Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher-Vergleich) Blickpunkt: Training

Auch im Training hat sich in den letzten 12 Monaten viel verändert. Dabei war das zu Beginn gar nicht beabsichtigt. Marcel sollte mir hauptsächlich bei der Ernährung helfen. Bei Trainingsanleitungen und Tipps werde ich schnell knatschig.

Das liegt zum Einen daran, dass Männer generell das Bedürfnis haben, Frauen im Studio anzuleiten und zu helfen. Mir gibt das häufig das Gefühl, als unwissender Neuling wahrgenommen zu werden, den man mal fix eines Besseren belehrt. Gerade am Anfang stand dauernd irgendwo jemand glotzend rum, kam mitten im Satz angeschlendert, um mich von der Seite anzuquaken. Konzentration adé.

Und zum Anderen gehen viele davon aus, was bei ihnen gut wirkt, wirke auch bei mir so. Und so stand man dann da, versuchte etwas nachzuahmen, was sich einfach falsch anfühlte und wobei man noch im Sekundentakt Anweisungen erhielt (Schulter so, hier so, dort mehr zurück, da mehr Spannung und jetzt HOCH damit…..zum Ausrasten).

Deshalb wollte ich mir da nicht viel reinreden lassen. Mittlerweile weiß ich Marcels Tipps sehr zu schätzen und habe einiges umgestellt.

Die Änderungen im Überblick:

  • ich trainiere den Bauch (Sogar die schrägen Bauchmuskeln! Unglaublich aber wahr.)
  • ich habe viele funktionale Übungen eingebaut
  • mehr duale Übungen, bei denen ich links und rechts einzeln trainiere
  • Stretchingübungen und Übungen die meiner Skoliose entgegenwirken

Marcel hat schnell erkannt, dass mein Bauch eine große Schwachstelle ist. Große Bodybuilder machen sich meist über Situps etc. lustig, doch ich musste schweren Herzens einsehen, dass mir die Muskulatur und Stützkraft im Bauch fehlt. Inzwischen sind Bauchübungen 2x/Woche im Plan, vor und nach Trainingseinheiten. Und es hilft. Im Bauch konnte ich in kurzer Zeit eine deutliche Formverbesserung sehen und beispielweise bei Kniebeugen deutliche Kraftsteigerung und Bewegungskontrolle.

Wo immer sich Defizite in der Symetrie, Kraft oder Haltung zeigten, schleifte Marcel mich zur Functional-Trainings-Ecke. Da zehrte am Ego, doch ich muss zugeben, dass die funktionalen Übungen mit Bändern und Eigengewicht enorme Stabilität und dadurch Kraft bringen. Nachdem ich monatelang Schmerzen in der Schulter hatte, zeigte Marcel mir beispielsweise Liegestütz an den Bändern, die ich zu Beginn der Einheit als Erwärmung einband. Die Schmerzen verschwanden sofort und plötzlich hatte ich Power und Pump, wie schon ewig nicht mehr. Auch für den Rücken und Bauch bin ich nun öfter in der „peinlichen“ Ecke.

Meine Kraftwerte und Umfänge zeigen deutliche Dysbalancen. Dazu kommt nun noch eine Skoliose mit Rippenbuckel, die für ständige Verspannung und eine krumme Haltung sorgt. Um dem entgegen zu wirken, sind nun viele Übungen als duale Version in meinem Plan, sodass ich links und rechts unabhängig von einander trainiere. Dazu nutze ich Kurzhanteln, rudere zum Beispiel einarmig am Kabelzug oder nutze den Kabelzug mit zwei parallelen Bändern. Hier wird auch in Zukunft der Blickpunkt drauf liegen, weil es hier auch noch viel zu tun gibt.

