Form wird besser

Hiho zusammen…

Obwohl ich zur Zeit wirklich viel futter, wird die Form besser. Das liegt zum einen am neuen Trainingsplan. Nun merke ich, das ich wirklich zu lang stets dasselbe trainiert habe und dadurch manche Aspekte der Muskulatur vernachlässigt wurden. Denn die jammern jetzt ordentlich.

Zum anderen merke ich, dass es mich selten mal eine Stunde auf einem Stuhl hält. Ich muss in Bewegung sein. Wahrscheinlich ist mein Verbrauch dadurch auch etwas höher.
Ich trainiere zur Zeit auch sehr viel. Viel öfter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass mir furchtbar langweilig ist. Mein ganzes Leben langweilt mich zu Tode, da mach ich doch lieber etwas, was immerhin ein Ergebnis bringt. Zum anderen könnte es auch damit zu tun haben, dass ein sportlicher Mann mein näheres Interesse geweckt hat. ^^

Doch die Langeweile ist wirklich schlimm. Es ist, als ob da draußen eine riesen Party tobe und ich sei als einzige nicht eingeladen. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht tun zu können, was ich bedarf, macht mich wirklich fertig, zersetzt mich langsam von innen heraus.

Ihr wisst ja, ich bin lösungsorientiert. Was also tun?
Nun, zunächst muss man an den Ursachen arbeiten…
Ursache Nr. 1 ist, ich verdiene so wenig, dass es einfach hinten und vorn nicht reicht. Ich liebe meinen Job, aber ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten.
Also habe ich a) einen Nebenjob gesucht..yay. Dabei habe ich so lange für weniger Arbeitszeit gekämpft. Doch ohne Geld ist die Zeit erdrückend geworden.
Und b) reiche ich dem Teufel die Hand und bewerbe mich beim Staat als Lehrer. Obwohl sich mir beim Gedanken daran echt der Magen umdreht. Das Trauma des Referendariats steckt noch tief in mir. Andererseits bin ich inzwischen ein gestandener Lehrer, der weit mehr als 24h unterrichtet.
Kann es da so schlimm werden?

Wir werden sehen.

Heute geht es erstmal zum Coach, über ein paar Wehwehchen klagen, grundlegend das Essensprinzip überdenken und ein paar Übungen rocken.

Und danach kommt der Mann, der alles mitbringt, wonach es mich dürstet. Ob er meinen Durst stillen kann? =)

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Du musst weitermachen. Gib nicht auf.

April, April, da mach ich was ich will, dachte ich in den vergangenen zwei Wochen.

Mein 37. Geburtstag, das große Zittern, ob ich ab April überhaupt noch einen Job hätte, die bevorstehende Verabschiedung meiner Leutchen und das Bangen, wie wohl am Tag darauf die neuen Leutchen so sind.  Dann bearbeitete alle Fotos von 2012…dem Überjahr überhaupt, in welchem ich großartig aussah, mich großartig fühlte und scheinbar von Party zu Party schwang wie Jane an ihren Lianen und stellte fest, dass ich seit über einem Jahr lebe, wie ein Mönch. Dazu kam der Geburtstag einer Kollegin, die sich für meinen Geburtstag enorm ins Zeug gelegt hatte…große Erwartungen!

Wenn ich das Monster unterm Bett beschreiben müsste, wäre es ein süßer Hund mit riesen Augen in denen nicht als große Erwartungen stehen, die kein Mensch erfüllen kann.

Ein Kurzschluss in meinen Nervenbahnen stand also mal wieder bevor und so kam es dann auch.  Als ich spontan mit meinem Freund in der Stadt shoppen wollte, fehlte nur ein Broiler („einma halbe Hahn“ für die Wessis ;D) zum Glück. Doch es war kein genießbarer aufzutreiben und so nahm das Armageddon seinen Lauf…AllUCanEat-Chinabuffet, Schokoriegel, Ben&Jerrys, Müslimassaker und Bier zum Runterkommen. Freitag war Feiertag, Slaine hatte einen Kater und für mich hing innerlich das Bild schief…also ~2000kcal nach Ernährungsplan so lang gestreckt, wie es ging, dann aber doch im Browser verklickt und aus Versehen Pizza, Panna Cotta und Tiramisu bestellt und weil die ja 20 Minuten braucht, bis sie da ist, nochmal fix Müsli mit Studentenfutter und Extratrockenobst eingesaugt.

Und dann mal beim Coach gemeldet, ob wir den Termin vorziehen können…

Es war wie ein Zeitsprung in frühere Zeiten. Ich merkte, wo es schieflief, wusste, was ich zu tun hatte, aber ich konnte mir nicht helfen. Es war, als wäre ein Schalter umgelegt. Trotz aller Pläne und Vorbereitung konnte ich keine Sicherheit und damit keine Ruhe finden und diese Unruhe tobt still in mir. Geht dann auch nur ein geplantes Detail in meinem wackeligen Hirnlabyrinth schief, kennt meine Psyche nur einen Lösungsweg: unstillbare Gier, die alle anderen Ängste, Sorgen und Gedanken auf einen Urinstinkt zusammenschrumpft, der pochend große Mengen Fastfood fordert.

Eating Gluttony

Quelle: https://tamyourue.deviantart.com/art/Eating-Gluttony-196561878

Also traf ich meinen Coach, erzählte alles und wollte gerade verkünden, dass ich erstmal weiter zählen werde, aber ohne Kaloriendefizit. Ich wollte herausfinden, wo mein Tagesbedarf tatsächlich liegt und mir eine Pause gönnen, als mein Coach mich unterbrach, anschaute und meinte:

„Du musst weitermachen. Gib jetzt nicht auf. Solche Ausraster sind normal in der Diät, ich kenne das auch. Gerade in den letzten Wochen.“

Die letzten Wochen…ich spürte ein inneres Beben bei den Worten…die letzten Wochen. Das glaubte ich nun seit einem halben Jahr. Wie viele letzte Wochen sind es denn noch?!?

„Du hast doch den Gutschein für das Fotoshooting (Spoiler: Weihnachten 2015!!!! hatte Slaine mir einen Gutschein für ein Paarshooting geschenkt). Mach einen Termin aus! Das ist dann DEIN Wettkampftag. Bis dahin musst du die Form deines Lebens erreichen.“

Das saß. Wir sind dann noch meine Kleinzielliste durchgegangen…was davon ist „abrechenbar“, was lässt sich schwer erkennen? Und er gab mir noch ein paar neue Ziele: functional Exercises. Das war eine gute Idee, schließlich offenbaren diese Übungen regelmäßig meine Defizite und sind ein guter Anreiz. Als erstes steht auf dem Programm: Handstand aus den Slings heraus. Als das Treffen vorbei war, stellte ich verwundert fest, dass vom inneren Widerstand und dem Gefühl vom Chaos nichts mehr übrig war. Alles war wieder zurück an seinem Platz, ich konnte wieder den alten Plan aufnehmen.

