Woche 11: Kündigung und der Abnablungsprozess

Wieder eine Woche verflogen…

Dienstag erfuhr ich, dass meine neue Stelle in allen Instanzen bestätigt wurde und nun der Arbeitsvertrag aufgesetzt wird. Das dauert aber noch, ich muss mich also gedulden. Gedulden heißt warten und das kann ich ja nun gar nicht! Der Monat rast dem Ende entgegen und damit auch die Zeit zum Kündigen. Also nahm ich mir ein Herz und kündigte am Mittwoch.

Zu meiner Abteilungsleiterin hatte ich immer ein gutes Verhältnis, wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber wir schätzen einander. Deswegen fiel es mir besonders schwer, ihr die Botschaft zu überbringen. Sie war auch entsprechend geknickt, wünshte mir aber alles Gute und konnte es auch etwas nachvollziehen, auch wenn sie anschließend den Chef gleich wieder in Schutz nahm. Das muss in der Position wohl auch so sein.

Witzig war, dass sie wieder meinte, ich mache generell zu viel, mische mich in Sachen ein, die nicht meine Aufgabe wären, übernehme zu viel Verantwortung und mache mir zu viele Gedanken um alles.

„Allein schon das Essen! Sie machen sich viel zu viele Gedanken darum, was sie essen. Das macht doch auch krank!“
Ich: „Aber ich mache mir gerade gar keine Gedanken um das Essen, das macht mein Coach für mich.“
„Ja, das ist doch auch krank, wenn man schon jemanden braucht, der einem sagt, was man essen soll. Wofür braucht man denn dann noch alles Hilfe? Das ist doch nicht normal. Und dann kontrollieren sie da alles.“

Ich glaube, das zeigt den größten Unterschied zwischen uns. Ich bin der Meinung, wenn man mit Menschen arbeitet, muss man sie führen, man muss isch um Sachen kümmern. Anpacken. Steuern. Managen. Deswegen heißt es ja „Leitung“ oder „Personalführung“. Meine Chefs funktionieren eher nach dem Ansatz: Lief immer irgendwie, ich habe jetzt zu viel zu tun, um da was zu steuern. Aber so ist es eben, trotzdem können wir im Guten auseinander gehen. Bei einem so unberechenbaren Chef muss man wohl so gelassen sein.

Anschließend bin ich direkt zum Chef spaziert.
Ich: Nach unserem letzten Gespräch habe ich viel nachgedacht. Ich muss sagen, das Gespräch war für mich wirklich eine verbale Ohrfeige.
Er: Eine Ohrfeige? Na wenn Sie das so sehen…
Ich: Sie sagten, wenn ich nicht die nötige fachliche Kompetenz habe, müsse ich mich nach einer anderen Stelle umsehen. Das habe ich getan und reiche nun hiermit meine Kündigung ein.
Er: Tja, dann…gut. Ich lasse das bearbeiten und dann bekommen sie die Kopie mit Eingangsbestätigung zurück. Gut? Gut.
Und das wars. Gefühlte 5 eiskalte Sekunden.

Aber das war okay, das war ein vermutetes Szenario. Ein anderes war, dass er richtig pampig wird. Da war es mir so ganz recht. Gestern waren die Schüler dann schon wieder..hach, wie immer halt. Also habe ich kurzen Prozess gemacht und ihnen gesagt, dass ich nicht mehr lange da bin. Hui, da ging ein Ruck durch die Reihen, also habe ich alle beruhigt, dass ich sie sicher zum Ziel bringe, aber dass jetzt die Zeit gekommen ist, in der SIE an der Reihe sind. Einsprechthemen ausarbeiten, Stoff lernen, Fragen stellen. „Benutzt mich, solange ich noch hier bin!“ Einige haben darauf richtig losgelegt.
Irgendwer schaute sich dabei die Herrschaftsformen an und fragte: „Und welche Form üben Sie aus?“
„Na ich bin die Königin, mein Wort ist Gesetz, ganz klar!“
„Dann brauchen Sie aber auch eine Krone!“, meinte einer.
Und heute schleppte er mir eine Burger King Krone an. So lief ich denn eine Weile gekrönt durchs Haus…kann meine Untertanen ja nicht enttäuschen. 😉

