Sturz aus dem Chaos in die totale Ordnung.

Problem erkannt, Problem gebannt, könnte man sagen. Wenn man so wenig Geld hat, dass die freie Zeit zur Qual wird, dann sucht man sich am besten einen Nebenjob. Und genau das habe ich getan.
Zwei Jobs, zwei Arbeitsorte, viel strukturierte Zeit. Irgendwann gibts auch mal Geld dafür.
Im Moment tut es mir gut, auf lange Sicht wird es wohl zur Belastung werden. Deswegen habe ich mich auch bei neuen Stellen beworben, auch wenn es sich furchtbar anfühlt, mir vorzustellen, den Job aufzugeben.

Und ich habe angefangen, Träume zu realisieren. Letzten Monat kaufte ich das Ticket für die Fibo und die Fiboparty, diesen Monat buchte ich das Hotel. Träume aus eigener Hand realisieren, auch wenn es eigentlich (finanziell) nicht geht. Das tut gut.

Durch den neuen Job habe ich allerdings nicht nur weniger Zeit, nein, da es dort furchtbar zieht, habe ich auch gleich mal eine Erkältung mitgenommen. Das wird die nächsten Monate eine ordentliche Abhärtungskur für mich. Doch im Moment kann ich dadurch nicht einmal an den wenigen freien Tagen trainieren.

Auch merke ich, dass die Zeit zwar gefüllt ist, aber nicht erfüllt. Die Sehnsucht nach Leben schlägt ganz heftig in meiner Brust. Da ich erstmal nicht mehr date, stellt sich die Frage, was es da sonst noch geben könnte. Leben, das sich erfüllt anfühlt, ohne dass ich von anderen abhängig bin.

Bei mir bedeutet dass in erster Linie, dass meine Psyche mich regelmäßig beim Essen ausrasten lässt. Jeder Tag beginnt nach Plan, aber schon in der Mittagspause kann ich an dem ganzen Futterkram, den die Kollegen anbieten, nicht vorbei. Abends muss dann natürlich ordentlich Zucker her. Auch wenn der Verstand weiß, dass es nicht funktioniert, der Bauch sehnt sich nach Glücksgefühlen und Erfüllung. Wenigstens einmal genießen, flüstert es mir. Auch wenn das, was ich da treibe mit Genuss nichts zu tun hat.

Was also tun?
1. Ich habe mir die Regel auferlegt, nichts unterwegs, im Stehen oder mal schnell zwischendurch zu futtern, sondern wenn, dann wirklich als bewusste Ruhephase. Das klappt auch immerhin.
2. Balkonpausen..wird bei den Temperaturen immer schwieriger, aber dort komme ich richtig runter.
3. Tanzen! Sobald es geht, muss ich tanzen gehen. Dort fühle ich mich wild, lebendig, spüre mich und mein klopfendes Herz.
4. Nicht aufgeben. Ich kaufe weiter nach Plan ein. Versuche mich zu motivieren. Versuche dran zu bleiben. Nur nicht ganz aufgeben.

Aber ich habe Angst…Angst vor psychischen Abgründen, Angst vor Verschuldung, Angst vor Überforderung, Angst vor einem Leben als Untote. Dieser Angst muss ich mich stellen.

Advertisements

Form wird besser

Hiho zusammen…

Obwohl ich zur Zeit wirklich viel futter, wird die Form besser. Das liegt zum einen am neuen Trainingsplan. Nun merke ich, das ich wirklich zu lang stets dasselbe trainiert habe und dadurch manche Aspekte der Muskulatur vernachlässigt wurden. Denn die jammern jetzt ordentlich.

Zum anderen merke ich, dass es mich selten mal eine Stunde auf einem Stuhl hält. Ich muss in Bewegung sein. Wahrscheinlich ist mein Verbrauch dadurch auch etwas höher.
Ich trainiere zur Zeit auch sehr viel. Viel öfter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass mir furchtbar langweilig ist. Mein ganzes Leben langweilt mich zu Tode, da mach ich doch lieber etwas, was immerhin ein Ergebnis bringt. Zum anderen könnte es auch damit zu tun haben, dass ein sportlicher Mann mein näheres Interesse geweckt hat. ^^

Doch die Langeweile ist wirklich schlimm. Es ist, als ob da draußen eine riesen Party tobe und ich sei als einzige nicht eingeladen. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht tun zu können, was ich bedarf, macht mich wirklich fertig, zersetzt mich langsam von innen heraus.

Ihr wisst ja, ich bin lösungsorientiert. Was also tun?
Nun, zunächst muss man an den Ursachen arbeiten…
Ursache Nr. 1 ist, ich verdiene so wenig, dass es einfach hinten und vorn nicht reicht. Ich liebe meinen Job, aber ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten.
Also habe ich a) einen Nebenjob gesucht..yay. Dabei habe ich so lange für weniger Arbeitszeit gekämpft. Doch ohne Geld ist die Zeit erdrückend geworden.
Und b) reiche ich dem Teufel die Hand und bewerbe mich beim Staat als Lehrer. Obwohl sich mir beim Gedanken daran echt der Magen umdreht. Das Trauma des Referendariats steckt noch tief in mir. Andererseits bin ich inzwischen ein gestandener Lehrer, der weit mehr als 24h unterrichtet.
Kann es da so schlimm werden?

