alte Frau im Bodybuilding

Die erste Woche nach meiner vierwöchigen Auszeit und dem heftigsten Beintraining aller Zeiten ist fast um. Seit heute kann ich auch wieder schmerzfrei laufen…Zeit für eine neue Beineinheit…juhu. ;P

Jeder erfolgreiche Diättag wird am Ende mit einem Motivationsbildchen „belohnt“. Simple, aber effektiv.

Der Anfang ist immer am schwersten, sagt man.
Das empfand ich diesmal gar nicht so. Die Schmerzen nach dem Beintraining in Kombination mit der Hitze wirkten als hervorragender Appetitszügler. Abends hatte ich mehrmals noch eine Mahlzeit offen und beschloss, sie für den nächsten Tag aufzuheben, weil ich pappsatt war. Ein erstaunliches Gefühl, nachdem ich vier Wochen lang quasi kein Sättigungsgefühl kannte. Gestern war Slaine beim All You Can Eat-Chinabuffet stapeln und abends bestellte er bei Dominos noch Pizza… und ich konnte entspannt zuschauen. Als wäre ein Schalter umgelegt. Und ich bin dankbar dafür. Hoffentlich hält der Zustand noch ein paar Wochen an. Die ersten 3 kg Wasser sind raus, auch 3 cm Umfang sind an Taille und Hüfte verschwunden. Heute konnte ich schon wieder eins meiner Sommerkleidchen tragen, ohne um die Sicherheit mich passierender Menschen fürchten zu müssen, die durch peitschende Reißverschlüsse oder gesprengte Knöpfe sterben könnten.

Die Beinmuskulatur erholte sich nur langsam von dem Schock. Obwohl ich gleich am nächsten Tag und auch am 3. Tag danach tapfer auf dem Stairmaster watschelte, waren die Schmerzen wirklich heftig. Vom ungewohnten Gang bekam ich dann auch noch Muskelkater in Schienenbeinen und den Waden. Doch das war gar nicht schlecht, denn ein Besuch beim Orthopäden stand an und diesmal „sah“ er meine Probleme. Nun soll ich Einlagen gegen meine Senkfüße bekommen, die vielleicht auch meine ständig verknotete Wadenmuskulatur entlasten. Ich habe ein Rezept für manuelle Therapie (Jaaa, mehr Schmerzen, yay! ;D) und werde auch Akupunktur probieren.
Die manuelle Therapie bei meiner Lieblingstherapeutin wird die schlimmsten Knoten lockern. Von der Akupunktur erhoffe ich mir Unterstützung gegen Blockaden und gegen zwanghaftes Essverhalten. Wunder erwarte ich nicht und bin gespannt, ob ich überhaupt eine Veränderung wahrnehme. Schön wäre es, wenn ich dadurch einen besseren Energiefluss und Zugriff auf die Muskulatur bekäme. Oft habe ich das Gefühl, dass mitten in der Bewegung etwas klemmt und ich deswegen den Muskel gar nicht voll treffe und beanspruchen kann. Ich bin gespannt.

Das heutige Beintraining kann ich jedenfalls als „immerhin was gemacht“ abhaken. Die Muskulatur war steif und brannte sofort. Kniebeuge wollten gar nicht klappen. Bei den Ausfallschritten stach es bereits im ersten Satz im rechten Beinbeuger und zog danach bei jeder Wiederholung. Nur der Beinstrecker, bei dem ich vor dem Foltertraining nie wirklich etwas spürte, der fühlte sich intensiv, fies und damit gut an. Ich fürchte, dass sich ab jetzt jedes Beintraining an der Messlatte von letztem Montag misst, nur dass ich das Level allein nicht einmal im Entferntesten erreichen kann. Das habe ich schon befürchtet. Beim Training steckt man immer in der Situation, im Kopf zu entscheiden, wie viel Prozent man gibt. Mit Marcel hab ich definitiv über 100% gegeben. Die nachfolgenden Einheiten litten darunter, mein ganzer Alltag litt darunter und für mich ist klar: das ist kein Maßstab. Und dennoch weiß ich, wenn ich das ab und zu schaffen würde, würde ich riesige Fortschritte machen. Und so denkt man bei jeder Übung und jeder Wiederholung:

Wenigstens 100% will ich geben, um dann festzustellen, dass mir irgendwo im Satz bei gefühlten 30% die Energie ausgeht.

