Und schon wieder…

  • platze ich aus den Klamotten
  • zeigt die Waage fast 85 kg
  • habe ich das Gefühl, am eigenen Bauch zu ersticken
  • schau ich zurück und frage mich: Wie konnte es soweit kommen? Und warum tue ich mir das immer wieder an?

Wieder steh ich an dem Punkt, an dem ich all die Fatacceptence-Heinis verstehen kann, die genug von all den vergeblichen Diäten haben, genug davon, sich ständig als Verlierer zu fühlen, genug von der Sisyphosaufgabe, sich abzumühen, zu investieren und zu verzichten, um nach kürzester Zeit der Kontrollosigkeit wieder am Fuße des Berges zu stehen, den man schon so oft beinahe erklommen hat.

Heute stehe ich wieder am Fuße dieses Berges und der Stein, den ich hinauf bewegen muss, ist wieder unfassbar schwer, der Berg unbezwingbar hoch.

Ich verfluche mich für all die Phasen, in denen ich die Zügel nur ein bisschen lockern will, nur kurz eine Pause einlegen will, mich nur ein wenig entspannen will und plötzlich auf vier, fünf, sechs oder acht Wochen der zügellosen Völlerei zurückblicke, in denen ich futter und futter, in der vergeblichen Hoffnung auf Befriedigung und das Ende der nagenden Gelüste. Wer glaubt, dass es dabei um Genuss geht, ist ein Narr. Es geht um Ruhe, um die Hoffnung auf Entspannung, Erholung.
Meine Dämonen sagen, wenn alle Gelüste befriedigt sind, erlange ich Ruhe und inneren Frieden, dann kann ich mich erholen. Und Mal um Mal falle ich darauf herein.
Kaum erscheint der Gipfel des Berges in greifbarer Nähe, gebe ich den Einflüsterungen nach. Nur einen Abend ruhen, nur einen Tag ohne Kontrolle auskommen, nur ein Wochenende reuelos genießen, dann erklimme ich den Rest…

Und doch habe ich den Stein heute bereits ein gutes Stück bewegt. Am Fuße des Berges stehe ich also, schau hinauf und frage mich, wie ich die ersten Schritte überhaupt bewältigen soll. Woher soll die Überwindung kommen?

Es sind immer dieselben Dinge, die mich doch wieder an den Stein bringen:

  •  Ich weiß, dass ich mich so nicht akzeptieren kann, dass ich nie wieder so aussehen will:
über 90kg

über 90kg

  • Ich weiß, dass dies nicht das Ende der Fahnenstange wäre. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich mit über 200kg Gewicht im Bett liegen. Es gibt keine natürliche Grenze, an der mein Gewicht „einrastet“, der Kampf gegen die Zunahme ist ein nicht endender Kampf.
  • Andererseits kann ich mir genauso lebhaft ausmalen, dass ich den Gipfel erstürme und der Kampf gegen die Sucht, wenn schon nicht endgültig gewinne, so doch zumindest leichter im Zaum halte.
  • Weiß ich, dass jedes Trainingsjahr, jede Trainingseinheit etwas ändert. Heute sehe ich mit knappen 85 kg ganz anders aus, als vor einigen Jahren noch. Oder wie all die Bodybuilding-Motivations-Clips verheißen: Hard work pays off.

Vergleich 78kg

  • Trotz aller Rückschritte gehe ich regelmäßig trainieren. Egal wie beschissen alles läuft, ich kehre stets ins Studio zurück, gehe auf den Stepper, gehe ans Eisen und arbeite weiter an der Formung meines Körpers. Das ist eine Errungenschaft, die alles andere als selbstverständlich ist. Das Gym ist zur Gewohnheit geworden und allein dass ich diese Gewohnheit installiert habe, lässt mich weiter daran gleuben, dass auch andere gute Pläne irgendwann zur Gewohnheit werden können.

Meine Taktik für einen neuen Aufstieg?
Ich habe immer einen Plan!
Zunächst muss das Training sich wieder befriedigiend anfühlen. Also habe ich überlegt, was ich mit jeder Einheit erreichen will, damit sie sich befriedigend anfühlt.
Bei der Ernährung ist zunächst die Frage nach Strukturen. Durch meinen Job ist der Tag schon in Einheiten unterteilt und die Zeitfenster fürs Essen vorgegeben. Problematisch ist da eher der Feierabend und die Wochenenden.

Wie versuche ich einen Kontrollverlust zu verhindern?

  • wenn ich gestresst bin, versuche ich wenigstens 5-10 Minuten für Meditation zu finden, denn Stress ist der größte Trigger
  • unter der Woche habe ich nur eine variable Mahlzeit am Abend mit einem Kalorienfenster von 500-600kcal, der Rest steht fest
  • freitags wird zum Feierabend für Samstag und Sonntag Mittagessen besorgt, sodass da schon klar ist, was auf den Tisch kommt
  • Zucker ist zu meiden, das bedeutet auch: kein Obst, kein Eis

 

Wieder habe ich eine Schlacht verloren, aber den Kampf gebe ich nicht auf!

