Form wird besser

Hiho zusammen…

Obwohl ich zur Zeit wirklich viel futter, wird die Form besser. Das liegt zum einen am neuen Trainingsplan. Nun merke ich, das ich wirklich zu lang stets dasselbe trainiert habe und dadurch manche Aspekte der Muskulatur vernachlässigt wurden. Denn die jammern jetzt ordentlich.

Zum anderen merke ich, dass es mich selten mal eine Stunde auf einem Stuhl hält. Ich muss in Bewegung sein. Wahrscheinlich ist mein Verbrauch dadurch auch etwas höher.
Ich trainiere zur Zeit auch sehr viel. Viel öfter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass mir furchtbar langweilig ist. Mein ganzes Leben langweilt mich zu Tode, da mach ich doch lieber etwas, was immerhin ein Ergebnis bringt. Zum anderen könnte es auch damit zu tun haben, dass ein sportlicher Mann mein näheres Interesse geweckt hat. ^^

Doch die Langeweile ist wirklich schlimm. Es ist, als ob da draußen eine riesen Party tobe und ich sei als einzige nicht eingeladen. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht tun zu können, was ich bedarf, macht mich wirklich fertig, zersetzt mich langsam von innen heraus.

Ihr wisst ja, ich bin lösungsorientiert. Was also tun?
Nun, zunächst muss man an den Ursachen arbeiten…
Ursache Nr. 1 ist, ich verdiene so wenig, dass es einfach hinten und vorn nicht reicht. Ich liebe meinen Job, aber ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten.
Also habe ich a) einen Nebenjob gesucht..yay. Dabei habe ich so lange für weniger Arbeitszeit gekämpft. Doch ohne Geld ist die Zeit erdrückend geworden.
Und b) reiche ich dem Teufel die Hand und bewerbe mich beim Staat als Lehrer. Obwohl sich mir beim Gedanken daran echt der Magen umdreht. Das Trauma des Referendariats steckt noch tief in mir. Andererseits bin ich inzwischen ein gestandener Lehrer, der weit mehr als 24h unterrichtet.
Kann es da so schlimm werden?

Wir werden sehen.

Heute geht es erstmal zum Coach, über ein paar Wehwehchen klagen, grundlegend das Essensprinzip überdenken und ein paar Übungen rocken.

Und danach kommt der Mann, der alles mitbringt, wonach es mich dürstet. Ob er meinen Durst stillen kann? =)

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immer hungrig

So, lange nichts passiert hier. ;P

Ich habe zunächst versucht, allein zurück auf Bodybuilding-Kurs zu kommen. Klappte natürlich nicht gut. Also habe ich mich eines nachts verzweifelt an Marcel gewandt…und der freute sich. Zack, stand der nächste Termin.

„Wie schätzt du denn selbst deine eigene Form ein?“
„Tja, 2 kg müssen sicher noch, aber die gehen von allein. Ich will jetzt lieber an die Zukunft denken und einen Aufbauplan machen.“
Daraufhin verzieht Marcel das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.
„Ich kenne deinen Anspruch an dich selbst. Mit weniger als 5kg wirst du nicht zufrieden sein. Aber dann bist du wie abgezogen, Muskulatur richtig sichtbar, Haut liegt schön an.“

Verdammt…er weiß einfach immer, was er sagen muss, um mich zu triggern.
Also versuche ich wieder auf 1600kcal runter zu kommen.
Klappt überhaupt nicht. Der Hunger treibt mich den ganzen Tag in den Wahnsinn und abends reißt mir regelmäßig der Geduldsfaden.

Und Marcel hat mir wieder einmal einen Trainingsplan geschrieben. Bisher ein No-Go.
Das hatte er schonmal versucht, aber ich habe das dann immer geknickt, weil ich damit einfach nicht zurecht komme.
Diesmal war es aber Zeit für Abwechslung. Ich habe vorher nur noch die Lieblingsübungen gemacht, immer mehr Sätze und Übungen ganz gestrichen. Das konnte man schon fast nicht mehr Training nennen.
Der neue Plan dagegen ist, nachdem die anfängliche Skepsis überwunden ist, richtig geil. Damit wird sicher noch einiges voran gehen. Ich merke, dass ich wieder richtig Lust auf Training habe.

Sonst steht in der neuen Wohnung soweit alles. Das Konto ist ein riesiger Meteorkrater. -.- Aber das wird auch irgendwie wieder.
Blöd nur, dass Geld für die Freizeitgestaltung fehlt.
Ich würde gern wieder Pole Dance trainieren, einen Tango-Argentino-Partner suchen oder mal in gewisse Clubs gehen…Doch das muss alles warten.

