Endlich Arbeit in Sicht

Du liebe Güte…zwischenzeitlich habe ich schon nicht mehr geglaubt, dass ich das mal schreiben darf.
So viele Türen haben sich in den letzten Monaten kurz mal geöffnet, nur um dann mich Wumms wieder vor der Nase zugeknallt zu werden.
Und immer wurde der Niedergang von einer Frage eingeleitet:

Kein Staatsexamen? Das ist aber schlecht. Können Sie das nicht nachholen?

Das vorletzte Bewerbungsgespräch setzte dem noch die Krone auf. Der potentielle Arbeitgeber verstand erst nach meinen ersten Sätzen, dass ich keine staatliche Anerkennung habe. Und dann versuchte er mir während des Vorstellungsgesprächs den Job auszureden. Das verstand ich aber erst, als ich eine Nacht drüber geschlafen hatte. Während des Gesprächs verstand ich gar nichts, nur, dass irgendwie alles seltsam war.
Zunächst rührte er immer in meinem Studium herum.
„Aber das wäre ja eine ganz andere Tätigkeit als Sie studiert haben, wollen Sie das wirklich machen?“ Und ich konnte wirklich gut erklären, wo der Schnittpunkt vom Lehramtsstudium zur Arbeit mit Langzeitarbeitslosen liegt und weshalb ich das gern machen möchte. Aber er hörte mir gar nicht zu, murmelte nur wieder: Kein Statsexamen, das ist doof. Merken se selbe, ne?
Und Grammatikunterricht als solchen machen Sie dann auch nicht.
Wollen Sie das?

JA, deswegen habe ich mich schließlich beworben. Immerhin habe ich die Stellenanzeige wenigstens richtig gelesen!
Aber er schien nicht zufrieden…
Und auf Honorarbasis arbeiten würden sie auch?

Damit hatte ich mich auch auseinander gesetzt…auf Honorarbasis bedeutet, man bekommt ein Honorar, ist aber selbständig und kann für mehrere Firmen gleichzeitig arbeiten. In meiner Situation und auch für mich persönlich unschön. Man muss sich privat alters- und krankenversichern. Urlaub und Krankheitsausfälle werden nicht bezahlt und bei schlechter Auftragslage kriegt man nix.

Aber ja, das würde ich auch machen.

Teilzeit?, fragt mich der Potentielle.
Ja, meine ich zunehmend zähneknirschend, während ich mich innerlich frage, ob das dann überhaupt die Reisekosten (nach Halle) und die Lebenserhaltung deckt.

So…zwei bis drei Tage die Woche ca. 8h.
Langsam wurde es mir auch zu bunt…auf Honorarbasis mit pendeln für 2 Tage die Woche? Was soll denn davon übrig bleiben…nen Zehner?

Wir würden Sie vielleicht erstmal Probearbeiten lassen. Wären Sie damit einverstanden?
-.- Ja.

Und Accessmentcenter? Würden Sie das auch machen?
Ist das denn ein echtes Accessmentcenter?, frage ich zurück.
Ja, sagt er, wir teilen uns da mit mehreren Firmen ein Accessmentcenter.
Accessmentcenter, denke ich…da soll herausgefunden werden, wer man wirklich ist.
Kennt ihr den Spruch:
before

Genau nach solchen Methoden arbeiten Accessmentcenter. Man wird getestet und gestresst und sitzen gelassen und die ganze Zeit beobachtet. Herauskommen soll, wer du wirklich bist…wenn du Stress hast, überfordert bist oder dich langweilst. Wie gehst du damit um.

Es tut nicht weh…aber es ist sicher keine schöne Erfahrung, derart durchleuchtet und abgeschätzt zu werden.
Aber ich war verzweifelt und im Vortellungsgespräch sage ich weder endgütlig ja noch nein. Das mache ich, wenn ich eine Nacht drüber geschlafen habe. Und so sagte ich, auch dazu wäre ich bereit, was den Potentiellen eher zur Verzweiflung treiben schien…mich aber auch. Es fühlte sich einfach alles furchtbar falsch an und ich wusste nicht, was ich tun sollte oder was von mir erwartet wurde.

Und dann neigte sich das Gespräch dem Ende zu. Er stand auf und meinte, er wolle nur kurz noch einen Kollegen hinzuziehen. Ich solle eben noch warten.

Eben…

kurz…

ich saß in einem geschlossenen Büro…5 Minuten…10 Minuten…eine Ewigkeit und fragte mich, was das alles zu bedeuten hat. Was erwartete ich? Was hatte man hier von mir erwartet? Ich wusste es nicht…wusste aber schon, dass ich nur hier weg wollte. Der Job kann mir gestohlen bleiben. Ein namenloses Grauen breitete sich mehr und mehr in mir aus, ohne dass ich den Finger hätte drauflegen können.
Und dann wurde die letzte offene Jalousie, von irgendwo ferngesteuert, langsam herabgelassen. Das letzte Licht schwand, ich saß in nächtlichem Dämmerlicht und fragte mich, wann der Showmoderator reinkäme und verkünden würde, dass dort die Kamera steht und alles nur ein blöder Witz war. Nach weiteren Minuten wurden die Lamellen-, elektronisch-ferngesteuert, versteht sich, aufgestellt, sodass wieder etwas Tageslicht hereinflutete und mit ihm die ganze Realität da draußen. Und ich konnte nur eins denken:

Nach diesem Vorstellungsgespräch änderte ich meinen Lebenslauf und schrieb explizit hinein: Referendariat ohne Abschluss
Und keiner rief mehr an, um mich zum Bewerbungsgespräch einzuladen.

Bis gestern.

Gestern morgen kam ein Anruf.

Heute ein Vorstellungsgespräch.

Und ab 01.09. habe ich einen JOB!
Einen wundervollen Job, der genau meinen persönlichen Fähigkeiten entspricht, in einem tollen Team, mit einem netten Chef.
Vollzeit.
Ohne pendeln.
Als Angestellte.

Wunder geschehn! Gimme five!
3

Advertisements

7 Kommentare zu “Endlich Arbeit in Sicht

  1. Hehej, ich wieder etwas aus der Versenkung:

    Schön zu hören, klingt echt gut!!
    Wünsche Dir alles Gute im neuen Job und viel Spaß.
    Und egoistisch wie ich bin: ich freue mich schon auf Berichte, was es genau und wie es ist 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s