Was zurückbleibt ist Enttäuschung…das schlimmste Gefühl überhaupt im Training, denn es macht alle Mühe zunichte, lässt alles, was man der eigenen Schwäche abgetrotzt hat, wertlos erscheinen. Es erzeugt nur weitere Schwäche, raubt einem auch den Rest der Energie und am Ende steht man völlig desillusioniert da und denkt, es habe doch alles keinen Sinn mehr. An diesem Punkt stand ich früher oft, als Slaine mich noch von Einheit zu Einheit zu mehr Leistung antrieb. Irgendwann merkte ich, dass es mehr Gift als Unterstützung ist und verbat mir von da an jegliche Kommentare zum Training.

Nun sitz ich wieder hier und überlege, was ich will.

Ich will mich und mein Schaffen jedenfalls nicht dauernd als Enttäuschung wahrnehmen. Ich will gut aussehen und mich entwickeln, aber eben aus eigener Kraft, meine Energien und Potentiale entdecken. Ich war immer extrem, konnte Sachen nie nur halb machen und hab mich dabei stets verrannt, bis ich nicht mehr konnte. Das will ich nun nicht mehr, ich will mich nicht auszehren, nicht fertig machen, keinen Crash mehr. Und doch will ich mich herausfordern, über meine Grenzen hinaus wachsen, Dinge schaffen, die ich für unmöglich gehalten habe.

Ich denke, aller 4 oder 8 Wochen eine Einheit mit Marcel durchziehen und sonst alle negativen Gedanken und Zweifel so gut es geht zur Seite schubsen, könnte klappen.

Dass ich die letzten Pfunde nun möglichst schnell verlieren will, steht fest. Mitte August ist unser Fotoshooting, ich beginne bereits jetzt, mir die nötige Sommerbräune zuzulegen, Kostüm und Posen müssen noch festgelegt werden. Und das Makeup? Ich habe jedenfalls schon richtig Lust darauf. Lust ist ein so viel besserer Motor als Angst vor Enttäuschung. Nächste Woche geht es auch wieder zum Pole Dance… mal sehen, ob diesmal schon mehr geht.

Lust habe ich auch aufs Nähen. Im Moment halten mich auch da die gesteigerten Umfänge ab. Schließlich sollen die Sachen auch in 3 Monaten passen. ;D Stoffe und passende Ideen habe ich heute jedenfalls schon auf dem Holland-Stoffmarkt besorgt.


Bis zum Urlaub müssen noch ein paar cm schmelzen, dann wird die Nadel glühen! ;D

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Personal-Albtrainer

Nach 4 Wochen schlemmen, ruhen und Spaß freute ich mich schon am Sonntag auf die Rückkehr zum Plan. Ich werde die Insulinausschüttungen, den guten Schlaf, die atomsicheren Nerven und die Ruhe vermissen, doch andererseits freute ich mich schon vorher auf all die Vorteile des Lebens nach Plan, die da wären:

  • fitter fühlen, alles fällt irgendwie leichter
  • weniger Gewabbel/Zellulite/Besenreißer und Wasser in den Beinen
  • Gefühl von Kontrolle
  • Gefühl, gesünder zu leben
  • mehr Wohlgefühl im Körper, Spaß daran, sich zu zeigen und sich zu bewegen
  • Klamotten kneifen weniger, Beine scheuern sich nicht beim Gehen wund
  • weniger Kosten (man kauft einfach viel weniger)
  • Spaß am eigenen Werde-Prozess, an den spürbaren Veränderungen

Auf all das freute ich mich am Sonntag. Mir graute nur vor einem: dem gemeinsamen Training mit Marcel

„Das wird halb so wild. Es geht ja nicht darum, dich fertig zu machen. Wir können auch nach deinem Plan trainieren. Ich will nur mal hören, was du dir so dabei denkst.“

-Marcel vor 4 Wochen

Montagmorgen standen alle Tupperdosen wartend im Kühlschrank, die Sportklamotten lungerten schon im Rucksack und ich startete gut in den ersten Diättag. Die Tage zuvor war ich tief im Insulin-Suchtdruck. 2-3 Stunden ohne Zucker? Dagegen musste sofort etwas unternommen werden! Ich konnte mir an diesen Tagen nicht vorstellen, auch nur 5 Stunden ohne Zucker auszuhalten. Doch als ich kurz nach 16 Uhr zum Training aufbrach, musste ich feststellen, dass da gar ein Suchtdruck mehr war. Ich fühlte mich sogar satt…ein Gefühl, dass ich in den letzten Wochen nicht kannte. Da gab es nur „Bloß nicht bewegen, sonst reißt der Magen!“.

