Woche 11: Kündigung und der Abnablungsprozess

Wieder eine Woche verflogen…

Dienstag erfuhr ich, dass meine neue Stelle in allen Instanzen bestätigt wurde und nun der Arbeitsvertrag aufgesetzt wird. Das dauert aber noch, ich muss mich also gedulden. Gedulden heißt warten und das kann ich ja nun gar nicht! Der Monat rast dem Ende entgegen und damit auch die Zeit zum Kündigen. Also nahm ich mir ein Herz und kündigte am Mittwoch.

Zu meiner Abteilungsleiterin hatte ich immer ein gutes Verhältnis, wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber wir schätzen einander. Deswegen fiel es mir besonders schwer, ihr die Botschaft zu überbringen. Sie war auch entsprechend geknickt, wünshte mir aber alles Gute und konnte es auch etwas nachvollziehen, auch wenn sie anschließend den Chef gleich wieder in Schutz nahm. Das muss in der Position wohl auch so sein.

Witzig war, dass sie wieder meinte, ich mache generell zu viel, mische mich in Sachen ein, die nicht meine Aufgabe wären, übernehme zu viel Verantwortung und mache mir zu viele Gedanken um alles.

„Allein schon das Essen! Sie machen sich viel zu viele Gedanken darum, was sie essen. Das macht doch auch krank!“
Ich: „Aber ich mache mir gerade gar keine Gedanken um das Essen, das macht mein Coach für mich.“
„Ja, das ist doch auch krank, wenn man schon jemanden braucht, der einem sagt, was man essen soll. Wofür braucht man denn dann noch alles Hilfe? Das ist doch nicht normal. Und dann kontrollieren sie da alles.“

Ich glaube, das zeigt den größten Unterschied zwischen uns. Ich bin der Meinung, wenn man mit Menschen arbeitet, muss man sie führen, man muss isch um Sachen kümmern. Anpacken. Steuern. Managen. Deswegen heißt es ja „Leitung“ oder „Personalführung“. Meine Chefs funktionieren eher nach dem Ansatz: Lief immer irgendwie, ich habe jetzt zu viel zu tun, um da was zu steuern. Aber so ist es eben, trotzdem können wir im Guten auseinander gehen. Bei einem so unberechenbaren Chef muss man wohl so gelassen sein.

Anschließend bin ich direkt zum Chef spaziert.
Ich: Nach unserem letzten Gespräch habe ich viel nachgedacht. Ich muss sagen, das Gespräch war für mich wirklich eine verbale Ohrfeige.
Er: Eine Ohrfeige? Na wenn Sie das so sehen…
Ich: Sie sagten, wenn ich nicht die nötige fachliche Kompetenz habe, müsse ich mich nach einer anderen Stelle umsehen. Das habe ich getan und reiche nun hiermit meine Kündigung ein.
Er: Tja, dann…gut. Ich lasse das bearbeiten und dann bekommen sie die Kopie mit Eingangsbestätigung zurück. Gut? Gut.
Und das wars. Gefühlte 5 eiskalte Sekunden.

Aber das war okay, das war ein vermutetes Szenario. Ein anderes war, dass er richtig pampig wird. Da war es mir so ganz recht. Gestern waren die Schüler dann schon wieder..hach, wie immer halt. Also habe ich kurzen Prozess gemacht und ihnen gesagt, dass ich nicht mehr lange da bin. Hui, da ging ein Ruck durch die Reihen, also habe ich alle beruhigt, dass ich sie sicher zum Ziel bringe, aber dass jetzt die Zeit gekommen ist, in der SIE an der Reihe sind. Einsprechthemen ausarbeiten, Stoff lernen, Fragen stellen. „Benutzt mich, solange ich noch hier bin!“ Einige haben darauf richtig losgelegt.
Irgendwer schaute sich dabei die Herrschaftsformen an und fragte: „Und welche Form üben Sie aus?“
„Na ich bin die Königin, mein Wort ist Gesetz, ganz klar!“
„Dann brauchen Sie aber auch eine Krone!“, meinte einer.
Und heute schleppte er mir eine Burger King Krone an. So lief ich denn eine Weile gekrönt durchs Haus…kann meine Untertanen ja nicht enttäuschen. 😉