Und wie immer fällt das Warten am schwersten. Deswegen komme ich zwischendrin immer auf so dumme Ideen, wie mal durch die Innenstadt zu bummeln…nur zum gucken und anprobieren. Ist klar, ne? ;P
Und dann räume ich zum Schluss sehnsüchtig das neue Kleid und die passenden Schuhe in den Schrank und träume von Gelegenheiten, sie zu tragen.

Perspektivwechsel…ist der Akku immer halbvoll oder halbleer?

Die vierte Diätwoche läuft gerade. 1600 kcal an trainingsfreien Tagen, 1800 kcal an Trainingstagen. Bis auf einen Tag (Mitarbeiterfest), ist jede Tag perfekt. Einfach perfekt. Der Hunger drückt ab und an, manchmal liegen auch die Nerven kurz blank, aber im Großen und Ganzen läuft es sahnig.

Slaine bestellt dauernd Pizza oder schleppt mich als Zuschauer zum All-u-can-eat-Buffet. Aber es hebt mich kaum an. Im Moment kann ich es kaum erwarten, wieder die alte Form zu erreichen und dann natürlich die Grenze zu überqueren, um noch tiefere Einschnitte, meine Bauchmuskulatur, meine Wadenform, all das noch verborgene freizulegen. DAS will ich mehr als alles andere.

Wenn ich sehe, welch schöne Formen unter der Fettschicht stecken…da sind schöne Bauchmuskelpakete drunter, der Hintern bekommt zur Zeit eine neue seitliche Linie, die die eigentliche Backe abteilt, meine Schultern bekommen stärkere Konturen und selbst der lange vernachlässigte innere Rücken wächst langsam…davon will ich mehr sehen. Und ich will mich bewegen. Zweimal war ich bisher beim Poledance und jedes Mal war mindestens ein überraschter Jauchzer dabei, der von der Überraschung über die ungeahnten Möglichkeiten berichtet. Ich kann! Ich kann viel mehr, als ich mir zugetraut habe. Und das sickert so langsam durch.

Als Kind träumte bestimmt jeder mal davon, höher zu springen, schneller zu rennen oder geschmeidiger am Stufenbarren zu turnen als die anderen. Doch die Erfahrung zeigte immer: vergiss es, du bist ganz unten dabei. Mein Sportlehrer schaute regelmäßig am Ende des Schuljahres auf all die gesammelten 5en und sagte dann: Du hast immer so schön geschwitzt, dafür gibt es eine 3. Ich habe in all den Schuljahren stets die Erfahrung gesammelt, dass ich zum Sport nicht zu gebrauchen bin. Selbst bei meinem über alles geliebten Reitsport passte meine Ambition nicht zu meinem Können. Ich bekam die Knie einfach nichts ans Pferd und stieg regelmäßig im hohen Bogen über den Hals des Pferdes fliegend ab. Sport war für mich stets eine Serie von Enttäuschungen.

Und nun sowas…Poledance und Bodybuilding. Immer öfter erwische ich mich bei dem Gedanken: Zuhause denkst du eh nur ans Essen, geh lieber trainieren. Und dann geh ich trainieren.

Was ist passiert?

Gut, Bodybuilding und ich brauchten lange, um uns anzunähern. Erst als ich entdeckte, dass mein Körper einfach gut darin ist, Muskeln aufzubauen, reizte mich der Gedanke mehr und mehr, endlich etwas zu tun, was meiner Biologie, meinen Anlagen entspricht, statt mich immer zu Sportrichtungen zwingen zu wollen, die ich für „gesundheitlich wertvoll“ hielt.

Poledance ist nochmal etwas ganz anderes. Poledance kam durch die Umsetzung von Pausen.

Und das war so.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich permanent ausgelaugt fühle. Meinem Empfinden nach stand ich schon morgens mit rot blinkender Akkuanzeige auf und schleppte mich dann durch den Tag. Bis mir irgendwann auffiel, dass das gar nicht stimmt. Das Bild von mir war Quatsch, denn das Aufstehen fiel mir nie wirklich schwer. Ich fühle mich morgens meistens fit und munter und auch während der Arbeit bin ich normalerweise voller Energie, flitze Treppen hoch und runter und sprühe vor Energie. Dann kommt der Feierabend und plötzlich ist es, als wäre der Stecker gezogen. Aber ich hab ja noch so viel zu tun und kann mich ja jetzt nicht schlafen legen! Also Kaffee, Energy oder Booster eingeworfen und weiter gemacht. Irgendwann schleppte ich mich nur noch von Kaffee zu Kaffee und war wirklich dauerhaft am Limit.