Auf, in die letzten Wochen!

 

 

Dann kam auf Arbeit der Tag des Abschieds und gleichzeitig die Geburtstagsfeier meiner Kollegin. Schon morgens waren meine Leutchen schlecht drauf, quengelig wie Kleinkinder. Sind wir bald fertig? Ich bin müde. Ich hab keine Lust. Muss ich mitmachen?!? Ich schaltete auf „Verbalpeitsche“, trieb alle an, verteilte Aufgaben wie Stockschläge und langsam kamen alle in Gang. Wir hatten ein Brunch geplant und das wurde richtig gut.

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Beim Essen wurde die Stimmung locker, wir haben herzlich gelacht und Späße gemacht. Nur einer musste unaufhörlich betonen, dass er nichts essen könne, weil es ihm ja noch so schlecht ginge. Dann ging es an die Überreichung der Abschlussgeschenke und plötzlich steht eine mit einem Geschenk in der Hand vor mir. Das hätte ich wirklich am wenigsten erwartet. In den letzten Wochen haben meine Leutchen Spitznamen verteilt. Ich bekam den Spitznamen „Hexe“. Erst „Kleine Hexe“, was ja noch niedlich ist, dann aber „Böse Hexe“, was für mich ein ziemlicher Schock war. Erklären kann ich es mir nur so, dass es diesen Leuten eben sehr schwer fällt, sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Widerstrebende Gefühle münden in schlechter Laune und daran muss jemand Schuld sein. Die Stimmung war in den ganzen letzten Wochen sehr wechselhaft. Auch ich hatte damit zu kämpfen und stellte mich auf „abgebrühter Profi“ein. Und nun plötzlich das…Tränen bei manchem, ein ganz liebes, herzliches Geschenk und eine ganz persönliche, selbstgeschriebene Karte. Ich war wie vom Donner gerührt. Als würde man einen Kühlschrank zur Mirowelle umfunktionieren wollen.

Manche blieben bis zum Schluss bei mir, waren lieb und herzlich und zeigten, was sie Gutes mit mir verbanden. Andere blieben sitzen, halfen nicht beim Aufräumen und verschwanden früher, ohne sich richtig verabschiedet zu haben. Das spiegelt auch irgendwie das letzte Jahr wieder. Es war ein stetes Ringen und Kämpfen, unterbrochen von Herzlichkeit und Lachen. Aber es war ein echt zähes Jahr. Ich war am Ende selbst total platt. Und morgen sollten die Neuen eintreffen. Ich wusste bis dienstag Nachmittag nicht, wie viele es werden würden!

 

 

Der Mittwoch kam. Die ersten trafen kurz nach 7 ein, die letzten anderthalb Stunden später. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr.

Erste Runde: Kennlernspiel. Jeder erzählt etwas über sich und bindet eine Lüge ein. Ich fing an. Dann sollte der Erste lügen. Tat es aber nicht. „Ich lüge nie!“ Aha…wenn das keine Lüge ist. So ging es weiter. Nur Einer stockte nach den ersten flüssigen Sätzen und hängte dann einen gepressten Satz hintendran. Eine Neue kommentiere jeden Ausspruch, eine Zweite mischte sich ein. Es wurde unruhig. Es wurde nervig. Leider müssen am ersten Tag sämtliche Unterlagen durchgegangen, erklärt und unterzeichnet werden. Ein nerviges Prozedere. Am Ende des Tages schwirrten allen die Köpfe, alle waren genervt, ich spürte den altbekannten Widerstand und sah mich ein weiteres Jahr kämpfen.

Uff!

Ich erwachte mit sicheren Erkältungsanzeichen. Mit Bauchschmerzen begrüßte ich meine neuen Lerner…2 fehlten. Wenn die abbrechen, wäre ich arbeitslos. Ich startete mit der Vorstellung des Kursplans und der Frage: „Wie funktioniert eigentlich Schreiben?“

Und damit änderte sich alles. Die Schwatztante war neugierig und erstaunt, alle waren aufmerksam. Am Ende des Tages keimte leichte Hoffnung in mir, dass dieses Jahr doch ganz anders laufen würde. Der Tag danach verlief auch klasse. Kein Widerstand, nur Neugierde. Am Ende des Tages wandte sich einer, der am ersten Tag sichtlich mit seiner Aggression zu kämpfen hatte, in der Tür noch einmal um: „Das hier ist anders als in den anderen Schulen. Intensiver.“ Da wusste ich: Ich habe sie!

Und ich begriff: Der vorhergehende Kurs war nie meiner geworden. Diese Leute binden sich sehr eng an ihre Bezugspersonen. Ist diese Bindung vollzogen, kann nichts mehr getauscht werden. Ich war immer nur „die unliebsame Vertretung dieser einen tollen Frau auf dem Podest“.  Der neue Kurs wird durch mich geprägt. Es wird dennoch nervige Tage voller mieser Laune und brenzlicher Situationen geben, aber ich kann ruhiger sein, weil ich nicht das Gefühl haben muss, gegen meine eigenen Leutchen zu kämpfen, sondern ihr Vertrauen zu genießen.

2018 wird nicht leicht, aber es wird mein Jahr!

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Fühlt sich an wie Bodybuilding

In den letzten Wochen mangelte es mir an Disziplin, vor allem, was die Diät betrifft. Nachdem ich im Januar ordentlich Gas gegeben aber kein Gewicht verloren hatte, fehlten mir einfach abrechenbare Kleinziele, die mich auf Kurs hielten. Ich war frustriert und genervt und griff öfter mal auf mehr Kalorien zurück.

Die zusätzlichen Kalorien und allgemein ordentlich schlechte Laune brachten ernorme Energieschübe mit sich.

Wo wird man die besser los als in brachialen Trainingseinheiten?

Und das habe ich gemacht. Mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Tempo.
Was ist mir da aufgefallen? Mein Normalzustand fühlt sich an, als würde ich schon morgens mit rot blinkendem Akku aufstehen. Auf Arbeit bin ich von Natur aus etwas überdreht und voller Adrenalin. Aber zum Feierabend wird innerlich ein Schalter umgelegt und ich schleppe mich nur noch.

