nicht fertig. *g*
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spät abends:
30g Isowhey in Wasser

Bilanz:
1456kcal
46g Fett
95g Kohlenhydrate
160g Eiweiß

An Trainingstagen kommen noch die Supplemente rund ums Training dazu:
10g Glutamin
16g Lecitin
15g Gummibärchen
4g Red Line White Heat
30g Magnesium Liquid
~240kcal

Damit habe ich an Trainingstagen automatisch mehr Kalorien. Durch die regelmäßigen Mahlzeiten habe ich immer, wenn ich hungrig werde, etwas zu Essen. Ich muss nicht kochen, alles ist in 5 Minuten zubereitet und macht nicht viel Arbeit. Bis auf das Gemüse, dass ich öfter mal frisch nachkaufen muss, komme ich mit einem Einkauf pro Woche hin. Ich muss nicht jeden Tag neu überlegen, was ich heut esse, ob das in meine Ernährung passt, ich werde weniger verführt (weil ich eben nicht dauernd einkaufe und überlege) und muss nicht jeden Tag bei FDDB tracken.
Wenn ich etwas satt habe, überlege ich mir eine Änderung, sodass es wieder passt.
Alles wirklich einfach. Oder wie David Hoffmann sagte: Kiss-Prinzip: Keep it simple & stupid. 😉

Trainierst du eigentlich noch?

Die Frage stelle ich mir in letzter Zeit selber oft.
Ich könnte es jetzt allein auf die Hitze schieben, die mir das Wasser in die Beine schiebt und mich träge macht.
Oder die Katzen, deren Gelümmel so lustig aussieht, dass man sich von der Gemütlichkeit anstecken lässt.
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Aber das greift nicht weit genug.

Als ich mehr und mehr Ausreden fand, warum ich nicht zum Training muss und warum ich nicht diäten muss, war es Zeit für eine Analyse. Ich bin dem Trott, mich und meine Schwächen selbst zu verfluchen, langsam entwachsen und sehe eher jede Situation als empirische Studie, an deren Anfang die Frage steht:
„Wie isses derzeit?“
Gleich gefolgt von:
„Wie gehts mir damit?“
Und abgerundet durch:
„Was kann ich machen, damits mir besser geht?“

Durch diese drei Fragen kriege ich schnell raus, warum ich mich gefühlt so hängen lasse und kann Wege finden, damit umzugehen.
Ergebnis von Frage 1 war diesmal:

  • Keine Lust aufs Kalorienzählen und Verzicht
  • Lust auf viele unterschiedliche und sündige Sachen,
  • keine Lust auf anstrengendes, stundenlanges Training. Ich drücke mich ganz um Einheiten oder lass die Hälfte weg

Ergebnis von Frage 2:

  • kurzfristig gut, aber das Gefühl, alles zu zerstören, was ich in 20 Wochen Standfiguraktion aufgebaut habe, ist mies
  • Ich habe ständig Gelüste nach Zucker, auch gern als Obst und wenn ich damit anfange, gibt es kein Halten mehr, totaler Kontrollverlust und das dann immer öfter. Dass mich der Heißhunger so bestimmt, ärgert mich total, ich fühle mich ihm ausgeliefert.
  • Wenn ich dem Süßdrang nachgebe, gibt es keine Befriedigung, es gibt nur „was könnte ich als nächstes essen“ und das erschreckt mich am meisten. Ich bin immer dafür, Gelüste auch mal auszuleben, statt sich ewig zu kasteien. Aber das Gefühl willenloser Handlanger meines abfallenden Insulinspiegels zu sein, gefällt mir überhaupt nicht.
  • Im Training fühle ich mich nur noch als Looser. Während der Strandfiguraktion bin ich regelmäßig zum Studio gejoggt und habe anschließend 15 Minuten Crosser als Aufwärmung gemacht. Jetzt quäl ich mich gerade mal 10 Minuten auf dem Crosser und es fühlt sich endlos an. Und auch im Rest des Trainings schaffe ich nicht annähernd das Volumen der Strandfiguraktion. Ich habe zwar anfangs mehr Kraft, bin aber schneller ausgelaugt und kann mich nicht motivieren.