Ich begriff, dass ich nur mal die Signale meines Körpers ernst nehmen müsste und mir eine Pause gönnen sollte, um das Dauertief in ein normales Auf- und Ab zurückzuverwandeln. Also begann ich freitags nach Arbeit, statt zum Wochenendeinkauf und der üblichen Haushalts-to-do-Liste ins Solarium zu gehen. Zeit des erzwungenen Nichtsstuns…wie wohlig! Wie gut das tut! Dann begann ich Meditationsplaylisten zu hören (Danke für den Tipp! Ich muss gar nicht außer Haus zu Kursen gehen…ich kann es im Bett tun! Manchmal steht man sich echt selbst im Weg.). Der ständig überdrehte Kopf fand endlich einen Ausstieg und Ruhe.

Dann habe ich noch die Kohlenhydrate so verteilt, dass ich sie bekomme, wenn ich sie nötig habe (nämlich auf Arbeit!!!!). Das lästige Einkaufen lässt sich Dank der Diät auf 2x/Woche einschränken.

Plötzlich hatte ich Zeit und Energie! Und ich hatte Lust auf etwas Neues…ein kleines Experiment. Lust mich selbst zu entdecken udn herauszufordern. Pledance hatte mir schon immer gefallen und was kann schon passieren…ich probierte es aus. Meisterschaften werde ich auch darin nie gewinnen, aber mehr Körperspannung, bessere Koordination und jede Menge Spaß.

Seitdem hat sich mein Blickwinkel wirklich gewandelt. Ich empfinde meinen Körper nicht mehr als Verräter, der mich im Stich lässt und immer nur träge ist. Langsam werden wir richtige Kumpel, die sich unterstützen und auch mal Rücksicht aufeinander nehmen. Ich bin gar kein immer schlapper Sack, ich hab sogar ganz schön viel Power, aber die entdeckt man eben erst, wenn man auch die Schwäche mal zulässt und annimmt.

 

Ps: Ich fürchte, wenn ich den letzten Band der Chronik des Eisernen Druiden von Kevin Hearne ausgelesen habe, fall ich erstmal in eine literarische Depression. Mit den Büchern könnte ich stundenlang Cardio machen! Die haben einfach alles! Literarische Zitate, philosophische Unterhaltungen, Hintergrundwissen über Mythen und Legenden, süße Tiere und dazwischen grotesk übertriebene Brutalität und flache Anzüglichkeiten. Einfach mit jedem Band ein absoluter Hochgenuss…wenn das vorbei ist fall ich in ein Loch!

alte Frau im Bodybuilding

Die erste Woche nach meiner vierwöchigen Auszeit und dem heftigsten Beintraining aller Zeiten ist fast um. Seit heute kann ich auch wieder schmerzfrei laufen…Zeit für eine neue Beineinheit…juhu. ;P

Jeder erfolgreiche Diättag wird am Ende mit einem Motivationsbildchen „belohnt“. Simple, aber effektiv.

Der Anfang ist immer am schwersten, sagt man.
Das empfand ich diesmal gar nicht so. Die Schmerzen nach dem Beintraining in Kombination mit der Hitze wirkten als hervorragender Appetitszügler. Abends hatte ich mehrmals noch eine Mahlzeit offen und beschloss, sie für den nächsten Tag aufzuheben, weil ich pappsatt war. Ein erstaunliches Gefühl, nachdem ich vier Wochen lang quasi kein Sättigungsgefühl kannte. Gestern war Slaine beim All You Can Eat-Chinabuffet stapeln und abends bestellte er bei Dominos noch Pizza… und ich konnte entspannt zuschauen. Als wäre ein Schalter umgelegt. Und ich bin dankbar dafür. Hoffentlich hält der Zustand noch ein paar Wochen an. Die ersten 3 kg Wasser sind raus, auch 3 cm Umfang sind an Taille und Hüfte verschwunden. Heute konnte ich schon wieder eins meiner Sommerkleidchen tragen, ohne um die Sicherheit mich passierender Menschen fürchten zu müssen, die durch peitschende Reißverschlüsse oder gesprengte Knöpfe sterben könnten.