Damit liegt das Schlimmste hinter mir. Auf Arbeit fühlte ich mich am Mittwoch richtig befreit. Aber zum Feierabend und den ganzen Donnerstag über wurde mir schlagartig alles zu viel. Meine Schüler in den wenigen Wochen fit kriegen, einige Realschul-Schüler durch die Pflichtlektüre kriegen (obwohl sie nicht mal eins der drei Bücher schaffen), Prüfungsstoff zusammenfassen, mein ganzes Zeug räumen, Sport, einkaufen, Haushalt und irgendwann müsste ja mal die neue Maßnahme vorbereitet werden, da weiß ich noch gar nicht, wie ich anfangen soll. Zwischen dem neuen und dem alten Job liegen gerade mal 4 Urlaubstage. O__o

Und genau so fühlte ich mich, als ob mich plötzlich ein Berg unter sich begräbt. Meine Ohren pfeifen seit Montag immer mal plötzlich, begleitet von Schwindel. Und mein Kopf fühlt sich einfach nur voll an. Ich rede so oft Stuss oder bekomme die Worte nicht richtig artikuliert. Ich fühle mich einfach total ausgebrannt.
Und in so einem Zustand finde ich morgens sowas im Kühlschrank auf meinen Plastikdosen:
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Obwohl er gerade selber rackert wie ein wütender Stier, von früh bis spät programmiert, um seine App endlich zu releasen, obwohl er nicht weiß, wie es danach weiter geht und er genügend eigene Probleme hat, ist Slaine für mich da. Wir haben vor einigen Wochen vereinbart, dass es immer erstmal eine dicke, feste Umarmung gibt, wenn ich von Arbeit heimkomme. Und daran hält er sich. Jeden Tag kommt er mir mit ausgebreiteten Armen entgegen. Mein Fels, mein Halt, meine zweite Kugelhälfte. 🙂

Dennoch war mit am Mittwoch und Donnerstag ganz schwer nach einem Vollrausch zumute. Ich war wirklich stark in Versuchung. Aber die Vorstellung, das anschließend meinem Coach zu beichten….nein, die Blöße wollte ich mir nicht geben. Und so entschied ich mich für etwas total Beklopptes…Ich gönnte mir ein Käppchen Wick Medinait, denn Medizin muss man ja nicht eintragen, nich?

Fang ich echt schon an, mich selbst zu bescheißen?
Hach, was soll ich sagen, der Kopf wurde leicht und ich fiel in tiefen, tiefen Schlaf.

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Woche 10 die II.: Diätalltag eines Kontrollfreaks

Ich habe es geschafft, die schwierige Einstiegszeit liegt hinter mir. All die Zweifel „Oh, halte ich wohl durch?“ „Werde ich den Aufwand schaffen?“ „Wird es immer so anstrengend sein?“ „Läuft es richtig oder mache ich zu viele Fehler?“ liegen hinter mir. Alltag ist eingezogen. Ein Tag nach dem nächsten vergeht, ohne dass ich mich umschau oder ins Stolpern gerate. Slaine futtert hier weiter munter Pizza oder Essen vom Lieblingschinesen und spült es mit feinstem Rotwein runter, ohne dass ich auch nur mit der Schulter zucke. Alles läuft perfekt.

Perfekt sieht bei mir so aus:
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Das ist meine Küchenwand, jedes Blatt ist ein Tag mit 4 bis 5 Mahlzeiten. Jedes Gramm ist festgelegt. Es gibt 3 Kategorien:

  • TTA (Trainings- und Arbeitstag)
  • NTTA (trainingsfreier Arbeitstag)
  • TT WE (Wochenendtage sind immer Trainingstage)

um überhaupt noch durchzusehen, habe ich die drei Kategorien farblich markiert. Wenn ich Lust auf Abwechslung oder ein anderes Gericht habe, setze ich mich hin und schreibe neue Listen. Manchmal merkt man nach dem ersten oder zweiten Mal, dass etwas stört, dann wird die Liste überarbeitet. Teilweise kleben dort schon drei Versionen übereinander.

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Donnerstags oder spätestens freitags plane ich das Wochenende und die darauffolgende Woche mit wenigen Klicks durch. Spätestens freitags muss dann auch die Einkaufsliste bis zum Feierabend stehen, weil ich auf dem Heimweg schon die meisten Lebensmittel etc. einkaufe. Den Rest hole ich samstags nach dem Training.