Meine Kohlenhydrat- und Fettspeicher waren prall gefüllt, ich war ausgeruht und entspannt, hatte mich von Slaine verabschiedet (Falls ich es nicht zurück schaffe: die Katzen kriegen alles!) und machte mich schonmal gemütlich auf dem Stairmaster warm. Und schon kam Marcel grinsend um die Ecke.

Ich durfte die erste Übung bestimmen und so begann das Beintraining mit Bauchübungen im Supersatz. Schon nach dem ersten Satz lief uns beiden der Schweiß buchstäblich in Strömen.

Die zweite Übung bestimmte Marcel: Beinstrecker. Klasse, denke ich, Beinstrecker ist halb so wild. Und dann folgte eine Lektion, die ich nun eigentlich hätte längst begreifen müssen:

Sage deinem Coach nie, dass etwas nicht schlimm ist und du kein Brennen/keine Erschöpfung/keinen Schmerz oder sonstige fehlenden Qualen spürst, denn er kriegt dich dazu, dass du all das in vollkommen ungeahnten Dimensionen erfährst.

Für den Beinstrecker hieß das konkret:

  • geringes Gewicht
  • Ausgangsstellung des Gewichts weit hinten, sodass der Muskel in der Dehnung ist
  • Schultern hinter, anlehnen, Brust raus, Bauchspannung und dann die Füße bis zur Waagerechten hoch und zum Körper ranziehen
  • langsam ab….richtig tief ab
  • und von vorn, keine Pausen

Nach dem Aufwärmsatz brannte mein Quadrizeps wie noch nie in meinem Leben und das Blut strömte in die Oberschenkel, sodass sie sich wie Beton anfühlten.

Da wurde mir dann spätestens klar, dass meine schlimmsten Befürchtungen gerade wahr werden.

Meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich Personal Trainern:

  • Sie lassen dich mit wenig Gewicht Wiederholungen machen, bis sich deine Muskulatur anfühlt wie eine Cut-Out-Jeans und du dich wie die letzte Magersüchtige-Cardio-Pussy fühlst
  • Sie stehen wie gegossene Statuen neben dir, glotzen auf deine beweglichen Speckberge und wenn du nicht mehr kannst, rufen sie: Noch drölf Wiederholungen, los!
  • Wenn du nicht mehr kannst, schieben sie leicht das Gewicht mit und rufen: Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%
  • Während du zwischen Ohnmacht und Rage-Quit schwankst, fällt ihnen ein, dass man jetzt Teilwiederholungen oder Drop-Sätze machen kann.
  • Und für diese Folter zahlst du ihnen einen Haufen Geld.

Ich bin während der ersten Übung kaum über das Auswärmgewicht hinaus gekommen, wusste aber nach 3 „Arbeitssätzen“ nicht mehr, wie man die Beine beugt. Es waren starre Dönerspieße, die sich anmutig wie Piratenholzbeine steuern ließen.

Und Marcel nur so: Also ich habe heute zwei Stunden dafür eingeplant.

Wie konnte es dazu kommen?!?, war der Satz, der mich von da an begleitete. Abbrechen kam nicht in Frage, dafür habe ich zu viel Stolz. Als ich dann die dritte Übung bestimmen sollte, sagte ich trotzig: Kniebeuge. Ich mag aussehen, wie ein verfressener Kobold, aber in Wirklichkeit bin ich ein verfressener Hornochse. Und wenn es darum geht, irgendwem zu beweisen, dass ich Biss habe, dann bringe ich mich lieber um, als zuzugeben, dass es zu heftig ist.

Alle Kniebeugen-Racks waren besetzt und es warteten schon Leute darauf, dass sie frei werden…meine Rettung? Hätte es sein können, aber der Hornochse in mir rief schon: Dann Ausfallschritte. Kniebeuge müssen wir aber danach machen…die gehören beim Beintraining einfach dazu.

Verdammter Trotzkopf!$%§

Nach dem „Aufwärmsatz“ – einmal quer durchs ganze Studio – war klar, dass ich gar nicht mehr als 8kg Kettlebells schaffen kann. Marcel fand ich anhand der Schweißtropfenspur am anderen Ende des Studios wieder, wo er schon auf mich wartete.

