Woche 9: die Ruhe vor dem Sturm

Diese Woche war geprägt von einer inneren Anspannung. Es ist die Zeitspanne, wenn große Entscheidungen längst gefällt sind, alle notwendigen Schritte eingeleitet wurden und man nur noch abwarten kann, dass alles seinen Lauf nimmt.

Vor einigen Wochen meinte mein Chef, mir mein Engagement als mangelnde Fachkompetenz vorwerfen zu können, weil er eine von mir angestrebte Weiterbildung fürs Team nicht bezahlen wollte. Mir ging es darum, strukturelle Mängel grundlegend zu überdenken, ihm ging es um 500€ Kosten. „Das liegt allein an ihrer mangelnden Fachkompetenz und die haben sie entweder, oder sie sind hier falsch, dann sollten sie sich nach einer anderen Stelle umsehen.“ Das saß. Tja Chef, im Leben bezahlt man für alles…wenn man Glück hat, geht es nur um Geld.
Nach dieser Ansage fand ich keine Antwort mehr auf die Frage „Wozu mach ich das hier alles?“ und habe innerlich gekündigt. Eine Woche später erzählte ich meinem Lebenspartner davon und schon schauten wir in den Stellenanzeigen, wo wir auch prompt fündig geworden sind.
Zack, war eine Bewerbung geschrieben, am Montag erfolgte der Anruf, Dienstag dann das Vorstellungsgespräch und bei beiden konnte ich die Bereichsleiterin voll von mir überzeugen. Seither musste die Stelle noch von mehreren Instanzen genehmigt werden, die letzte Instanz wird am Montag mit 99%iger Sicherheit zustimmen und dann unterschreibe ich nächste Woche den Arbeitsvertrag und kündige meine bisherige Stelle.

Ab April beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt.
Kürzerer Arbeitsweg, weniger Arbeitstunden (also auch weniger Geld, der einzige Wermutstropfen), nur eine Gruppe von 6-8 Teilnehmern, dankbareres Klientel, spannendes Aufgabengebiet (Alphabetisierung) und eine Chefin, die von mir überzeugt ist, bevor ich überhaupt etwas investiert habe. Aber auch eine komplett neue Ausarbeitung der Materialien und Vertiefung meines Wissensstandes. Spannend!
Seitdem bin ich hin- und hergerissen. Meine Mädels auf Arbeit zu verlassen, wird mir sehr schwerfallen. Wir haben immer gut aufeinander aufgepasst, und geholfen und trotz all der Strapazen immer etwas zum Lachen gefunden. Mein Verantwortungsgefühl nagt an mir, weil ich die Schüler kurz vorm Prüfungszeitraum verlasse und ich bereite alles so gut es geht vor (erstelle Lernkärtchen und Zusammenfassungen, mache Druck, damit sie ihre Vorträge halten). Andererseits spüre ich, dass es wirklich Zeit ist, zu gehen. Ich ertrage die Trägheit der Schüler nicht mehr. Man strampelt sich ab, will fördern und begleiten und erhält ein „Das macht mir keinen Spaß.“ oder „Es ist anstrengend, nachzudenken.“ als legitime Verweigerungs-Antwort auf alles. Meiner Bereichsleiterin die Nachricht zu überbringen, bereitet mir auch Bauchschmerzen, denn im Gegensatz zum obersten Chef haben wir ein gutes Verhältnis, sie hat mir immer zugehört, mich gewarnt, nicht zu viel zu investieren und mich geschätzt. Das schlägt mir derzeit auf den Magen und macht mich gleichzeitig rastlos und energielos.

Neben all diesen anspannenden Gedanken empfinde ich ein großes Aufatmen…als würde man einen schweren Rucksack endlich absetzen. Ich habe begonnen, meine Schränke zu räumen…all die Bücher, die ich angeschafft habe, all die Materialien. Ich habe neue Materialien bestellt, neue spielerische Festigungs- und Lernmethoden gefunden. Halte Ausschau nach geeigneten Lesebüchern. Und ich freue mich auf den Neubeginn. Und auf den Moment, wenn ich meinem Chef die Kündigung vorlege.

Die Waage schlägt derzeit wieder ihre Kapriolen. Drei Tage neigt sie sich der 80kg-Grenze zu, dann springt sie wieder vier Tage lang ein Kilo nach oben. Heute morgen sah ich zum ersten Mal die 79,9kg. 😀
Beintraining steht heute wieder an und ich probiere es mal ohne Booster, um zu sehen, ob die extremen Bauchkrämpfe der letzten beiden Wochenenden sich damit erledigt haben.

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