Stretching habe ich früher gar nicht gemacht. Nun merke ich, dass ich älter werde. Die ersten Zipperlein und ständige Muskelverkürzungen lassen grüßen. Früher kannte ich Stretching nur aus dem Fernsehen. Inzwischen ist es fester Bestandteil meiner Trainingseinheiten und ich werde dazu übergehen, zum Feierabend immer eine kurze Runde einzubauen, sobald ich nach Hause komme. Da mir generell ein Ausstiegsritual fehlte, um auch im Kopf Feierabend zu machen, kommt die Idee gerade recht. Runterkommen und etwas für meine Haltung, Entspannung und Beweglichkeit tun. Das ist der Plan.

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Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Erfolge

Vor etwas über einem Jahr stand ich vor der Wahl entweder zu akzeptieren, dass ich den Kampf um ein Leben nach meinen Vorstellungen aufgeben muss, um nun nur noch gegen immer größer werdende Gewichtsprobleme und damit einhergehende Unzufriedenheit anzukämpfen oder noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und in einen neuen Plan zu investieren.

Ich beschrieb meiner Krankenkasse meinen Fall (jahrelanges Jojo-Diäten und Binge-Eating) und bat um Unterstützung, um mir einen Personal Trainer leisten zu können. Die freundliche aber bestimmte Antwort war: ein Trainer wird nicht gefördert, mir wurde eine Psychotherapie empfohlen. Psychotherapie bedeutet aber für mich regelmäßige Termine, die mir helfen sollen, mich zu akzeptieren, wie ich bin.

Ich hab mich mit vielen meiner Defizite, Macken, Eigenheiten abgefunden und arrangiert. Aber das Übergewicht kann und will ich nicht akzeptieren. Das stand für mich sofort fest. Ich diskutierte ewig mit meinem Freund, stritt mit ihm. Für ihn war ein Coach Geldverschwendung. Jemand, der mir alles erzählt, was ich sowieso schon weiß und im entscheidenden Moment (des Kontrollverlustes) doch nicht da ist und dazu noch viel Geld kostet. Als er spürte, dass die Entscheidung für mich gefällt war und nur noch die Frage nach dem Trainer und Zeitpunkt offen war, ging er in die Offensive. Er schaute sich um und stellte den ersten Kontakt her. „Aber dann musst du jetzt auch zeigen, dass es keine Geldverschwendung ist.“ sagte er damals noch.

Einige Monate später war klar, dass kein Cent davon verschwendet war. Mein Freund bekam Muffensausen, als ich mich mehr und mehr veränderte. Was sich alles verändert hat, darum soll es nun gehen.

Regelmäßige Mahlzeiten in vernünftigen Portionen
Wie schon im letzten Beitrag beschrieben war das eine große Änderung. Statt zu hungern, bis man es nicht mehr aushielt und dann große Mengen in einer Mahlzeit zu essen, esse ich nun regelmäßig 4 Malzeiten pro Tag. Da Makronährstoffverteilung und Tageskalorienbilanz vom Coach vorgegeben sind, esse ich nun regelmäßig vernünftige Portionen. Dabei habe ich festgestellt, dass mit lang hinausgezögerten Mahlzeiten auch der Suchtdruck steigt. Wenn ich erst richtig Hunger spüre, ist es egal, wie viel ich anschließend esse, mein Kopf schaltet nicht mehr auf „genug, ich bin satt“ um. Fressanfälle sind die Folge. Allein dadurch ist das Leben für mich viel einfacher geworden.