Die Beinmuskulatur erholte sich nur langsam von dem Schock. Obwohl ich gleich am nächsten Tag und auch am 3. Tag danach tapfer auf dem Stairmaster watschelte, waren die Schmerzen wirklich heftig. Vom ungewohnten Gang bekam ich dann auch noch Muskelkater in Schienenbeinen und den Waden. Doch das war gar nicht schlecht, denn ein Besuch beim Orthopäden stand an und diesmal „sah“ er meine Probleme. Nun soll ich Einlagen gegen meine Senkfüße bekommen, die vielleicht auch meine ständig verknotete Wadenmuskulatur entlasten. Ich habe ein Rezept für manuelle Therapie (Jaaa, mehr Schmerzen, yay! ;D) und werde auch Akupunktur probieren.
Die manuelle Therapie bei meiner Lieblingstherapeutin wird die schlimmsten Knoten lockern. Von der Akupunktur erhoffe ich mir Unterstützung gegen Blockaden und gegen zwanghaftes Essverhalten. Wunder erwarte ich nicht und bin gespannt, ob ich überhaupt eine Veränderung wahrnehme. Schön wäre es, wenn ich dadurch einen besseren Energiefluss und Zugriff auf die Muskulatur bekäme. Oft habe ich das Gefühl, dass mitten in der Bewegung etwas klemmt und ich deswegen den Muskel gar nicht voll treffe und beanspruchen kann. Ich bin gespannt.

Das heutige Beintraining kann ich jedenfalls als „immerhin was gemacht“ abhaken. Die Muskulatur war steif und brannte sofort. Kniebeuge wollten gar nicht klappen. Bei den Ausfallschritten stach es bereits im ersten Satz im rechten Beinbeuger und zog danach bei jeder Wiederholung. Nur der Beinstrecker, bei dem ich vor dem Foltertraining nie wirklich etwas spürte, der fühlte sich intensiv, fies und damit gut an. Ich fürchte, dass sich ab jetzt jedes Beintraining an der Messlatte von letztem Montag misst, nur dass ich das Level allein nicht einmal im Entferntesten erreichen kann. Das habe ich schon befürchtet. Beim Training steckt man immer in der Situation, im Kopf zu entscheiden, wie viel Prozent man gibt. Mit Marcel hab ich definitiv über 100% gegeben. Die nachfolgenden Einheiten litten darunter, mein ganzer Alltag litt darunter und für mich ist klar: das ist kein Maßstab. Und dennoch weiß ich, wenn ich das ab und zu schaffen würde, würde ich riesige Fortschritte machen. Und so denkt man bei jeder Übung und jeder Wiederholung:

Wenigstens 100% will ich geben, um dann festzustellen, dass mir irgendwo im Satz bei gefühlten 30% die Energie ausgeht.

Was zurückbleibt ist Enttäuschung…das schlimmste Gefühl überhaupt im Training, denn es macht alle Mühe zunichte, lässt alles, was man der eigenen Schwäche abgetrotzt hat, wertlos erscheinen. Es erzeugt nur weitere Schwäche, raubt einem auch den Rest der Energie und am Ende steht man völlig desillusioniert da und denkt, es habe doch alles keinen Sinn mehr. An diesem Punkt stand ich früher oft, als Slaine mich noch von Einheit zu Einheit zu mehr Leistung antrieb. Irgendwann merkte ich, dass es mehr Gift als Unterstützung ist und verbat mir von da an jegliche Kommentare zum Training.

Nun sitz ich wieder hier und überlege, was ich will.

Ich will mich und mein Schaffen jedenfalls nicht dauernd als Enttäuschung wahrnehmen. Ich will gut aussehen und mich entwickeln, aber eben aus eigener Kraft, meine Energien und Potentiale entdecken. Ich war immer extrem, konnte Sachen nie nur halb machen und hab mich dabei stets verrannt, bis ich nicht mehr konnte. Das will ich nun nicht mehr, ich will mich nicht auszehren, nicht fertig machen, keinen Crash mehr. Und doch will ich mich herausfordern, über meine Grenzen hinaus wachsen, Dinge schaffen, die ich für unmöglich gehalten habe.

Ich denke, aller 4 oder 8 Wochen eine Einheit mit Marcel durchziehen und sonst alle negativen Gedanken und Zweifel so gut es geht zur Seite schubsen, könnte klappen.

Dass ich die letzten Pfunde nun möglichst schnell verlieren will, steht fest. Mitte August ist unser Fotoshooting, ich beginne bereits jetzt, mir die nötige Sommerbräune zuzulegen, Kostüm und Posen müssen noch festgelegt werden. Und das Makeup? Ich habe jedenfalls schon richtig Lust darauf. Lust ist ein so viel besserer Motor als Angst vor Enttäuschung. Nächste Woche geht es auch wieder zum Pole Dance… mal sehen, ob diesmal schon mehr geht.

Lust habe ich auch aufs Nähen. Im Moment halten mich auch da die gesteigerten Umfänge ab. Schließlich sollen die Sachen auch in 3 Monaten passen. ;D Stoffe und passende Ideen habe ich heute jedenfalls schon auf dem Holland-Stoffmarkt besorgt.