„Lass die Gewichte stehen, pass auf, dass die Knie nicht nach innen rudern. Wenn du den Schritt nicht so breit wählst, sondern gerade vor gehst, passiert das nicht. Und ab jetzt machst du keinen Zwischenschritt mehr, deine Knie bleiben gebeugt, sodass du quasi schleichst.“

Ich „schlich“ los…auf dem letzten Loch pfeifend wie nach einem Senfgasangriff. Alle anderen waren mir egal, ich sah schemenhaft Leute ausweichen und sich an die Wand schmiegen, während ich mein persönliches Armageddon durchlebte.

Marcel hatte die Squat-Forderung nicht überhört, die Racks waren noch immer besetzt also schleifte er mich zur Hackenschmitt. Es ist wirklich ewig her, dass ich diese Geräte nutzte. Damals habe ich mit dem bloßen Schlitten aufgewärmt und maximal 30kg aufgeladen. Nun sollte ich mit 15 kg aufwärmen, obwohl meine Beine nur noch schrien, mein Kreislauf eckig lief und mein Nervengerüst in sich zusammengestürzt war. Zu dem Zeitpunkt hasste ich Marcel, ich spürte pure Verachtung durch meine Venen rinnen und fürchtete um meine Beherrschung. Bis dahin war alles sehr hart aber irgendwie machbar gewesen. Aber nun war ich an meine Grenzen gekommen. Mir war schlecht, der Schweiß brannte in den Augen, ich konnte gar nicht so viel atmen, wie ich Sauerstoff gebraucht hätte und ich wusste nicht, wie ich noch einen Schritt schaffen soll.

Ich packte meine Bissschiene zwischen die Beißer, Marcel tönte wieder „Nicht so tief und oben die Beine nicht strecken, langsamer runter, explosiv hoch und oben keine Pause machen“, die ersten Stöhnlaute ritten auf Speichelfetzen zwischen meinen verzerrten Lippen dahin und dann schob Marcel den Schlitten an und brüllte:

Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%

Und natürlich bezahle ich ihn dafür.

Irgendwann, inzwischen stapelten sich fröhliche 40 kg auf dem Schlitten, wurde mir klar, dass ich echt laut rumgrunze, aber es war mir egal…alles wurde mir egal. Da war keine Energie mehr für Wut oder Furcht oder irgendeine Emotion. Es mag lächerlich klingen, aber ich stand unter Schock. Als hätte ich mich gerade mehrmals überschlagen während der Kopf sich weigert, das zu begreifen.

Wie hatte es soweit kommen können? Wie bin ich von Steak und Eiscreme in dieses Kreißsaalsetting geraten?

Darauf folgte die Beinpresse. 90kg Aufwärmsatz…eigentlich easypeasy…aber natürlich nicht an diesem Tag. Marcel legte ordentlich Gewicht auf…er trainierte ja die ganze Zeit mit. In kurzen Hosen, die er schön hochzog, damit man die volle Pracht wettkampftauglicher Muskulatur live bei der Arbeit beobachten oder ggf. fürs Anatomiestudium lernen konnte. Alter Angeber. ;p Waren am Beinstrecker noch alle Fasern klar getrennt zu beobachten, war dann nach der Hackenschmitt schon der Tropfen über dem Knie prallvoll gelaufen, wie eine geladene Wasserbombe. Nun, in der Beinpresse angekommen, sah auch er Sternchen und von Fasern war in den Quatrizeps nichts mehr zu sehen. Alles war zum Platzen vollgepumpt. Aber gnädiger stimmte ihn das nicht. Typen wie Marcel stehen genau auf solche Grenzgänge…für die fängt das Training erst da an…andere gehen zur Domina…

„Was hältst du von Dropsätzen?“

„Nichts. Lass mich lieber noch 2 Scheiben drauflegen und dann nur 5 Wiederholungen machen.“

„Quatsch, wir sind doch keine Kraft-Dreikämpfer“

„Ach, mach doch, was du willst.“

Und das machte er dann auch…mit anbrüllen, kniend den Schlitten mitschieben und weiteren Anweisungen, die ich geflissentlich ausblendete, während ich wahrscheinlich unbemerkt sieben Kinder gebar…dann flupp zwei Scheiben runter und sofort weiter.