Wir werden sehen.

Heute geht es erstmal zum Coach, über ein paar Wehwehchen klagen, grundlegend das Essensprinzip überdenken und ein paar Übungen rocken.

Und danach kommt der Mann, der alles mitbringt, wonach es mich dürstet. Ob er meinen Durst stillen kann? =)

Du musst weitermachen. Gib nicht auf.

April, April, da mach ich was ich will, dachte ich in den vergangenen zwei Wochen.

Mein 37. Geburtstag, das große Zittern, ob ich ab April überhaupt noch einen Job hätte, die bevorstehende Verabschiedung meiner Leutchen und das Bangen, wie wohl am Tag darauf die neuen Leutchen so sind.  Dann bearbeitete alle Fotos von 2012…dem Überjahr überhaupt, in welchem ich großartig aussah, mich großartig fühlte und scheinbar von Party zu Party schwang wie Jane an ihren Lianen und stellte fest, dass ich seit über einem Jahr lebe, wie ein Mönch. Dazu kam der Geburtstag einer Kollegin, die sich für meinen Geburtstag enorm ins Zeug gelegt hatte…große Erwartungen!

Wenn ich das Monster unterm Bett beschreiben müsste, wäre es ein süßer Hund mit riesen Augen in denen nicht als große Erwartungen stehen, die kein Mensch erfüllen kann.

Ein Kurzschluss in meinen Nervenbahnen stand also mal wieder bevor und so kam es dann auch.  Als ich spontan mit meinem Freund in der Stadt shoppen wollte, fehlte nur ein Broiler („einma halbe Hahn“ für die Wessis ;D) zum Glück. Doch es war kein genießbarer aufzutreiben und so nahm das Armageddon seinen Lauf…AllUCanEat-Chinabuffet, Schokoriegel, Ben&Jerrys, Müslimassaker und Bier zum Runterkommen. Freitag war Feiertag, Slaine hatte einen Kater und für mich hing innerlich das Bild schief…also ~2000kcal nach Ernährungsplan so lang gestreckt, wie es ging, dann aber doch im Browser verklickt und aus Versehen Pizza, Panna Cotta und Tiramisu bestellt und weil die ja 20 Minuten braucht, bis sie da ist, nochmal fix Müsli mit Studentenfutter und Extratrockenobst eingesaugt.

Und dann mal beim Coach gemeldet, ob wir den Termin vorziehen können…

Es war wie ein Zeitsprung in frühere Zeiten. Ich merkte, wo es schieflief, wusste, was ich zu tun hatte, aber ich konnte mir nicht helfen. Es war, als wäre ein Schalter umgelegt. Trotz aller Pläne und Vorbereitung konnte ich keine Sicherheit und damit keine Ruhe finden und diese Unruhe tobt still in mir. Geht dann auch nur ein geplantes Detail in meinem wackeligen Hirnlabyrinth schief, kennt meine Psyche nur einen Lösungsweg: unstillbare Gier, die alle anderen Ängste, Sorgen und Gedanken auf einen Urinstinkt zusammenschrumpft, der pochend große Mengen Fastfood fordert.

Eating Gluttony

Quelle: https://tamyourue.deviantart.com/art/Eating-Gluttony-196561878

Also traf ich meinen Coach, erzählte alles und wollte gerade verkünden, dass ich erstmal weiter zählen werde, aber ohne Kaloriendefizit. Ich wollte herausfinden, wo mein Tagesbedarf tatsächlich liegt und mir eine Pause gönnen, als mein Coach mich unterbrach, anschaute und meinte:

„Du musst weitermachen. Gib jetzt nicht auf. Solche Ausraster sind normal in der Diät, ich kenne das auch. Gerade in den letzten Wochen.“

Die letzten Wochen…ich spürte ein inneres Beben bei den Worten…die letzten Wochen. Das glaubte ich nun seit einem halben Jahr. Wie viele letzte Wochen sind es denn noch?!?

„Du hast doch den Gutschein für das Fotoshooting (Spoiler: Weihnachten 2015!!!! hatte Slaine mir einen Gutschein für ein Paarshooting geschenkt). Mach einen Termin aus! Das ist dann DEIN Wettkampftag. Bis dahin musst du die Form deines Lebens erreichen.“

Das saß. Wir sind dann noch meine Kleinzielliste durchgegangen…was davon ist „abrechenbar“, was lässt sich schwer erkennen? Und er gab mir noch ein paar neue Ziele: functional Exercises. Das war eine gute Idee, schließlich offenbaren diese Übungen regelmäßig meine Defizite und sind ein guter Anreiz. Als erstes steht auf dem Programm: Handstand aus den Slings heraus. Als das Treffen vorbei war, stellte ich verwundert fest, dass vom inneren Widerstand und dem Gefühl vom Chaos nichts mehr übrig war. Alles war wieder zurück an seinem Platz, ich konnte wieder den alten Plan aufnehmen.

