Im eigenen Kleiderschrank shoppen…

Irgendetwas ändert sich gerade. Ich weiß nicht, ob es an meinem neuen Powerdrink liegt oder daran, dass ich mich wieder etwas von familiären Belastungen befreit habe, aber im Moment habe ich so ein richtiges Stimmungshoch. Ich wache früh auf und fühle mich topfit. Ich geh viel zum Sport, weil ich die Power dafür habe. Ich verspüre Hunger, vergesse aber dauernd zu essen, denn mich beschäftigen andere Dinge.

Und das ist die eigentliche Neuigkeit. Ich habe ein Hobby entdeckt!
Klingt nicht nach einer großen Neuigkeit? Für mich ist es das aber, denn in den vergangenen Jahren habe ich eigentlich nur aus einem Pflichtgefühl heraus etwas unternommen. Oder ich habe mich in Bücher und ähnliches gestürzt, um für kurze Zeit diesem Pflichtgefühl zu entkommen. Dabei ging mir die Fähigkeit, etwas einfach für mich, nur zum Spaß zu machen, völlig ab. Alles war zu anstrengend.

Diese Woche hatte ich Urlaub. Allein. Slaine musste arbeiten. Ganze Tage waren zu füllen und kein Geld auf dem Konto. Man kann nicht jeden Tag durchgehend nur Sport machen und lesend im Bett…das würde in Fressattacken enden. Ich brauchte einen Plan. Ich brauche immer einen Plan und diesmal nahm ich mir vor, Fotobücher anzulegen, um die vielen Jahre, die ich nun mit Slaine verbracht habe, festzuhalten.
Gesagt, getan.

Aber das ganze Sortieren, Anordnen, kreativ sein ist auch echt anstrengend. Da musste noch etwas her.

Eine Kollegin schwärmt regelmäßig von Nähsessions, bei denen sie bis tief in die Nacht alles andere vergisst, bis das Kleidungsstück fertig ist. Das sei jetzt so einfach, mit den tollen Anleitungen und Schnittmustern aus dem Internet.
So ein Schnittmuster für 3-5€ konnte ich mir gerade noch leisten, also los!
Bei näherer Betrachtung sah das gar nicht sooo schwer aus. Und schon hatte sich der Gedanke festgesetzt, alle Vernunft vertrieben und schwupps, stehe ich in einem Stoffgeschäft und lasse mich beraten. Eine 70ger Marlene-Hose für mich und ein Trainingsshirt für Slaine sollen es werden.

Zuhause angekommen messe ich meinen Hüftumfang ab, um heraus zu bekommen, welche Größe ich schneidern muss. Und da wurde ich stutzig.
Größe 38?
Kann nicht sein. Totaler Blödsinn.
Klar, dass ich nicht mehr, wie im Dezember noch, nach Größe 44/46 schauen muss, war mir klar. Aber 38?!? Nie im Leben!

Aber das lässt sich ja einfach feststellen. In meinem Kleiderschrank lauern schließlich seit über 12 Jahren noch Klamotten in dieser Größe. Klamotten, die damals schon schön spack saßen, weil ich eher Größe 40 hatte.
Also erstmal den Kleiderschrank druchwühlt und alles angezogen.

Und tatsächlich…die Klamotten sitzen bequem. Ich muss nicht einmal die Luft anhalten!

Und da war doch dieser Rock….der Rock, der mir noch nie gepasst hat. In den wollte ich mich immer reinhungern. Das war der Plan seit 2005. Hungern und dann in den Rock passen.
Schnell war er gefunden…quasi unberührt hängt er seit 12,5 Jahren im Kleiderschrank, ist mit mir dreimal umgezogen und hat mich immer angeklagt: Du bist noch immer zu fett!
Das isser:

Den musste ich heute gleich auf Arbeit tragen. Musste sein. Manche Sachen muss man einfach machen…

Slaines Kommentar: Vergiss den Wachturm nicht, wenn du rausgehst…..der Sack! ;D

Und da hat es bei mir „Klick“ gemacht.
Klar hatte ich schon bemerkt, dass ich abgenommen habe. Aber mein Blick ruhte immer auf dem Weg, der noch vor mir liegt. Ich sah im Spiegel nur meine hängende Haut und wenn ich mich im Spiegel sah, kniff ich immer in den Speck und dachte: Noch so viel. Ich bin noch immer so wabbelig. Wie viel muss denn noch verschwinden, bevor das mal halbwegs gut wird? Das wird doch nie was. Meine Genetik ist scheiße. Ob da noch was wird?