Die letzten Wochen haben mich daran erinnert, dass es auch andere Zustände gibt. Und ich merke, dass ich mich im Moment nach Power, Kraft und Biss sehne. Nächste Woche endet mein jetziger Kurs auf Arbeit und in der Woche darauf beginnt ein neuer Kurs mit neuen Teilnehmern. Gestern durfte ich den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben und auch meine Sozialpädagogin bleibt vorerst. Bis diese Woche war das alles nicht klar. Ich musste mich arbeitsuchend melden, mich bei neuen Jobs bewerben, zittern und bibbern. Nervenaufreibend. Ich weiß noch immer nicht, welche Teilnehmer in meinem Kurs sitzen werden. Oder wie viele genau. Alles ist unsicher und kurzfristig. Ein Horror für jemanden mit meinem Sicherheitsbedürfnis. Es ist also noch nicht ausgestanden und ich brauche nun Power für die Nerven.

Heute habe ich früh relativ viel gegessen und auch ordentlich Kohlenhydrate. Dann ging es zum Beintraining. Mit meinem Coach habe ich besprochen, dass ich bei Kniebeugen mit jedem Satz das Gewicht steigere. Gesagt, getan. Das Herz pumpte, ich hatte dicke Adern an Händen und Unterarmen und wollte nur eins: die Energie freisetzen. Sonst quälte ich mich mit 40kg Kniebeugen. Heute machte ich wesentlich mehr Wiederholungen als sonst und gelangte zum Schluss zu 60kg.
Eine Premiere für mich.
Danach behielt ich das Steigerungs-Prinzip bei und schritt mit steigendem Gewicht in Ausfallschritten durchs Studio, bis die Beine sich wie brennender Gummi anfühlten.

Der Coach meinte, ich solle wieder zurück zum Sprint mit 1600 kcal an Nichttrainingstagen und lediglich die Kohlenhydrate nach vorn ziehen, abends dafür Lowcarb. Doch ich spüre wieder mein typisch inneres Stachelschwein, dass sich massiv dagegen auflehnt. Stattdessen baue ich endlich etwas Obst ins Frühstück ein (das war ursprünglich angedacht, ist dann aber durch die geringen Gesamtkohlenhydrate immer wieder rausgeflogen), als Zwischenmahlzeit nach Arbeit plane ich etwas Müsli ein…(Ja, ich bin nun in einem Alter, in dem man sich über regelmäßigen Stuhlgang freut.)
Der Rest (Mittag, Abendbrot, Trainingsversorung) wird Lowcarb. Makroverteilung bleibt wie gehabt: 110g KH, 180g F, 60g F = 1730 kcal + Trainingsversorgung.
Ich hoffe, damit mehr Energie über den Tag zu haben. Mich nicht mehr wie eine ausgedrückte Leberwurst zu fühlen und damit mehr Energie durch Training etc. umzusetzen. Oder anders gesagt: einfach ballern!

Gerade gefällt mir mein neuer Körper sehr gut. Ich habe wenig Wasser eingelagert, der Bauch hat nur noch eine dünne Wabbelschicht, Beine und Po sind straff, mein Trizeps hat übel gut auf die Übungen angesprochen und ist gut sichtbar, die Teilung zwischen Schulter und Bizeps ist tief wie noch nie. Kurzum: Langsam sieht auch ein Blinder, dass ich harten Sport betreibe.

Größte Baustelle im Moment: der Rücken. Hier habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten und immer von Null anfangen zu müssen. Aber das war bei Brust, Schultern, Kniebeugen und Bauch genauso. Ich weiß, alles was ich jetzt investiere wird sich bald auszahlen. Geduld haben, durchbeißen und dann wird das richtig cool.

Was mich derzeit außerdem antreibt, ist Slaine. Nachdem er einige Zeit in einem persönlichen Tief steckte, ist er nun wieder ganz mein Partner. Er nimmt ab, seine Muskulatur schält sich überall aus der Fettdecke, er gibt mir gute Trainingstipps, treibt mich an, nimmt Rücksicht auf mich und versucht mich auch sonst zu unterstützen. Fürs Beintraining kommt er langsam auf den Geschmack der Trainingsleggins. Und was soll ich sagen, die neu sichtbaren Ecken und Kanten gefallen mir verdammt gut!

Abrechenbare Kleinziele müssen her, wenn die Waage nicht mehr allein über Sieg- oder Niederlage-Gefühle bestimmen soll. Was soll sich noch verändern, habe ich mich gefragt und folgende Antworten gefunden:

  • cm verlieren (Rücken, Taille, Hüfte/Po, Oberschenkel)
  • Wachstum (Rücken, Definition rechte Körperseite verbessern, „Tropfen“ im Quadrizeps, Schultern, Bizeps, gerade Bauchmuskeln, Brust Masse +innere Kante)
  • Trainingsziele:
    • Kniebeuge:80 kg,
    • Ausfallschritte: 4 x 20 kg
    • Beinstrecker: ganzen Block bewegen
    • Klimmzüge: Anzahl erhöhen, frei im Obergriff schaffen
    • Schrägbankdrücken mit 25 kg Kurzhanteln als Arbeitsgewicht
    • Frontdrücken mit 20 kg Kurzhanteln
    • Balance und Körpergefühl verbessern (z.B. bei Bauchübungen)
  • Ernährung / Wohlbefinden:
    • alles eintragen
    • Energielevel optimieren
    • regelmäßig
    • weniger Salatmassaker (vergrößern nur den Magen, verringern den Appetit nicht)
    • Nerven/Konzentrationslevel managen, Pausen machen, gechillt bleiben
    • Makroverteilung besser managen (Trennung von KH und F)
    • Ausrasttage minimieren (1- max 2/Monat)

Um den Schwung richtig zu nutzen, habe ich den nächsten Termin mit meinem Coach auf in 2 Wochen gelegt. Mal sehen, wie es bis dahin läuft.

Keep on pumping, ihr da draußen. 😉

Edit: Falls sich jemand fragt, welcher Einschnitt zwischen Schulter und Bizeps denn in letzter Zeit tiefer geworden sein soll…der hier:

Leider sieht es so nur im anabolen Studiolicht nach einem heftigen Brust-Schultertraining aus. Aber ich arbeite daran. 😉

2018? Läuft weg!

Es ist schon Februar?! Wo ist denn der Januar hin?