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5 Kommentare zu “Und schon wieder…

  1. Immer, wenn ich deinen Blog lesen, habe ich das Gefühl, die Zeilen stammen von mir…

    Ich verstehe dich so gut. Mir geht es genau so. Auf. Ab. Auf. Ab.

    Ich bin so müde. Und trotzdem will ich es, wie du, nicht auf mir sitzen lassen.

    Wir sollten echt eine Selbsthilfegruppe gründen – warum nur wohnst du so weit weg?? D:

    • Hach Jany…aber immerhin gibt es das Internet, wo sich Schwestern im Geiste treffen.
      Auf unsere Tretmühlen und den täglichen Kampf mit dem Mampf. 😉
      Was treibst du zur Zeit so? Und gibts einen Blog? =))

  2. Hej,

    *seufz*
    Ja, auch ich kenne vieles aus Deiner Beschreibung zuuu gut.
    Mein Top lag irgendwo bei 88..
    Immerhin hast Du schon ein wenig der ‚Quelle‘ erkannt.
    Entspannung..hmm..hattest Du es mal mit sog. ‚Selbsthypnose‘ AudioCds versucht?
    (so a la Süchtig nach Süssem?)
    Das ist nicht wirklich eine Hypnose, es ist auch nicht, dass man ‚plötzlich‘ danach ‚geheilt‘ ist.
    Aber man liegt/sitzt 15min in Ruhe und hört konzentriert auf die Stimme.
    Hatte mir hier und da auch mit gut rausgeholfen, eben wenn das Entspannen gefehlt hatte, oder als Alternative zum Fressflash.

    Bewundernswert finde ich, dass Du den Sport behältst, den kicke ich immer sehr schnell, weil es dann ja eh keinen ‚Sinn‘ mit Schwabbel macht und sich doppelt mies anfühlt.

    Und ich hätte Dich auch gerne in der Nähe, vor allem zum gemeinsam Sport machen und Dein Wissen in dem Gebiet abzugreifen wäre es spitze 🙂

    Ich habe heute übrigens ein Gespräch mit einem PersonalTrainer.
    Will mein Training (aktuell halbwegs gut durchgeführter 2erSplit) ein wenig hochschrauben.
    Heisst idealerweise einen straffen 3er, mit Fokus auf meinen Traum: Klimmzüge zu schaffen (mit dem weiten Griff).
    Ich bin gespannt und freue mich drauf.
    Habe dann die Hoffung, dass ich dann die Motivation zum Kalorienzählen mit bekomme. Das Gewicht ist gerade erstaunlich stabil und auch gar nicht so schlecht (68), aber so um 5kg weniger wären echt genial.
    Dazu wird mich vielleicht auch noch der morgige Tag motivieren…habe in Köln ein Termin beim Tattoostudio (ein weiterer Wunsch Abrundung/CoverUp meines Tribals von 2001….).

    Ich wünsche Dir einen guten und motivierten Start in die Woche.
    Schaue nicht auf den Berg, sondern besser auf das nächste Plateau, dass Du erklimmst (aber ich denke, diese Denkmotivation kennst Du vom Prinzip auch).

    LG
    -k.

    • Mit Stimme habe ich bisher noch nicht probiert. Ich höre nur auf Arbeit mal regelmäßig nebenher ein Meeresrauschen…ich werds mal mit den Stimmen probieren, bin gespannt. 😀
      Ich überlege auch sooo oft, dass ein PersonalTrainer richtig gut wäre, aber irgendwie gibt das Konto das nie her. Erzähl du mal, ob es dich gut motiviert, ob es hilft oder ob es eher nervt. Bin schon ganz gespannt!

      Heute ging es schon so turbolent zu, dass ich gar nicht zum Essen kam. Und das wird in den nächsten Tagen nicht besser. XD

      Viel „Spaß“ beim Tätowierer. Und immer dran denken: umarme den Schmerz! ;D

      • Hi,
        bei der StimmenCD kommt es da echt auf die Stimme an*g*
        Naja und wie abgedriftetesotherisch der Text ist, aber das ist ja Geschmackssache,bei manchem habe ich eher genervt geseufzt oder aufgelacht als entspannt.
        Auch sowas wie Progressive Muskelentspannung ist gut, um 15-20Minuten ‚abgelenkt‘ und doch in Ruhe bei sich zu sein, sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren.
        Gibts z.B: bei der TK 🙂

        Der PT ist kostentechnisch nicht ohne, da gebe ich Dir recht.
        Aber wenn ich nachdenke, wieviel Kohle ich schon in Abnehmhumbug gesteckt habe…neee…besser nicht!
        Montag geht es los, die Tage verfasse ich eine Mail zu meinem aktuellen Training und der Ernährung (wobei ich diese lieber entspannt angehen will).

        Mit dem Tattoo wird es dauern (wie akutell eigentlich bei allen guten Künstlern)
        Aber immerhin, er ist sehr an meinem Motiv interessiert und ich habe die Termine…für November..das ist noch sooooooooooooooooooo lange*jammer*
        Immerhin lange Zeit sich zu freuen!
        ..und im Vergleich was dabei anfallen wird, sind die ersten 10 Einheiten des PT echt nicht mal ein Viertel :/

        Deine sind ja auch nicht ohne, wenn ich mich richtig erinnere 🙂

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