Bis zum Urlaub müssen noch ein paar cm schmelzen, dann wird die Nadel glühen! ;D

Personal-Albtrainer

Nach 4 Wochen schlemmen, ruhen und Spaß freute ich mich schon am Sonntag auf die Rückkehr zum Plan. Ich werde die Insulinausschüttungen, den guten Schlaf, die atomsicheren Nerven und die Ruhe vermissen, doch andererseits freute ich mich schon vorher auf all die Vorteile des Lebens nach Plan, die da wären:

  • fitter fühlen, alles fällt irgendwie leichter
  • weniger Gewabbel/Zellulite/Besenreißer und Wasser in den Beinen
  • Gefühl von Kontrolle
  • Gefühl, gesünder zu leben
  • mehr Wohlgefühl im Körper, Spaß daran, sich zu zeigen und sich zu bewegen
  • Klamotten kneifen weniger, Beine scheuern sich nicht beim Gehen wund
  • weniger Kosten (man kauft einfach viel weniger)
  • Spaß am eigenen Werde-Prozess, an den spürbaren Veränderungen

Auf all das freute ich mich am Sonntag. Mir graute nur vor einem: dem gemeinsamen Training mit Marcel

„Das wird halb so wild. Es geht ja nicht darum, dich fertig zu machen. Wir können auch nach deinem Plan trainieren. Ich will nur mal hören, was du dir so dabei denkst.“

-Marcel vor 4 Wochen

Montagmorgen standen alle Tupperdosen wartend im Kühlschrank, die Sportklamotten lungerten schon im Rucksack und ich startete gut in den ersten Diättag. Die Tage zuvor war ich tief im Insulin-Suchtdruck. 2-3 Stunden ohne Zucker? Dagegen musste sofort etwas unternommen werden! Ich konnte mir an diesen Tagen nicht vorstellen, auch nur 5 Stunden ohne Zucker auszuhalten. Doch als ich kurz nach 16 Uhr zum Training aufbrach, musste ich feststellen, dass da gar ein Suchtdruck mehr war. Ich fühlte mich sogar satt…ein Gefühl, dass ich in den letzten Wochen nicht kannte. Da gab es nur „Bloß nicht bewegen, sonst reißt der Magen!“.

Meine Kohlenhydrat- und Fettspeicher waren prall gefüllt, ich war ausgeruht und entspannt, hatte mich von Slaine verabschiedet (Falls ich es nicht zurück schaffe: die Katzen kriegen alles!) und machte mich schonmal gemütlich auf dem Stairmaster warm. Und schon kam Marcel grinsend um die Ecke.

Ich durfte die erste Übung bestimmen und so begann das Beintraining mit Bauchübungen im Supersatz. Schon nach dem ersten Satz lief uns beiden der Schweiß buchstäblich in Strömen.

Die zweite Übung bestimmte Marcel: Beinstrecker. Klasse, denke ich, Beinstrecker ist halb so wild. Und dann folgte eine Lektion, die ich nun eigentlich hätte längst begreifen müssen:

Sage deinem Coach nie, dass etwas nicht schlimm ist und du kein Brennen/keine Erschöpfung/keinen Schmerz oder sonstige fehlenden Qualen spürst, denn er kriegt dich dazu, dass du all das in vollkommen ungeahnten Dimensionen erfährst.

Für den Beinstrecker hieß das konkret:

  • geringes Gewicht
  • Ausgangsstellung des Gewichts weit hinten, sodass der Muskel in der Dehnung ist
  • Schultern hinter, anlehnen, Brust raus, Bauchspannung und dann die Füße bis zur Waagerechten hoch und zum Körper ranziehen
  • langsam ab….richtig tief ab
  • und von vorn, keine Pausen

Nach dem Aufwärmsatz brannte mein Quadrizeps wie noch nie in meinem Leben und das Blut strömte in die Oberschenkel, sodass sie sich wie Beton anfühlten.

Da wurde mir dann spätestens klar, dass meine schlimmsten Befürchtungen gerade wahr werden.

Meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich Personal Trainern:

  • Sie lassen dich mit wenig Gewicht Wiederholungen machen, bis sich deine Muskulatur anfühlt wie eine Cut-Out-Jeans und du dich wie die letzte Magersüchtige-Cardio-Pussy fühlst
  • Sie stehen wie gegossene Statuen neben dir, glotzen auf deine beweglichen Speckberge und wenn du nicht mehr kannst, rufen sie: Noch drölf Wiederholungen, los!
  • Wenn du nicht mehr kannst, schieben sie leicht das Gewicht mit und rufen: Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%
  • Während du zwischen Ohnmacht und Rage-Quit schwankst, fällt ihnen ein, dass man jetzt Teilwiederholungen oder Drop-Sätze machen kann.
  • Und für diese Folter zahlst du ihnen einen Haufen Geld.