Seit einem Monat bin ich auf dem „Hardcore-Sprint“ mit 1600-1700kcal/d. Das mag anderen viel erscheinen, für mich fühlt es sich an, wie verhungern. Als ich das ein erstes Mal machte, purzelten nach zwei Wochen buchstäblich die Pfunde. Darauf hatte ich mich gefreut, wollte ich doch so schnell wie möglich wieder neue Maßstäbe setzen. Ich war erhohlt, motiviert und zu allem bereit. Nun, 4 Wochen später knirsche ich mal wieder ganz schön mit den Zähnen. Ich wiege noch immer über 70kg. Manchmal meine ich, schon ein Kichern zu hören, wenn ich morgens enttäuscht das Bad verlasse. Dieses Mistvieh von Waage!

Davon abgesehen läuft es gut. Der Stoffwechsel pumpt, was ich daran merke, dass ich mich fit fühle, gute Leistungen im Sport bringe, mir meistens warm ist und ich auch nicht übermäßig müde bin. Beim Training fokussiere ich nun den Rücken. Runter mit den Gewichten, das innere Auge ganz aufs Muskelgefühl gerichtet, versuche ich die Anweisungen der Physiotherapeutin umzusetzen. Nicht nur im Rückentraining, täglich. Wenn ich in der Bahn steh, Einkäufe trage, bei den Ausfallschritten am Beintag, beim Trizepsdrücken, bei Übungen für die Hintere Schulter…kurz: wann immer eine Bewegung oder Stabilität im Schulterblatt nötig sind. Das ist anstrengend und im Moment auch eine Überlastung. Der Latissimus verknotet sich ständig. Und je verknoteter der ist, desto weniger kann ich die arbeitende Muskulatur erspüren. Dehnen und blackrollen sind an der Tagesordnung. Aber ich spüre auch erste Veränderungen. Auf der Blackroll passierte lange gar nichts, außer ein paar schmerzhafte Knoten zu zerdrücken. Inzwischen knacken die Wirbel wieder ordentlich. Ich rede mir ein, dass das ein gutes Zeichen ist, weil die Physiotherapeutin immer stöhnte „Mein Gott, hier ist alles fest!“ Das heißt doch dann, dass sie nun lockerer sind? ;D

Im Treffen mit dem Coach musste ich gestehen, dass meine Armkraft spürbar abgenommen hat und das Training nunmehr limitiert. Dass ich die Arme seit langer Zeit höchsten mit zwei lieblosen Sätzen pro Woche flexe kann damit natürlich nichts zu tun haben. ^^ Also hat Coach Marcel mir schöne Übungen gezeigt. Da ich in den Stunden mit ihm immer die Brille auflasse, bekam ich spektakuläre Anblicke beim Curlen geboten. In der richtigen Position und dem anabolen Studiolicht sah mein Bizeps riesig und schön von den Schultern abgesetzt aus. Göttlich! Ohne Brille hat es leider nicht so den Effekt. Aber die Motivation ist zum Glück geblieben.

Auch wenn es die Waage nicht zugeben will, ich habe das Gefühl, es geht voran. Die Muskulatur schält sich überall stärker heraus und der Schwabbel wird weniger. Und die Klamotten! Meine Güte…in Modegeschäften fühlt es sich an, wie im Märchen…das Aschenbrödel, das sonst nur sehnsüchtig von den hässlichen Fetzen in Größe 46 zu den hübschen Stücken in Größe 36 schielte, darf nun endlich selbst Größe 36 tragen! Für mich ist das wirklich eine andere Welt…es ist schlicht der Unterschied zwischen grauen Fetzen und farbigen sexy Outfits.

Und doch nehme ich am Ende nur wenige Stücke mit! Immer öfter denke ich: Das kann ich selber besser! Und ich schaue nach cleveren Ideen und pfiffigen Rückenvarianten. Letztens habe ich mir zwei neue Bustiers selber genäht. Und die sitzen..tja, eben maßgeschneidert. Auch wenn sie nicht perfekt sind…es fühlt sich eben anders an, wenn man selbst etwas erschafft. Es fühlt sich einfach cooler an. ^^

Viele müssen ja ihren ganzen Kleiderschrank austauschen, wenn sie abnehmen. Ich nicht. Bevor ich etwas wegwerfe, setze ich mich tollkühn und unerschrocken an die Nähmaschine, mache planlos ein paar Abnäher und entweder es passt danach, oder es landet im Müll. Meistens passt es. So wie zum Beispiel meine Lieblings-Beintrainingshose. Beim ersten Mal habe ich einfach einen Abnäher vom Sattel aus gemacht. Das war ganz gut und die Hose passte wieder. Letztens reichte der aber nicht mehr, sie fing wieder an zu rutschen und flatterte schon fast um die Beine. Also den alten Abnäher aufgetrennt und flugs links und rechts einen neuen genäht. Jetzt sitzt sie wie angegossen und von außen sieht man die Abhäher nicht.

Genauso machte ich es mit einem Trainingsshirt, welches ich laaange nicht getragen hatte. Zum einen, weil es zu weit war, zum anderen, weil es viel zu tief ausgeschnitten war. Bei mangelnder Oberweite ist das semisexy. Also ZACK! Träger 2cm kürzer und an den Seiten ordentlich abgenäht. Jetzt sitzt es hauteng und sowas von knackig! Suuper!

Das hier habe ich schon vor einiger Zeit genäht. Bisher mein Meisterstück. Das erste, was ich getragen habe, ohne dass gleich jeder fragt: „Selbstgenäht?“
Also Rock und Jäckchen. Die Bluse lag 10 Jahre ungetragen im Schrank und hat noch nie so gut gepasst. XD

Diese Woche stand auf Arbeit etwas ganz gruseliges an: Akquise! Im April soll der neue Kurs starten und keiner weiß davon. Also habe ich auch keine Teilnehmer und ohne Teilnehmer bin ich ab April arbeitslos. Wuäh!
Also das Internet durchwühlt, die Ohren heiß telefoniert und Infoveranstaltungen abgehalten. Das liegt mir persönlich wirklich nicht. Aber ich bin trotzdem gut darin.

Einer im Jobcenter war immer dabei, der meint: Sowas haben wir hier nicht! Und dann beginne ich zu erklären: Analphabeten kennen Buchstaben und wissen wie rum man den Stift hält. Sie sind jahrelang zur Schule gegangen und haben dort schon immer mehr gemacht, als alle anderen. Die Hälfte meiner Lerner kann besser lesen als die meisten Hauptschüler, die ich vorher unterrichtet habe. Manche haben auch große Probleme mit dem Lesen, aber alle gemeinsam scheitern sie am Schreiben. Das liegt daran, dass oft die Laut-Buchstaben-Zuordnung, vor allem aber die Rechtschreibregeln nicht automatisiert sind.

