Das Prinzip des äquivalenten Tausches (Verzicht I)

Es ist kein Geheimnis, dass Alles, was man sich wünscht, etwas kostet. Nichts ist umsonst. Freundschaft, leckeres Essen, Karriere, Urlaub, egal was, um es zu bekommen, müssen wir zunächst investieren. Zeit, Kraft, Verzicht, unangenehme Situationen, Rücksicht…Geld ist nicht die einzige Währung, die wir kennen. Die wichtigen Dinge im Leben kosten etwas anderes.

Manchmal ist der Preis so gering, dass wir ihn kaum spüren. Manchmal ist man sich gar nicht bewusst, dass man für alles bezahlt.
Andere Dinge kosten mehr.
Manches erfordert einen so hohen Preis, dass man schlicht nicht in der Lage ist, ihn zu zahlen. Oder wir sind nicht bereit dazu, weil der Preis uns zu hoch erscheint.

Wenn es um Träume geht, ist der Preis immer hoch. Sonst wäre es kein Traum, sonst wäre es nur ein Ziel. Ein Traum definiert sich unter anderem dadurch, dass er schwer zu erreichen ist.

Ich bin mir dessen immer bewusst. Und ich rede gern und viel von Träumen. Aber wenn es um den Preis geht, beginne ich zu hadern. Nicht, weil ich den Preis nicht kenne, sondern weil ich mir dessen nur allzu bewusst bin.

Das Wort „Preis“ ist weder positiv noch negativ konnotiert. Aber es gibt ein anderes Wort, dass deutlicher beschreibt, was Träume kosten. Und dieses Wort heißt „Opfer“. Genau das steckt für mich hinter jedem Wunsch, hinter jedem Neuanfang, hinter jedem Tag. Ob ich nun diszipliniert nach einen Plan lebe oder mich total gehen lasse, immer steckt in mir eine innere Schalenwaage, in der auf der einen Seite das liegt, was ich mir wünsche. Und auf der anderen Seite liegt das, was ich dafür hergebe, was ich opfere. JEDEN Tag.

Liege ich mit leerem Pizzakarton und einer Packung Eis auf dem Bauch im Bett, dann liegen in der einen Waagschale die Geschmacksexplosion, die Entspannung des Kontrollverlustes, der Rausch der Kohlenhydrate. Und diese Schaale ist schwerer, als das furchtbare Gefühl platzen zu müssen, es wiegt schwerer als der Verlust des Stolzes und sogar schwerer als das schlechte Gewissen. Zumindest am ersten Tag.

Habe ich einen sportlichen Tag hinter mir, liegen in der einen Waagschale vielleicht der Stolz auf erbrachte Leistungen, der Genuss der verdienten Erschöpfung, das Gefühl dem großen Ziel näher zu kommen. Aber in der anderen Waagschale liegen all die ungegessenen Leckereien, die Verführung der Sinne durch Gerüche und Geschmäcker, denen ich kurzzeitig widerstanden habe, die mich aber mit großer Ausdauer verfolgen. Und damit liegt auch an jedem guten Tag eine Menge Verzicht und eben Opfer in der Waagschale. Am ersten Tag ist es nicht viel, in der ersten Woche ist es auszuhalten, aber nach mehreren Wochen kommt da einiges zusammen.

Ich glaube, das ist der größte Unterschied zwischen schlanken Menschen und mir. Schlanke Menschen werten stets die erste Schale stärker, während für mich die zweite Schale jeden Tag stärker ins Gewicht fällt.

Und was folgt daraus?
Nichts.
Es ist keine neue Erkenntnis, aus der nun eine große Umkehr folgt.
Nein.
Es geht weiter wie bisher. Aber für die nächste Woche werfe ich noch eine Portion extra in die Opferschale, zusätzlich zu allem, was da schon liegt. Hier ist mein Opferaltar für die kommende Woche:
koffein

Schmälert das Bewusstsein über die (vergeblich) gebrachten Opfer der Vergangenheit nicht meine Zuversicht?
Ja und nein. Einerseits lässt es mich tatsächlich an manchen Tagen in Hoffnungslosigkeit versinken. Doch dann wird mir immer aufs neue klar, dass ich hemmungslos untergehe und keinen Tag mehr genießen kann, wenn ich nicht aufsteh und weitermache. Das sind die Tage, an denen ich mir die erste Waagschale in Erinnerung rufe, und mich daran festhalte, was ich für mein Opfer bekomme:

Dauer der Diät/des Trainingszyklus: Effekte:
1 Tag Magen wird kleiner, Bauch flacher, Völlegefühl und Sodbrennen verschwinden
2 Tage Wassereinlagerungen in den Beinen werden weniger
5 Tage Ernährung läuft gut, ich kann stolz auf mich sein
14 Tage erste Abnehmerfolge stellen sich ein, Speck fühlt sich nicht mehr so aufgequollen an, Kurzatmigkeit nimmt spürbar ab
erster Trainingssplit geschafft Muskeltonus in allen Muskelpartien hergestellt, erster Muskelkater durch, alles fühlt sich straffer an
zweiter Trainingssplit geschafft Training gehört wieder zum Alltag, Überwindung wird weniger, Erfolge zu verzeichnen
dritte Trainingssplit Aussehen verändert sich sichtbar, Posing bestätigt Wirkung, Ausdauer verbessert (Crosser, Joggen)
nach 4 Wochen Training auf alten Kraftwerten, Muskulatur kann effektiv angesprochen werden, gutes Muskelgefühl, Kilos auf der Waage fallen, Klimmzüge werden leichter, deutlich weniger Umfang, Kleidung sitzt besser
nach 8 Wochen der alte Traum rückt in Reichweite, Einschnitte in Muskulatur tiefer, wirkt dadurch größer, Glaube an Fotoshooting kehrt zurück, Bustiers und Hosen sitzen besser, kurze Röckchen tragbar, Fotos und Clips im Studio drehbar
nach 6 Monaten neues Equipment im McFit
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