Im eigenen Kleiderschrank shoppen…

Irgendetwas ändert sich gerade. Ich weiß nicht, ob es an meinem neuen Powerdrink liegt oder daran, dass ich mich wieder etwas von familiären Belastungen befreit habe, aber im Moment habe ich so ein richtiges Stimmungshoch. Ich wache früh auf und fühle mich topfit. Ich geh viel zum Sport, weil ich die Power dafür habe. Ich verspüre Hunger, vergesse aber dauernd zu essen, denn mich beschäftigen andere Dinge.

Und das ist die eigentliche Neuigkeit. Ich habe ein Hobby entdeckt!
Klingt nicht nach einer großen Neuigkeit? Für mich ist es das aber, denn in den vergangenen Jahren habe ich eigentlich nur aus einem Pflichtgefühl heraus etwas unternommen. Oder ich habe mich in Bücher und ähnliches gestürzt, um für kurze Zeit diesem Pflichtgefühl zu entkommen. Dabei ging mir die Fähigkeit, etwas einfach für mich, nur zum Spaß zu machen, völlig ab. Alles war zu anstrengend.

Diese Woche hatte ich Urlaub. Allein. Slaine musste arbeiten. Ganze Tage waren zu füllen und kein Geld auf dem Konto. Man kann nicht jeden Tag durchgehend nur Sport machen und lesend im Bett…das würde in Fressattacken enden. Ich brauchte einen Plan. Ich brauche immer einen Plan und diesmal nahm ich mir vor, Fotobücher anzulegen, um die vielen Jahre, die ich nun mit Slaine verbracht habe, festzuhalten.
Gesagt, getan.

Aber das ganze Sortieren, Anordnen, kreativ sein ist auch echt anstrengend. Da musste noch etwas her.

Eine Kollegin schwärmt regelmäßig von Nähsessions, bei denen sie bis tief in die Nacht alles andere vergisst, bis das Kleidungsstück fertig ist. Das sei jetzt so einfach, mit den tollen Anleitungen und Schnittmustern aus dem Internet.
So ein Schnittmuster für 3-5€ konnte ich mir gerade noch leisten, also los!
Bei näherer Betrachtung sah das gar nicht sooo schwer aus. Und schon hatte sich der Gedanke festgesetzt, alle Vernunft vertrieben und schwupps, stehe ich in einem Stoffgeschäft und lasse mich beraten. Eine 70ger Marlene-Hose für mich und ein Trainingsshirt für Slaine sollen es werden.

Zuhause angekommen messe ich meinen Hüftumfang ab, um heraus zu bekommen, welche Größe ich schneidern muss. Und da wurde ich stutzig.
Größe 38?
Kann nicht sein. Totaler Blödsinn.
Klar, dass ich nicht mehr, wie im Dezember noch, nach Größe 44/46 schauen muss, war mir klar. Aber 38?!? Nie im Leben!

Aber das lässt sich ja einfach feststellen. In meinem Kleiderschrank lauern schließlich seit über 12 Jahren noch Klamotten in dieser Größe. Klamotten, die damals schon schön spack saßen, weil ich eher Größe 40 hatte.
Also erstmal den Kleiderschrank druchwühlt und alles angezogen.

Und tatsächlich…die Klamotten sitzen bequem. Ich muss nicht einmal die Luft anhalten!

Und da war doch dieser Rock….der Rock, der mir noch nie gepasst hat. In den wollte ich mich immer reinhungern. Das war der Plan seit 2005. Hungern und dann in den Rock passen.
Schnell war er gefunden…quasi unberührt hängt er seit 12,5 Jahren im Kleiderschrank, ist mit mir dreimal umgezogen und hat mich immer angeklagt: Du bist noch immer zu fett!
Das isser:

Den musste ich heute gleich auf Arbeit tragen. Musste sein. Manche Sachen muss man einfach machen…

Slaines Kommentar: Vergiss den Wachturm nicht, wenn du rausgehst…..der Sack! ;D

Und da hat es bei mir „Klick“ gemacht.
Klar hatte ich schon bemerkt, dass ich abgenommen habe. Aber mein Blick ruhte immer auf dem Weg, der noch vor mir liegt. Ich sah im Spiegel nur meine hängende Haut und wenn ich mich im Spiegel sah, kniff ich immer in den Speck und dachte: Noch so viel. Ich bin noch immer so wabbelig. Wie viel muss denn noch verschwinden, bevor das mal halbwegs gut wird? Das wird doch nie was. Meine Genetik ist scheiße. Ob da noch was wird?