Neue Ernährungsgewohnheiten
Gesunde Ernährung ist ja nicht ein klares Konzept. Unter gesunder Ernährung versteht jeder etwas anderes und jeder hat eine Meinung dazu samt eigenem Generalfeindbild. Nachdem ich als Teenager erlebt hatte, dass mein Körper nach drei Monaten mit einem Netz Zitrone pro Tag mehr schlecht als recht funktionierte, versuchte ich einigen Schaden zu „reparieren“, indem ich mich gesund ernähren wollte. Ich probierte es mit vegetarischer Ernährung, lutschte täglich 2 Vitaminbonbons mit Vitamin B12, laß Kalorientabellen und Mikronährstoffgehaltsangaben von Lebensmitteln wie Bördenmakler den Börsenbericht und musste schnell feststellen, dass sich mein Körper und Stoffwechsel gar nicht darum scherten und ich mit der puren Masse an Informationen und zu deckenden Bedarfe absolut überfordert war. Es schien mir unmöglich, all die Mikro- und Makronährstoffe zusammen zu kriegen und dabei anständige Mahlzeiten zu erhalten, ohne meine Kalorienspanne (damals waren 1000kcal für mich die reinste Völlerei) zu sprengen. Nachdem ich feststellte, dass ich mich nur noch sorgte, ohne etwas zu bewirken, gab den Gedanken, mich gesund zu ernähren, schlichtweg auf. Gesunde Ernährung wurde für mich etwas, was nur fanatisch-gestörte Leute ernsthaft versuchen, um sich anderen gegenüber besser zu fühlen. Schließlich war ich genau so jemand gewesen.

Zurück zur Gegenwart. Ich war bereit, meine Ernährung anzupassen. Mir war klar, dass es im Bodybuidling um Makros und deren Verteilung geht. Angenehm empfand ich, dass Marcel auch einige Grundregeln zur gesunden Ernährung aufstellte. Nur ein paar einfache Regeln, an die ich mich halten musste. Das war einfach. Machbar.

  • weitgehender Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel
  • frische Grapefruit zu großen Mahlzeiten
  • täglich Zimt
  • einige Powerfoods als Empfehlung
  • Salz reduzieren
  • viel trinken, beim Training hydrogencarbonatreiches Wasser
  • täglich Obst (2 Portionen) und Gemüse (3 Portionen)
  • Milchkonsum einschränken
  • Essen schonend zubereiten

Nichts Weltbewegendes, nichts, was ich nicht umsetzen kann. Dazu gab es Vorschläge für konkrete Mahlzeiten.

Kleine Regeln, große Wirkung. Aus etwas Unschaffbaren wurde Schritt für Schritt eine bessere Ernährung, deren Wirkung ich spüre. Ich spüre inzwischen, was mir gut tut, mich sättigt und fit macht. Habe ich das Gefühl, mir fehle etwas oder irgendwas läuft nicht gut, dann suche ich nach Möglichkeiten, das über die Ernährung zu regeln. Durch mein Omni-Biotic-Experiment ist mir klar geworden, dass ich nicht monatelang teure Pülverchen schlucken will, von denen ich nach kurzer Zeit nichts mehr spüre. Sauerkraut wird in der Literatur dazu in den Himmel gelobt, also habe ich es in viele Pläne eingebaut. Und tatsächlich stellte sich eine ähnliche Wirkung ein, wie zu Beginn der Omni-Biotic-Einnahme. Gesunde Ernährung ist für mich inzwischen etwas Individuelles, was sich Schritt für Schritt entwickelt und den Bedürfnissen anpasst. Hatte ich letztes Jahr um die Zeit noch das Gefühl, gar nicht mehr gesund zu werden, hat es mich dieses Jahr bisher nur zweimal leicht erwischt.

Abnahme
Darum ging es hauptsächlich und das ist natürlich das erfreulichste Ergebnis.


Inzwischen weiß ich, dass mich zwei Tage Sünde ca. 1,5-2 Wochen Diät kosten. Eine Woche sündigen sind 1-1,5 Monate. Ich nehme nicht schnell ab. Ich nehme nur ab, wenn ich konsequent dran bleibe. Früher haben mich deshalb solche „Rückfälle“ total entmutigt und am Ende dazu geführt, dass ich das Handtuch warf. Jetzt, wo ich weiß, dass immer ein neuer Termin mit Coach kommt, ist das Handtuch zu werfen keine Option mehr. Schon eine Woche vor dem Termin steigt meine Motivation an. Auch wenn er es nicht verlangt, lege ich jedes Mal offen, was ich in den vorausgegangenen Wochen gegessen habe (Übersicht über Tageskalorien und Makronährstoffverteilung) um mir pünktlich jeden Monat mein Lob abzuholen. Kindisch? Vielleicht. Aber es funktioniert. Lob funktioniert viel besser als ewiges „sich selbst verdammen“. Für Marcels Lob reiß ich mich am Riemen und finde auch aus jedem Tief. Von den Terminen komme ich immer mit neuer Energie zurück. Bereit für den nächsten Schritt, den nächsten Meilenstein. Schon nach wenigen Monaten war für mich klar: den Weg geh ich bis zum Ende. Auch wenn es Rückschläge gibt, so geht es doch weiter, bis ich dort ankomme, wo ich hinwill.