Auf, in die letzten Wochen!

 

 

Dann kam auf Arbeit der Tag des Abschieds und gleichzeitig die Geburtstagsfeier meiner Kollegin. Schon morgens waren meine Leutchen schlecht drauf, quengelig wie Kleinkinder. Sind wir bald fertig? Ich bin müde. Ich hab keine Lust. Muss ich mitmachen?!? Ich schaltete auf „Verbalpeitsche“, trieb alle an, verteilte Aufgaben wie Stockschläge und langsam kamen alle in Gang. Wir hatten ein Brunch geplant und das wurde richtig gut.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Beim Essen wurde die Stimmung locker, wir haben herzlich gelacht und Späße gemacht. Nur einer musste unaufhörlich betonen, dass er nichts essen könne, weil es ihm ja noch so schlecht ginge. Dann ging es an die Überreichung der Abschlussgeschenke und plötzlich steht eine mit einem Geschenk in der Hand vor mir. Das hätte ich wirklich am wenigsten erwartet. In den letzten Wochen haben meine Leutchen Spitznamen verteilt. Ich bekam den Spitznamen „Hexe“. Erst „Kleine Hexe“, was ja noch niedlich ist, dann aber „Böse Hexe“, was für mich ein ziemlicher Schock war. Erklären kann ich es mir nur so, dass es diesen Leuten eben sehr schwer fällt, sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Widerstrebende Gefühle münden in schlechter Laune und daran muss jemand Schuld sein. Die Stimmung war in den ganzen letzten Wochen sehr wechselhaft. Auch ich hatte damit zu kämpfen und stellte mich auf „abgebrühter Profi“ein. Und nun plötzlich das…Tränen bei manchem, ein ganz liebes, herzliches Geschenk und eine ganz persönliche, selbstgeschriebene Karte. Ich war wie vom Donner gerührt. Als würde man einen Kühlschrank zur Mirowelle umfunktionieren wollen.

Manche blieben bis zum Schluss bei mir, waren lieb und herzlich und zeigten, was sie Gutes mit mir verbanden. Andere blieben sitzen, halfen nicht beim Aufräumen und verschwanden früher, ohne sich richtig verabschiedet zu haben. Das spiegelt auch irgendwie das letzte Jahr wieder. Es war ein stetes Ringen und Kämpfen, unterbrochen von Herzlichkeit und Lachen. Aber es war ein echt zähes Jahr. Ich war am Ende selbst total platt. Und morgen sollten die Neuen eintreffen. Ich wusste bis dienstag Nachmittag nicht, wie viele es werden würden!

 

 

Der Mittwoch kam. Die ersten trafen kurz nach 7 ein, die letzten anderthalb Stunden später. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr.

Erste Runde: Kennlernspiel. Jeder erzählt etwas über sich und bindet eine Lüge ein. Ich fing an. Dann sollte der Erste lügen. Tat es aber nicht. „Ich lüge nie!“ Aha…wenn das keine Lüge ist. So ging es weiter. Nur Einer stockte nach den ersten flüssigen Sätzen und hängte dann einen gepressten Satz hintendran. Eine Neue kommentiere jeden Ausspruch, eine Zweite mischte sich ein. Es wurde unruhig. Es wurde nervig. Leider müssen am ersten Tag sämtliche Unterlagen durchgegangen, erklärt und unterzeichnet werden. Ein nerviges Prozedere. Am Ende des Tages schwirrten allen die Köpfe, alle waren genervt, ich spürte den altbekannten Widerstand und sah mich ein weiteres Jahr kämpfen.

Uff!

Ich erwachte mit sicheren Erkältungsanzeichen. Mit Bauchschmerzen begrüßte ich meine neuen Lerner…2 fehlten. Wenn die abbrechen, wäre ich arbeitslos. Ich startete mit der Vorstellung des Kursplans und der Frage: „Wie funktioniert eigentlich Schreiben?“

Und damit änderte sich alles. Die Schwatztante war neugierig und erstaunt, alle waren aufmerksam. Am Ende des Tages keimte leichte Hoffnung in mir, dass dieses Jahr doch ganz anders laufen würde. Der Tag danach verlief auch klasse. Kein Widerstand, nur Neugierde. Am Ende des Tages wandte sich einer, der am ersten Tag sichtlich mit seiner Aggression zu kämpfen hatte, in der Tür noch einmal um: „Das hier ist anders als in den anderen Schulen. Intensiver.“ Da wusste ich: Ich habe sie!

Und ich begriff: Der vorhergehende Kurs war nie meiner geworden. Diese Leute binden sich sehr eng an ihre Bezugspersonen. Ist diese Bindung vollzogen, kann nichts mehr getauscht werden. Ich war immer nur „die unliebsame Vertretung dieser einen tollen Frau auf dem Podest“.  Der neue Kurs wird durch mich geprägt. Es wird dennoch nervige Tage voller mieser Laune und brenzlicher Situationen geben, aber ich kann ruhiger sein, weil ich nicht das Gefühl haben muss, gegen meine eigenen Leutchen zu kämpfen, sondern ihr Vertrauen zu genießen.

