Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Erfolge

Vor etwas über einem Jahr stand ich vor der Wahl entweder zu akzeptieren, dass ich den Kampf um ein Leben nach meinen Vorstellungen aufgeben muss, um nun nur noch gegen immer größer werdende Gewichtsprobleme und damit einhergehende Unzufriedenheit anzukämpfen oder noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und in einen neuen Plan zu investieren.

Ich beschrieb meiner Krankenkasse meinen Fall (jahrelanges Jojo-Diäten und Binge-Eating) und bat um Unterstützung, um mir einen Personal Trainer leisten zu können. Die freundliche aber bestimmte Antwort war: ein Trainer wird nicht gefördert, mir wurde eine Psychotherapie empfohlen. Psychotherapie bedeutet aber für mich regelmäßige Termine, die mir helfen sollen, mich zu akzeptieren, wie ich bin.

Ich hab mich mit vielen meiner Defizite, Macken, Eigenheiten abgefunden und arrangiert. Aber das Übergewicht kann und will ich nicht akzeptieren. Das stand für mich sofort fest. Ich diskutierte ewig mit meinem Freund, stritt mit ihm. Für ihn war ein Coach Geldverschwendung. Jemand, der mir alles erzählt, was ich sowieso schon weiß und im entscheidenden Moment (des Kontrollverlustes) doch nicht da ist und dazu noch viel Geld kostet. Als er spürte, dass die Entscheidung für mich gefällt war und nur noch die Frage nach dem Trainer und Zeitpunkt offen war, ging er in die Offensive. Er schaute sich um und stellte den ersten Kontakt her. „Aber dann musst du jetzt auch zeigen, dass es keine Geldverschwendung ist.“ sagte er damals noch.

Einige Monate später war klar, dass kein Cent davon verschwendet war. Mein Freund bekam Muffensausen, als ich mich mehr und mehr veränderte. Was sich alles verändert hat, darum soll es nun gehen.

Regelmäßige Mahlzeiten in vernünftigen Portionen
Wie schon im letzten Beitrag beschrieben war das eine große Änderung. Statt zu hungern, bis man es nicht mehr aushielt und dann große Mengen in einer Mahlzeit zu essen, esse ich nun regelmäßig 4 Malzeiten pro Tag. Da Makronährstoffverteilung und Tageskalorienbilanz vom Coach vorgegeben sind, esse ich nun regelmäßig vernünftige Portionen. Dabei habe ich festgestellt, dass mit lang hinausgezögerten Mahlzeiten auch der Suchtdruck steigt. Wenn ich erst richtig Hunger spüre, ist es egal, wie viel ich anschließend esse, mein Kopf schaltet nicht mehr auf „genug, ich bin satt“ um. Fressanfälle sind die Folge. Allein dadurch ist das Leben für mich viel einfacher geworden.

Neue Ernährungsgewohnheiten
Gesunde Ernährung ist ja nicht ein klares Konzept. Unter gesunder Ernährung versteht jeder etwas anderes und jeder hat eine Meinung dazu samt eigenem Generalfeindbild. Nachdem ich als Teenager erlebt hatte, dass mein Körper nach drei Monaten mit einem Netz Zitrone pro Tag mehr schlecht als recht funktionierte, versuchte ich einigen Schaden zu „reparieren“, indem ich mich gesund ernähren wollte. Ich probierte es mit vegetarischer Ernährung, lutschte täglich 2 Vitaminbonbons mit Vitamin B12, laß Kalorientabellen und Mikronährstoffgehaltsangaben von Lebensmitteln wie Bördenmakler den Börsenbericht und musste schnell feststellen, dass sich mein Körper und Stoffwechsel gar nicht darum scherten und ich mit der puren Masse an Informationen und zu deckenden Bedarfe absolut überfordert war. Es schien mir unmöglich, all die Mikro- und Makronährstoffe zusammen zu kriegen und dabei anständige Mahlzeiten zu erhalten, ohne meine Kalorienspanne (damals waren 1000kcal für mich die reinste Völlerei) zu sprengen. Nachdem ich feststellte, dass ich mich nur noch sorgte, ohne etwas zu bewirken, gab den Gedanken, mich gesund zu ernähren, schlichtweg auf. Gesunde Ernährung wurde für mich etwas, was nur fanatisch-gestörte Leute ernsthaft versuchen, um sich anderen gegenüber besser zu fühlen. Schließlich war ich genau so jemand gewesen.