Lebensfreude
Psychische Stabilität, Zuversicht, mein Leben selbst bestimmen (indem ich zulasse, dass andere mitbestimmen..hm, klingt ein bisschen paradox), weniger spürbare Esstörung, Spaß am Zubereiten und Essen von „gesunden“ Speisen, Spaß und Fortschritte im Training, ein stark veränderter Körperbau samt neuen Konfektionsgrößen, all das führte zu einer enormen Steigerung der gesamten Lebensfreude. Festgestellt habe ich das, als mir auffiel, dass ich Hobbies entwickel. Ich hatte immer große Erwartungen an mein Leben und der Füllung meiner Lebenszeit, musste jedoch genauso oft feststellen, dass es meine Kräfte übersteigt, dass mich mein Lebenshunger zuerst aussaugt und dann entkräftet fernab meiner Träume stranden lässt. Steile Aufwege und lange Talfahrten ohne das Ziel zu erreichen zeichneten mein Leben aus. Immer von einem Extrem ins Nächste. Vieles habe ich mit Feuereifer angefangen doch nie etwas zustande gebracht. Dilettantia nennt mich mein Freund, wenn er mich ärgern will. Umso überraschter war ich selbst, als ich bei den ersten Fehlschlägen an der Nähmaschine nicht aufgab, sondern auftrennte, korrigierte und neu nähte, bis ich etwas Tragbares erhielt. Wieder und wieder erlebte ich euphorische Vorfreude und niederschmetternde Rückschläge, doch ich gab nicht auf. Und so entstanden eine Reihe neuer Klamotten. Langsam beginne ich sogar mit leichten eigenen Variationen. Und es macht mir Freude, Fortschritte zu machen und aus vorausgegangenen Fehlern zu lernen. Genauso ergeht es mir mit dem Kochen. Das ganze Einrühren und Warten und Wenden nervt mich noch immer. Aber die Vorfreude auf die Früchte meiner Arbeit überwiegen. Und wenn ich beim nächsten Mal etwas verbessere oder etwas anders versuche und es gelingt, fühlt sich das einfach herrlich an. Ich bin viel zufriedener und damit auch selbstbewusster.

Schluss mit Jojo

2005 ~70kg

ein halbes Jahr später ~83kg

2009 ~75kg

2010 ~95kg

2011 ~77kg

2013 ~83kg

2015 77kg mit Onlinecoaching

2016 ~86kg

Natürlich könnte es auch diesmal wieder im Salto rückwärts gehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es nicht soweit kommt. Zu viel Gutes hat sich fest etabliert. Anfang 2018 will ich die letzten überschüssigen Pfunde schmelzen und dann geht es mit ganz leichten Plus und einzelnen Jokermahlzeiten in den Aufbau.
Intuitives Essen ohne Plan ist für mich kein Ziel mehr. Dafür bin ich einfach zu sehr essgestört. Aber ein Leben mit ausbügelbaren Buhtagen und kontinuierlicher Bodybuilding-Lebensweise das ist es, was ich will.

