Fühlt sich an wie Bodybuilding

In den letzten Wochen mangelte es mir an Disziplin, vor allem, was die Diät betrifft. Nachdem ich im Januar ordentlich Gas gegeben aber kein Gewicht verloren hatte, fehlten mir einfach abrechenbare Kleinziele, die mich auf Kurs hielten. Ich war frustriert und genervt und griff öfter mal auf mehr Kalorien zurück.

Die zusätzlichen Kalorien und allgemein ordentlich schlechte Laune brachten ernorme Energieschübe mit sich.

Wo wird man die besser los als in brachialen Trainingseinheiten?

Und das habe ich gemacht. Mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Tempo.
Was ist mir da aufgefallen? Mein Normalzustand fühlt sich an, als würde ich schon morgens mit rot blinkendem Akku aufstehen. Auf Arbeit bin ich von Natur aus etwas überdreht und voller Adrenalin. Aber zum Feierabend wird innerlich ein Schalter umgelegt und ich schleppe mich nur noch.

Die letzten Wochen haben mich daran erinnert, dass es auch andere Zustände gibt. Und ich merke, dass ich mich im Moment nach Power, Kraft und Biss sehne. Nächste Woche endet mein jetziger Kurs auf Arbeit und in der Woche darauf beginnt ein neuer Kurs mit neuen Teilnehmern. Gestern durfte ich den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben und auch meine Sozialpädagogin bleibt vorerst. Bis diese Woche war das alles nicht klar. Ich musste mich arbeitsuchend melden, mich bei neuen Jobs bewerben, zittern und bibbern. Nervenaufreibend. Ich weiß noch immer nicht, welche Teilnehmer in meinem Kurs sitzen werden. Oder wie viele genau. Alles ist unsicher und kurzfristig. Ein Horror für jemanden mit meinem Sicherheitsbedürfnis. Es ist also noch nicht ausgestanden und ich brauche nun Power für die Nerven.

Heute habe ich früh relativ viel gegessen und auch ordentlich Kohlenhydrate. Dann ging es zum Beintraining. Mit meinem Coach habe ich besprochen, dass ich bei Kniebeugen mit jedem Satz das Gewicht steigere. Gesagt, getan. Das Herz pumpte, ich hatte dicke Adern an Händen und Unterarmen und wollte nur eins: die Energie freisetzen. Sonst quälte ich mich mit 40kg Kniebeugen. Heute machte ich wesentlich mehr Wiederholungen als sonst und gelangte zum Schluss zu 60kg.
Eine Premiere für mich.
Danach behielt ich das Steigerungs-Prinzip bei und schritt mit steigendem Gewicht in Ausfallschritten durchs Studio, bis die Beine sich wie brennender Gummi anfühlten.

Der Coach meinte, ich solle wieder zurück zum Sprint mit 1600 kcal an Nichttrainingstagen und lediglich die Kohlenhydrate nach vorn ziehen, abends dafür Lowcarb. Doch ich spüre wieder mein typisch inneres Stachelschwein, dass sich massiv dagegen auflehnt. Stattdessen baue ich endlich etwas Obst ins Frühstück ein (das war ursprünglich angedacht, ist dann aber durch die geringen Gesamtkohlenhydrate immer wieder rausgeflogen), als Zwischenmahlzeit nach Arbeit plane ich etwas Müsli ein…(Ja, ich bin nun in einem Alter, in dem man sich über regelmäßigen Stuhlgang freut.)
Der Rest (Mittag, Abendbrot, Trainingsversorung) wird Lowcarb. Makroverteilung bleibt wie gehabt: 110g KH, 180g F, 60g F = 1730 kcal + Trainingsversorgung.
Ich hoffe, damit mehr Energie über den Tag zu haben. Mich nicht mehr wie eine ausgedrückte Leberwurst zu fühlen und damit mehr Energie durch Training etc. umzusetzen. Oder anders gesagt: einfach ballern!

Gerade gefällt mir mein neuer Körper sehr gut. Ich habe wenig Wasser eingelagert, der Bauch hat nur noch eine dünne Wabbelschicht, Beine und Po sind straff, mein Trizeps hat übel gut auf die Übungen angesprochen und ist gut sichtbar, die Teilung zwischen Schulter und Bizeps ist tief wie noch nie. Kurzum: Langsam sieht auch ein Blinder, dass ich harten Sport betreibe.

Größte Baustelle im Moment: der Rücken. Hier habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten und immer von Null anfangen zu müssen. Aber das war bei Brust, Schultern, Kniebeugen und Bauch genauso. Ich weiß, alles was ich jetzt investiere wird sich bald auszahlen. Geduld haben, durchbeißen und dann wird das richtig cool.

Was mich derzeit außerdem antreibt, ist Slaine. Nachdem er einige Zeit in einem persönlichen Tief steckte, ist er nun wieder ganz mein Partner. Er nimmt ab, seine Muskulatur schält sich überall aus der Fettdecke, er gibt mir gute Trainingstipps, treibt mich an, nimmt Rücksicht auf mich und versucht mich auch sonst zu unterstützen. Fürs Beintraining kommt er langsam auf den Geschmack der Trainingsleggins. Und was soll ich sagen, die neu sichtbaren Ecken und Kanten gefallen mir verdammt gut!

Abrechenbare Kleinziele müssen her, wenn die Waage nicht mehr allein über Sieg- oder Niederlage-Gefühle bestimmen soll. Was soll sich noch verändern, habe ich mich gefragt und folgende Antworten gefunden:

  • cm verlieren (Rücken, Taille, Hüfte/Po, Oberschenkel)
  • Wachstum (Rücken, Definition rechte Körperseite verbessern, „Tropfen“ im Quadrizeps, Schultern, Bizeps, gerade Bauchmuskeln, Brust Masse +innere Kante)
  • Trainingsziele:
    • Kniebeuge:80 kg,
    • Ausfallschritte: 4 x 20 kg
    • Beinstrecker: ganzen Block bewegen
    • Klimmzüge: Anzahl erhöhen, frei im Obergriff schaffen
    • Schrägbankdrücken mit 25 kg Kurzhanteln als Arbeitsgewicht
    • Frontdrücken mit 20 kg Kurzhanteln
    • Balance und Körpergefühl verbessern (z.B. bei Bauchübungen)
  • Ernährung / Wohlbefinden:
    • alles eintragen
    • Energielevel optimieren
    • regelmäßig
    • weniger Salatmassaker (vergrößern nur den Magen, verringern den Appetit nicht)
    • Nerven/Konzentrationslevel managen, Pausen machen, gechillt bleiben
    • Makroverteilung besser managen (Trennung von KH und F)
    • Ausrasttage minimieren (1- max 2/Monat)

Um den Schwung richtig zu nutzen, habe ich den nächsten Termin mit meinem Coach auf in 2 Wochen gelegt. Mal sehen, wie es bis dahin läuft.

Keep on pumping, ihr da draußen. 😉

Edit: Falls sich jemand fragt, welcher Einschnitt zwischen Schulter und Bizeps denn in letzter Zeit tiefer geworden sein soll…der hier:

Leider sieht es so nur im anabolen Studiolicht nach einem heftigen Brust-Schultertraining aus. Aber ich arbeite daran. 😉

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