2018 wird nicht leicht, aber es wird mein Jahr!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fühlt sich an wie Bodybuilding

In den letzten Wochen mangelte es mir an Disziplin, vor allem, was die Diät betrifft. Nachdem ich im Januar ordentlich Gas gegeben aber kein Gewicht verloren hatte, fehlten mir einfach abrechenbare Kleinziele, die mich auf Kurs hielten. Ich war frustriert und genervt und griff öfter mal auf mehr Kalorien zurück.

Die zusätzlichen Kalorien und allgemein ordentlich schlechte Laune brachten ernorme Energieschübe mit sich.

Wo wird man die besser los als in brachialen Trainingseinheiten?

Und das habe ich gemacht. Mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Tempo.
Was ist mir da aufgefallen? Mein Normalzustand fühlt sich an, als würde ich schon morgens mit rot blinkendem Akku aufstehen. Auf Arbeit bin ich von Natur aus etwas überdreht und voller Adrenalin. Aber zum Feierabend wird innerlich ein Schalter umgelegt und ich schleppe mich nur noch.

Die letzten Wochen haben mich daran erinnert, dass es auch andere Zustände gibt. Und ich merke, dass ich mich im Moment nach Power, Kraft und Biss sehne. Nächste Woche endet mein jetziger Kurs auf Arbeit und in der Woche darauf beginnt ein neuer Kurs mit neuen Teilnehmern. Gestern durfte ich den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben und auch meine Sozialpädagogin bleibt vorerst. Bis diese Woche war das alles nicht klar. Ich musste mich arbeitsuchend melden, mich bei neuen Jobs bewerben, zittern und bibbern. Nervenaufreibend. Ich weiß noch immer nicht, welche Teilnehmer in meinem Kurs sitzen werden. Oder wie viele genau. Alles ist unsicher und kurzfristig. Ein Horror für jemanden mit meinem Sicherheitsbedürfnis. Es ist also noch nicht ausgestanden und ich brauche nun Power für die Nerven.

Heute habe ich früh relativ viel gegessen und auch ordentlich Kohlenhydrate. Dann ging es zum Beintraining. Mit meinem Coach habe ich besprochen, dass ich bei Kniebeugen mit jedem Satz das Gewicht steigere. Gesagt, getan. Das Herz pumpte, ich hatte dicke Adern an Händen und Unterarmen und wollte nur eins: die Energie freisetzen. Sonst quälte ich mich mit 40kg Kniebeugen. Heute machte ich wesentlich mehr Wiederholungen als sonst und gelangte zum Schluss zu 60kg.
Eine Premiere für mich.
Danach behielt ich das Steigerungs-Prinzip bei und schritt mit steigendem Gewicht in Ausfallschritten durchs Studio, bis die Beine sich wie brennender Gummi anfühlten.

Der Coach meinte, ich solle wieder zurück zum Sprint mit 1600 kcal an Nichttrainingstagen und lediglich die Kohlenhydrate nach vorn ziehen, abends dafür Lowcarb. Doch ich spüre wieder mein typisch inneres Stachelschwein, dass sich massiv dagegen auflehnt. Stattdessen baue ich endlich etwas Obst ins Frühstück ein (das war ursprünglich angedacht, ist dann aber durch die geringen Gesamtkohlenhydrate immer wieder rausgeflogen), als Zwischenmahlzeit nach Arbeit plane ich etwas Müsli ein…(Ja, ich bin nun in einem Alter, in dem man sich über regelmäßigen Stuhlgang freut.)
Der Rest (Mittag, Abendbrot, Trainingsversorung) wird Lowcarb. Makroverteilung bleibt wie gehabt: 110g KH, 180g F, 60g F = 1730 kcal + Trainingsversorgung.
Ich hoffe, damit mehr Energie über den Tag zu haben. Mich nicht mehr wie eine ausgedrückte Leberwurst zu fühlen und damit mehr Energie durch Training etc. umzusetzen. Oder anders gesagt: einfach ballern!

Gerade gefällt mir mein neuer Körper sehr gut. Ich habe wenig Wasser eingelagert, der Bauch hat nur noch eine dünne Wabbelschicht, Beine und Po sind straff, mein Trizeps hat übel gut auf die Übungen angesprochen und ist gut sichtbar, die Teilung zwischen Schulter und Bizeps ist tief wie noch nie. Kurzum: Langsam sieht auch ein Blinder, dass ich harten Sport betreibe.

Größte Baustelle im Moment: der Rücken. Hier habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten und immer von Null anfangen zu müssen. Aber das war bei Brust, Schultern, Kniebeugen und Bauch genauso. Ich weiß, alles was ich jetzt investiere wird sich bald auszahlen. Geduld haben, durchbeißen und dann wird das richtig cool.