Mahlzeiten plane ich in der Woche so, dass ich entweder nur Kaltes zusammenrühren muss, oder für mehrere Tage vorkoche. Verliere ich die Übersicht über die Zutatenmengen (wie z.B. beim Eintopf), lege ich eine Exceltabelle an. So muss ich die jeweiligen Mengen nur noch ablesen.
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Gewicht und Umfänge werden aller 4 Wochen festgehalten…natürlich in einer Excel-Übersicht. Außerdem noch zur Übersicht die täglich verzehrten Makronährstoffe und die Kalorienbilanz.

Feierabend bedeutet für mich derzeit, Klamotten für den nächsten Tag rauszulegen, die benutzten Dosen in den Geschirrspüler zu stapeln und die Mahlzeiten für den nächsten Tag abzuwiegen und zuzubereiten und natürlich das aktuelle Abendessen nicht vergessen. Erst danach ist wirklich Freizeit…außer an Trainingstagen, dann heißt es Tasche packen, Nachtrainingszeug abwiegen und ab zum Sport.

Es läuft perfekt. Wie ein Uhrwerk. Jeder Tag ist präzise. Und vergeht. Die Wochen vergehen.

 

 

Und plötzlich höre ich beim Supermarktschlendern, während ich mit leeren Händen hinter Slaine hertrotte, einen Gedanken, der eigentlich längst überfällig war. Irgendwann musste er auftauchen denn er kommt immer dann, wenn sich alles einspielt, wenn ich mich sicher fühle und der Pfad vor mir gerade, klar und gut befestigt daliegt.

„Wann kann ich denn mal wieder einen Apfelkuchen essen? So einen richtigen, nicht nur ein winziges Stückchen. Einen ganzen Kuchen mit saftigen Äpfeln und Rosinen und Caramel und dazu Wanner-Waffeln…“

Wie immer erschrak ich kurz über den Gedanken, denn ich weiß um seine Macht. Die Macht, alles Feste aufzulösen und mich in das abenteuerlich strudelne Chaos zu reißen, wo man alle Kontrolle fahren und sich einfach treiben lässt.

Denn genau das steckt hinter dem Gedanken. Es geht doch eigentlich gar nicht um Apfelkuchen oder Pizza, es geht um meinen Verstand, der sich nach einer Pause sehnt. Einfach mal Sendepause machen, nicht dieses Gefühl, bei einem langen Schlittenhunderennen ständig alle Zügel fest in der Hand halten zu müssen. Ein Ende der To-do-Listen. Urlaub von der Kontrolle.

Das Alles weiß ich nicht erst seit heute. Aber wie macht man Sendepause? Meine Lieblingskollegin geht in den Garten und schuftet. Eine andere putzt, eine weitere kocht. Und ich? Ich lese…verdränge alles, um mich in die Abenteuer anderer zu flüchten. Doch immer öfter werden ich wieder rausgerissen. Nicht einmal dort lassen mich die To-do-Gedanken in Ruhe.

Wie macht man Pause? Wie genießt man das Jetzt? Wo gibt es echt Ruhe?

Woche 9: die Ruhe vor dem Sturm

Diese Woche war geprägt von einer inneren Anspannung. Es ist die Zeitspanne, wenn große Entscheidungen längst gefällt sind, alle notwendigen Schritte eingeleitet wurden und man nur noch abwarten kann, dass alles seinen Lauf nimmt.

Vor einigen Wochen meinte mein Chef, mir mein Engagement als mangelnde Fachkompetenz vorwerfen zu können, weil er eine von mir angestrebte Weiterbildung fürs Team nicht bezahlen wollte. Mir ging es darum, strukturelle Mängel grundlegend zu überdenken, ihm ging es um 500€ Kosten. „Das liegt allein an ihrer mangelnden Fachkompetenz und die haben sie entweder, oder sie sind hier falsch, dann sollten sie sich nach einer anderen Stelle umsehen.“ Das saß. Tja Chef, im Leben bezahlt man für alles…wenn man Glück hat, geht es nur um Geld.
Nach dieser Ansage fand ich keine Antwort mehr auf die Frage „Wozu mach ich das hier alles?“ und habe innerlich gekündigt. Eine Woche später erzählte ich meinem Lebenspartner davon und schon schauten wir in den Stellenanzeigen, wo wir auch prompt fündig geworden sind.
Zack, war eine Bewerbung geschrieben, am Montag erfolgte der Anruf, Dienstag dann das Vorstellungsgespräch und bei beiden konnte ich die Bereichsleiterin voll von mir überzeugen. Seither musste die Stelle noch von mehreren Instanzen genehmigt werden, die letzte Instanz wird am Montag mit 99%iger Sicherheit zustimmen und dann unterschreibe ich nächste Woche den Arbeitsvertrag und kündige meine bisherige Stelle.