Marcel hat mich durch das ganze Jahr begleitet. Er hat mich ermutigt, wenn ich es brauchte, hat mich in den Hintern getreten, wenn ich faul wurde und obwohl ich anfangs nur bei der Ernährung die Begleitung wünschte, ist inzwischen viel mehr daraus geworden. Marcel hört sich geduldig mein Gejammer an (Therapeut), motiviert mich, verhilft mir zu einer gesunden Ernährung (Ernährungsberater), hilft meinen Haltungsschäden entgegen zu wirken und bei Wehwehchen Abhilfe zu schaffen (Physiotherapeut) und steht mir in Krisen bei (Krisenmanager) und natürlich hat er mittlerweile auch großen Einfluss auf mein Training gewonnen.

Dazu mehr im nächsten Beitrag. 😉

Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Ernährung

Für mich lag der Fokus dieses Projektes ganz klar bei der Ernährung. Schon beim ersten Treffen sagte ich zu Marcel:

Ich weiß, wie man abnimmt, ich schaffe das auch gut, aber ich halte es nicht durch. Was ich will, ist ein Jahr Unterstützung, um neue Gewohnheiten zu entwickeln. Das braucht Zeit, aber nur so kann ich dauerhaft schlank werden.

Ein Jahr ist rum, am Ziel bin ich noch nicht, aber eins habe ich geschafft: neue Gewohnheiten etabliert. Was anfangs unschaffbar schwer schien, fällt mir inzwischen leicht. Dazu gehört das Planen, Einkaufen und Zubereiten der Nahrung. Und ganz klar auch das Durchhalten. Hunger, Stress, schlechte Laune, Müdigkeit, Langeweile, Belohnungsbedürfnis, Unternehmung (Essen im Restaurant), Appetit, Konzentrationsschwäche…all das waren Auslöser, die meine bisherigen Abnehmversuche zum Scheitern brachten.

Alle wirken auch heute noch auf mich. Ich bin nicht geheilt von meinem gestörten Essverhalten. Essen und was dazu gehört bestimmt noch immer den Großteil meines Tages und manchmal nervt mich das. Was sich geändert hat, ist das Gefühl, das grundlegend damit verbunden ist. Früher war das: Schuld und Versagen.

  • Egal, wie gut die Diät lief, ich nahm nie durchgehend ab und sah in jeder Stagnation mein persönliches Versagen.
  • Ich wusste immer, dass ich mich nicht wirklich gesund ernähre.
  • Ein Kontrollverlust zog meist das Ende der Diät und damit den unaufhaltsamen Jojo-Effekt nach sich.
  • Ich empfand Essen gundsätzlich als etwas, was einerseits getan werden muss, mich andererseits aber zwanghaft steuert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich diesem Zwang unterlag.