Was mich derzeit außerdem antreibt, ist Slaine. Nachdem er einige Zeit in einem persönlichen Tief steckte, ist er nun wieder ganz mein Partner. Er nimmt ab, seine Muskulatur schält sich überall aus der Fettdecke, er gibt mir gute Trainingstipps, treibt mich an, nimmt Rücksicht auf mich und versucht mich auch sonst zu unterstützen. Fürs Beintraining kommt er langsam auf den Geschmack der Trainingsleggins. Und was soll ich sagen, die neu sichtbaren Ecken und Kanten gefallen mir verdammt gut!

Abrechenbare Kleinziele müssen her, wenn die Waage nicht mehr allein über Sieg- oder Niederlage-Gefühle bestimmen soll. Was soll sich noch verändern, habe ich mich gefragt und folgende Antworten gefunden:

  • cm verlieren (Rücken, Taille, Hüfte/Po, Oberschenkel)
  • Wachstum (Rücken, Definition rechte Körperseite verbessern, „Tropfen“ im Quadrizeps, Schultern, Bizeps, gerade Bauchmuskeln, Brust Masse +innere Kante)
  • Trainingsziele:
    • Kniebeuge:80 kg,
    • Ausfallschritte: 4 x 20 kg
    • Beinstrecker: ganzen Block bewegen
    • Klimmzüge: Anzahl erhöhen, frei im Obergriff schaffen
    • Schrägbankdrücken mit 25 kg Kurzhanteln als Arbeitsgewicht
    • Frontdrücken mit 20 kg Kurzhanteln
    • Balance und Körpergefühl verbessern (z.B. bei Bauchübungen)
  • Ernährung / Wohlbefinden:
    • alles eintragen
    • Energielevel optimieren
    • regelmäßig
    • weniger Salatmassaker (vergrößern nur den Magen, verringern den Appetit nicht)
    • Nerven/Konzentrationslevel managen, Pausen machen, gechillt bleiben
    • Makroverteilung besser managen (Trennung von KH und F)
    • Ausrasttage minimieren (1- max 2/Monat)

Um den Schwung richtig zu nutzen, habe ich den nächsten Termin mit meinem Coach auf in 2 Wochen gelegt. Mal sehen, wie es bis dahin läuft.

Keep on pumping, ihr da draußen. 😉

Edit: Falls sich jemand fragt, welcher Einschnitt zwischen Schulter und Bizeps denn in letzter Zeit tiefer geworden sein soll…der hier:

Leider sieht es so nur im anabolen Studiolicht nach einem heftigen Brust-Schultertraining aus. Aber ich arbeite daran. 😉

2018? Läuft weg!

Es ist schon Februar?! Wo ist denn der Januar hin?

Seit einem Monat bin ich auf dem „Hardcore-Sprint“ mit 1600-1700kcal/d. Das mag anderen viel erscheinen, für mich fühlt es sich an, wie verhungern. Als ich das ein erstes Mal machte, purzelten nach zwei Wochen buchstäblich die Pfunde. Darauf hatte ich mich gefreut, wollte ich doch so schnell wie möglich wieder neue Maßstäbe setzen. Ich war erhohlt, motiviert und zu allem bereit. Nun, 4 Wochen später knirsche ich mal wieder ganz schön mit den Zähnen. Ich wiege noch immer über 70kg. Manchmal meine ich, schon ein Kichern zu hören, wenn ich morgens enttäuscht das Bad verlasse. Dieses Mistvieh von Waage!

Davon abgesehen läuft es gut. Der Stoffwechsel pumpt, was ich daran merke, dass ich mich fit fühle, gute Leistungen im Sport bringe, mir meistens warm ist und ich auch nicht übermäßig müde bin. Beim Training fokussiere ich nun den Rücken. Runter mit den Gewichten, das innere Auge ganz aufs Muskelgefühl gerichtet, versuche ich die Anweisungen der Physiotherapeutin umzusetzen. Nicht nur im Rückentraining, täglich. Wenn ich in der Bahn steh, Einkäufe trage, bei den Ausfallschritten am Beintag, beim Trizepsdrücken, bei Übungen für die Hintere Schulter…kurz: wann immer eine Bewegung oder Stabilität im Schulterblatt nötig sind. Das ist anstrengend und im Moment auch eine Überlastung. Der Latissimus verknotet sich ständig. Und je verknoteter der ist, desto weniger kann ich die arbeitende Muskulatur erspüren. Dehnen und blackrollen sind an der Tagesordnung. Aber ich spüre auch erste Veränderungen. Auf der Blackroll passierte lange gar nichts, außer ein paar schmerzhafte Knoten zu zerdrücken. Inzwischen knacken die Wirbel wieder ordentlich. Ich rede mir ein, dass das ein gutes Zeichen ist, weil die Physiotherapeutin immer stöhnte „Mein Gott, hier ist alles fest!“ Das heißt doch dann, dass sie nun lockerer sind? ;D

Im Treffen mit dem Coach musste ich gestehen, dass meine Armkraft spürbar abgenommen hat und das Training nunmehr limitiert. Dass ich die Arme seit langer Zeit höchsten mit zwei lieblosen Sätzen pro Woche flexe kann damit natürlich nichts zu tun haben. ^^ Also hat Coach Marcel mir schöne Übungen gezeigt. Da ich in den Stunden mit ihm immer die Brille auflasse, bekam ich spektakuläre Anblicke beim Curlen geboten. In der richtigen Position und dem anabolen Studiolicht sah mein Bizeps riesig und schön von den Schultern abgesetzt aus. Göttlich! Ohne Brille hat es leider nicht so den Effekt. Aber die Motivation ist zum Glück geblieben.