Zurück zur Gegenwart. Ich war bereit, meine Ernährung anzupassen. Mir war klar, dass es im Bodybuidling um Makros und deren Verteilung geht. Angenehm empfand ich, dass Marcel auch einige Grundregeln zur gesunden Ernährung aufstellte. Nur ein paar einfache Regeln, an die ich mich halten musste. Das war einfach. Machbar.

  • weitgehender Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel
  • frische Grapefruit zu großen Mahlzeiten
  • täglich Zimt
  • einige Powerfoods als Empfehlung
  • Salz reduzieren
  • viel trinken, beim Training hydrogencarbonatreiches Wasser
  • täglich Obst (2 Portionen) und Gemüse (3 Portionen)
  • Milchkonsum einschränken
  • Essen schonend zubereiten

Nichts Weltbewegendes, nichts, was ich nicht umsetzen kann. Dazu gab es Vorschläge für konkrete Mahlzeiten.

Kleine Regeln, große Wirkung. Aus etwas Unschaffbaren wurde Schritt für Schritt eine bessere Ernährung, deren Wirkung ich spüre. Ich spüre inzwischen, was mir gut tut, mich sättigt und fit macht. Habe ich das Gefühl, mir fehle etwas oder irgendwas läuft nicht gut, dann suche ich nach Möglichkeiten, das über die Ernährung zu regeln. Durch mein Omni-Biotic-Experiment ist mir klar geworden, dass ich nicht monatelang teure Pülverchen schlucken will, von denen ich nach kurzer Zeit nichts mehr spüre. Sauerkraut wird in der Literatur dazu in den Himmel gelobt, also habe ich es in viele Pläne eingebaut. Und tatsächlich stellte sich eine ähnliche Wirkung ein, wie zu Beginn der Omni-Biotic-Einnahme. Gesunde Ernährung ist für mich inzwischen etwas Individuelles, was sich Schritt für Schritt entwickelt und den Bedürfnissen anpasst. Hatte ich letztes Jahr um die Zeit noch das Gefühl, gar nicht mehr gesund zu werden, hat es mich dieses Jahr bisher nur zweimal leicht erwischt.

Abnahme
Darum ging es hauptsächlich und das ist natürlich das erfreulichste Ergebnis.


Inzwischen weiß ich, dass mich zwei Tage Sünde ca. 1,5-2 Wochen Diät kosten. Eine Woche sündigen sind 1-1,5 Monate. Ich nehme nicht schnell ab. Ich nehme nur ab, wenn ich konsequent dran bleibe. Früher haben mich deshalb solche „Rückfälle“ total entmutigt und am Ende dazu geführt, dass ich das Handtuch warf. Jetzt, wo ich weiß, dass immer ein neuer Termin mit Coach kommt, ist das Handtuch zu werfen keine Option mehr. Schon eine Woche vor dem Termin steigt meine Motivation an. Auch wenn er es nicht verlangt, lege ich jedes Mal offen, was ich in den vorausgegangenen Wochen gegessen habe (Übersicht über Tageskalorien und Makronährstoffverteilung) um mir pünktlich jeden Monat mein Lob abzuholen. Kindisch? Vielleicht. Aber es funktioniert. Lob funktioniert viel besser als ewiges „sich selbst verdammen“. Für Marcels Lob reiß ich mich am Riemen und finde auch aus jedem Tief. Von den Terminen komme ich immer mit neuer Energie zurück. Bereit für den nächsten Schritt, den nächsten Meilenstein. Schon nach wenigen Monaten war für mich klar: den Weg geh ich bis zum Ende. Auch wenn es Rückschläge gibt, so geht es doch weiter, bis ich dort ankomme, wo ich hinwill.