Und plötzlich kommt so ein süßes, nabelfreies Cardio-Reh angehopst und fragt Marcel in Regenbogen-Einhorn-Stimme: „Oh Marcel, wann nimmst du mich denn mal so richtig hart ran?“

Alter…

Und als hätte sie ihn auf sportliche Abwege gebracht, ging es von dort zu Abduktoren und Adduktoren…ich liebe diese Dinger, weil sie mir nichts tun. Inzwischen war ich so schlau, oder hatte nur nicht genug Sauerstoff im Hirn um es auszuspechen, jedenfalls sagte ich nicht, dass ich diese Geräte für Lulli-Spaß-Geräte halte. Aber nach der Einheit war selbst das übel.

Und so endete der Albtraum meines Sportler-Daseins. Zum Schluss fragte Marcel mit Unschuldsmiene: Nächstes Mal dann Rücken und Beinbeuger/Po?

Niemals, das passiert mir nie wieder!

Das sagte ich ihm sofort.

Und mir selbst während der gesamten 20 Minuten, die ich anschließend bewegungslos in der Umkleide verbrachte, während ich versuchte festzustellen, ob ich wirklich noch am Leben war oder vielleicht doch tot.

Und ich sagte es mir auf dem Heimweg.

9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagten das.

Während die 10. Stimme flüsterte: ‚Aber wie geil du dich jetzt fühlst und stell dir nur mal vor, wie du aussehen könntest, wenn du ab und zu solche Einheiten machst.‘ und dafür von den anderen 9 Stimmen furchtbar verprügelt wurde.

4 Wochen Leben – ein Resumee

4 Wochen Diätpause waren bitter nötig. Nach 18 Monaten mit Ernährungsplan und sich zum Ende hin häufenden Fressorgien brauchte ich dringend eine Luftholpause. Es war höchste Zeit für all die Dinge, die in einem Leben nach Ernährungsplan keinen Platz haben:

  • spontane Essenssuche nach Appetit
  • Eisbecher bei Hitze
  • Geburtstagskuchen bei Freunden oder Bekannten
  • Urlaub
  • Treffen und Essen mit Freunden und Bekannten, Familie
  • Party feiern, mal richtig einen drauf machen
  • Grillen und auswärts essen
  • Spontanität
  • ordentlich beschwipst sein

Nun sitze ich heute hier, mit fast 7 kg mehr auf den Rippen, 5 cm mehr Umfang an Bauch und Hüfte und kann es einfach nicht bereuen.

Die letzten Wochen waren wir eine Zeitreise im Zeitraffer. Mit dem Essen kam die Ruhe, statt ständigem Gewusel und kontinuierlichem Abarbeiten von To-Do-Listen wollte ich nach Arbeit nur eins: Beine hochlegen und in einem guten Buch schmökern. Ich war einfach entspannt, die Füße schwer und voll. Die Klamotten wurden enger, der Speck quoll wieder über den Bund, alles wurde träge.

Nach 2 Wochen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, im Studio Gewichte zu stemmen. Das Einzige, was mich wirklich zur Bewegung trieb, war die Jagd nach Eis und Süßkram.

Und nun, wie weiter?
Mitte August steht der Termin fürs Fotoshooting. Bis dahin sind es ziemlich genau 10 Wochen. Zeit, für einen neuen Diät-Sprint.

  • 1600kcal + Trainingsversorgung
  • Meditation, um Ruhe zu finden
  • Pole Dance und Stretching-Kurse
  • wieder ins Gewichtetraining kommen
  • baden gehen
  • Freizeit mit Nähen füllen

 

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Fakt ist, ich werde aufpassen müssen, dass ich nicht wieder so „ausgelaugt“ bin, sodass ich 4 Wochen Pause brauche, um mich psychisch von der strikten Ernährung zu erholen. Ich will möglichst keine Fressorgien mehr und wieder das Gefühl haben, zu leben. Nach dem Fotoshooting ist für mich Schluss mit der harten Diät, dann muss ich soweit sein, dass ich das Gewicht halte und durch Muskelaufbau und finetuning definiere. Das wird nicht leicht, aber es ist immerhin ein Plan.

Pause – diesmal wirklich!