Was ich im Moment beim Essenplanen und -zubereiten empfinde: Freude

  • früher wurde ich von extremen Gelüsten getrieben, ich schob den Kollaps auf, bis es nicht mehr ging und brauchte dann sofort etwas. Langes Planen, Zubereiten und Genießen war damit unmöglich. Alle Verzöherungen eine Qual. Heute überlege ich, worauf ich mal Lust hätte oder was man eine Abwechslung sein könnte. Dann suche ich dazu Rezepte heraus. Diese Rezepte pflege ich später in Tagespläne ein, sodass oft nicht nur eine leckere Mahlzeit pro Tag geplant ist, sondern 2-3.
  • Da die Pläne in ein Makronährstoff-Schema passen müssen, muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Alles ist erlaubt, if it fits my makros.
  • Durch die strenge Kontinuität bemerke ich nun viel stärker Veränderungen. Völlegefühl, Magendruck, Verdauungsprobleme, Erschöpfung oder bleierne Verdauungsmüdigkeit waren früher alltäglich…mein Normalzustand. Heute merke ich Veränderungen, spüre, wie einzelne Komponenten eine direkte Wirkung aufm ich haben. Der Aspekt der gesunden Ernährung ist damit wesentlich spürbarer und umsetzbarer als früher. Ich spüre, dass Sauerkraut mir gut tut? Dann baue ich es öfter ein. Ich merke, dass Zucker, auch Fruchtzucker, in mir unkontrolloierbare Gelüste erzeugt? Gut, dann gibt es das nur in Maßen. Früher war „gesunder Ernährung“ für mich ein unüberschaubares Konglomerat aus mütterlichen Ansichten, ernährungswissenschaftlichen Theorien und widerlichen Rezepten. Hier hat sich ein riesen Wandel vollzogen.
  • Der Kontrollverlust durch übermächtige Gelüste ist stark zurückgegangen. Ich bin nicht „geheilt“, nicht „immun“, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass ich mir durch die Ernährung ein gutes Grundgefühl erschaffen kann. Und das wiegt schwerer als der kurzfristige Rausch der Kontrollosigkeit mit anschließendem „Schuld-Druck-Kater“. Wenn ich spüre, dass ich mal wieder eine Auszeit brauche, dann kann ich mir die inzwischen gönnen. Gerne auch in Gesellschaft. Habe ich mich früher mit meinen Es(s)kapaden immer verborgen und versteckt, zeige ich nun gern, dass die immer disziplinierte, schlanke Kollegin auch gern mal zwei Teller voll wegmampft und anschließend noch zweimal Nachschlag verdrücken kann.  Der Mythos von Menschen, die immer essen können und trotzdem schlank bleiben? Endlich steh ich mal auf der anderen Seite. ^^ Früher war es nur Schuld und Versagen, heute sehe ich es eher als Auftanken, um dann mit Vollgas wieder durchzustarten. Es ist nicht schön, nicht normal, aber es ist okay.
  • Portionen: Durch die Vorgabe von 4 Mahlzeiten ist klar, dass ich nicht 75% meiner Kalorien zum Abendbrot essen kann. Ganz automatisch führt diese Vorgabe dazu, dass ich kleinere Portionen esse. Es dauerte seine Zeit, aber inzwischen hat sich mein Körper daran gewöhnt, dass es immer nochmal etwas gibt. Und das dankt er mir. Selbst als ich letztens auf 1600kcal runter ging, schlief der Stoffwechsel nicht ein. Früher hat mein Körper dann instiktiv die Notbremse gezogen: bleierne Müdigkeit, immenses Schlafbedürfnis, kalte, blau-rote Hände und Beine, Schüttelfrost nach Mahlzeiten, inneres Frieren (nichts kann einen erwärmen) waren die Folge. Ich friere inzwischen schneller, was wohl eher an der fehlenden „Isolierschicht“ liegt, aber keines der anderen Symptome trat auf. Der Stoffwechsel läuft, der Körper spielt mit.
  • Spaß am Experimentieren und Zusammenstellen neuer Mahlzeiten und Pläne. Das habe ich nicht erwartet. Ich war immer zu ungeduldig fürs Kochen, es langweilte mich einfach und die Ergebnisse fand ich immer unbefriedigend. Jetzt empfinde ich geradezu Euphorie, wenn ich ein neues Rezept entdecke und kann es kaum erwarten, einen Plan daraus zu schmieden und es zum ersten Mal auszuprobieren. Wenn sich dann noch herausstellt, dass es schmeckt….Leute, ich sag ich, früher kannte ich Genuss nur als Schlingen. Inzwischen kenne ich auch das „innehalten und hoffen, dass es noch kurz anhält“-Gefühl. Für mich das größte Wunder. 🙂

Inzwischen versuche ich mich schon an eigenen Rezepten! Heute meine ersten „Kekse“:

  • 15g Xucker
  • 10g Tigernussmehl (Erdmantelmehl)
  • 125 Magerquark
  • 20g Haferkleie
  • geriebene Zitronenschale
  • frisch geriebene Tonkabohne
  • Buttercake-Flavor
  • Zimt
  • bei 180°C (Ober- & Unterhitze) 20′ backen

Sie sehen nicht so super aus, aber sie waren echt lecker. 🙂

Wenn man Freund versucht sich gesund zu ernähren, kommt in Etwa sowas dabei heraus (Tipp: unbedingt zuende schauen;)!