Nun zur wichtigsten Frage: Was kann ich tun?

Durch Frage 2 ist mir klargeworden, dass ich eigentlich nichts daran wirklich genieße, sondern ganz schön darunter leide. Das ändern zu wollen, motiviert schonmal gut.

Zum Essen lässt sich zusammenfassen: Ich wills einfach und das Gefühl, wieder selbst am Ruder zu sitzen.
Da traf es sich gut, bei einem Seminar von David Hoffmann gewesen zu sein. Auf die Frage, ob er seine Kalorien zählt, meinte er: Ja, klar! Ich mache mit meinem Coach einmal einen Ernährungsplan für die nächsten Wochen, da rechnen wir alles aus, und dann gibt es jeden Tag dasselbe. Jeden Tag. Da brauch ich nichts eintragen, nicht überlegen. Alles ganz planbar und bequem.
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Das mache ich jetzt seit einigen Wochen und es klappt erstaunlich gut. Kein ständiges Grübeln, was man noch essen könnte. Einkaufen ist easy, ich muss nur Fehlendes auffüllen. Ich tracke nur einmal die Kalorien, nicht jeden Tag. Und das Beste ist: Mein Plan funktioniert ohne Kochen. 😀
Er lässt sich auch leicht anpassen. Will ich ein höheres Defizit, änder ich nur an einer Mahlzeit etwas. Dem Körper fällt das so schnell gar nicht auf.

Training ist schwieriger. Das Gefühl des Verlustes und des Versagens ist dort stark. Aber irgendwann musste ich einsehen, dass es besser ist, die Einheiten kürzer zu gestalten und vorübergehend Sachen ganz wegzulassen, als gar nicht mehr zu gehen, bzw. mich vor jeder Einheit drücken zu wollen. Hier gilt jetzt: Solang die Power reicht, verschwende ich diese. Vollgas! Das setzt Reize. Und wenn die Power nachlässt, dann ist das jetzt so. Dann ist die Einheit früher vorbei, aber durch die Anfangspower ist es trotzdem ein gutes Training PUNKT
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Und wenn ich Glück habe, dann steht im Studio in letzter Zeit häufig echte Konkurrenz da und dann reicht die Power plötzlich für neue Rekorde und das volle Volumen, obwohl ich mich vorher doch so platt gefühlt habe. Es lebe der Fitnessboom! 😉

Endlich Arbeit in Sicht

Du liebe Güte…zwischenzeitlich habe ich schon nicht mehr geglaubt, dass ich das mal schreiben darf.
So viele Türen haben sich in den letzten Monaten kurz mal geöffnet, nur um dann mich Wumms wieder vor der Nase zugeknallt zu werden.
Und immer wurde der Niedergang von einer Frage eingeleitet:

Kein Staatsexamen? Das ist aber schlecht. Können Sie das nicht nachholen?

Das vorletzte Bewerbungsgespräch setzte dem noch die Krone auf. Der potentielle Arbeitgeber verstand erst nach meinen ersten Sätzen, dass ich keine staatliche Anerkennung habe. Und dann versuchte er mir während des Vorstellungsgesprächs den Job auszureden. Das verstand ich aber erst, als ich eine Nacht drüber geschlafen hatte. Während des Gesprächs verstand ich gar nichts, nur, dass irgendwie alles seltsam war.
Zunächst rührte er immer in meinem Studium herum.
„Aber das wäre ja eine ganz andere Tätigkeit als Sie studiert haben, wollen Sie das wirklich machen?“ Und ich konnte wirklich gut erklären, wo der Schnittpunkt vom Lehramtsstudium zur Arbeit mit Langzeitarbeitslosen liegt und weshalb ich das gern machen möchte. Aber er hörte mir gar nicht zu, murmelte nur wieder: Kein Statsexamen, das ist doof. Merken se selbe, ne?
Und Grammatikunterricht als solchen machen Sie dann auch nicht.
Wollen Sie das?

JA, deswegen habe ich mich schließlich beworben. Immerhin habe ich die Stellenanzeige wenigstens richtig gelesen!
Aber er schien nicht zufrieden…
Und auf Honorarbasis arbeiten würden sie auch?