Beim Coach im Büro angekommen plumpse ich in den Stuhl und lass ihn zunächst von meinem feinsten Cold Brew Coffee-Ansatz kosten. „Tre Forze“, was sich anhört wir „drei Fürze“, ist geschmacklich nicht von dieser Welt. Als Slaine ihn das erste Mal probierte, fragte er verwundert: „Was ist das? Likör?“
Es lässt sich schwer beschreiben…dunkel, aber samtig. Oft liest man ja von „Karamell-Noten“, die ich noch nie irgendwo erkannte habe. Aber auf ihn könnte das zutreffen. Genau beschreiben kann es den Geschmack nicht. Cold Brew Fans sei diese Bohne einfach ‚coldestens‘ ans Herz gelegt. 😉

Nach dieser Einstimmung rück ich mit der Wahrheit raus: „Different month, same shit.“ Es fällt mir immer schwerer, Diät zu halten. Schwer ist nicht die Umsetzeng…planen, einkaufen, kochen, essen, alles klappt wunderbar. Aber schon vor der letzten Mahlzeit schiebe ich einfach nur Panik.

„Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Ich könnte glatt den ganzen Tag nochmal essen!“

Dieses Gefühl steigerte sich in den letzten Wochen, bis es zum dauerhaften inneren Toben wurde. Dinge, die mich sonst nie angehoben haben, erschienen mir nun verlockend. Alles flüsterte „Iss mich, ich schmecke wunderbar und mache dich glücklich!“ Der Tag wurde zur Qual, weil es nur noch darum ging, mich irgendwie abzulenken und das Unvermeidliche aufzuschieben.

Aufschieben. Denn je stärker der Zwang wird, desto klarer zeichnet sich ab, dass er nicht verschwindet. An guten Tagen aß ich abends etwas Salat. Zählbar. Kontrolliert. Gesund.
Aber immer öfter riss mich das Toben mit sich und ich tobte mich an Obsttheken, Eistheken, Schokoriegelregalen und anderem aus.

Und wie man sieht, fühlte es sich einfach nur gut an.
Einmal trackte ich mit. Bis 17 Uhr aß ich meine geplanten Kalorien (~1730). Bis 22 Uhr hatte ich knappe 4000kcal konsumiert. Nicht etwa durch Schokolade oder pures Fett…nein, durch einen ganzen Obstkorb und Eis. Durch das Volumen platzte ich fast aus allen Nähten. Am nächsten Vormittag waren wir beim Training, man sah mir nichts davon an. Der Bauch war flach.

Das klingt vielleicht gut, ist es aber nicht. Wenn solche Ausraster nicht bestraft werden, was hält mich dann noch in Zaum?
Es wurde jeden Tag schwerer.

Das alles erzählte ich meinem Coach.
„Okay, wie kann ich dir helfen, was willst du jetzt machen?“
„Ich brauch einen Monat Pause. Essen nach Plan, wie bisher. Aber abends ess ich noch dazu. Ich hoffe dadurch, dass das innere Toben nachlässt und ich wieder mit Verstand und Ruhe essen kann.“
Etwas zähneknirschend stimmt er zu.
Unter einer Bedingung: einmal mehr Training pro Woche.
Dafür geht es nach dem Monat dann wieder in den „Hardcore-Sprint“: Lowcarb bei 1600kcal. Und wir startet mit dem schon ewig angedrohten gemeinsamen Beintraining. Ich glaube, das Fotoshooting im August werde ich gar nicht mehr erleben. ;P

Aber im Moment habe ich das Gefühl der Befreiung, der Druck ist weg, das Gefühl täglich zu versagen auch. Ich essen abends, aber nur etwas…einen Riegel, ein Fischfilet, bis ich satt bin. Das fühlt isch gut an. Alles unter Kontrolle. Hoffentlich bleibt es so.

ps: Letztens sitz ich im Nähzimmer als Slaine den Kopf zur Tür reinsteckt: „Alles okay in Bangladesh?“ XD

Die Entdeckung der Bauchspannung

Als ich im Jahr 2007 meine übergewichtige Nase in die Gefilde des Bodybuildings steckte, waren sich Markus Rühl und sämtliche Bodybuildingforen einig: Bauch trainieren nur Fitnesspussies! Bei harten Training wird der Bauch ausreichend mittrainiert. Wenn Markus Rühl, der mit satten 150kg Lebendgewicht einen knallharten Sixpack vorweisen konnte, wenn der Rühl sowas sagt, dann ist das Gesetz. Wieso sollte ich bei meiner Speckschwarte auch Bauchmuskeln trainieren? Dort ist eh nichts zu sehen, dachte ich.