Auch wenn es die Waage nicht zugeben will, ich habe das Gefühl, es geht voran. Die Muskulatur schält sich überall stärker heraus und der Schwabbel wird weniger. Und die Klamotten! Meine Güte…in Modegeschäften fühlt es sich an, wie im Märchen…das Aschenbrödel, das sonst nur sehnsüchtig von den hässlichen Fetzen in Größe 46 zu den hübschen Stücken in Größe 36 schielte, darf nun endlich selbst Größe 36 tragen! Für mich ist das wirklich eine andere Welt…es ist schlicht der Unterschied zwischen grauen Fetzen und farbigen sexy Outfits.

Und doch nehme ich am Ende nur wenige Stücke mit! Immer öfter denke ich: Das kann ich selber besser! Und ich schaue nach cleveren Ideen und pfiffigen Rückenvarianten. Letztens habe ich mir zwei neue Bustiers selber genäht. Und die sitzen..tja, eben maßgeschneidert. Auch wenn sie nicht perfekt sind…es fühlt sich eben anders an, wenn man selbst etwas erschafft. Es fühlt sich einfach cooler an. ^^

Viele müssen ja ihren ganzen Kleiderschrank austauschen, wenn sie abnehmen. Ich nicht. Bevor ich etwas wegwerfe, setze ich mich tollkühn und unerschrocken an die Nähmaschine, mache planlos ein paar Abnäher und entweder es passt danach, oder es landet im Müll. Meistens passt es. So wie zum Beispiel meine Lieblings-Beintrainingshose. Beim ersten Mal habe ich einfach einen Abnäher vom Sattel aus gemacht. Das war ganz gut und die Hose passte wieder. Letztens reichte der aber nicht mehr, sie fing wieder an zu rutschen und flatterte schon fast um die Beine. Also den alten Abnäher aufgetrennt und flugs links und rechts einen neuen genäht. Jetzt sitzt sie wie angegossen und von außen sieht man die Abhäher nicht.

Genauso machte ich es mit einem Trainingsshirt, welches ich laaange nicht getragen hatte. Zum einen, weil es zu weit war, zum anderen, weil es viel zu tief ausgeschnitten war. Bei mangelnder Oberweite ist das semisexy. Also ZACK! Träger 2cm kürzer und an den Seiten ordentlich abgenäht. Jetzt sitzt es hauteng und sowas von knackig! Suuper!

Das hier habe ich schon vor einiger Zeit genäht. Bisher mein Meisterstück. Das erste, was ich getragen habe, ohne dass gleich jeder fragt: „Selbstgenäht?“
Also Rock und Jäckchen. Die Bluse lag 10 Jahre ungetragen im Schrank und hat noch nie so gut gepasst. XD

Diese Woche stand auf Arbeit etwas ganz gruseliges an: Akquise! Im April soll der neue Kurs starten und keiner weiß davon. Also habe ich auch keine Teilnehmer und ohne Teilnehmer bin ich ab April arbeitslos. Wuäh!
Also das Internet durchwühlt, die Ohren heiß telefoniert und Infoveranstaltungen abgehalten. Das liegt mir persönlich wirklich nicht. Aber ich bin trotzdem gut darin.

Einer im Jobcenter war immer dabei, der meint: Sowas haben wir hier nicht! Und dann beginne ich zu erklären: Analphabeten kennen Buchstaben und wissen wie rum man den Stift hält. Sie sind jahrelang zur Schule gegangen und haben dort schon immer mehr gemacht, als alle anderen. Die Hälfte meiner Lerner kann besser lesen als die meisten Hauptschüler, die ich vorher unterrichtet habe. Manche haben auch große Probleme mit dem Lesen, aber alle gemeinsam scheitern sie am Schreiben. Das liegt daran, dass oft die Laut-Buchstaben-Zuordnung, vor allem aber die Rechtschreibregeln nicht automatisiert sind.