Ab April beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt.
Kürzerer Arbeitsweg, weniger Arbeitstunden (also auch weniger Geld, der einzige Wermutstropfen), nur eine Gruppe von 6-8 Teilnehmern, dankbareres Klientel, spannendes Aufgabengebiet (Alphabetisierung) und eine Chefin, die von mir überzeugt ist, bevor ich überhaupt etwas investiert habe. Aber auch eine komplett neue Ausarbeitung der Materialien und Vertiefung meines Wissensstandes. Spannend!
Seitdem bin ich hin- und hergerissen. Meine Mädels auf Arbeit zu verlassen, wird mir sehr schwerfallen. Wir haben immer gut aufeinander aufgepasst, und geholfen und trotz all der Strapazen immer etwas zum Lachen gefunden. Mein Verantwortungsgefühl nagt an mir, weil ich die Schüler kurz vorm Prüfungszeitraum verlasse und ich bereite alles so gut es geht vor (erstelle Lernkärtchen und Zusammenfassungen, mache Druck, damit sie ihre Vorträge halten). Andererseits spüre ich, dass es wirklich Zeit ist, zu gehen. Ich ertrage die Trägheit der Schüler nicht mehr. Man strampelt sich ab, will fördern und begleiten und erhält ein „Das macht mir keinen Spaß.“ oder „Es ist anstrengend, nachzudenken.“ als legitime Verweigerungs-Antwort auf alles. Meiner Bereichsleiterin die Nachricht zu überbringen, bereitet mir auch Bauchschmerzen, denn im Gegensatz zum obersten Chef haben wir ein gutes Verhältnis, sie hat mir immer zugehört, mich gewarnt, nicht zu viel zu investieren und mich geschätzt. Das schlägt mir derzeit auf den Magen und macht mich gleichzeitig rastlos und energielos.

Neben all diesen anspannenden Gedanken empfinde ich ein großes Aufatmen…als würde man einen schweren Rucksack endlich absetzen. Ich habe begonnen, meine Schränke zu räumen…all die Bücher, die ich angeschafft habe, all die Materialien. Ich habe neue Materialien bestellt, neue spielerische Festigungs- und Lernmethoden gefunden. Halte Ausschau nach geeigneten Lesebüchern. Und ich freue mich auf den Neubeginn. Und auf den Moment, wenn ich meinem Chef die Kündigung vorlege.

Die Waage schlägt derzeit wieder ihre Kapriolen. Drei Tage neigt sie sich der 80kg-Grenze zu, dann springt sie wieder vier Tage lang ein Kilo nach oben. Heute morgen sah ich zum ersten Mal die 79,9kg. 😀
Beintraining steht heute wieder an und ich probiere es mal ohne Booster, um zu sehen, ob die extremen Bauchkrämpfe der letzten beiden Wochenenden sich damit erledigt haben.

Woche 8: Willkommen auf der Baustelle

Das Beste an dieser Woche war ihr verfliegen. Wusch, war sie vorbei. Seit ich beschlossen habe zu kündigen, ist der Job nicht leichter geworden. Im Gegenteil, so ganz ohne meine rosa „da steckt noch Potential für mehr drin“-Brille ist alles grau und zyklusbedingte Stimmungsschwankungen vervollständigen das Bild. Im Klassenraum habe ich mit eiserner Hand regiert und den Stoff durchgeprügelt. All die Ausreden und Gründe, warum man jetzt gerade nicht mitarbeiten kann oder warum man jetzt gerade schwatzen muss, habe ich mit der Ansage unterbrochen, dass es mir vollkommen egal sei. Ich sie dazu da, zu unterrichten. Warum jemand Wochen oder Monate nicht da war, warum die Unterlagen fehlen, warum man gerade kein Interesse, keine Lust oder andere Ausreden habe, interessiere mich nicht mehr. Mein Job ist es, diejenigen, die noch wollen, gut auf die Prüfungen vorzubereiten und dazu geht es bei mir immer im Stoff voran. Bei Problemen mit den Aufgaben bin ich immer da, aber um fehlende Unterlagen oder mangelnde Motivation müssen sie sich selber kümmern (Kopierer können bei uns genutzt werden, daher ist es wirklich eine Frage der Faulheit). Und dann kam der Moment, andem mir wirklich die Geduld riss und ich mich Sätze sagen hörte, die den Schüler persönlich treffen. Das ist etwas, was ich nie tun wollte und ich verachte mich dafür. Seltsamerweise hat das dazu geführt, dass dieser Schüler zum ersten Mal seit Wochen nach dem Unterricht ein Gespräch mit mir suchte.