Erst jetzt, mit dem Rock, begriff ich wirklich, was ich schon geschafft habe. Und wie gut das schon aussieht, auch wenn es noch wabbelt. Bescheuert, welche Macht Kleidergrößen haben…

Voller Zweifel machte ich mich mit meinen zwei linken Händen nun ans Schneidern der Hose. Höchste Zeit, denn im Schrank passt fast keine mehr und im Handel gibt es derzeit nur Hosen mit Ärmeln, wo Beine hingehören. Anders kann ich das nicht nennen…mit meinen Stierwaden komme ich da gerade mal durch den Bund.

Und was soll ich sagen: Sie ist nicht perfekt. Einige Nähte könnten schöner aussehen, manche Partien noch besser passen. Aber Hey, es ist eine Hose, die ICH genäht habe, die wie angegossen sitzt, die wunderbar weich fällt, die beim Sitzen Platz hat und nicht aufplatzt. Was will man mehr? Ich bin echt stolz darauf. 😀

Kacke zum Trinken..mein Darmbakterienexperiment Teil I

Wir schreiben das Jahr 2017. Viele Menschen haben sich von den Göttern und natürlicher Nahrung abgewandt und glauben nun an gottgleiche Körperformen, funktionelles Essen und konsumieren Flüssignahrung aus Tüten.

Zoom auf den elektrisch erhellten Planeten…Megacities, Nahaufnahme einer Straße, schwenk in eine Küche. Wir sehen eine verzweifelte Frau, die mit zitternder Hand ein Tütchen aufreißt und mit hungrigem Blick Pulver in ein Glas schüttet. Sie gießt Wasser dazu, rührt, wartet, starrt das Glas an, als ob es den Welthunger allein besiegen könnte. Schließlich setzt sie es an die Lippen und kippt die weißliche Flüssigkeit hinab.

Die Zeit verlangsamt sich, wir zommen in die Speiseröhre, die letzten Tropfen gleiten hinab, die Zeit verrinnt immer langsamer. Ein letztes endlos langes Schlucken…und die Zeit steht still.

Mit einem Ruck läuft die Zeit normal weiter, man sieht die junge Frau. Sie sieht aus wie vorher, die Küche sieht aus wie vorher. Es hat sich nichts verändert…

Manchmal frage ich mich schon selber: Bist du wirklich so verzweifelt?
Die offensichtliche Antwort lautet: Es scheint so.

Was ist passiert?
Wir reisen eine Wochen zurück. Es ist die Woche drei Komma fünf im monatlichen Diätturnus. Die Waage steht seit 3,5 Woche still, obwohl ich fast jeden Tag trainiere und den Diätplan übererfülle. Meine Schwester ruft an und erzählt, dass sie sich viel mit dem Thema „Darm“ beschäftigt und wie unermesslich groß die Auswirkungen des Darms sind. Allergien, Autoimmunkrankheiten, Wohlbefinden, Laune, Abnehmen….alles beginnt im Darm.
Und dann gibt es da diese Studie, bei der dicke Mäuse den Kot von dünnen fressen und umgekehrt. Und siehe da, die dicken Mäuse nehmen ab und die dünnen Mäuse nehmen zu.
Ergo: Darmbakterien von Dünnen machen schlank, Darmbakterien von Dicken machen dick.
Klingt stark vereinfacht? Ist es auch.

Es klingt einfach zu schön, um wahr zu sein.
Ein Tütchen pulverisierte Kackebakterien am Tag trinken und ganz von allein abnehmen.

Aber in der dritten Diätwoche jedes Monats bin ich zu allem bereit. Und dieses Mal hat meine Schwester mir eben zur rechten Zeit diesen Floh ins Ohr gesetzt.
Wenn auch nur eine geringe Chance besteht, dass es dadurch leichter wird, dann muss ich das einfach probieren.
Drei Monate gebe ich dem Experiment Zeit.