Erst jetzt, mit dem Rock, begriff ich wirklich, was ich schon geschafft habe. Und wie gut das schon aussieht, auch wenn es noch wabbelt. Bescheuert, welche Macht Kleidergrößen haben…

Voller Zweifel machte ich mich mit meinen zwei linken Händen nun ans Schneidern der Hose. Höchste Zeit, denn im Schrank passt fast keine mehr und im Handel gibt es derzeit nur Hosen mit Ärmeln, wo Beine hingehören. Anders kann ich das nicht nennen…mit meinen Stierwaden komme ich da gerade mal durch den Bund.

Und was soll ich sagen: Sie ist nicht perfekt. Einige Nähte könnten schöner aussehen, manche Partien noch besser passen. Aber Hey, es ist eine Hose, die ICH genäht habe, die wie angegossen sitzt, die wunderbar weich fällt, die beim Sitzen Platz hat und nicht aufplatzt. Was will man mehr? Ich bin echt stolz darauf. 😀

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Kacke zum Trinken..mein Darmbakterienexperiment Teil I

Wir schreiben das Jahr 2017. Viele Menschen haben sich von den Göttern und natürlicher Nahrung abgewandt und glauben nun an gottgleiche Körperformen, funktionelles Essen und konsumieren Flüssignahrung aus Tüten.

Zoom auf den elektrisch erhellten Planeten…Megacities, Nahaufnahme einer Straße, schwenk in eine Küche. Wir sehen eine verzweifelte Frau, die mit zitternder Hand ein Tütchen aufreißt und mit hungrigem Blick Pulver in ein Glas schüttet. Sie gießt Wasser dazu, rührt, wartet, starrt das Glas an, als ob es den Welthunger allein besiegen könnte. Schließlich setzt sie es an die Lippen und kippt die weißliche Flüssigkeit hinab.

Die Zeit verlangsamt sich, wir zommen in die Speiseröhre, die letzten Tropfen gleiten hinab, die Zeit verrinnt immer langsamer. Ein letztes endlos langes Schlucken…und die Zeit steht still.

Mit einem Ruck läuft die Zeit normal weiter, man sieht die junge Frau. Sie sieht aus wie vorher, die Küche sieht aus wie vorher. Es hat sich nichts verändert…

Manchmal frage ich mich schon selber: Bist du wirklich so verzweifelt?
Die offensichtliche Antwort lautet: Es scheint so.

Was ist passiert?
Wir reisen eine Wochen zurück. Es ist die Woche drei Komma fünf im monatlichen Diätturnus. Die Waage steht seit 3,5 Woche still, obwohl ich fast jeden Tag trainiere und den Diätplan übererfülle. Meine Schwester ruft an und erzählt, dass sie sich viel mit dem Thema „Darm“ beschäftigt und wie unermesslich groß die Auswirkungen des Darms sind. Allergien, Autoimmunkrankheiten, Wohlbefinden, Laune, Abnehmen….alles beginnt im Darm.
Und dann gibt es da diese Studie, bei der dicke Mäuse den Kot von dünnen fressen und umgekehrt. Und siehe da, die dicken Mäuse nehmen ab und die dünnen Mäuse nehmen zu.
Ergo: Darmbakterien von Dünnen machen schlank, Darmbakterien von Dicken machen dick.
Klingt stark vereinfacht? Ist es auch.

Es klingt einfach zu schön, um wahr zu sein.
Ein Tütchen pulverisierte Kackebakterien am Tag trinken und ganz von allein abnehmen.

Aber in der dritten Diätwoche jedes Monats bin ich zu allem bereit. Und dieses Mal hat meine Schwester mir eben zur rechten Zeit diesen Floh ins Ohr gesetzt.
Wenn auch nur eine geringe Chance besteht, dass es dadurch leichter wird, dann muss ich das einfach probieren.
Drei Monate gebe ich dem Experiment Zeit.

Heute ist Tag I. Ich habe das erste Mal ein Tütchen Omni Biotic Metabolic getrunken.

Tadaaa…das neue Wundermittel. Kann alles, heilt alles…mit nur einem Schluck.

Jetzt müsst ihr mich fragen: „Wie hat es geschmeckt?“
Und ich so: „Irgendwie scheiße.“

Ha
Ha
😉

Ich bin doch kein Analphabet

Letztens fragte RTL an, ob sie bei uns filmen und interviewen dürfen. Beim MDR oder Arte hätte ich mir das überlegt, aber RTL nehme ich das „Wir wissen, dass es sich um ein sensibles Thema handelt“ einfach nicht ab.