Ich erkläre das dann immer am Beispiel meiner Links-Rechts-Schwäche. In der Fahrschule sagte der Fahrlehrer oft: „Vorn links abbiegen.“ Ich setzte den Blinker und bog ab, worauf der Fahrlehrer meinte: „Gut. Und an der nächsten Kreuzung probieren wir dann mal das andere Links.“
Ich kenne den Unterschied zwischen links und rechts. Bedeutung und Begriffe sind mir klar! Doch im konkreten Anwendungsfall muss ich kurz darüber nachdenken, denn automatisch funktioniert es nicht. Es ist nicht automatisiert…nicht fest abgespeichert.
Genau so ergeht es meinen Lernern mit Buchstaben. Nur gibt es da wesentlich mehr zu entscheiden.
Es gibt zum Beispiel das lange [e:]

  • als „eh“ wie in Lehrer
  • als ee wie in Schnee
  • als e wie in „Weg“
  • als äh wie in Zähne
  • als ä wie in Väter

Es gibt das v, was manchmal wie „f“ und manchmal wie „w“ genutzt wird.

So wird beispielsweise in dem Satz „Dort ist der Weg.“ allein das Wort Weg zum Chaos:

  • v oder w?
  • e, eh, äh, ä, oder ee?
  • g, gg, k, ck, kk?

Was uns leicht erscheint, weil es schlicht automatisch richtig gespeichert ist, wird für meine Teilnehmer zu eine unübersichtlichen Zahl an Kombinationsmöglichkeiten. Und weil es nicht als richtig geschriebenes Wort abgespeichert ist, kommen noch weitere Möglichkeiten durch schlechte, undeutliche oder dialektale Aussprache hinzu. Der Sachse sagt ja eher: „Dorde is där Wehsch!“

Drückt mir die Daumen, dass noch ein paar von Ihnen zu meinem Kurs finden, damit ich ihnen einen Weg aus dem Chaos leuchten kann. 😉

20. Woche: Uff!

20 Wochen Diät, knappe 10kg weniger. Das ist doch schon was. Gestern hatte ich wieder einen Termin beim Coach. Der schaut sich die Gewichtskurve, die Kalorienmengen samt Makroverteilung an und sagt nur: Läuft. Man sieht es auch.

Ich kann mich selber wieder cool finden und bin total gespannt, wie ich aussehen werde.

Der Job schlaucht mich derzeit heftig. Die Illussion, gut vorbereitet zu sein, habe ich diese Woche verwerfen müssen. Was die Arbeit mit Analphabeten schwierig macht, ist ihre Unberechenbarkeit. Ständig brechen eruptionsartig Konflikte los. Und jeden Tag musste ich mehrmals hören „Wenn dies oder jenes nochmal passiert/eintritt/sich nicht ändert, dann komm ich nicht mehr.“. Gründe dafür gibt es viele. Die Aufgaben zu schwer, zu leicht, zu langweilig, zu kindisch, zu verspielt, zu kompliziert erklärt, unliebsam oder man erkennt schlicht den Sinn dahinter nicht und stellt deswegen alles in Frage. Andere Teilnehmer sind zu laut, zu hektisch, zu unterschiedlich im Niveau, zu vorlaut. An manchen Tagen fühlt es sich an wie ein Eiertanz mit einem Kettenpanzer…man kann einfach nichts recht machen. Da hilft nur eine geradlinige Ansage. So habe ich mir den oben zitierten Satz inzwischen verbeten. Es darf gerne kritisiert werden, ich nehme auch Lob und Anregungen gerne auf, aber ich will nie wieder damit erpresst werden, dass jemand nicht mehr kommt, wenn ich nicht sofort springe.

Ein gutes Beispiel ist folgend Situation: Als Einstiegsritual habe ich einen „Wetterbericht“ gewählt. An die Tafel werden vier Bilder gehangen: Sonne, Sonne mit Wolke, Wolke, Wolke mit Blitz. Die Aufgabe lautet: Überlege, wie du dich fühlst, schnapp dir einen Magneten, platzier ihn entsprechend und sage mindestens einen Satz darüber, wie es dir geht. Das kann auch ein einfaches „Mir geht es heute gut.“ sein, gerne jedoch mehr. Rituale erleichtern die Arbeit ungemein, da sie den Tag strukturieren, Verlässlichkeit bieten und wenn sie erst einmal akzeptiert sind, von der Gruppe getragen werden. Rituale mit konkreten Gegenständen erleichtern das Reden. Und ich wollte mindestens einmal am Tag hören, wie es den Leuten so geht.
Gegen das Ritual gab es von Anfang an Widerstand, der nicht weniger werden wollte. Jeden Morgen schauten erst alle stur auf den Tisch, bis der erste anfing. Jeden Morgen grummelte es „Schon wieder?“ oder „Heute mach ich nicht mit!“ Diese Woche zitierte ich mir zwei zum Klärungsgespräch. Und auch da war diese Übung wieder Thema. Also gab ich nach: „Wir machen eine Abstimmung, wenn die Mehrheit dagegen ist, lassen wir das.“
Und siehe da, die Mehrheit war dagegen. Ich traute meinen Augen nicht.
„Das bedeutet aber auch, dass der Moment wegfällt, in dem ihr euch selbst mal fragen könnt, wie es euch eigentlich geht und in dem ihr von den anderen erfahrt, wie es ihnen gerade geht.“
„Wieso?“ kam da die erstaunte Frage, „Das haben wir doch immer gemacht! Im alten Kurs schon.“
Ich so: O___o
Letztendlich fand ich heraus, dass sie sich nicht an dem offenem Gespräch stören, sondern schlicht an den Bildern, dem Gang zur Tafel und den Magneten.

Und soetwas passiert ständig. Hintergrund ist eigentlich immer eine Angst, die dabei hervorschimmert. Bei dem „Wetterbericht“ ist es wohl die Angst, wie ein Kind behandelt zu werden (Bilder sind für Kinder).