Also trainierte ich jahrelang alles, außer Bauch (und Waden…Waden hab ich einfach). Das lief auch ganz gut, bis ich mich an Kniebeugen versuchte und schnell festellen musste, dass ich in den großen Muskelgruppen zwar viel Power habe, die kleine Stütz- und Haltemuskulatur jedoch gar nicht mitspielt. Regelmäßiges Training brachte hier auch bald Fortschritte.
Dann kam Marcel mit seinem funktionalem Training, bei dem für mich gar kein Licht in Sicht war. 100kg Kreuzheben, 230kg Beinbresse, 60kg Bankdrücken? Kein Problem! Aber bei 30kg Kniebeugen oder 20 Sekunden Plank brach ich total zusammen.

Langsam dämmerte mir, dass ich wohl irgendwo einen Denkfehler hatte.

Dann kam meine krumme Haltung dazu. Bei den monatlichen Updatefotos hing eine Schultern stets ca. 2 cm weiter unten. Rückenschmerzen hatte ich nicht, aber ständige schmerzhafte Verspannungen. Und Marcels Anweisungen beim gemeinsamen Training wurden zu einer Langspielplatte mit Sprung: Bauchspannung, Bauch anspannen, spann den Bauch an!

Ich erinner mich an die eine gemeinsame Einheit, in der er mir ganz basale Bauch-Übungen zeigte. Mein Rücken hing die ganze Zeit durch, ich spürte genau, dass der Rücken vom Bauch gestützt werden müsste, aber es war einfach überhaupt keine Spannung oder Kraft oder Muskelkontrolle da. Marcel sah es auch und musste nur noch lachen, während ich mich kläglich abmühte und doch die ganze Zeit durchhing, wie eine von den schwangeren Ziegen im Streichelgehege. Danach stampfte mein geprügeltes Ego trotzig mit den Hufen und ich baute die Übungen an zwei Einheiten in den Trainingsplan ein.

Ganz ans Ende der Einheiten setzte ich die Übungen, die dank Marcels unerschöpflichem Übungsrepertoire immer länger und länger wurden. Es kam, wie es kommen musste: die Bauchübungen fielen oft weg, weil ich schlicht zu erledigt war.

Also so ging das ja nun nicht. Warum nicht mit den Bauchübungen beginnen?
Das erste Mal probierte ich es beim Beintraining. Zwei Übungen im Supersatz und danach ging es direkt zum Kniebeugen. Statt der vermuteten Vorermüdung spürte ich eine bessere Grundspannung, dadurch konnte ich mich viel kontrollierter bewegen. Ich fühlte mich weniger wie eine Marionette, die sämtliche Muskeln einzeln koordinieren muss, sondern eher wie ein geschmeidiger Tiger, der spürt, wie elegant und kraftvoll er sich bewegt. Dass damit auch mehr Kraft in den nun folgenden Sätzen einherging, muss nicht extra erwähnt werden.
Das gleiche Phänomen spürte ich auch beim Schrägbankdrücken und Frontdrücken. Ich rutschte nicht mehr so weit ins Hohlkreuz und hatte durch die Grundspannung das Gefühl, dass die Energie insgesamt besser fließen kann.

Nach ein paar Wochen spürte ich bei den Übungen selbst deutliche Fortschritte. Wo ich vorher zitternd um jede einzelne Wiederholung rang, kam nun langsam eine kontrollierte Bewegung zustande. Und wenn ich auf eins steh, dann auf das Gefühl von Kontrolle, wo vorher nur Chaos war.
Bald merkte ich auch im Alltag, dass es viel leichter ist, eine leichte Grundspannung aufrecht zu erhalten. Statt mit Hängebauch, starkem Hohlkreuz und hängenden Schultern sieht man mich nun öfters aufgerichtet. Dadurch wirkt der Bauch gleich viel flacher. Und die größte Überraschung entdeckte ich bald darauf: Bauchmuskeln zeichnen sich auch in der Speckschicht wesentlich stärker ab, als man denkt!
Auch wenn ich viel Haut labbern habe und gefühlt ein schlaffer Wassersack bin, es ergibt eine gute Optik.

Wo wir gerade bei „Optik verbessern“ sind. Eine Maßnahme zur Vermeidung von Fressanfällen durch leere Akkus, zum Entspannen und für eine gepimpte Optik ist der Asitoaster. Statt im Konsum due Süßwarenauslage zu fräsen ging ich gestern als für 20 Minütchen auf den Asitoaster.
Das half ungemein, mich zu entspannen. Leider nur, bis der sich langsam einstellende Sonnenbrand zu jucken anfing!!!!