Der Schüler verweigert seit Woche jede Mitarbeit, er sitzt im Unterricht, spielt mit dem Handy oder starrt vor sich hin. Anfangs habe ich ihn immer wieder angesprochen, ihn gefragt, wo es klemmt, bis er seinem Sozi erklärte, ich habe ihn auf dem Kicker, würde ihn ständig als Einzigen ansprechen. Wir vereinbarten, dass ich ihn nicht mehr dran nehme, er aber selbst wieder mitarbeiten müsse. Doch das tat er nicht. Diese Woche sollte eine Erörterung geschrieben werden. Ich fragte ihn, ob er nicht langsam etwas schreiben wolle, die Note spielt schließlich eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob er zur Prüfung angemeldet wird. Er zuckte die Schultern, die Themen wären nichts für ihn. Ich wies ihn darauf hin, dass Thema D ein selbstgewähltes sei. Er könne sich selbst ein beliebiges Thema wählen. Da falle ihm nicht ein, meinte er.
Ich ließ ihn.
Anschließend in der Doppelstunde Gemeinschaftskunde sollte eine Stationsarbeit zu den Verfassungsorganen bearbeitet werden. Die Schüler hatten sich häufig mehr eigenständiges erarbeiten in Partner- oder Gruppenarbeit gewünscht, also habe ich wirklich viel Mühe und Kreativität in diese Stationsarbeit investiert. Es gab einen Hörtext mit Lückentext-Arbeitsblatt zum vervollständigen, ein Webquest mit unterschiedlichen Aufgaben, ein Puzzle, bei einer Station sollte das Kabinett gezeichnet werden, indem man die Ämter symbolisch darstellte und mit den Zeichnungen der Politiker verband und zum Abschluss gab es noch ein Lernquartett. Ein Feuerwerk an Methoden und Sozialformen. Aber alles, was ich sah, waren gezückte Handys und schwatzende Schüler. Auf Ermahnungen sanken die Köpfe auf den Tisch und vergruben sich in den Armen. Ich sprach jeden einzeln an. Dabei auch jenen verweigernden Schüler, der mir antwortete: Ich habe mir die Aufgaben angesehen, es ist nichts Interessantes für mich dabei. Da platzte mir der Kragen und ich hörte mich sagen: Das tut mir jetzt wirklich leid, dass ich keine Aufgabe dabei habe, die ihren Interessen entspricht. Ich kann nur sagen, dass der Stoff hier im Lehrplan steht und abgeprüft wird. Wenn sie das alles nicht wollen, dann sind sie im Hauptschulabschluss falsch, dann müssen sie woanders hin und singen und klatschen.
Darauf meint einer aus der letzten Reihe, der sich generell für zu schlau hält: Singen und Klatschen, genau das ist das hier doch.