Damit hatte ich mich auch auseinander gesetzt…auf Honorarbasis bedeutet, man bekommt ein Honorar, ist aber selbständig und kann für mehrere Firmen gleichzeitig arbeiten. In meiner Situation und auch für mich persönlich unschön. Man muss sich privat alters- und krankenversichern. Urlaub und Krankheitsausfälle werden nicht bezahlt und bei schlechter Auftragslage kriegt man nix.

Aber ja, das würde ich auch machen.

Teilzeit?, fragt mich der Potentielle.
Ja, meine ich zunehmend zähneknirschend, während ich mich innerlich frage, ob das dann überhaupt die Reisekosten (nach Halle) und die Lebenserhaltung deckt.

So…zwei bis drei Tage die Woche ca. 8h.
Langsam wurde es mir auch zu bunt…auf Honorarbasis mit pendeln für 2 Tage die Woche? Was soll denn davon übrig bleiben…nen Zehner?

Wir würden Sie vielleicht erstmal Probearbeiten lassen. Wären Sie damit einverstanden?
-.- Ja.

Und Accessmentcenter? Würden Sie das auch machen?
Ist das denn ein echtes Accessmentcenter?, frage ich zurück.
Ja, sagt er, wir teilen uns da mit mehreren Firmen ein Accessmentcenter.
Accessmentcenter, denke ich…da soll herausgefunden werden, wer man wirklich ist.
Kennt ihr den Spruch:
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Genau nach solchen Methoden arbeiten Accessmentcenter. Man wird getestet und gestresst und sitzen gelassen und die ganze Zeit beobachtet. Herauskommen soll, wer du wirklich bist…wenn du Stress hast, überfordert bist oder dich langweilst. Wie gehst du damit um.

Es tut nicht weh…aber es ist sicher keine schöne Erfahrung, derart durchleuchtet und abgeschätzt zu werden.
Aber ich war verzweifelt und im Vortellungsgespräch sage ich weder endgütlig ja noch nein. Das mache ich, wenn ich eine Nacht drüber geschlafen habe. Und so sagte ich, auch dazu wäre ich bereit, was den Potentiellen eher zur Verzweiflung treiben schien…mich aber auch. Es fühlte sich einfach alles furchtbar falsch an und ich wusste nicht, was ich tun sollte oder was von mir erwartet wurde.

Und dann neigte sich das Gespräch dem Ende zu. Er stand auf und meinte, er wolle nur kurz noch einen Kollegen hinzuziehen. Ich solle eben noch warten.

Eben…

kurz…

ich saß in einem geschlossenen Büro…5 Minuten…10 Minuten…eine Ewigkeit und fragte mich, was das alles zu bedeuten hat. Was erwartete ich? Was hatte man hier von mir erwartet? Ich wusste es nicht…wusste aber schon, dass ich nur hier weg wollte. Der Job kann mir gestohlen bleiben. Ein namenloses Grauen breitete sich mehr und mehr in mir aus, ohne dass ich den Finger hätte drauflegen können.
Und dann wurde die letzte offene Jalousie, von irgendwo ferngesteuert, langsam herabgelassen. Das letzte Licht schwand, ich saß in nächtlichem Dämmerlicht und fragte mich, wann der Showmoderator reinkäme und verkünden würde, dass dort die Kamera steht und alles nur ein blöder Witz war. Nach weiteren Minuten wurden die Lamellen-, elektronisch-ferngesteuert, versteht sich, aufgestellt, sodass wieder etwas Tageslicht hereinflutete und mit ihm die ganze Realität da draußen. Und ich konnte nur eins denken:

Nach diesem Vorstellungsgespräch änderte ich meinen Lebenslauf und schrieb explizit hinein: Referendariat ohne Abschluss
Und keiner rief mehr an, um mich zum Bewerbungsgespräch einzuladen.

Bis gestern.

Gestern morgen kam ein Anruf.

Heute ein Vorstellungsgespräch.

Und ab 01.09. habe ich einen JOB!
Einen wundervollen Job, der genau meinen persönlichen Fähigkeiten entspricht, in einem tollen Team, mit einem netten Chef.
Vollzeit.
Ohne pendeln.
Als Angestellte.

Wunder geschehn! Gimme five!
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