Tadaaaa, ist der Bauch nicht wunderschön geworden?
Noooo! XD

Sommerspirit

Der Termin für das Fotoshooting mit meinem Liebsten steht. Der Fotograf war von der Idee hellauf begeistert. Nun muss bis zum August die Figur weiter herausgeschält werden, die Haut braucht Bräune, ich muss mir überlegen, welche Posen gut zu mir passen und welche Klamotten ich tragen will. Als Idee hat sich in unseren Köpfen so eine Art Fitness-Magazin-Cover aus den 80gern festgesetzt.

So in etwa.

Soweit der Plan. Nun könnte man annehmen, dass ich damit wieder zurück zur eisernen Disziplin finde. Aber ganz so klappt es nicht. Zwar halte ich mich zunächst eisern an meinen Ernährungsplan, aber abends überfällt mich regelmäßig so heftiges Magenknurren, dass ich um meinen Schlaf fürchte und daher mehr esse. Freitage sind für mich besonders schwer. Wenn die Arbeitswoche endlich bewältigt ist, schreit der Kopf laut „Freiheit, ich will Abenteuer und Spaß für mich!“, während das Nervensystem sagt „Gute Nacht, ich habe bisher alles mitgemacht, nun will ich abschalten und schlafen.“ Das führt in letzter Zeit regelmäßig zu Cheatmahlzeiten, die sich über den ganzen Abend erstrecken. Das kann man natürlich nicht gutheißen, aber ich merke, dass ich nicht dagegen ankomme und akzeptiere es daher für den Moment. Immerhin habe ich damit auch regelmäßig richtig Power für extraharte Beineinheiten, in denen ich meine Grenzen neu auslote.

Insgesamt bin ich gerade sehr nachsichtig mit mir. Das liegt an anhaltenden Verbesserungen meines Körpers. Obwohl ich kein Gramm Gewicht verliere, verbessert sich die Optik zusehends. Die Einschnitte werden tiefer, der Bauch straffer, die Muskulatur runder. Es ist einfach der Hammer, wie ich mich verändere. Ich kann dabei zusehen. Das hat in meinem Kopf endlich einrasten lassen was sonst nur theoretisch galt: die Waage ist nicht das wichtigste Kriterium.

Natürlich müssen dennoch Kilos purzeln, aber das hat Zeit, bis ich die dafür nötige Ruhe und Power habe.

Momentan genieße ich die Früchte meiner Bemühungen. Ich fühle mich einfach sauwohl in mir. Diese Woche trug ich kurze Röcke ohne eine Strumpfhose. Früher hätte ich durch die Reibung der Oberschenkel nach kurzer Zeit nicht mehr gehen können, nun spaziere ich munter den ganzen Tag ohne Probleme herum. Ich bin auch mit meiner kurzen Hose einkaufen gewesen. Auch das wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen, weil es das Mittelstück bei jedem Schritt hochgeschoben hatte, sodass sich der Stoff im Schritt zusammenknäult und regelmäßig manuell runtergezupft werden musste. Die coolen Leggins, die mein Liebster mir zu Weihnachten schenkte, fühlten sich bis vor kurzem noch nach Presswurstpelle an. Inzwischen muss ich keine Angst mehr haben, dass sie mir mit einem lauten Knall vom Körper springen. Zahlreiche Sachen mussten in den letzten Wochen unter die Nähmaschine geschoben werden, um sie enger zu nähen.

Und beim Training….göttlich! Mithilfe neuer Übungen (ich entdecke gerade die Macht funktionaler Übungen für mich) bekomme ich ein immer besseres Muskelgefühl, auch in den bisher defizitären Muskelgruppen, in denen sich so gar kein Erfolg einstellen wollte. Die Muskulatur wird prall, voll, heiß und sieht einfach nur krass aus. Der Freund wird regelmäßig von anderen angesprochen, wie krass sich seine Freundin verändert habe. Es ist EIN-FACH-TOLL. ❤

Und so blicke ich gelassen auf die nächsten Monate, freue mich wie ein Kind auf einen Sommer voller Kleidchen, Röckchen, Sonnenbräune und ohne die ewige Scham.

Hier noch zwei Schnappschüsse von heute Morgen. Kalorienstand gestern Abend waren 3971 kcal. X_x Doch der Spiegel sagt: Nix unverzeihliches passiert, geh heute einfach ins Studio und zerlege deine Beinmuskulatur!