Weiter gehts…Woran man nicht denkt, bevor man abnimmt.

Diese Woche habe ich Folgendes überlebt:

  • PMS + nervige Schüler+ Low-Carb-Hardcore-Diät
  • einen Besuch meiner Eltern
  • Weltuntergangseinkaufsschlangen NACH einem Feiertag
  • langweilige Opa-Möbel in einem endlosen Höffner-Markt

Am Mittwoch bekam ich das erlösende Okay vom Coach…ab heute darf ich wieder mehr essen. Damit mir auch ja das Gewissen drückt, hüpfte das Gewicht auf der Waage seither jeden Tag tiefer.

Gestern kam es so zum Durchbruch: 69,8kg. Heute morgen gar 69,5kg. :-O

Das musste in Bildern festgehalten werden, denn durch mehr Kohlenhydrate wird das Gewicht erstmal wieder nach oben gehen.

Mit der Zeit wird einem immer klarer, dass es einiges Unvorhergesehene beim Abnehmen gibt.
Hier meine Top-5 der schlimmsten Sachen, an die man vor dem Abnehmen nicht denkt:

  • die Launen der Waage auszuhalten
  • als Unnormal zu gelten, weil man dauernd kostenloses Essen ausschlägt
  • die Sorgen der Eltern („Du siehst ja im Gesicht gar nicht soooo eingefallen aus. In einer Zeitschrift habe ich letzte Woche gelesen, dass man am Handrücken erkennt, wenn sich jemand zu sehr verausgabt, da schmilzt dort das Fett weg!“ *nachguckundfeststell,dassnochFettdaist* Man fühlt sich ja schon etwas an Hänsel und Gretel erinnert.)
  • flache, hängende Brüste
  • dass der Bauch beim Haareföhnen aussieht wie gerinnende Lava oder wie Jabba da Hutt  -> definitiv das Gruseligste

 

Wie es sich gerade anfühlt, auf Diät zu sein..

Klick mich und lach dich krumm.

Seit gestern friere ich dauernd. Fühle mich sonst fit, aber die Nerven liegen weiterhin total blank.
Heute eine Teilnehmerin zum Heulen gebracht („Die hat angefangen“ gilt wohl nicht, was? :-/)
Morgen gibt es ein kurzes Krisentreffen mit dem Coach.

49. Woche…eine Woche nach neuem Plan

und ich nur so

1600 kcal an Nichttrainingstagen sind hart. Härter, als ich dachte. Zuvor hatte ich ~1735kcal. Hab aber öfter mal einen Kohlrabi oder eine Gurke am Abend gefuttert. Das ging relativ gut.
Die 1600 kcal ohne irgendwas dazu habe ich diese Woche nicht einmal geschafft.

Der Hunger allein ist es nicht, der ließe sich aushalten. Es ist mein Kopf, der einfach nicht mehr will. Die Nerven.
Innerlich sperre ich mich, bin unleidlich, weinerlich, quengelig.
Könnt ihr euch eine Lehrerin vorstellen, die sich so anstellt?
Katastrophe….in meinem Job brauche ich wirklich gute Nerven und gerade saugt mich alles aus.
Jede blöde Bemerkung seitens meiner Teilnehmer bringt mich auf die Palme. Ich muss mir ständig auf die Zunge beißen und trotzdem rutscht mir öfter ein ungehaltener Kommentar raus. Dazu bin ich dauerhaft von allen und jedem genervt.
Ich möchte mich in einer stillen Kammer einschließen und von niemandem was wissen.
Doch wenn die Führung schwach ist, dreht das Volk gewöhnlich am Rad.

So auch diese Woche.
Ein Theater jagte das nächste…Drei regen sich auf und machen Terz, die nächsten Drei halten das Gemecker nicht aus und drehen deswegen durch und Einer versucht das alles zu ignorieren und stellt mir derweil munter Fragen.
Man möchte sich die Haare raufen und Kopf voraus gegen eine Wand rennen.