Eine andere Situation: Schon beim Vorstellungsgespräch wurde erzählt, dass für jeden Teilnehmer Lük-Kästen da sind, mit denen die Teilnehmer selbständig lernen. Auch von meiner Kollegin wurde das erwähnt. „Deine Vorgängerin hat freitags immer gesagt: Freitag nach eins macht jeder seins. Da können sie mit den Lük-Kästen üben oder Aufgaben im Buch lösen oder lesen.“
Ich ging davon aus, dass das so läuft, dass die Teilnehmer sich ihre Lük-Kästen holen, in den Heften nach Aufgaben suchen und die in Ruhe lösen, jeder nach seinem eigenen Tempo. Also gebe ich am Ende eines anstrengenden Lerntages eine Lük-Aufgabe zur Konzentration aus. Das Bild einer bunten Papageienzeichnung wurde zerschnitten und man soll es richtig zusammen setzen. Eruptionsartige Empörung schlägt mir entgegen. Shit, denke ich, ist das für die Kinderkram? Habe ich sie unwillentlich damit bloßgestellt?
Denkste. Die sind mit Lük-Kästen nicht fit! Die wissen zum großen Teil nicht, wie man die Aufgabe deutet und löst. Und Überforderung schlägt sofort in Wut um, sodass man mich nicht erklären lässt. Es kocht reihmum hoch, einer nach dem anderen verlässt den Raum, das totale Chaos. Zwischendrin zwei, die es mit Leichtigkeit lösen und nun ihrerseits rummöpen: „Wieso kannst du das denn nicht alleine? Ist doch total einfach!“ Wie ein sturmgepeitschter Ozean und ich im Paddelboot mittendrin. Dabei sollte die Übung entspannen, zum Abschluss nochmal etwas Ruhiges sein, wo jeder für sich in Ruhe überlegt, ohne sich zu sehr anzustrengen (offiziell für die Vorschule gedacht).

Sämtlichen vorgearbeiteten Pläne sind längst begraben. Ich plane von einem Tag auf den anderen, überlege jede Übung ganz genau. Und merke immer mehr: Gegen die Angst hilft nur eine starke Hand. Ruhig auch mal sauer sein und klipp und klar sagen: „Erst zuhören, dann ausprobieren und wenn es dann noch immer fruchtbar ist, DANN dürft ihr meckern und euch weigern. Aber nicht, wenn ihr es nicht verstanden oder versucht habt!“

Statt 35h Woche mach ich jeden Tag auf Arbeit Überstunden, um die gröbsten Handgriffe (kopieren, schneiden, ordnen, korrigieren) zu schaffen und setze mich Zuhause hin, um zu planen, Material zu erstellen und zu grübeln.
Das erste Jahr ist als Lehrer so, sagt man……………man sollte wirklich nicht aller zwei Jahre ein neues Klientel wählen. *seufz*

Ich hoffe, ich kann das länger machen, denn trotz des Stresses spüre ich: Das ist mein Ding! Individuell fördern, grübeln, wie man jemanden über eine Hürde hilft, zu Schritten ermutigen, die als unerreichbar galten. Und wenn nicht gerade die Lava in Strömen fließt, mag ich meine Leute. Ich verstehe ihre Ängste, kenne sie selbst! Ich kann das Theater nachvollziehen und deswegen immer wieder einen Schlussstrich ziehen und mich ihnen zuwenden.

Als wir von Berlin zurück kamen, erstellte ich Arbeitsblätter, die über die Exkursion berichten sollten. Ein schwereres mit weniger Vorgaben und ein leichteres, bei dem man vorgegebene Sätze zusammensetzen musste. Zu jeder Station sollten die Teilnehmer ihre Meinung ausdrücken. Dabei war alltäglicher Wortschatz vorgegeben (gut, schön, nicht toll), aber auch eine Auswahl an elaboriertem Wortschatz (informativ, interessant, angenehm).
(Hintergrund: die Teilnehmer fühlten sich von einer Frau bloßgestellt, die auf der Fahrt dabei war und abfällige Bemerkungen machte, weil die Teilnehmer nicht gut lesen und schreiben können).

Im Ministerium ist sogar das Wasser politisch.


Nach dem ersten Proteststurm (mit dem ich schon gerechnet hatte) bat ich die Teilnehmer, sich folgende Situation vorzustellen:
„Ihr kommt von einer der Führungen und unterhaltet euch, während die Frau in der Nähe zuhört und sagt soetwas wie: Ich fand die Führung gerade sehr informativ. Und der nächste sagt: Ja, ich fand sie auch recht angenehm. Was denkt ihr, würde die Frau noch genauso auf euch herabsehen?“ Zwei meinten: „Ja.“ aber die meisten spürten, dass eine Kraft in den Worten steckt, die Menschen zu anderen Beurteilungen führt. Das nenne ich Angeberwortschatz. Und der ist wichtig, denn der hilft, damit man sich nicht mehr verstecken muss, sondern anderen Menschen damit über den Mund fährt.

Und was soll ich sagen, die meisten haben das Wort informativ für ihren Bericht gewählt. Und sie können es richtig schreiben. Es ist ein gutes Wort und sie wollen mehr davon! Die sind neugierig auf mächtige, schwere Wörter geworden.

Kein Wunder, dass die Diät dabei von alleine läuft. Ich habe schlicht keine Zeit für etwas anderes. Nur das Training muss wieder mehr Raum bekommen.

Und ich brauche echte Entspannung. Das Solarium habe ich für mich wiederentdeckt. Einmal pro Woche zwanzig Minuten erzwungener Ruhe unter rauschendem Fönwind. Klappt besser als Meditation, die immer von Arbeitsgedanken gestört wird. Auch die Badewanne ist mehrmals pro Woche angesagt. Mit einem Buch im Schaum verschwinden. Das hilft.

Warum lesen unsere Kinder in der Schule keine Weltliteratur?

Ich war diese Woche mit meinen Teilnehmern in Berlin. Gesponsort wurde das Ganze von der Bundesregierung, organisiert von der SPD und so gab es neben leckerem Essen und einer Übernachtung im Hotel auch jede Menge politische und geschichtliche Führungen durch Gedenkstätten, Museen und den Deutschen Bundestag. In eben jenem hatten wir auch Zeit für eine Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Kolbe von der SPD. Am Ende dieser Diskussion trat eine Frau ans Mikrofon und klagte über ein Anliegen, das ihr schwer zu schaffen machte:

Ich habe den Eindruck, dass die Kinder hier in Deutschland gar keine Weltliteratur mehr lesen. Warum lesen die Kinder in der Schule nicht mehr Tolstoi, Homer, Remarque und Thomas Mann?