Ich bin während der ersten Übung kaum über das Auswärmgewicht hinaus gekommen, wusste aber nach 3 „Arbeitssätzen“ nicht mehr, wie man die Beine beugt. Es waren starre Dönerspieße, die sich anmutig wie Piratenholzbeine steuern ließen.

Und Marcel nur so: Also ich habe heute zwei Stunden dafür eingeplant.

Wie konnte es dazu kommen?!?, war der Satz, der mich von da an begleitete. Abbrechen kam nicht in Frage, dafür habe ich zu viel Stolz. Als ich dann die dritte Übung bestimmen sollte, sagte ich trotzig: Kniebeuge. Ich mag aussehen, wie ein verfressener Kobold, aber in Wirklichkeit bin ich ein verfressener Hornochse. Und wenn es darum geht, irgendwem zu beweisen, dass ich Biss habe, dann bringe ich mich lieber um, als zuzugeben, dass es zu heftig ist.

Alle Kniebeugen-Racks waren besetzt und es warteten schon Leute darauf, dass sie frei werden…meine Rettung? Hätte es sein können, aber der Hornochse in mir rief schon: Dann Ausfallschritte. Kniebeuge müssen wir aber danach machen…die gehören beim Beintraining einfach dazu.

Verdammter Trotzkopf!$%§

Nach dem „Aufwärmsatz“ – einmal quer durchs ganze Studio – war klar, dass ich gar nicht mehr als 8kg Kettlebells schaffen kann. Marcel fand ich anhand der Schweißtropfenspur am anderen Ende des Studios wieder, wo er schon auf mich wartete.

„Lass die Gewichte stehen, pass auf, dass die Knie nicht nach innen rudern. Wenn du den Schritt nicht so breit wählst, sondern gerade vor gehst, passiert das nicht. Und ab jetzt machst du keinen Zwischenschritt mehr, deine Knie bleiben gebeugt, sodass du quasi schleichst.“

Ich „schlich“ los…auf dem letzten Loch pfeifend wie nach einem Senfgasangriff. Alle anderen waren mir egal, ich sah schemenhaft Leute ausweichen und sich an die Wand schmiegen, während ich mein persönliches Armageddon durchlebte.

Marcel hatte die Squat-Forderung nicht überhört, die Racks waren noch immer besetzt also schleifte er mich zur Hackenschmitt. Es ist wirklich ewig her, dass ich diese Geräte nutzte. Damals habe ich mit dem bloßen Schlitten aufgewärmt und maximal 30kg aufgeladen. Nun sollte ich mit 15 kg aufwärmen, obwohl meine Beine nur noch schrien, mein Kreislauf eckig lief und mein Nervengerüst in sich zusammengestürzt war. Zu dem Zeitpunkt hasste ich Marcel, ich spürte pure Verachtung durch meine Venen rinnen und fürchtete um meine Beherrschung. Bis dahin war alles sehr hart aber irgendwie machbar gewesen. Aber nun war ich an meine Grenzen gekommen. Mir war schlecht, der Schweiß brannte in den Augen, ich konnte gar nicht so viel atmen, wie ich Sauerstoff gebraucht hätte und ich wusste nicht, wie ich noch einen Schritt schaffen soll.

Ich packte meine Bissschiene zwischen die Beißer, Marcel tönte wieder „Nicht so tief und oben die Beine nicht strecken, langsamer runter, explosiv hoch und oben keine Pause machen“, die ersten Stöhnlaute ritten auf Speichelfetzen zwischen meinen verzerrten Lippen dahin und dann schob Marcel den Schlitten an und brüllte:

Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%

Und natürlich bezahle ich ihn dafür.

Irgendwann, inzwischen stapelten sich fröhliche 40 kg auf dem Schlitten, wurde mir klar, dass ich echt laut rumgrunze, aber es war mir egal…alles wurde mir egal. Da war keine Energie mehr für Wut oder Furcht oder irgendeine Emotion. Es mag lächerlich klingen, aber ich stand unter Schock. Als hätte ich mich gerade mehrmals überschlagen während der Kopf sich weigert, das zu begreifen.

Wie hatte es soweit kommen können? Wie bin ich von Steak und Eiscreme in dieses Kreißsaalsetting geraten?

