4 Monate Single

4 Monate und ich kann noch immer nicht behaupten, dass ich verstünde, wie das richtig geht.
Es ist noch immer eine riesen Umstellung von der bedrückenden Enge in die absolute Freiheit zu springen, nur um dann festzustellen, dass die andere Wiese auch gar nicht so viel grüner ist.
Oder dass das grellere Grün auf Dauer nicht gut zu ertragen ist.

In einem Roman fand ich letztens das Wort, welches mein neues Leben gut beschreibt: unbehaglich. Man versucht es sich gemütlich zu machen, aber irgendwie klappt es nicht so richtig.

In meinem alten Leben hatte ich es geschafft, viel Zeit zu füllen, mit kochen, Serien schauen, zocken, nähen. Zu meinem neuen Leben passt das nicht mehr. Es fühlt sich an, als würde ich versuchen nochmal mit Barbies zu spielen. Ich sehe, was mich daran gefesselt hatte, aber es fesselt mich jetzt eben nicht mehr.

Dennoch brauche ich Struktur,
denn die bewahrt mich vorm Fall ins Nichts.
Und was bietet mehr Struktur als Bodybuilding?
Ich koche noch immer nach Plan für mehrere Tage im Voraus. Und noch immer hasse ich es.
Außerdem gehe ich trainieren. Neulich hat nun endlich mein neues 2. Zuhause (John Reed) offiziell eröffnet und ich fühle mich dort sehr wohl, auch wenn es echt verdammt kalt ist! *brrrr*
Ich fotografiere mich noch immer gern.

Letzte Woche war ich zweimal beim Training. Auf den Stairmaster ging ich gern und fühlte mich wohl. Doch bald ging mir die Puste aus. Macht nichts, dachte ich und wollte ans Eisen, nur um festzustellen, dass ich urplötzlich müde war. Zu müde um irgendwelches Gewicht zu bewegen. Beim 1. Mal schob ich es noch auf Verspannungen. Aber beim 2. Mal machte ich mir Sorgen…was ist nun schon wieder los mit mir?

Ich grübelte und hatte eine Idee: Was, wenn ich Erscheinungen einer depressiven Verstimmung habe?
Passt zu meinem Kaufverhalten (Ich darf auf keinen Fall Geld ausgeben, ich darf nicht tiefer in den Dispo kommen..ach scheiß drauf, ich kauf mir was Schönes!)
Passt zu meinem Essverhalten (Heute halte ich mich einfach an den Plan, kostet ja auch viel zu viel sonst und ich darf auf keinen Fall fett werden…oh Gott, die Riegel brauchte ich jetzt! Aber jetzt sind keine mehr da! Ich muss noch welche auf Vorrat kaufen.)
Passt zum Training (ENDLICH ein neues 2. Zuhause, endlich richtig rocken beim Training! Och, ist das heute alles schwer! Und wie mir alles wehtut und im Bett ist es viel gemütlicher.)
Passt zum Freizeitverhalten (Ich würde ja spazieren gehen…aber es ist grau und ich kenne die Gegend nun doch schon. Ich würde ja nähen, aber das ist doch auch anstrengend. Ich würde ja eine Runde auf dem Balkon chillen, aber es ist doch schon zu kalt. Ich würde ja tanzen gehen, aber 23 Uhr ist echt schon spät.)

Meine Selbstdiagnose erklärt das alles ziemlich gut. Also „behandel“ ich mich nun selbst auf Depression. Ich nehme täglich meine Dosis Vitamin D+K. Ich bin nachsichtig mit mir, wenn ich mal einfach entspannen will, tret mich aber auch hoch, wenn ich weiß, dass es besser wäre. Ich verordne mir Spaziergänge, auch wenn ich keine Lust dazu habe und Trainingseinheiten, selbst wenn sie schlecht laufen. Desc Weiteren rede ich mit meinen Freundinnen und meiner Familie, auch wenn mir nach einigeln zumute ist.
Und es klappt. Gestern habe ich Beine trainiert. Und ich habs durchgezogen.
3 Schichten Shirts…damit bleib selbst ich warm, trotz Schweiß.

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