Die Frau empfand das als beängstigenden Mangel. Sie selbst sei Ukrainerin und hätte jedes Jahr vor den Sommerferien eine lange Liste an Literatur bekommen, die über die Ferien zu lesen sei. Ihre Tochter würde nicht ein Buch davon lesen müssen und kenne sich darum auch gar nicht mit der Weltliteratur aus.

Die Abgeordnete gab offen zu, dass sie auf diesem Gebiet kein Fachmann und schlicht überfragt sei. Das war natürlich das Stichwort für meinen Auftritt. 😀

Ich habe den Eindruck, dass die Kinder hier in Deutschland gar keine Weltliteratur mehr lesen.

Das stimmt zunächst so nicht. Zunächst ist Bildung Ländersache und so legt jedes Bundesland für das eigene Gebiet fest, was gelesen werden muss (Pflichtlektüre). In Sachsen sind Goethes Faust und der Vorleser an Realschulen Pflicht. Dazu kommt eine aktualisierte Version von Schillers Nathan der Weise (Nathan und seine Kinder) und Romeo und Julia von Shakespeare. Dazu jede Menge Gedichte, Parabeln, Fabeln und Balladen. Es gibt sie also nocht, die sogenannte Weltliteratur im Unterrichtskanon. In Gymnasien ist der Anteil an sogenannter Weltliteratur noch höher.

Warum lesen die Kinder in der Schule nicht mehr Tolstoi, Homer, Remarque und Thomas Mann?

Man hat das Leseverhalten quer durch die Gesellschaft erforscht und dabei festgestellt, dass ein Großteil der Bevölkerung kaum oder gar nicht liest. Gründe dafür waren unter anderem genau jener feste Kanon an wichtigen Büchern, der in der Schule durchgeprügelt und abgeprüft worden ist. Oder das Gefühl, dass die Bücher sicherlich irgendwie wichtig seien, aber mit dem eigenen Leben nichts zu tun haben, bei den persönlichen Problemen nichts nützen und überhaupt außer dem Satz „Klar, kenn ich das!“ im Leben nicht weiterbringen. Außerdem fand man dabei heraus, dass vielen Menschen…weit mehr, als man sich ausmalen kann, das Lesen an sich schwer fällt. Die Ergebnisse waren geradezu erschütternd. Im Land der Dichter und Denker wurde immer weniger gelesen. Ein Umdenken fand statt.
Statt die alten Größen durchzuprügeln, um sie als allgemeines Kulturgut zu erhalten, traten andere Ziele in den Vordergrund: Verbesserung der Lesefähigkeit und des Leseverstehens (Ich kann ja viele Bücher lesen ohne sie dabei verstehen zu müssen.) Kreative Gestaltungsprozesse im Leseverstehensprozess und am allerwichtigsten: Erhaltung der Lesemotivation.

Denn die Frage nach der Weltliteratur verstellt den Blick auf etwas ganz Wesentliches: Zur Weltliteratur wird nur, was einer Generation einmal viel bedeutet und einen gesellschaftlichen Umdenkprozess eingeleitet hat. Das ist aber kein abgeschlossenes Kapitel. Auch heute noch gibt es Romane, die große Teile einer Generation beeinflussen und aufwecken. Nicht nur alte Bücher können Menschen ansprechen, im Gegenteil, häufig gehören sie eben in eine andere Zeit und lassen die Menschen mit heutigen Problemen allein. Oder ihre sprache und Begrifflichkeiten haben sich inzwischen so stark gewandelt, dass dies eine große Hemmschwelle für heutige (junge) Leser darstellt. Das ist schon bei Kästners Fliegendem Klassenzimmer so. Die Regeln in der Schule und in der Gesellschaft sind andere.

Auch lesen eben nicht mehr alle Menschen die gleichen Bücher. Die Spanne wird breiter, der Alleinstellungsplatz der einflussreichsten Bücher wird kleiner und so erscheint es manchem, als gäbe es keine neuen Werke der Weltliteratur. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Es gibt mehr.

Später tritt eine ältere Dame an mich heran, sie habe mich noch nicht ansprechen können, weil das Thema ihr so einen Kloß im Hals bereitet habe, sie musste sich erst einmal beruhigen. Sie sei nämlich auch Deutschlehrerin gewesen und empfände den Mangel ebenso verherend, wie die Sprecherin in der Diskussion. Ob ich denn wirklich glaube, die Lesemotivation mit modernen Büchern erhalten zu können.

Tja, dazu kann ich nur sagen, dass ca. 80% meiner BvB-Teilnehmer angaben, noch nie im Leben ein Buch gelesen zu haben und auch kein Problem damit hätten, dies weiterhin so zu lassen. Also las ich mit ihnen Jugendbücher, die ich selbst sehr mag. Nicht jeden konnte ich damit erreichen, aber der Großteil war begeistert, einige baten mich, das Buch ausleihen zu können. Später stellte ich am Ende einer Doppelstunde immer ein neues Buch vor und las eine Stelle daraus. In der erste Woche hörte ich noch „Boah, schon wieder ein Buch? Wie viele haben sie denn noch?!%&“, aber schon in der zweiten Woche freuten sich alle darauf. Sie waren überrascht von der breiten Spanne an Genres, von den unterschiedlichen Sprachniveaus und vor allem davon, wie schnell solche Bücher spanned werden können, sodass nach 10 Minuten Lesezeit der Wunsch geäußert wurde, die Stunde möge noch länger gehen oder das Buch in der nachsten Stunde weiter gelesen werden.

Also ja, ich glaube daran, dass Literatur, besonders die moderne Literatur, die Lesemotivation erhalten, aber vor allem auch entfachen kann.

Außerdem muss klar festgestellt werden: Nicht wenigen Menschen geht es so, dass sie irgendwann in ihrem Leben feststellen, dass sie schon oft von dem einen oder anderen bedeutendem Buch gehört haben und nichts drüber wissen. Dieser Gedanke wurmt manchen. Und dann kann ich nur sagen: Bücher gibt es günstig und dazu jede Menge Schriften, ob als Lektürehilfen oder im Internet, um die Inhalte besser zu verstehen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter oder in der DDR, wo Bücher verboten oder nicht zugänglich waren. Wer Interesse hat, kann mit wenig Aufwand jedes Buch lesen, das er möchte und sich Hilfen zum Verständnis an die Hand holen.

Schwieriger ist es nur geworden, sich mit anderen Leuten über ein Buch zu unterhalten.  Zunächst muss man Leute finden, die die gleichen Bücher gelesen haben und dann müssen sie auch noch darüber reden wollen. Wenn es einen Mangel im Umgang mit Literatur gibt, dann empfinde ich diesen als solchen. 😉

18. Woche: abgenommen-angenommen

Die zweite Arbeitswoche ist herum und ich lebe noch. Und mehr als das, ich kann mir langsam vorstellen, dass das richtig gut wird.

