absolut unsportlich

Wieder habe ich die 80ger-Grenze durchbrochen. Und wieder tritt das Phänomen auf, welches ich nur zu gut kenne. Kaum sehe ich die Erfolge meines Tuns und erreiche die Grenze, nach der jedes verlorene Kilo deutlich sichtbar wird, schon werden die Nerven dünn, der Körper signalisiert, dass er lieber wieder zurück zu den Polstern will und ich habe nur noch ein Bedürfnis: faul rumsitzend zu fressen. Dabei geht es nicht einmal um Pizza und Torten… ich schaffe es auch mit „cleanem“ Futter ständig zu viel zu essen.

In den letzten zwei Wochen habe ich gerade man einen Tag mein Defizit erreicht. Da ich weiter beim Sport war, schaffte ich es dennoch auf 79,2kg runter, ich verlor langsam Gewicht.

Doch dieses Wochenende spürte ich, dass der entscheidende Wendepunkt gekommen ist. Gestern konnte Slaine nicht zum Beintraining und ich nahm mir vor, stattdessen eine Runde zu joggen. Der Himmel grinste aufmunternd herab, die Vögel riefen, aber ich begab mich lieber ins weihnachtliche New York („The Division“ hat seine entspannenden Krallen in mich geschlagen) und anschließend nach Krasia („Der Thron der Finsternis“ von Peter V. Brett zieht mich ebenfalls schwer in den Bann). Dessen nicht genug, war ich auch zu faul etwas zu kochen und holte stattdessen eine große Portion im China-Imbiss.

Gründe dafür gibt es natürlich wieder: auf Arbeit ist es enorm stressig. Durch die Diät bin ich leicht reizbar und merke immer öfter, dass ich meine angespannten Nerven an meinen Schülern auslasse. Ich schaffe es kaum noch motivierend und bestärkend zu sein, stattdessen motze ich nur noch. Ich fühle mich permanent ausgelaugt und müde, in der letzten Woche wollte ich keinen Tag auf Arbeit sein. Das ist neu. Und mein Körper schreit nach Essen. Ich kenne Appetit zur Genüge, aber das jetzt ist Hunger. Ich würde so ziemlich alles essen, wenn es nur den ständig nagenden Hunger stillt.

Aber verdammt nochmal, genau das kennzeichnet den Übergang auf eine neue Stufe!

Und auch das weiß ich eigentlich.
Mein Körper will nichts hergeben…
aber jenseits dieser Grenze wartet neue Energie und mein großes Ziel: endlich meine Muskulatur freilegen! Die Ergebnisse jahrelanger Arbeit sichtbar machen. Meinen Stolz nicht mehr heimlich zu hüten, sondern ihn sichtbar zu entfalten.
Gerade die Tatsache, dass es jetzt schwer ist, markiert den Übergang. Einen Übergang den ich schon so oft gemeistern und dann wieder verschludert habe.

Aber genau aus dieser Vergangenheit weiß ich auch, was ich jetzt zu tun habe. Es muss ein neuer Plan her, neue Etappenziele, damit meine Träume wieder näher kommen, meine Motivation mich wieder antreibt und ich das Tief überwinde.

Ein guter Frustmoment, der meinen Ehrgeiz anstachelt, ergab sich durch Zufall. Ich verließ am Mittwoch mit einem Kollegen die Arbeit, als ich meine Tram nur wenige Meter hinter mir auftauchen sah. Sofort sagte ich: Los, die kriegen wir! und sprintete los. Doch schon nach wenigen Metern merkte ich, dass meine Energie rapide abnahm und mein Kollege trotz gedrosselter Geschwindigkeit weit vorauszog.
Ich war rechtzeitig an der Haltestelle, doch ich fühlte mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen und am nächsten Mogen hatte ich Muskelkater in den Beinen. 300m! Dreihundert Meter Sprint und ich japste und bekam Muskelkater…ich fühlte mich wie der

unsportlichste Mensch der Welt

Nach zwei Wochen ohne durchgezogene Diät war mir klar, dass ich nicht darauf hoffen konnte, einfach so weiter zu machen und plötzlich mit demselben Plan wieder Erfolg zu haben.

Doch was kann ich ändern?
Ich habe drei neue Abendmenüs zusammengestellt. Doch gleichzeitig sagt mir mein Herz, dass dies allein nichts ändert. Es sind nicht die Mahlzeiten, die mich stören, es ist die Menge.
Was ich brauche ist ein Ziel, das mir leuchtend vor Augen steht und für das ich erreichbare Landmarken habe. Meine schmelzenden Umfänge sind solche Landmarken und die kleinen Kühlschrankbildchen können mir helfen, diese wach zu halten.
Aber auch hier trat in den letzten Wochen…nennen wir es eine Abnutzungserscheinung ein. Je tiefer ich die neuen Bildchen hinhängte, desto weniger wirksam erschien mir jedes einzelne.
Warum also nicht einen Resett? Warum nicht heute mit Tag 1 nach dem Wendepunkt neu beginnen?
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Heute war ein guter Tag Eins.
Nüchtern joggte ich zum Studio, trampelte 30 Minuten auf dem Crosser und absolvierte danach ein Beintraining.
Doch heute waren meine Speicher auch voll.
Slaine hat den April zu „everyday ist a sportsday“-Monat ausgerufen. Ziel ist es, jeden Tag etwas Sport zu treiben. Joggen soll einmal die Woche wieder auf den Plan und auch das vernachlässigte Hometraining (Planks, trockene Squats und L-Flys) soll wieder aufgenommen werden, sodass man täglich wenigstens etwas Sport einbaut.
Sport ist der Eckpfeiler, der über Fortschritte oder Stillstand entscheidet. Denn mit sportlichen Erfolgen kommt der Ehrgeiz, mit der Ernährung nachzuziehen. Ohne Sport siegt immer die Bequemlichkeit.
Die Frage ist nur: Schaffe ich das? Oder hör ich weiter auf all die guten Gründe, die sagen: Mit mehr Essen wird alles besser, du brauchst jetzt mehr Essen.

Diese Frage entscheidet in den nächsten Wochen alles.
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