Das sahen meine Teilnehmer genauso. „In der Öffentlichkeit sagst du genau EINMAL, dass du Probleme mit dem Lesen und Schreiben hast…und dann nie wieder.“, fasst einer seine Erfahrungen zusammen. „Weißt du wie das ist, wenn man dir ‚Hilie‘ hinterherruft?“ Ich kannte den Begriff gar nicht…es ist eine schmähende Abkürzung für Hilfsschüler, wird mir erklärt.

Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik haben viele Menschen, aber Analphabeten wissen um diese Schwäche und empfinden es als Stigma, dass sie vom normalen Leben ausschließt. Verstecken ist angesagt, Kinn hoch und bloß keine Schwäche zeigen. Weil keiner merken darf, wie große Mühe das Lesen und/oder Schreiben bereitet, vermeidet man es ganz. Man kann ja nicht um Hilfe fragen.

Für Analphabeten ist vieles eine Qual bis hin zur Unmöglichkeit, was für uns selbstverständlich ist. Den Weg in Gebäuden oder zu Adressen finden, eine Tür öffnen (Türöffner, drücken, ziehen..alles Schrift und immer Menschen in der Nähe, die gleich rufen: „Kannste nicht lesen? Steht doch drauf!“), im Supermarkt orientieren (Mehl und Zuckertüten sehen sich sehr ähnlich, doch wenn man Mehl mitbringen soll und mit Zucker wiederkommt, ist das schwer zu erklären), Verträge oder Formulare ausfüllen, eine Speisekarte lesen und Essen bestellen, Internet und Handy bedienen, über Whatsapp schreiben, einen Einkaufszettel verfassen, Nachrichten verfolgen.

Und immer die Angst vor dem Satz „Kannste nicht lesen?!“.

Dabei können sie ja lesen. Der Begriff Analphabet ist furchtbar. Man assoziiert automatisch Menschen, die kaum wissen, wie man einen Stift hält. Dass diese Menschen sich jahrelang in der Schule durchgequält haben, oft mehr ins Lernen investiert haben, als alle anderen, häufig einen Berufsabschluss haben, kann sich kaum jemand vorstellen.

Die Hälfte meiner Schüler liest flüssig, besser als mancher meiner Hauptschüler. Die Fähigkeit zum Lesen und zum Schreiben kann weit auseinander klaffen. Nicht jeder, der mühelos liest, kann auch ebenso mühelos Buchstaben zu Wörtern anordnen. Viele haben eine LRS und Probleme, die Reihenfolge der Buchstaben richtig zu erkennen.

Und es gibt natürlich auch die, die sich mit jedem Buchstaben abmühen. 26 Buchstbaen umfasst das deutsche Alphabet, dazu die Umlaute, das ß, Zwielaute (ei, au, eu, äu, ie) und weitere Buchstabenkombinationen, die zusammen einen Laut ergeben (ch, sch, st, sp, nk, ng). Manche Buchstaben und Buchstabenkombinationen werden unterschiedlich ausgesprochen (st in Stil und Stiel, das v in Vater und Vase, das ch in Milch, Bach und Lachs, das e am Wortende, denn niemand sagt End-E, man spricht eher etwas wie Endö). Das Sächsisch verschlimmert alles, weil wir alles weich sprechen, sodass p, t, k kaum von b, d, g unterschieden werden können. Und dann gibt es noch die deutsche Auslautverhärtung, die am Wortende alles hart klingen lässt, sodass man alle Wörter verlängern müsste, um herauszufinden, welcher Buchstabe wirklich dorthin muss. Es gibt stumme Buchstaben, die das „e“ im „ie“ und das Dehnungs-h, die man zwar schreiben soll, aber nicht hört. Und die Ausnahmen… „Der Weg ist weg.“ Das zweite und vierte Wort klingen anders, warum werden sie dann gleich geschrieben? Was für uns in jahrelangem Unterricht eingetrichtert und gefestigt wurde, stellt für andere ein unübersichtliches Chaos dar, das sich nicht beherrschen lässt.

Einer meiner Teilnehmer kann zum Beispiel nur sehr schwer Buchstaben zu Wörtern verbinden. Soll er in einer Übung eine willkürliche Buchstabenverbindung wie zum Beispiel „gelkindor“ lesen, funktioniert das nicht. Doch einfache Texte mit gebräuchlichen Wortern liest er fast flüssig und begreift auch den Sinn. Wie kann das sein? Ganz klar, er hat ein riesiges Inventar an Wörtern als Bild abgespeichert und mit dem Klang verknüpft. Er hat buchstäblich die Wörter auswendig gelernt. Das ist eine enorme Gedächtnisleistung. Ein anderer erzählte, dass er regelmäßig zum Einkaufen für eine ganze Gruppe geschickt wurde. So sollte er zum Beispiel regelmäßig Frühstück kaufen. Drei Mohnbrötchen, fünf Sesam, drei Vollkorn, zwei Stück von diesem Kuchen, eins von jenem, dazu Butter, unterschiedliche Marmelade, Aufschnitt, Käse. Alles ohne Einkaufszettel und wenn es dann die eine oder andere Sorte Brötchen nicht gab, musste spontan umgeplant werden, ohne die gesamte Liste zu vergessen. Ein anderer erzählte, er habe mit SAP gearbeitet. Er hat einfach die Kollegen um Hilfe gebeten, weil er seine Brille vergessen habe. Und dann hat er sich jeden Tastendruck eingeprägt. Jeden einzelnen Tastendruck.