Heute ist Tag I. Ich habe das erste Mal ein Tütchen Omni Biotic Metabolic getrunken.

Tadaaa…das neue Wundermittel. Kann alles, heilt alles…mit nur einem Schluck.

Jetzt müsst ihr mich fragen: „Wie hat es geschmeckt?“
Und ich so: „Irgendwie scheiße.“

Ha
Ha
😉

35. Woche und plötzlich sieht die Welt wieder anders aus…

Wieder dachte ich: Es funktioniert nicht, mit mir stimmt was nicht, es stagniert, irgendwo liegt ein Fehler vor…
Ich verliere den Glauben an mich selbst und mein Projekt, an Erfolge und Konsequenzen, die aus konstantem Tun entstehen. Ich stelle die ganze Welt in Frage und fühle mich von Tag zu Tag schlechter, die Form wird schlimmer.
Und dann…springt die Waage plötzlich nach unten, ich wache schon mit super Laune auf, habe Power, fühle mich straff und fest an…es ist eine neue Welt.

Jeden Monat falle ich darauf herein und jeden Monat fühlt sich die Zeit um den 11. herum an wie eine Neugeburt. So auch heute. Nachdem das Gewicht ewig rund um die 75kg festhing, sprang die Waage über Nacht auf 72,9kg. Neuer Tiefststand!

Dazu die Erleichterung, nicht am Familienfest teilnehmen zu müssen, sondern stattdessen meine Freiheit zu genießen. Ich war total aufgedreht.

Dann hat sich auch noch eine Freundin in meinem Studio angemeldet, sodass wir uns dort treffen konnten.

Ich zeigte ihr erstmal im Schnelldurchgang das Studio, plapperte wie ein Wasserkraftwerk und schließlich kamen wir zum Functional-Bereich.
„Und hier hast du Griffe für Klimmzüge, die sind schön, weil sie sich frei drehen und bewegen lassen“, sagte ich und zog mich ein bisschen hoch, als ich plötzlich mit dem Kopf oben ankam.
Mein erster freier Klimmzug! Absolut ungeplant, überraschend, mühelos!
Okay, ich habe ihn mit Untergriff gemacht.
Aber WAHNSINN! Ich war völlig baff.

Die Pausen zwischen den Sätzen waren heute etwas länger, denn ich musste jedem Bekannten im Studio erzählen, was sich ereignet hatte. Und jeder sagte: „Das glaube ich nicht, bis ich es selbst gesehen habe.“
Insgesamt habe ich auf die Art heute 5 freie Klimmzüge gemacht. XD Obwohl es ein Beintraining war.
Jetzt bin ich total fertig und total glücklich zugleich.

Dreieinhalb Wochen Arbeit, Schweiß und Mühe und wenn ich denke, es bringt alles nichts, wird alles gut.

Ein Kumpel hat meine Veränderung heute folgendermaßen zusammengefasst:
„Ich habe alte Bilder angeschaut, da hattest du noch sooo runde Backen! Und jetzt siehst du aus, wie aus dem KZ entlassen!“
😀 Für andere eine Beleidigung, für mich ein wundervolles Kompliment.

34. Woche…der Fluch der 75 und neue Erkenntnisse

Sie will einfach nicht weichen…immer wieder taucht die 75 auf der Waage auf. Es ist wie verhext. Kann es an meinem Darm liegen? Sind die Bakterien darin vielleicht in der Lage Ballaststoffe aufzuschließen und damit mehr Energie aus der Nahrung zu ziehen? Aufschluss gäbe eine Stuhlanalyse. Doch die ist teuer…zu teuer im Moment. Besserung verspricht ein Wunderpulver…aus Bestandteilen der Darmausscheidung schlanker Menschen….äh…yay. Und auch das kann ich mir im Moment nicht leisten.

Die Theorien, die dahinter stecken, verteufeln auch wieder jede Menge Lebensmittel und versprechen Sodom und Gomorrha, wenn wir unsere Ernährung nicht umstellen. Dinkel ist nun ganz böse, weil es mehr Gluten enthält als Weizen und Hülsenfrüchte sind auch ganz schlimm. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Welche Studienlage gibt es? Wer sind diese Experten…geniale Wissenschaftler oder schwerreiche Manipulatoren?

