Das erste echte Wochenende

Wie ein Welpe auf einer Frühlingswiese,
wie ein Floh im Katzenfell,
wie ein Ferkel in der Schlammsuhle,
so gut fühl ich mich.

Meine erste Arbeitswoche ist rum und ich bin einfach ekelhaft gut drauf und total happy.
Meine Freunde warnen mich: Pass auf dich auf, gib nicht zu viel Gas!
Meine innere Stimme sagt: Es wird nicht ewig so schön sein.

Doch dann les ich, was meine Freundinnen an den staatlichen Schulen aushalten müssen…
schreib meinem Freund breitgrinsend, dass ich eher Wochenende habe, als er…
und habe die ganze Zeit dieses tolle Gefühl, dass ich so faustdickes Vertrauen habe,
in die Wichtigkeit und den Erfolg meiner Arbeit,
in meine Rolle als coole Unterstützerin, die mit ihrer Lässigkeit motiviert und anspornt,
in das neue Team, in dem alle Hand in Hand arbeiten und man sich gegenseitig auf die Schulter klopft.
Wie könnte ich da nicht platzen vor Glück?

Seit Dienstag bin ich Stützlehrerin und helfe Menschen mit unterschiedlichen Hemmnissen ihren Abschluss zu schaffen. Ich führe Tests durch, helfe beim Bewerbungsschreiben und gebe Förderunterricht.

Aber das Verrückteste ist das gute Klima, denn es steht im starken Kontrast zum Klima im Referendariat.
Im Referendariat gab sich jeder Mühe, mich wissen zu lassen, dass er mich für zu weich hält, zu freundlich, zu nah an den Schülern.
Jetzt erlebe ich ein Kollegium aus lauter gutmütigen, freundlichen Menschen, die diese Herzlichkeit als große Stärke bewusst einsetzen, um die zu motivieren, denen die Härte der Regelschulen das Kreuz gebrochen hat. Und diese Saat trägt Früchte!
Sicher nicht bei Jedem.
Aber bei sooo vielen.
Und ich bin eine von ihnen, nicht die Komische, der man zeigen muss, dass sie nicht reinpasst.
Und während meine Freundinnen noch zwischen „die Woche erstmal verdauen“ und „Gott, was ich eigentlich alles machen müsste, dafür ist das Wochenende viel zu kurz“ schwanken, habe ich Feierabend. So richtig! Ohne Arbeit!

Der Unterschied zu Regellehrern ist, dass die so viel über die Stoffverteilung und Planung nachdenken müssen, dass DER STOFF immer im Mittelpunkt steht und die Schüler irgendwie dabei mitgeschleift werden müssen, während ich als Stützlehrer zwar grob im Kopf habe, bei welchen Themen ich sie momentan am meisten unterstützen kann, der Bedarf aber dennoch immer vom Schüler selbst angezeigt wird. Nicht der Stoff steht bei meinem Job im Zentrum, sondern der Schüler, der Hilfe braucht.

Also an alle frustrierten Gutmenschen-Lehrer da draußen, es gibt Jobs, bei der genau das eure Pfund auf der Waage ist.

Und das soll nun genug Schmalz für diese Woche sein, gleich wird mit gutem Essen und Sekt aufs erste richtige Glückswochenende angestoßen. 🙂

Frohes Wochenende!

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6 Kommentare zu “Das erste echte Wochenende

  1. Jedem Deckel seinen Topf 🙂

    Klingt nach einer Umgebung in der man gut Gutes tut und es auch gut für einen ist (so dass Gutes tun damit quasi gesichert ist :)).

    Klar kann es sein, dass es nicht ewig so super ist.
    Aber vielleicht für eine lange Zeit.
    Und vielleicht nach einer nicht so tollen Phase wieder gut.
    Man weiss nie und es gibt nichts, dass es nicht gibt.

    Freut mich echt für Dich.
    Geniess Dein Dasein!!

    Schönes Wochenende!

  2. Mir geht es gar net mal so schlecht würde ich sagen.

    Auch wenn es sporttechnisch weiterhin eher ziemlich ruhig ist.

    Aber Jobmäßig hat es sich wirklich gut entwickelt.
    Es macht wieder eine Menge Spaß, daher meine ‚weisen‘ Sprüche in dem vorherigen Kommentar.

    Ach ja, und das Gewicht macht komische Sachen.
    Es sinkt bequem. Warum auch immer. Klar passe ich auf, aber ich mache sonst nichts proaktives dafür.
    Ausser mich freuen und das ist ja auch schon mal was 🙂

    Genieße das Wochenende

    • Na besser kanns doch nicht laufen. ^^ Sport lief die Woche gut bei mir, aber ich habe gar keine Lust, auf die Ernährung zu achten. Will das einfach derzeit nicht bewusst steuern, sondern mal nur laufen lassen. Wenn da nicht ständig die Kekse und Kuchen auf Arbeit rumstehen würden….an denen komme ich nur so ganz schwer vorbei..also eigentlich gar nicht. 😉

  3. Dein Posting strahlt nur so vor Glück und Freude. 🙂 Ich bin gestern über deine alten Posts zum Ref gestoßen, weil ich mich grade selber in so einem großen Gefühlschaos befinde (ich habs unter einen der alten Posts geschrieben) und nun lese ich das! 🙂 Wie toll, ich freue mich für dich, so ganz unbekannterweise! 🙂

    • Huhu, ja, ich habs gesehen und gerade geantwortet. Jeder erklärt mich für verrückt, weil ich so happy bin, aber es ist sooo ein tolles Gefühl, endlich der tolle Lehrer zu sein, der ich immer sein wollte.
      Es geht auch ohne Ref, aber es war schwer, die Stelle zu bekommen. Ich habe so lange gesucht. Also wie gesagt, wenn du kannst, halte durch. Mit der staatlichen Anerkennung kannst du dir mehr Stellen aussuchen. Aber zur Not gehts auch ohne.

      Halt mich auf dem Laufenden, wie’s weitergeht. Ich drück dir die Daumen. 😉

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