Damit liegt das Schlimmste hinter mir. Auf Arbeit fühlte ich mich am Mittwoch richtig befreit. Aber zum Feierabend und den ganzen Donnerstag über wurde mir schlagartig alles zu viel. Meine Schüler in den wenigen Wochen fit kriegen, einige Realschul-Schüler durch die Pflichtlektüre kriegen (obwohl sie nicht mal eins der drei Bücher schaffen), Prüfungsstoff zusammenfassen, mein ganzes Zeug räumen, Sport, einkaufen, Haushalt und irgendwann müsste ja mal die neue Maßnahme vorbereitet werden, da weiß ich noch gar nicht, wie ich anfangen soll. Zwischen dem neuen und dem alten Job liegen gerade mal 4 Urlaubstage. O__o

Und genau so fühlte ich mich, als ob mich plötzlich ein Berg unter sich begräbt. Meine Ohren pfeifen seit Montag immer mal plötzlich, begleitet von Schwindel. Und mein Kopf fühlt sich einfach nur voll an. Ich rede so oft Stuss oder bekomme die Worte nicht richtig artikuliert. Ich fühle mich einfach total ausgebrannt.
Und in so einem Zustand finde ich morgens sowas im Kühlschrank auf meinen Plastikdosen:
1

Obwohl er gerade selber rackert wie ein wütender Stier, von früh bis spät programmiert, um seine App endlich zu releasen, obwohl er nicht weiß, wie es danach weiter geht und er genügend eigene Probleme hat, ist Slaine für mich da. Wir haben vor einigen Wochen vereinbart, dass es immer erstmal eine dicke, feste Umarmung gibt, wenn ich von Arbeit heimkomme. Und daran hält er sich. Jeden Tag kommt er mir mit ausgebreiteten Armen entgegen. Mein Fels, mein Halt, meine zweite Kugelhälfte. 🙂

Dennoch war mit am Mittwoch und Donnerstag ganz schwer nach einem Vollrausch zumute. Ich war wirklich stark in Versuchung. Aber die Vorstellung, das anschließend meinem Coach zu beichten….nein, die Blöße wollte ich mir nicht geben. Und so entschied ich mich für etwas total Beklopptes…Ich gönnte mir ein Käppchen Wick Medinait, denn Medizin muss man ja nicht eintragen, nich?

Fang ich echt schon an, mich selbst zu bescheißen?
Hach, was soll ich sagen, der Kopf wurde leicht und ich fiel in tiefen, tiefen Schlaf.

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4 Kommentare zu “Woche 11: Kündigung und der Abnablungsprozess

  1. Ich kann es Dir so gut nachfühlen, war ich doch im letzten Jahr diejenige, die gekündigt hat. Auch, wenn ich den neuen Vertrag in der Tasche hatte und aus dieser Anstalt nur noch weg wollte und musste, es fühlt sich immer an, als würde einen ein LKW überrollen.

    Bei mir wurde danach alles besser. Und das wünsche ich Dir auch. Einen weiteren Fels in der Brandung zu finden, damit nicht diese ganze Verantwortung alleine auf einem ruht.

    Toi toi toi. Und lass das MediNight weg. Alkohol ist keine Lösung. Es ist ein Destillat.

    Und ja, ich weiß, keiner mag Klugscheißer wie mich 😉

    • Hallo, ich habe heute auch schon das Gefühl, dass es wieder besser wird. Ich hatte gedacht, nach der Kündigung würde ich mich einfach nur gut fühlen und hüpfend durchs Haus rennen, aber so läuft es wohl nicht. Das Wick bleibt ab jetzt wieder im Schrank. 🙂

  2. Bitte mach weiter viel, misch Dich in Sachen ein und übernehme Verantwortung. Es gibt einfach zu viele Menschen, die den Kopf im Sand haben … oder im Arsch eines anderen …

    Bei dem Bild mußte ich rätseln, sah mir anfangs wie ein Zauberhut aus :-))))) …

    Alles Gute,
    Thomas

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