Meine Teilnehmer wissen natürlich, dass sie in einem Lese- und Schreibkurs sind, aber das Wort „Analphabet“ nimmt keiner in den Mund. Dieser Begriff begräbt Leute, man vermeidet ihn. So kam es, dass ein Teilnehmer erst durch die Anfrage von RTL begriff, dass dieser Begriff für ihn verwendet wird. „Aber ich bin doch kein Analphabet! Ich kann Lesen und Schreiben. Ich bin doch nicht dumm, nur langsam.“ Und schon kullerten Tränen. Mit diesem Begriff belegt zu werden, war für ihn die Hölle, wie ein Todesurteil.

Einmal Analphabet immer Analphabet?

Fakt ist, dass es hier nicht um Faulheit geht. So wie ich immer überlegen muss, ob links wirklich links ist, bevor ich abbiege, so geht es meinen Teilnehmern mit dem Lesen und Schreiben. Bei der Unterscheidung von Links und Rechts ist nur ein kurzer Moment der Konzentration nötig, nur eine „Entweder-oder-Entscheidung“. Meine Teilnehmer müssen dieselbe Konzentration für unzählige Buchstabenkombinationen, verwirrende Regeln und Unregelmäßigkeiten aufbringen. Und wie bei meiner Links-Rechts-Schwäche bleibt kaum etwas „hängen“, man muss es ständig trainieren, um voran zu kommen. Trainiert man nicht, fällt man zurück. Nach zwei Wochen Urlaub scheint man wieder vom Startfeld zu starten. Das ist mühsam und frustrierend. Meine Teilnehmer stellen sich dem. Tag für Tag trainieren sie, um keine Angst mehr vor anderen Menschen zu haben, keine Angst vor der Entlarvung zu haben. Sie wünschen sich nichts mehr, als perfekt lesen und schreiben zu können.

Worauf ich stets antworte: Niemand liest und schreibt perfekt. Selbst Nachrichtensprecher verlesen sich und Deutschlehrer verschreiben sich oder googeln die Rechtschreibung. Weniger Fehler machen und damit weniger Angst haben müssen, das ist das Ziel.

Das Wort Analphabet ist furchtbar…es sind Menschen, die Probleme mit dem Lesen und/oder Schreiben haben.

35. Woche und plötzlich sieht die Welt wieder anders aus…

Wieder dachte ich: Es funktioniert nicht, mit mir stimmt was nicht, es stagniert, irgendwo liegt ein Fehler vor…
Ich verliere den Glauben an mich selbst und mein Projekt, an Erfolge und Konsequenzen, die aus konstantem Tun entstehen. Ich stelle die ganze Welt in Frage und fühle mich von Tag zu Tag schlechter, die Form wird schlimmer.
Und dann…springt die Waage plötzlich nach unten, ich wache schon mit super Laune auf, habe Power, fühle mich straff und fest an…es ist eine neue Welt.

Jeden Monat falle ich darauf herein und jeden Monat fühlt sich die Zeit um den 11. herum an wie eine Neugeburt. So auch heute. Nachdem das Gewicht ewig rund um die 75kg festhing, sprang die Waage über Nacht auf 72,9kg. Neuer Tiefststand!

Dazu die Erleichterung, nicht am Familienfest teilnehmen zu müssen, sondern stattdessen meine Freiheit zu genießen. Ich war total aufgedreht.

Dann hat sich auch noch eine Freundin in meinem Studio angemeldet, sodass wir uns dort treffen konnten.

Ich zeigte ihr erstmal im Schnelldurchgang das Studio, plapperte wie ein Wasserkraftwerk und schließlich kamen wir zum Functional-Bereich.
„Und hier hast du Griffe für Klimmzüge, die sind schön, weil sie sich frei drehen und bewegen lassen“, sagte ich und zog mich ein bisschen hoch, als ich plötzlich mit dem Kopf oben ankam.
Mein erster freier Klimmzug! Absolut ungeplant, überraschend, mühelos!
Okay, ich habe ihn mit Untergriff gemacht.
Aber WAHNSINN! Ich war völlig baff.