Darauf folgte die Beinpresse. 90kg Aufwärmsatz…eigentlich easypeasy…aber natürlich nicht an diesem Tag. Marcel legte ordentlich Gewicht auf…er trainierte ja die ganze Zeit mit. In kurzen Hosen, die er schön hochzog, damit man die volle Pracht wettkampftauglicher Muskulatur live bei der Arbeit beobachten oder ggf. fürs Anatomiestudium lernen konnte. Alter Angeber. ;p Waren am Beinstrecker noch alle Fasern klar getrennt zu beobachten, war dann nach der Hackenschmitt schon der Tropfen über dem Knie prallvoll gelaufen, wie eine geladene Wasserbombe. Nun, in der Beinpresse angekommen, sah auch er Sternchen und von Fasern war in den Quatrizeps nichts mehr zu sehen. Alles war zum Platzen vollgepumpt. Aber gnädiger stimmte ihn das nicht. Typen wie Marcel stehen genau auf solche Grenzgänge…für die fängt das Training erst da an…andere gehen zur Domina…

„Was hältst du von Dropsätzen?“

„Nichts. Lass mich lieber noch 2 Scheiben drauflegen und dann nur 5 Wiederholungen machen.“

„Quatsch, wir sind doch keine Kraft-Dreikämpfer“

„Ach, mach doch, was du willst.“

Und das machte er dann auch…mit anbrüllen, kniend den Schlitten mitschieben und weiteren Anweisungen, die ich geflissentlich ausblendete, während ich wahrscheinlich unbemerkt sieben Kinder gebar…dann flupp zwei Scheiben runter und sofort weiter.

Und plötzlich kommt so ein süßes, nabelfreies Cardio-Reh angehopst und fragt Marcel in Regenbogen-Einhorn-Stimme: „Oh Marcel, wann nimmst du mich denn mal so richtig hart ran?“

Alter…

Und als hätte sie ihn auf sportliche Abwege gebracht, ging es von dort zu Abduktoren und Adduktoren…ich liebe diese Dinger, weil sie mir nichts tun. Inzwischen war ich so schlau, oder hatte nur nicht genug Sauerstoff im Hirn um es auszuspechen, jedenfalls sagte ich nicht, dass ich diese Geräte für Lulli-Spaß-Geräte halte. Aber nach der Einheit war selbst das übel.

Und so endete der Albtraum meines Sportler-Daseins. Zum Schluss fragte Marcel mit Unschuldsmiene: Nächstes Mal dann Rücken und Beinbeuger/Po?

Niemals, das passiert mir nie wieder!

Das sagte ich ihm sofort.

Und mir selbst während der gesamten 20 Minuten, die ich anschließend bewegungslos in der Umkleide verbrachte, während ich versuchte festzustellen, ob ich wirklich noch am Leben war oder vielleicht doch tot.

Und ich sagte es mir auf dem Heimweg.

9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagten das.

Während die 10. Stimme flüsterte: ‚Aber wie geil du dich jetzt fühlst und stell dir nur mal vor, wie du aussehen könntest, wenn du ab und zu solche Einheiten machst.‘ und dafür von den anderen 9 Stimmen furchtbar verprügelt wurde.

4 Wochen Leben – ein Resumee

4 Wochen Diätpause waren bitter nötig. Nach 18 Monaten mit Ernährungsplan und sich zum Ende hin häufenden Fressorgien brauchte ich dringend eine Luftholpause. Es war höchste Zeit für all die Dinge, die in einem Leben nach Ernährungsplan keinen Platz haben:

  • spontane Essenssuche nach Appetit
  • Eisbecher bei Hitze
  • Geburtstagskuchen bei Freunden oder Bekannten
  • Urlaub
  • Treffen und Essen mit Freunden und Bekannten, Familie
  • Party feiern, mal richtig einen drauf machen
  • Grillen und auswärts essen
  • Spontanität
  • ordentlich beschwipst sein

Nun sitze ich heute hier, mit fast 7 kg mehr auf den Rippen, 5 cm mehr Umfang an Bauch und Hüfte und kann es einfach nicht bereuen.

Die letzten Wochen waren wir eine Zeitreise im Zeitraffer. Mit dem Essen kam die Ruhe, statt ständigem Gewusel und kontinuierlichem Abarbeiten von To-Do-Listen wollte ich nach Arbeit nur eins: Beine hochlegen und in einem guten Buch schmökern. Ich war einfach entspannt, die Füße schwer und voll. Die Klamotten wurden enger, der Speck quoll wieder über den Bund, alles wurde träge.

Nach 2 Wochen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, im Studio Gewichte zu stemmen. Das Einzige, was mich wirklich zur Bewegung trieb, war die Jagd nach Eis und Süßkram.

Und nun, wie weiter?
Mitte August steht der Termin fürs Fotoshooting. Bis dahin sind es ziemlich genau 10 Wochen. Zeit, für einen neuen Diät-Sprint.

