Zukunftsblick

Während der Ausbildung und auf Arbeitssuche gibt es nur das Vergangene und den Moment. Die Zukunft reichte gerade mal bis zum nächsten Abgabetermin oder gar nur bis morgen.

Nun ist sie plötzlich da, die Zukunft, die vor mir liegt mit der Drohung „für den Rest deiner Tage“ und die sinnvoll ausgefüllt werden will. Eigentlich ist das banal…normal. Und dennoch empfinde ichs als eine Verschiebung in der Wirklichkeit, in der man alles Vertraute betrachtet und feststellt, dass sich manches davon falsch anfühlt.

Letztes Wochenende habe ich mich fürchterlich gelangweilt. Es war die Art von Langeweile, die einem an den Nerven sägt, bis man alles nervig findet und von allen als nervig empfunden wird. Es war die Art von Langeweile, die alles schlecht macht. Nichts wirkt unterhaltsam oder spannend. Ich habe mich in Haushaltszeug gestürzt, habe sogar gebügelt!, um nicht völlig verrückt zu werden. Es war nicht zum Aushalten.
Zocken machte keinen Spaß.
Serie schauen machte keinen Spaß.
Zoo machte keinen Spaß.
Der Stadtbummel machte keinen Spaß.

Und so wurde mir klar, dass da eine schwere Frage an der Tür klopfte: Wie soll meine Zukunft sein? Was will ich mit meiner Freizeit anfangen? Wie kann ich die Zeit so füllen, dass sie sich wertvoll und erfüllend anfühlt?

Bodybuilding nimmt natürlich einen großen Teil der Zeit ein und ich bin echt froh darüber. Denn wenn ich jeden Abend mühsam mit Sinn erfüllen müsste, würde ich bald unglücklich werden. So aber bleiben ein paar Abende unter der Woche  und das Wochenende.

Wie also füllt man diese Zeit? Es ist klar, dass es darauf keine singuläre Antwort wie „Rommè“ gibt. Es braucht also mehrere Ideen für unterschiedliche Bedürfnisse.

Zunächst ist da der Wunsch etwas Sinnvolles zu erschaffen…ich möchte irgendetwas Neues erschaffen, dass eine kleine Weile Bestand hat und mir Freude bereitet. Etwas, worauf man zurückblickt und denkt: Das war ein gutes Werk. Kochen zählt da für mich leider nicht hinein. Ein Blogbeitrag, ein Katzenspielzeug, gutes Unterrichtsmaterial. Was könnte ich noch (er-)schaffen?

Als nächstes gibt es den Wunsch, richtig zu relaxen. Abzutauchen und den Alltag hinter mir zu lassen. Loslassen können, um die Batterien wieder aufzuladen. Das klappt oft mit Lesen gut, manchmal auch mit einem guten Game, wie Tomb Raider oder Enslaved. Und manchmal geschieht es ganz zufällig und ungeplant. Wie an dem Abend, als Slaine seinen Stress nicht loswurde und wir im Flur über die Blackroll rollten, um schließlich einfach nebeneinander liegend an die Decke starrten und die Welt sich endlich verlangsamte. Das geschieht auch im Clara-Zetkin-Park beim Eichhörnchenfüttern oder im Zoo bei den Geparden. Gute Filme, die einen intellektuell herausfordern schaffen das auch. Überhaupt Sachen, die einen in Staunen versetzen. Was könnte mich hier noch ins Staunen versetzen oder zur Ruhe bringen?

Und es gibt noch einen dritten Wunsch, der derzeit am sehnlichsten in meiner Brust klopft, es ist die Sehnsucht nach dem „Connectedsein“. Es ist das Gefühl, eine Geschichte mit anderen zu teilen. Dabei geht es um mehr, als um die Anwesenheit auf einer Party oder ein Gespräch über den Alltag. Ich meine das Gefühl, dass man mit anderen ein Erlebnis teilt und dabei spürt, dass man nicht allein ist. Man fühlt sich mit anderen verbunden, als ob man sich gegenseitig in Schwingung versetzt und dabei einen Einklang erreicht, der einen zu einem Part von etwas Größerem macht. Dieses Gefühl kenne ich bisher nur vom „Urlaub“, von tiefgreifenden Gesprächen und von Games, die ich mit einer Gilde zocke. Anklänge daran finde ich natürlich auch mal rings herum, wenn ich etwas mit Freunden unternehme, doch dann tritt früher oder später ein Gefühl auf, wie ein Disconnect, dass mich einsam macht. Warum das so ist? Das wüsste ich auch gern. Wenn meine Nichte von Ihren Rollenspielabenden erzählt, dann greift mir eine bittersüße Sehnsucht rau ans Herz, die mir klar macht, dass darin ein großer Schatz auf mich wartet. Und so wird mir immer klarer, dass ich schnellstens eben so eine Rollenspielrunde starten muss. Nur wo und wie macht man das?

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Ein Kommentar zu “Zukunftsblick

  1. Hehej,

    irgendwie komme ich gerade nicht hinterher.mit kommentieren und lesen 🙂
    Aber ein wenig schaffe ich doch, weil ich will.
    Bin echt gespannt auf Berichte davon.
    Hatte es zu Studienzeiten nur am Rande mitbekommen (in der IT Gruppenansammlung findet sich immer einer der sowas macht und viel Freude dran hat:)).

    Vielviel Erfolg beim Finden und dann Spaß bei

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