Am Montag konnte ich mit lauter kleinen Dingen aufwarten, die auf einzelne Teilnehmer zugeschnitten waren. Ein Teilnehmer verwechselte immer l und n. Also zeigte ich Folgendes:

Nun sollte er „l“ sagen und überlegen, wie die Zunge dabei im Mund liegt (Zunge unten, aber vorn macht sie einen „Knick“ an den Gaumen). Ich fuhr die Form meiner Finger nach und sagte, dass es doch ungefähr so sein muss. Hinten flach und vorn biegt sie sich nach oben. Nun drehte ich die Finger (2. Bild) und fragte, welcher Buchstabe so aussieht. Ob er damit das „L“ wirklich besser merkt, wird sich erweisen. Aber seitdem ist ihm klar, dass ich nicht der Feind, sondern auf seiner Seite bin. Solche Kleinigkeiten wirken Wunder.

Ein Teilnehmer baggert mich dauernd an und will sich immer beweisen. Den habe ich mir diese Woche ein bisschen zur Brust genommen und das wird nicht das letzte Mal sein. So verrückt das klingt, aber dadurch bekam ich den Respekt der Gruppe. Klare Grenzen sind eben immer wichtig, egal, mit welcher Klientel man es zu tun hat.

Es flossen auch ein paar dicke Tränen. Ein Teilnehmer hat sich selbst furchtbar unter Druck gesetzt. Bei diesem Bad in purer Versagensangst wollte nichts mehr klappen. Totale Lernblockade. „Ich kann gar nichts mehr, ich werde immer schlechter!“ Da hilft nur Händchenhalten und gut Zureden „Du bist nicht schlechter, du hast einfach einen schlechten Tag.“ Am nächsten Tag wurden munter Aufgaben gelöst, die vorher strikt abgelehnt worden sind. Kleine Gesten, große Wirkung.

Schon am Montag sagte ich, dass ich gern Kaffee mit der Gruppe trinken würde, weil ich sonst gar nicht zu einer Pause komme. Nun bekomme ich meinen Kaffee in meiner Tasse auf den Tisch gestellt und höre Kommentare wie: „Nun setzen Sie sich erstmal, sie brauchen doch auch ihre Pause.“

Bisher kenne ich Unterricht nur als Dauerlauf. Rein in den Unterricht, die verbale Peitsche knallen, Einstieg, Aufgabe, nächste Aufgabe, antreiben, helfen, Lösung vergleichen, weitertreiben, raus. In der BVB habe ich deswegen mit dem Vorlesen begonnen, einfach um für alle eine Ruhephase reinzubringen. Nun habe ich eine Gruppe, bei der Tempo eine untergeordnete Rolle spielt. Die Teilnehmer wollen alle Fortschritte machen, am liebsten gleich heute den ganzen Stoff fürs nächste Jahr. Statt antreiben ist jetzt drosseln und beruhigen angesagt, aufpassen, dass sich keiner überfordert. Mut machen, zeigen, was sie alles bereits geschafft haben und schon sicher beherrschen. „Oh Gott, die Geduld hätte ich nicht. Das wäre mir viel zu langsam.“, sagt eines meiner Mädels (frühere Kollegin). Ich muss schmunzeln, denn mir war der andere Unterricht immer viel zu schnell, ich liebe dieses Arbeitstempo. Endlich hat man mal Zeit für individuelle Hilfen und wirklich differenzierte Lernunterstützung. Und endlich ist all das gehortete Material zu etwas nutze. Außerdem hat man Zeit für die schönen Dinge, wie zum Beispiel Raumschmuck:

Oder Ostereier färben. 😀

Gestern habe ich auch meine alten Mädels getroffen. Zusammen saßen wir bei einem unverschämten Italiener mit unterirdischem Service, dafür aber hautengen Hosen und tauschten die neuesten Geschichten aus. Auf der alten Arbeit nimmt der Druck zu, die Abwärtsspirale dreht sich, ich bin wirklich froh, dass ich da raus bin. Aber bei all dem furchtbaren Zeug haben wir doch wieder gelacht. Und da merkte ich, dass ich das sehr vermisst habe. Mein neuer Arbeitgeber ist absolut seriös, strukturiert, alle sind freundlich. Das ist prima. Doch das Chaos beim alten Träger sorgte eben für die typischen Schicksalsgemeinschaften, die Leute zusammenschwört und schwarzen Humor zur Kommunikationsform erhebt. Und genau den beißenden Humor und das herzliche Lachen habe ich echt vermisst. Umso schöner war der Abend für mich. Und dann gab es auch noch Geschenke! Da ich vor meinem Geburtstag von der Arbeit geflüchtet bin, bekam ich mein Geburtstagsgeschenk mit dem Abschiedgeschenk zusammen. Und was soll ich sagen: Es hat mich umgehauen, wie gut mich die Mädels kennen.

Tja…und eigentlich sollte es hier um die Diät gehen. Die 18. Woche in Folge ist fast rum. Ich habe gemerkt, dass ich einfach kein großes Mittagessen in der kurzen Pause schaffte. Nachdem ich mehrere Tage hintereinander mein Essen in Dosen mitgeschleppt und genauso zum Feierabend wieder mit heim genommen habe, war klar, dass ich etwas anpassen muss. Also nehme ich jetzt nur noch die Zwischenmahlzeit und die Abendmahlzeit mit. Das Mittag esse ich in Ruhe abends. Das schlug zunächst auf der Waage zu Buche. Doch auch das gab sich wieder. Ich denke, ich habe die 78kg endlich hinter mir gelassen und bewege mich zielsicher auf die 77 kg zu. Unglaublich! So wenig habe ich seit einigen Jahren nicht mehr gewogen. Im November letzten Jahres konnte ich mir nicht einmal vorstellen, jemals wieder unter 80kg zu kommen. Und nun geh ich ganz zielsicher stetig auf die 70kg zu. Fantastisch…und mir geht es richtig gut damit.
Durch den Stress kam ich seltener ins Studio. Nächste Woche wird das noch so bleiben, da ich mit der Gruppe nach Berlin zur Exkursion fahre. Das wird aufregend! Und ich werde schlemmen…das brauchen meine Nerven dann. Aber ich bin auf dem Weg und kann das Ziel erahnen. ;D