Im Büro erzählte mir diese Woche eine Kollegin nach der anderen, dass sie sich nach neuen Stellen umschauen, eine hatte letzte Woche ebenfalls Bewerbungen abgeschickt. Der schönste Moment ist für mich derzeit, wenn ich morgens allein im Büro bin und nach und nach alle meine Bücher und Materialien einpacke, um sie mit nach Hause zu nehmen.
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Doch nicht nur meine Arbeit fühlt sich nach Baustelle an, das Fitnesstudio wird derzeit umgebaut. Mitten im Betrieb werden Geräte umgeräumt, Bereiche abgesperrt, geschraubt und neue Wände eingezogen. Unser McFit wird ein „Home of Fitness“ mit Kursräumen, Slackline und neuen Geräten. Und das mitten im Neujahrsansturm, wo alle Studios aus den Nähten platzen. Kurzhanteln sind weiterhin ein beliebtes Diebesgut, Geträte sind fort oder an ganz anderen Stellen und alle, wirklich alles ist belegt.
Was kann man da machen? Man stellt seinen Trainingsplan um. Statt einem logischen Ablauf trainiert man „was gerade frei ist“. Nervt, aber nützt nichts.
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Das Gewicht schlägt wieder seine Kapriolen, ein munteres Auf- und Ab. Aber die Klamotten werden wieder weiter und ich fühle mich auch fester an. Das tut gut und gibt mir Stabilität. Wer hätte mal gedacht, dass eine Diät das Beste in meinem Alltag wird? Tatsächlich tut es mir gut, in all dem Chaos etwas zu haben, das gut läuft, mit dem ich zufrieden bin und auf das ich stolz sein kann.
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Heute Abend treff ich meinen Coach wieder und diesmal wollen wir uns die Übungen Flachbankdrücken und Kniebeuge genauer ansehen….ich sehe Qualen auf mich zukommen. ;D

Woche 7: Auf dem Weg in die Zukunft

Nach meiner Entscheidung, mir einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, spürte ich eine enorme Erleichterung. Es fühlte sich an, als ob man einen schweren Mantel getragen hätte und nun merkt, wie viel Gewicht er tatsächlich hatte. Nun kann ich wieder den Kopf heben und mit einem Glücksgefühl im Bauch nach vorn schauen.

Es ist die siebente Woche der Diät und aktuell verliere ich pro Tag ca. 200g an Gewicht. Das ist toll, aber auch ungewöhnlich und wie immer, wenn es gut läuft, suche ich nach dem Haken. Da ich derzeit nicht trainiere und die letzte Trainingseinheit über 2 Wochen her ist, liegt das fallende Gewicht sicher zum größten Teil am nachlassenden Muskeltonus und den entleerten Glykogenspeichern. An Nicht-Trainings-Tagen nehme ich nur 110g KH zu mir, also derzeit täglich.
Aber hey, es hält mich am Laufen.

Am Wochenende will ich aber wieder mit dem Training einsteigen. Am Samstag mit dem Beintraining, Sonntag folgt dann die Brust-Einheit.

Montag geht es dann zurück auf Arbeit. Einerseits habe ich jetzt wieder etwas Energie getankt und eine Portion „Nicht mehr lange mein Problem“ macht es auch etwas leichter. Aber dennoch freue ich mich nicht darauf. Das Schlimmste wird, meinem Team mitzuteilen, dass ich gehe. Ich bin mir bewusst, dass meine Gefühle das wieder aufbauschen, aber dennoch habe ich das Gefühl, als würde ich liebe Freunde im Stich lassen. Schließlich habe ich viel in Organisation und Gruppengefühl investiert und fühle mich meinen Kolleginnen einfach verbunden. Sie hatten immer ein ehrlich offenes Ohr für mich, spürten, wenn es mir nicht gut geht. Wir haben schon einiges an Druck und Stress gemeinsam bewältigt oder zusammen mal so richtig abgeflucht und vor allem gelacht. Egal, wie stressig es war, wir fanden immer etwas Albernes oder zynisches, über das wir richtig schallend lachen konnten. Ohne das Team hätte ich den Job nie so lange gemacht, durch sie habe ich ihn überhaupt nie infrage gestellt…bis der Chef mir klar gemacht hat, was ich durch meine rosarote Brille nicht sehen wollte.

Aber nun ist der Lack ab und ich sehe klar, dass sich einiges ändern müsste.

Und so freue ich mich auf die Zukunft. Die greifbare, sehr wahrscheinliche Zukunft. Und die drückt sich derzeit für mich in Zahlen aus. Genauer in Kilogrammangaben. Wenn ich von einer Abnahme von 2kg/Monat ausgehe, was derzeit der Stand ist, sieht 2017 für mich folgendermaßen aus:

Januar 84 kg
Februar 82 kg
März 80 kg
April 78 kg
Mai 76 kg
Juni 74 kg
Juli 72 kg
August 70 kg
September 68 kg
Oktober Aufbau
November Aufbau
Dezember Aufbau

Sieht das nicht fantastisch aus? *gnihihi*