coming home

Kurz nachdem ich meine neue Arbeit aufgenommen habe, kam das Kratzen im Hals. Das muss so sein. Schließlich begegnet man plötzlich haufenweise neuen Keimen, dem Stress und manchmal auch der Kälte auf dem Arbeitsweg.

Das war für mich eine willkommene Ausrede, um eine Trainingspause einzulegen. Und dabei blieb es bis jetzt. Ging mein Freund die ersten Wochen noch direkt nach Feierabend ins Studio, krabbelte ich derweil schon aufs Kissen. Gefühlt hätte ich jeden Tag am Feierabend durchschlafen können. So sehr ich meine Arbeit und die damit verbundene Aufregung liebe, so fühlt es sich im Feierabend an, als hätte man mir den Stecker gezogen, als wäre der Akku leer. Tagsüber bin ich Action pur, aber Zuhause angekommen, rufen die Pantoffeln und die Schlabberhose.

Und dann kam Prag, ich war seit mittlerweile drei Wochen nicht mehr im Studio gewesen und hatte die Nachmittage meist in der Horizontalen verbracht. Selbst Zocken ist mir zu aufregend gewesen. Und nun sollte es zum Meet&Greet zu den Stars der Szene gehen… Was sollte ich machen, es ließ sich nicht ändern und so schob ich das Kinn vor und warf mich ins Getümmel. Und sobald ich mich unter all dem Brocken und Atzen befand, zog sich mein Herz zusammen, bis es die Form einer Hantel hatte. Ich hatte wieder Bock aufs Training, aufs Schwitzen und das befreiende Gefühl an meinen Kanten zu meißeln.

Doch kaum kam ich am ersten Tag von Arbeit, überfiel mich wieder die bleierne Müdigkeit und ich war froh, als Slaine verkündete, er wolle lieber seine letzten Urlaubstage mit mir lang machen. Jeden Morgen predigte ich mir „Aber heute!“ und jeden Abend fiel ich gegen 21 Uhr ins Bett.

Unterrichten bedeutet ja nicht nur, seinen Stoff runterzurasseln. Es fühlt sich eher an wie eine Zirkusnummer, wobei die Schüler Raubtiere und Publikum zugleich sind. Sie wollen unterhalten, eingebunden, beachtet, ermutigt und kommandiert und zur Ruhe gebracht werden. Man befindet sich ständig im Spannungsfeld zwischen „Alles sinnlos, voll keinen Bock, ey.“, „Wow, jetzt hab ichs verstanden, Danke Frau Lehrerin.“ und „Das ist viel zu schwer, das werd ich nie kapieren! Ich geb auf.“ Auf diesem Drahtseilakt jongliert jeder Teilnehmer beinahe täglich. Kein Wunder also, dass mir da das Adrenalin nur so durch die Adern rauscht und zum Feierabend jeder Elan verpufft.

Nun ist der erste Monat um und ich merke, wie sehr mir das Training fehlt. Nicht nur weil die Hosen spannen und Alles immer wabbeliger wird, nein, mir fehlt auch der Hormonausstoß samt nachhaltiger Gelassenheit. Als mir diese Woche bei einer meiner Pfeifen der Gedultsfaden riss, wusste ich, dass es so nicht weitergeht.

Und nun, am Wochenende habe ich endlich den Einstieg geschafft. Gestern habe ich die Beine trainiert. Die fieseste Einheit zuerst! Der Muskelkater kam schon am Abend. Heute waren dann die Schultern dran. Die Leistung war unterirdisch, aber was haben die kleinen gebrannt! Und endlich fühlt sich alles schon etwas fester an. Auch im Spiegel lassen sich wieder Muskeln erahnen.

Nun kommt die neue Woche auf mich zu und ich will bis zum Wochenende mindestens noch zweimal ins Studio gehen. Ich will dne Muskelkater und die Prallität und diese wunderbare Erschöpfung danach. Yes! Ich bin wieder am Eisen! 😀

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2 Kommentare zu “coming home

  1. Ich wollte schon in meinem letzten Kommentar fragen, wie die Kunst bei Dir läuft.
    Nun habe ich es gelesen.

    Tolltolltoll.

    Bleib dran, Du weisst ja, die ersten 21 Tage sind die schwersten, dann ist es im Hirn einprogrammiert:)

    • Huhu, schön, mal wieder von dir zu lesen. Mit dem Haus wirst du sicher immer gut ausgelastet sein, was?
      Was das Training angeht, schwanke ich zwischen „etwas Sinnvolles tun, mich gut fühlen“ und „ich bin viel zu kaputt, ich will nur schlafen“. Viermal pro Woche wird wohl mein Maximum sein und ich werde mich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass auch dreimal die Woche reicht. Mit dem Job ändert sich einiges an den Rahmenbedingungen, so treibt mich in meiner Freizeit der Wunsch nach Sinn und nachhaltigem Erleben an, ohne dass ich mit Bestimmtheit sagen kann, worin ich das finden könnte. Es ist seltsam, wie bei Liebeskummer. Manches, was mich vorher glücklich machte, wirkt jetzt blass und reizlos, aber etwas Neues assoziiert mein Hirn nur mit „Anstrengung“. Mal schauen, was sich da noch auftut. 😉

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