Ich erkläre das dann immer am Beispiel meiner Links-Rechts-Schwäche. In der Fahrschule sagte der Fahrlehrer oft: „Vorn links abbiegen.“ Ich setzte den Blinker und bog ab, worauf der Fahrlehrer meinte: „Gut. Und an der nächsten Kreuzung probieren wir dann mal das andere Links.“
Ich kenne den Unterschied zwischen links und rechts. Bedeutung und Begriffe sind mir klar! Doch im konkreten Anwendungsfall muss ich kurz darüber nachdenken, denn automatisch funktioniert es nicht. Es ist nicht automatisiert…nicht fest abgespeichert.
Genau so ergeht es meinen Lernern mit Buchstaben. Nur gibt es da wesentlich mehr zu entscheiden.
Es gibt zum Beispiel das lange [e:]

  • als „eh“ wie in Lehrer
  • als ee wie in Schnee
  • als e wie in „Weg“
  • als äh wie in Zähne
  • als ä wie in Väter

Es gibt das v, was manchmal wie „f“ und manchmal wie „w“ genutzt wird.

So wird beispielsweise in dem Satz „Dort ist der Weg.“ allein das Wort Weg zum Chaos:

  • v oder w?
  • e, eh, äh, ä, oder ee?
  • g, gg, k, ck, kk?

Was uns leicht erscheint, weil es schlicht automatisch richtig gespeichert ist, wird für meine Teilnehmer zu eine unübersichtlichen Zahl an Kombinationsmöglichkeiten. Und weil es nicht als richtig geschriebenes Wort abgespeichert ist, kommen noch weitere Möglichkeiten durch schlechte, undeutliche oder dialektale Aussprache hinzu. Der Sachse sagt ja eher: „Dorde is där Wehsch!“

Drückt mir die Daumen, dass noch ein paar von Ihnen zu meinem Kurs finden, damit ich ihnen einen Weg aus dem Chaos leuchten kann. 😉

Frohes Neues!

Das neue Jahr kann kommen!

Meine Wunschliste für 2018:

  • 65kg
  • Muskelaufbau starten
  • Jeans, Tops und Shirts nähen
  • mehr Ruhe in den Unterricht bringen
  • neue Fotoalben erstellten
  • Fotoshooting mit Slaine
  • Ernährung beibehalten

Und was steht bei euch auf der Wunschliste?

Ich bin doch kein Analphabet

Letztens fragte RTL an, ob sie bei uns filmen und interviewen dürfen. Beim MDR oder Arte hätte ich mir das überlegt, aber RTL nehme ich das „Wir wissen, dass es sich um ein sensibles Thema handelt“ einfach nicht ab.

Das sahen meine Teilnehmer genauso. „In der Öffentlichkeit sagst du genau EINMAL, dass du Probleme mit dem Lesen und Schreiben hast…und dann nie wieder.“, fasst einer seine Erfahrungen zusammen. „Weißt du wie das ist, wenn man dir ‚Hilie‘ hinterherruft?“ Ich kannte den Begriff gar nicht…es ist eine schmähende Abkürzung für Hilfsschüler, wird mir erklärt.

Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik haben viele Menschen, aber Analphabeten wissen um diese Schwäche und empfinden es als Stigma, dass sie vom normalen Leben ausschließt. Verstecken ist angesagt, Kinn hoch und bloß keine Schwäche zeigen. Weil keiner merken darf, wie große Mühe das Lesen und/oder Schreiben bereitet, vermeidet man es ganz. Man kann ja nicht um Hilfe fragen.

Für Analphabeten ist vieles eine Qual bis hin zur Unmöglichkeit, was für uns selbstverständlich ist. Den Weg in Gebäuden oder zu Adressen finden, eine Tür öffnen (Türöffner, drücken, ziehen..alles Schrift und immer Menschen in der Nähe, die gleich rufen: „Kannste nicht lesen? Steht doch drauf!“), im Supermarkt orientieren (Mehl und Zuckertüten sehen sich sehr ähnlich, doch wenn man Mehl mitbringen soll und mit Zucker wiederkommt, ist das schwer zu erklären), Verträge oder Formulare ausfüllen, eine Speisekarte lesen und Essen bestellen, Internet und Handy bedienen, über Whatsapp schreiben, einen Einkaufszettel verfassen, Nachrichten verfolgen.

Und immer die Angst vor dem Satz „Kannste nicht lesen?!“.

Dabei können sie ja lesen. Der Begriff Analphabet ist furchtbar. Man assoziiert automatisch Menschen, die kaum wissen, wie man einen Stift hält. Dass diese Menschen sich jahrelang in der Schule durchgequält haben, oft mehr ins Lernen investiert haben, als alle anderen, häufig einen Berufsabschluss haben, kann sich kaum jemand vorstellen.

Die Hälfte meiner Schüler liest flüssig, besser als mancher meiner Hauptschüler. Die Fähigkeit zum Lesen und zum Schreiben kann weit auseinander klaffen. Nicht jeder, der mühelos liest, kann auch ebenso mühelos Buchstaben zu Wörtern anordnen. Viele haben eine LRS und Probleme, die Reihenfolge der Buchstaben richtig zu erkennen.