Die Pausen zwischen den Sätzen waren heute etwas länger, denn ich musste jedem Bekannten im Studio erzählen, was sich ereignet hatte. Und jeder sagte: „Das glaube ich nicht, bis ich es selbst gesehen habe.“
Insgesamt habe ich auf die Art heute 5 freie Klimmzüge gemacht. XD Obwohl es ein Beintraining war.
Jetzt bin ich total fertig und total glücklich zugleich.

Dreieinhalb Wochen Arbeit, Schweiß und Mühe und wenn ich denke, es bringt alles nichts, wird alles gut.

Ein Kumpel hat meine Veränderung heute folgendermaßen zusammengefasst:
„Ich habe alte Bilder angeschaut, da hattest du noch sooo runde Backen! Und jetzt siehst du aus, wie aus dem KZ entlassen!“
😀 Für andere eine Beleidigung, für mich ein wundervolles Kompliment.

34. Woche…der Fluch der 75 und neue Erkenntnisse

Sie will einfach nicht weichen…immer wieder taucht die 75 auf der Waage auf. Es ist wie verhext. Kann es an meinem Darm liegen? Sind die Bakterien darin vielleicht in der Lage Ballaststoffe aufzuschließen und damit mehr Energie aus der Nahrung zu ziehen? Aufschluss gäbe eine Stuhlanalyse. Doch die ist teuer…zu teuer im Moment. Besserung verspricht ein Wunderpulver…aus Bestandteilen der Darmausscheidung schlanker Menschen….äh…yay. Und auch das kann ich mir im Moment nicht leisten.

Die Theorien, die dahinter stecken, verteufeln auch wieder jede Menge Lebensmittel und versprechen Sodom und Gomorrha, wenn wir unsere Ernährung nicht umstellen. Dinkel ist nun ganz böse, weil es mehr Gluten enthält als Weizen und Hülsenfrüchte sind auch ganz schlimm. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Welche Studienlage gibt es? Wer sind diese Experten…geniale Wissenschaftler oder schwerreiche Manipulatoren?

Was ich mittlerweile weiß ist, dass mein derzeitiges „Projekt Personal Coach“ weit mehr zum Vorschein bringt, als nur einen schlanken Körper.

Durch das stark geregelte Leben werde ich langsam zur Prinzessin auf der Erbse. Ich nehme vieles intensiv wahr, was ich früher nicht bemerkt hatte. Dazu zählen:

  • Sättigung durch bestimmte Lebensmittel
  • Wassereinlagerung
  • Phasen voller Engergie und Erschöpfungszustände
  • meine Unfähigkeit mich zu entspannen und zu erholen
  • Fressanfälle werden häufig durch Erschöpfung und Sehnsucht nach Erholung ausgelöst
  • psychischer Stress gipfelt in Fressanfällen (na gut, das weiß man auch vorher, aber jetzt ärgert es mich mehr)
  • Menschen behandeln dich ganz anders, wenn du attraktiv bist

Im Moment fühle ich mich verletzlich und gleichzeitig stark. Schwer zu beschreiben. Aber ich fühle, dass sich mehr in mir ändert, als nur mein Körper.

Am Wochenende wäre die nächste Familienfeier gewesen. Schon im Vorfeld ging das Gezicke los. Alles, was ich mir gewünscht habe war, dass die ewige Rennerei nach den richtigen Tellern, Gläsern und dem Silberbesteck aufhört und statdessen das in den Fokus rückt, weshalb man sich trifft: Gespräche und persönliche Nähe.

Klingt selbstverständlich?
Ist es leider nicht.
„Wenn jeder mit anpackt, wird es ein schönes Fest.“, lautet die immer wiederholte Aussage. Wer braucht schon ein cooles Familienmotto, wie „Ein Lannister zahl stets seine Schulden“, wenn man sich stattdessen zum vererbten Worcoholismus bekennnen kann. Anpacken…ständig und dauernd…das macht einem zum wertvollen Familienmitglied. Wer nur rumsitzt, ist zu nichts nütze. Schmarotzer…
Wegen ein paar Papptellern und Plastikbechern zerbricht nun die Familie.

Na gut, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Aber für mich steht fest, dass ich es nicht mehr ertrage. Ich muss mich selbst schützen und von diesem Unfug befreien. Wieder ein Schritt, der mir gut tut, dabei aber Menschen von mir stößt.
Vielleicht lern ich sogar eines Tages noch, wie man sich einfach zurücklehnt.