Lebensfreude
Psychische Stabilität, Zuversicht, mein Leben selbst bestimmen (indem ich zulasse, dass andere mitbestimmen..hm, klingt ein bisschen paradox), weniger spürbare Esstörung, Spaß am Zubereiten und Essen von „gesunden“ Speisen, Spaß und Fortschritte im Training, ein stark veränderter Körperbau samt neuen Konfektionsgrößen, all das führte zu einer enormen Steigerung der gesamten Lebensfreude. Festgestellt habe ich das, als mir auffiel, dass ich Hobbies entwickel. Ich hatte immer große Erwartungen an mein Leben und der Füllung meiner Lebenszeit, musste jedoch genauso oft feststellen, dass es meine Kräfte übersteigt, dass mich mein Lebenshunger zuerst aussaugt und dann entkräftet fernab meiner Träume stranden lässt. Steile Aufwege und lange Talfahrten ohne das Ziel zu erreichen zeichneten mein Leben aus. Immer von einem Extrem ins Nächste. Vieles habe ich mit Feuereifer angefangen doch nie etwas zustande gebracht. Dilettantia nennt mich mein Freund, wenn er mich ärgern will. Umso überraschter war ich selbst, als ich bei den ersten Fehlschlägen an der Nähmaschine nicht aufgab, sondern auftrennte, korrigierte und neu nähte, bis ich etwas Tragbares erhielt. Wieder und wieder erlebte ich euphorische Vorfreude und niederschmetternde Rückschläge, doch ich gab nicht auf. Und so entstanden eine Reihe neuer Klamotten. Langsam beginne ich sogar mit leichten eigenen Variationen. Und es macht mir Freude, Fortschritte zu machen und aus vorausgegangenen Fehlern zu lernen. Genauso ergeht es mir mit dem Kochen. Das ganze Einrühren und Warten und Wenden nervt mich noch immer. Aber die Vorfreude auf die Früchte meiner Arbeit überwiegen. Und wenn ich beim nächsten Mal etwas verbessere oder etwas anders versuche und es gelingt, fühlt sich das einfach herrlich an. Ich bin viel zufriedener und damit auch selbstbewusster.

Schluss mit Jojo

2005 ~70kg

ein halbes Jahr später ~83kg

2009 ~75kg

2010 ~95kg

2011 ~77kg

2013 ~83kg

2015 77kg mit Onlinecoaching

2016 ~86kg

Natürlich könnte es auch diesmal wieder im Salto rückwärts gehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es nicht soweit kommt. Zu viel Gutes hat sich fest etabliert. Anfang 2018 will ich die letzten überschüssigen Pfunde schmelzen und dann geht es mit ganz leichten Plus und einzelnen Jokermahlzeiten in den Aufbau.
Intuitives Essen ohne Plan ist für mich kein Ziel mehr. Dafür bin ich einfach zu sehr essgestört. Aber ein Leben mit ausbügelbaren Buhtagen und kontinuierlicher Bodybuilding-Lebensweise das ist es, was ich will.

Marcel hat mich durch das ganze Jahr begleitet. Er hat mich ermutigt, wenn ich es brauchte, hat mich in den Hintern getreten, wenn ich faul wurde und obwohl ich anfangs nur bei der Ernährung die Begleitung wünschte, ist inzwischen viel mehr daraus geworden. Marcel hört sich geduldig mein Gejammer an (Therapeut), motiviert mich, verhilft mir zu einer gesunden Ernährung (Ernährungsberater), hilft meinen Haltungsschäden entgegen zu wirken und bei Wehwehchen Abhilfe zu schaffen (Physiotherapeut) und steht mir in Krisen bei (Krisenmanager) und natürlich hat er mittlerweile auch großen Einfluss auf mein Training gewonnen.

Dazu mehr im nächsten Beitrag. 😉

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2 Kommentare zu “Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Erfolge

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