Und es gibt natürlich auch die, die sich mit jedem Buchstaben abmühen. 26 Buchstbaen umfasst das deutsche Alphabet, dazu die Umlaute, das ß, Zwielaute (ei, au, eu, äu, ie) und weitere Buchstabenkombinationen, die zusammen einen Laut ergeben (ch, sch, st, sp, nk, ng). Manche Buchstaben und Buchstabenkombinationen werden unterschiedlich ausgesprochen (st in Stil und Stiel, das v in Vater und Vase, das ch in Milch, Bach und Lachs, das e am Wortende, denn niemand sagt End-E, man spricht eher etwas wie Endö). Das Sächsisch verschlimmert alles, weil wir alles weich sprechen, sodass p, t, k kaum von b, d, g unterschieden werden können. Und dann gibt es noch die deutsche Auslautverhärtung, die am Wortende alles hart klingen lässt, sodass man alle Wörter verlängern müsste, um herauszufinden, welcher Buchstabe wirklich dorthin muss. Es gibt stumme Buchstaben, die das „e“ im „ie“ und das Dehnungs-h, die man zwar schreiben soll, aber nicht hört. Und die Ausnahmen… „Der Weg ist weg.“ Das zweite und vierte Wort klingen anders, warum werden sie dann gleich geschrieben? Was für uns in jahrelangem Unterricht eingetrichtert und gefestigt wurde, stellt für andere ein unübersichtliches Chaos dar, das sich nicht beherrschen lässt.

Einer meiner Teilnehmer kann zum Beispiel nur sehr schwer Buchstaben zu Wörtern verbinden. Soll er in einer Übung eine willkürliche Buchstabenverbindung wie zum Beispiel „gelkindor“ lesen, funktioniert das nicht. Doch einfache Texte mit gebräuchlichen Wortern liest er fast flüssig und begreift auch den Sinn. Wie kann das sein? Ganz klar, er hat ein riesiges Inventar an Wörtern als Bild abgespeichert und mit dem Klang verknüpft. Er hat buchstäblich die Wörter auswendig gelernt. Das ist eine enorme Gedächtnisleistung. Ein anderer erzählte, dass er regelmäßig zum Einkaufen für eine ganze Gruppe geschickt wurde. So sollte er zum Beispiel regelmäßig Frühstück kaufen. Drei Mohnbrötchen, fünf Sesam, drei Vollkorn, zwei Stück von diesem Kuchen, eins von jenem, dazu Butter, unterschiedliche Marmelade, Aufschnitt, Käse. Alles ohne Einkaufszettel und wenn es dann die eine oder andere Sorte Brötchen nicht gab, musste spontan umgeplant werden, ohne die gesamte Liste zu vergessen. Ein anderer erzählte, er habe mit SAP gearbeitet. Er hat einfach die Kollegen um Hilfe gebeten, weil er seine Brille vergessen habe. Und dann hat er sich jeden Tastendruck eingeprägt. Jeden einzelnen Tastendruck.

Meine Teilnehmer wissen natürlich, dass sie in einem Lese- und Schreibkurs sind, aber das Wort „Analphabet“ nimmt keiner in den Mund. Dieser Begriff begräbt Leute, man vermeidet ihn. So kam es, dass ein Teilnehmer erst durch die Anfrage von RTL begriff, dass dieser Begriff für ihn verwendet wird. „Aber ich bin doch kein Analphabet! Ich kann Lesen und Schreiben. Ich bin doch nicht dumm, nur langsam.“ Und schon kullerten Tränen. Mit diesem Begriff belegt zu werden, war für ihn die Hölle, wie ein Todesurteil.

Einmal Analphabet immer Analphabet?

Fakt ist, dass es hier nicht um Faulheit geht. So wie ich immer überlegen muss, ob links wirklich links ist, bevor ich abbiege, so geht es meinen Teilnehmern mit dem Lesen und Schreiben. Bei der Unterscheidung von Links und Rechts ist nur ein kurzer Moment der Konzentration nötig, nur eine „Entweder-oder-Entscheidung“. Meine Teilnehmer müssen dieselbe Konzentration für unzählige Buchstabenkombinationen, verwirrende Regeln und Unregelmäßigkeiten aufbringen. Und wie bei meiner Links-Rechts-Schwäche bleibt kaum etwas „hängen“, man muss es ständig trainieren, um voran zu kommen. Trainiert man nicht, fällt man zurück. Nach zwei Wochen Urlaub scheint man wieder vom Startfeld zu starten. Das ist mühsam und frustrierend. Meine Teilnehmer stellen sich dem. Tag für Tag trainieren sie, um keine Angst mehr vor anderen Menschen zu haben, keine Angst vor der Entlarvung zu haben. Sie wünschen sich nichts mehr, als perfekt lesen und schreiben zu können.

Worauf ich stets antworte: Niemand liest und schreibt perfekt. Selbst Nachrichtensprecher verlesen sich und Deutschlehrer verschreiben sich oder googeln die Rechtschreibung. Weniger Fehler machen und damit weniger Angst haben müssen, das ist das Ziel.

Das Wort Analphabet ist furchtbar…es sind Menschen, die Probleme mit dem Lesen und/oder Schreiben haben.