Alles Hippies

Urlaub…der Zeitraum auf den man hinarbeitet, für den man eigentlich arbeiten geht. Urlaub, das verspricht Idylle, Entspannung, sich selber spüren.
So stell ich mir das bei den meisten Deutschen vor.

Für mich ist Urlaub ein klein bisschen anders. Zunächst ist Urlaub eine Zugfahrt, denn Urlaub heiß für mich, irgendwo anders aufzuwachen. Aber natürlich nicht allein, sondern mit Slaine an meiner Seite. Den würde ich sonst sehr vermissen…beim Einschlafen und Aufwachen. Beim Zugfahren allerdings eher nicht.

Die Tragödie beginnt mit dem Hinsetzen. So schön ein breiter Freund in freier Wildbahn ist, sobald man einen Doppelsitz mit ihm teilt und das Gesicht einen Abdruck auf der Fensterscheibe hinterlässt, während die Luft durch einen anschmiegsamen Ellbogen aus den Lungen massiert wird, merkt man, dass man nur einen halben Sitz bekommt.
Damit geht der Spaß erst los. Während ich keine Probleme habe, mich beim Anblick der Landschaft zu entspannen und mich entweder von einem Buch fesseln zu lassen oder in entspannenden Schlummer zu fallen, ergeht es dem Göttergatten da ganz anders.
„Mir ist langweilig.“ „Wann sind wir da?“ „Mir tut der Hintern weh. Ich kann nicht mehr sitzen.“
Die ganze Knatschpalette rauf und runter… Da graut es mir mittlerweile schon richtig vor Fahrten.

Doch diesmal lief es ganz anders. Naja, fast. Nachdem sich mein Gesicht mit einem satten *Schmatz* von der Fensterscheibe löste, ging mein Göttergatte aufs Behindertenklo, um die Fahrt nicht schon hibbelig zu beginnen. Ein Blick auf die Bedienelemente außen, ließ ihn kurz stutzen.
außen
Clever, wie er ist, hat er gleich erraten, dass die Fläche mit dem Signalwort „besetzt“ leuchten muss, damit auch wirklich besetzt ist. Also drückt er beherzt auf „öffnen“ und erwischt eine Omi mitten im Geschäft. Diese versucht verzweifelt, jene Tür mit einer Hand zuzudrücken ohne mit dem Gluteus den Abort zu verlassen, während die zweite Hand den beigen Renterrock umkrallt. Welcher Körperteil dabei die meiste Anstrengung vollbrachte, bleibt ungewiss. Spekulanten sollen jedoch aufs Gesicht gewettet haben.

Wie konnte es dazu kommen?
Nachdem die hochrote Omi das Örtchen verlassen hat, nimmt der Göttergatte einen neuen Anlauf, drückt auf „öffnen“, dringt ins Innere der Kabine vor und sieht Folgendes:
innen
Klar, was zu tun ist?
Der Göttergatte drückt zunächst auf „schließen“, wartet, bis die Tür ganz geschlossen ist und das Licht rot blinkt, um DANN auf den zweiten roten Button mit der Anweisung zu drücken. Erst danach leuchtet das Licht durchgehend rot, weil die Tür verriegelt ist und auch von außen erkennbar als rotes „besetzt“ leuchtet.

Wer sich diese Bedienelemente ausgedacht hat, kann eigentlich nur Inhaber eines fiesen Failblogs sein. Als unschuldige Zuschauer verbrachten wir nun also den Rest der Fahrt mit Blick auf jene Klotür und wurden bestens unterhalten.

Zunächst gab es die Leute, die das Bedienelement außen missinterpretierten und Schlange standen, obwohl die Toilette nicht besetzt war. Als die Schlange die Glastür, welche uns von jenem Abtail trennte, öffnete, verrieten wir natürlich das Geheimnis. Sofort verschwand der Erste in der Kabine und wir warteten gespannt, ob das „besetzt“-Zeichen wohl erleuchten wird.
Tat es nicht.
Auch die weiteren Passanten aus der Schlange verschwanden in der Kabine, drücken auf „schließen“, verriegelten jedoch nicht.
„Alles Hippies“ flüstert der Göttergatte.
Unsere Fantasie treibt bunte Blüten, als wir uns fragen, ob es vielleicht schon Pranks gibt, bei denen U-Tuber diese Konstruktion ausnutzen, um in einer solchen Situation die Tür mit laufender versteckter Kamera zu öffnen. Die Sammlung an Clips wäre sicher böse, aber sehr unterhaltsam.
Und wie die Flitzebögen warten wir, ob noch jemand, wie die Omi zu Beginn, überrascht wird.
Doch nichts passiert. Die ständig falsch interpretierten Bedienelemente erzeugen den Fehler und die Höflichkeit der Deutschen hebt sie wieder auf! Alle bleiben fast ehrfürchtig vor dem nicht leuchtenden „besetzt“-Zeichen stehen, beobachten und lauschen, ob irgendwelche Reize etwas über den Zustand im Inneren verraten.
Just in germany. XD

Und dann gab es noch eine junge Dame, die leicht verpeilt durch den Zug wankte und dabei an jeder Grifffläche zog und scheinbar irgendetwas erwartete. Als sie zum zweiten Mal an uns vorbei kam, sprach ich sie an: „Sie müssen auf den grünen „öffnen“-Button drücken!“ und zeigte auf das Bedienelement. Ihr Blick sprach mich an, als hätte ich ihr Quantensprünge erklärt. Verwirrt geht sie zurück zur Tür, drückt den Knopf, als handle es sich um einen Knopf an tickenden roten Stangen. Dann beobachtet sie, wie sich die Kabine öffnet, beugt sich ins Innere, zieht den Rumpf wieder in die Senkrechte und kommt zurück mit den Worten: „Ich versteh das nicht!“, was uns nun wiederum verwirrt.
„Sie suchen doch die Toilette?“ frage ich.
„Nein! Such ich nicht!“, sagt sie empört und rauscht gleichzeitig verpeilt und pikiert davon.

O_o

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2 Kommentare zu “Alles Hippies

  1. *lachweg*
    Ich sehe es vor mir… Weil ich diese superschlaue Konstruktion auch kenne. Es hat bei mir gedauert, bis ich das verriegeln geschnallt hatte…und auch dann war es nicht allzu entspannt, ich war in ‚Bereitschaftshalting, falls es doch nicht richtig war *g*

    Und die Mail Antwort kommt sicher noch, gerade keine Ruhe um Entspannt zu texten. Sorry.

    Ach ja, wohin geht/ging es eigentlich?

    • Huhu Kayah, es ging ins Saarland, Kurzurlaub. War herrlich dort. Alte Zockbekanntschaft besuchen.

      Übrigens kommt nächsten Mittwoch mein Bodymedia an. =) Bin sehr gespannt, wie das wird.
      Lass es dir gutgehen.
      Liebe Grüße
      Steffi

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