Und mein Kopf macht so…

Ich denke Tag und Nacht nur an Essen.
Ja, auch nachts…da träumte ich letztens, ich habe drei fetttriefende Schnitzel, drei riesige Steaks und drei Frikadellen bei einem Fleischer-Imbiss bestellt. Die schnitzel habe ich quasi eingeatmet, als der Typ hinter der Theke meint, für die Steaks brauche er aber 10 Minuten. Da habe ich total die Nerven verloren, war völlig außer mir vor Wut…und bin in diesem Zustand aufgewacht.

Am selben Tag schrieb ich meinem Coach davon. Der ist gerade im Urlaub, bis Dienstag soll ich durchhalten, dann gibt es ein Krisengespräch.

Das war am Donnerstag.
Seither ist das Körpergewicht auf neue Tiefstwerte gesunken.
Gestern war ich beim Training und hatte richtig Power.
Dabei fiel mir auf, dass Körper und Stoffwechsel sich gar nicht beschweren.
Kein Frieren, keine blauen Hände, keine Müdigkeit, im Gegenteil: nachts bin ich der reinste Backofen. Ich bin morgens munter und relativ fit.
An Bauch und Beinen erkenne ich Veränderungen. Die Einkerbung unter den Schultern wird tiefer, sodass sie größer wirkt.
Verdammt…es geht weiter einen Schritt voran. Ich gehe langsam aber sicher auf die 70kg zu. Die würde ich gerne noch dieses Jahr durchbrechen.

Aber nichts macht Spaß…mich quält nur die Frage, wann es wieder Essen gibt..bei den Mahlzeiten habe ich das Gefühl, kein Essen zu essen, sondern nur Makros. Was gar nicht stimmt…aber mein Kopf findet keine Befriedigung. Einkaufen macht mich richtiggehend unglücklich. Ich sehe alles vor mir, was ich Schönes kochen oder backen könnte, stattdessen kaufe ich große Mengen Brokkoli. Ich habe einfach einen Diätkoller.

Aber ich schätze mal, am Dienstag sag ich Marcel, dass ich weitermache. Erstmal bis zum nächsten Termin am 7.12….dann vielleicht bis Weihnachten oder Silvester.
Aber dann brauche ich erstmal einen Monat mit mindestens 2200 kcal/d. Ich brauche eine Erholungspause.

Ein „aber“ jagt das nächste…toller Schreibstil.

Und bei euch so?
Genießt ihr die Zeit?
Gönnt ihr euch feine Sachen?

3 Listen für 6 Wochen

Es war gerade soo schön…ein leckeres Rezept jagte das nächste. Jeden Tag erwarteten mich Leckereien. Im Training hatte ich das Gefühl, gute Fortschritte zu machen und allgemein ziemlich fit zu sein.

Und dann kam Marcel mit einem neuen Plan um die Ecke….
Ich bin selbst Schuld…vor 4 Wochen fragte ich ihn „Wie lange muss ich noch?!$%“ Und er antwortete: Wis Jahresende.
Und bis dahin soll ich nun nochmal richtig Gas geben.
Weniger Kalorien, etwas weniger Kohlenhydrate, mehr Training.
*seufz*

Als dann noch Zeit übrig war, fragte er, wie es beim Training läuft. „Gut“, sagte ich, aber wenn du noch eine Übung für die geraden Bauchmuskeln hättest…..

Hatte er. Sogar drei.
Der Bauchmuskelansatz fühlt sich an, als hätte ich mir die Rippen gebrochen. Und ich kann weder lachen noch etwas nach vorn schieben noch mich richtig aufrichten….
Sein Kommentar? „Aber es waren doch je nur 2 Sätze.“
*seufz*
Da hat er wohl wieder eine Schwachstelle aufgedeckt.
Eieieiei…mir stehen grausame Wochen bevor. ^^
Drückt mir die Daumen und kommt selbst gut durch die verlockende dunkle Zeit.