  • 1600kcal + Trainingsversorgung
  • Meditation, um Ruhe zu finden
  • Pole Dance und Stretching-Kurse
  • wieder ins Gewichtetraining kommen
  • baden gehen
  • Freizeit mit Nähen füllen

 

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Fakt ist, ich werde aufpassen müssen, dass ich nicht wieder so „ausgelaugt“ bin, sodass ich 4 Wochen Pause brauche, um mich psychisch von der strikten Ernährung zu erholen. Ich will möglichst keine Fressorgien mehr und wieder das Gefühl haben, zu leben. Nach dem Fotoshooting ist für mich Schluss mit der harten Diät, dann muss ich soweit sein, dass ich das Gewicht halte und durch Muskelaufbau und finetuning definiere. Das wird nicht leicht, aber es ist immerhin ein Plan.

Pause – diesmal wirklich!

Beim Coach im Büro angekommen plumpse ich in den Stuhl und lass ihn zunächst von meinem feinsten Cold Brew Coffee-Ansatz kosten. „Tre Forze“, was sich anhört wir „drei Fürze“, ist geschmacklich nicht von dieser Welt. Als Slaine ihn das erste Mal probierte, fragte er verwundert: „Was ist das? Likör?“
Es lässt sich schwer beschreiben…dunkel, aber samtig. Oft liest man ja von „Karamell-Noten“, die ich noch nie irgendwo erkannte habe. Aber auf ihn könnte das zutreffen. Genau beschreiben kann es den Geschmack nicht. Cold Brew Fans sei diese Bohne einfach ‚coldestens‘ ans Herz gelegt. 😉

Nach dieser Einstimmung rück ich mit der Wahrheit raus: „Different month, same shit.“ Es fällt mir immer schwerer, Diät zu halten. Schwer ist nicht die Umsetzeng…planen, einkaufen, kochen, essen, alles klappt wunderbar. Aber schon vor der letzten Mahlzeit schiebe ich einfach nur Panik.

„Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Ich könnte glatt den ganzen Tag nochmal essen!“

Dieses Gefühl steigerte sich in den letzten Wochen, bis es zum dauerhaften inneren Toben wurde. Dinge, die mich sonst nie angehoben haben, erschienen mir nun verlockend. Alles flüsterte „Iss mich, ich schmecke wunderbar und mache dich glücklich!“ Der Tag wurde zur Qual, weil es nur noch darum ging, mich irgendwie abzulenken und das Unvermeidliche aufzuschieben.

Aufschieben. Denn je stärker der Zwang wird, desto klarer zeichnet sich ab, dass er nicht verschwindet. An guten Tagen aß ich abends etwas Salat. Zählbar. Kontrolliert. Gesund.
Aber immer öfter riss mich das Toben mit sich und ich tobte mich an Obsttheken, Eistheken, Schokoriegelregalen und anderem aus.

Und wie man sieht, fühlte es sich einfach nur gut an.
Einmal trackte ich mit. Bis 17 Uhr aß ich meine geplanten Kalorien (~1730). Bis 22 Uhr hatte ich knappe 4000kcal konsumiert. Nicht etwa durch Schokolade oder pures Fett…nein, durch einen ganzen Obstkorb und Eis. Durch das Volumen platzte ich fast aus allen Nähten. Am nächsten Vormittag waren wir beim Training, man sah mir nichts davon an. Der Bauch war flach.

Das klingt vielleicht gut, ist es aber nicht. Wenn solche Ausraster nicht bestraft werden, was hält mich dann noch in Zaum?
Es wurde jeden Tag schwerer.

Das alles erzählte ich meinem Coach.
„Okay, wie kann ich dir helfen, was willst du jetzt machen?“
„Ich brauch einen Monat Pause. Essen nach Plan, wie bisher. Aber abends ess ich noch dazu. Ich hoffe dadurch, dass das innere Toben nachlässt und ich wieder mit Verstand und Ruhe essen kann.“
Etwas zähneknirschend stimmt er zu.
Unter einer Bedingung: einmal mehr Training pro Woche.
Dafür geht es nach dem Monat dann wieder in den „Hardcore-Sprint“: Lowcarb bei 1600kcal. Und wir startet mit dem schon ewig angedrohten gemeinsamen Beintraining. Ich glaube, das Fotoshooting im August werde ich gar nicht mehr erleben. ;P

Aber im Moment habe ich das Gefühl der Befreiung, der Druck ist weg, das Gefühl täglich zu versagen auch. Ich essen abends, aber nur etwas…einen Riegel, ein Fischfilet, bis ich satt bin. Das fühlt isch gut an. Alles unter Kontrolle. Hoffentlich bleibt es so.

ps: Letztens sitz ich im Nähzimmer als Slaine den Kopf zur Tür reinsteckt: „Alles okay in Bangladesh?“ XD