Zeit, sich Wünsche zu erfüllen

„Was ist denn mit deiner Küchentür?“, fragt der Liebhaber, dem ich erzählte, dass ich sie vielleicht noch vor Weihnachten einbauen lasse.
„Ach, hör auf!“, sage ich frustriert.
„Erzähl, was ist los?“

Los war der Kostenvoranschlag von Hornbach, der doch wesentlich teurer ausfiel, als gedacht. Gerechnet hatte ich mit 250, maximal 300 €. Auf der Rechnung standen jedoch am Ende 450€, wobei ich 50€ fürs Aufmaß schon angezahlt hatte.

Leisten kann ich mir eigentlich auch die 250€ nicht, doch da mich jede Nacht das Kühlschrankmonster mit seinen gurgelnden und summenden Geräuschen weckt, ich außerdem nach stark riechenden Gerichten das Bettzeug wechseln kann und den Essensgeruch tagelang in der Wohnung habe, desweiteren die Küche ständig mitheizen muss, tat eine Tür hier dringend Not. Umso mehr hat mich der Kostenvoranschlag abgef****.

Der Liebhaber setzt sich an den Bettrand und blickt nachdenklich in Richtung Küchenzeile. „Dann mach ich dir die Türe. Ich hab sowas schon mal gemacht und auch alles Nötige da.“
Ich war hin und hergerissen.
Einerseits lässt man sich von einem Liebhaber normalerweise keine Türen einbauen, außerdem besteht immer die Gefahr, dass man sich auf jemanden verlässt, der dann beschließt, dass es für ihn nicht so wichtig ist, sich an Vereinbarungen zu halten.

Aber andererseits…ich wollte diese Tür.
UNBEDINGT.

Später schrieb er von sich aus: „Ich kümmer mich um die Tür, musst keinen anderen bestellen, Babe.“ Da war es für mich abgemacht.
Türblatt (Tür), Drückergarnitur (Klinke), Zargenschaum, Zarge (Türrahmen) und Acryl waren schnell bestellt.
Doch dann der nächste Rückschlag: „Ach, die Zarge ist aus dem Katalog, die muss ich bestellen. Sollte in 4-5 Wochen da sein.“

-.-

„Die spinnen doch, geh am Montag mal zu Wöhlk, Babe, die haben Ahnung.“
Goggle sagt, es handelt sich um einen Holzfachhandel. Also tanz ich da montags an und bestelle die Zarge. Am nächsten Tag ist sie schon abholbar und auch günstiger als bei Hornbach. Statt veranschlagten 450€ kam der Einbau nun insgesamt 230€.

„Wo haben sie denn ihr Auto stehen?“, fragt der junge Mann im Lager.
Lachend wuchte ich mir den 2m langen und ca. 20kg schweren Karton auf die Schulter und sage: „Mein Verkehrsmittel fährt aller 10 Minuten von der nächsten Haltestelle ab.“
„Und der Freund sitzt Zuhause auf dem Sofa, oder was?“
„So in etwa…“

Schnell merke ich, dass es echt kräftezehrend ist, so ein unhandliches Paket zu tragen. Das Gewicht ist nicht das Problem, sondern einen guten Griff zu finden, der das Paket nicht schmerzhaft gegen einen Knochen drückt oder ständig die Hände abrutschen lässt. Und ich verfluche mich, weil ich eigentlich noch die Griffhilfen einpacken wollte, die für einen guten Grip sorgen.
Das letzte Stück über die Brücke bis zum Haus wird es nochmal kniffeliger, weil der Wind es spaßig findet, mir das Paket Richtung Abgrund zerren zu wollen. Doch schließlich öffne ich stolz die Wohnungstür und lege die Zarge zurecht.

Gestern war es dann soweit. Mit vereinten Kräften bauten wir den Rahmen ein und schließlich auch die Tür samt Drückergarnitur.

Schon gestern merkte ich, dass es für mich viel gemütlicher ist, wenn der Raum geschlossen ist, statt dem gähnenden Loch zur Küche. Diese Nacht schlief ich viel ruhiger, weil das Küchenmonster ausgesperrt ist.
Als ich morgens aufwachte, war mir heiß, denn ohne Küchenloch bleibt auch mehr Wärme im Raum.

Zum Mittag habe ich Fleisch gemacht. Es war ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass die Küche in 2 Minuten durchgelüftet ist und nicht die ganze Wohnung noch tagelang danach riecht.
Als das Essen fertig war, wollte ich damit ins Wohnzimmer, aber dann wurde mir klar, dass dadurch wieder Geruch ins Wohnzimmer kommt, den ich da im Moment wirklich nicht haben will. Also aß ich zum ersten Mal überhaupt in der Küche und fand es richtig gemütlich. Ohne Ablenkung, gemütlich am Esstisch.
Erst jetzt fühlt es sich wirklich wie MEINE Wohnung an. :))
Ich habe viel Wissen dazu gewonnen (Zum Beispiel beim nächsten Mal darauf zu achten, dass Türblatt und Zarge wirklich die gleiche Farbe haben *ggg*.), und Spaß beim Zusammenbau gehabt.

Next Stop: Pole-Dance-Stange. 😀

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