Was ich mittlerweile weiß ist, dass mein derzeitiges „Projekt Personal Coach“ weit mehr zum Vorschein bringt, als nur einen schlanken Körper.

Durch das stark geregelte Leben werde ich langsam zur Prinzessin auf der Erbse. Ich nehme vieles intensiv wahr, was ich früher nicht bemerkt hatte. Dazu zählen:

  • Sättigung durch bestimmte Lebensmittel
  • Wassereinlagerung
  • Phasen voller Engergie und Erschöpfungszustände
  • meine Unfähigkeit mich zu entspannen und zu erholen
  • Fressanfälle werden häufig durch Erschöpfung und Sehnsucht nach Erholung ausgelöst
  • psychischer Stress gipfelt in Fressanfällen (na gut, das weiß man auch vorher, aber jetzt ärgert es mich mehr)
  • Menschen behandeln dich ganz anders, wenn du attraktiv bist

Im Moment fühle ich mich verletzlich und gleichzeitig stark. Schwer zu beschreiben. Aber ich fühle, dass sich mehr in mir ändert, als nur mein Körper.

Am Wochenende wäre die nächste Familienfeier gewesen. Schon im Vorfeld ging das Gezicke los. Alles, was ich mir gewünscht habe war, dass die ewige Rennerei nach den richtigen Tellern, Gläsern und dem Silberbesteck aufhört und statdessen das in den Fokus rückt, weshalb man sich trifft: Gespräche und persönliche Nähe.

Klingt selbstverständlich?
Ist es leider nicht.
„Wenn jeder mit anpackt, wird es ein schönes Fest.“, lautet die immer wiederholte Aussage. Wer braucht schon ein cooles Familienmotto, wie „Ein Lannister zahl stets seine Schulden“, wenn man sich stattdessen zum vererbten Worcoholismus bekennnen kann. Anpacken…ständig und dauernd…das macht einem zum wertvollen Familienmitglied. Wer nur rumsitzt, ist zu nichts nütze. Schmarotzer…
Wegen ein paar Papptellern und Plastikbechern zerbricht nun die Familie.

Na gut, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Aber für mich steht fest, dass ich es nicht mehr ertrage. Ich muss mich selbst schützen und von diesem Unfug befreien. Wieder ein Schritt, der mir gut tut, dabei aber Menschen von mir stößt.
Vielleicht lern ich sogar eines Tages noch, wie man sich einfach zurücklehnt.

32. Woche Diät

Was sich so tut…

Inzwischen kann ich schon fast von einem Plateau reden. Die 75 hängt an mir und will nicht weichen. Kaum schaffe ich es, mehrere Tage in Folge bei 73,X zu landen, kommt eine Party, etwas Urlaub oder Ähnliches an und schwupps, habe ich die 75 kg für ein paar Tage oder Wochen wieder.

Ich habe den Bodymedia getragen, um herauszufinden, ob sich mein Grundumsatz vermindert hat, weil die Kilos einfach nicht in gewohntem Tempo weichen wollen. Blöd nur, dass man den Grundumsatz in der normalen Version nicht auslesen kann. Aber immerhin kann ich feststellen: Mein Verbrauch ist nicht gesunken. Obwohl ich über 10 kg Gewicht verloren habe, verbrauche ich noch immer durchschnittlich so viel, wie vorher. Das lässt mich vermuten, dass ich tatsächlich hauptsächlich Fett verbrannt habe und kaum Muskulatur.

Wie kommt es dann aber, dass ich nicht mehr so schnell abnehme? Nun, früher bin ich ganz regelmäßig viermal pro Woche zum Training gegangen. In den letzten Monaten wurde es stetig weniger. Ich fühlte mich einfach oft so platt und ausgepowert, dass ich es nur dreimal oder seltener schaffte. Wenn ich da war, fehlte mir schon nach der ersten Übung die Power. Ich verschob immer häufiger die Trainingseinheiten. Seltenere und weniger effektive Einheiten sparen ordentlich verbrauchte Kalorien ein…das Defizit schmilzt dahin.

Noch vor 2 Monaten war meine Wochenplanung einfach. Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag waren festgelegte Trainingstage. Ich hatte meine Ernährungslisten streng nach Trainingstag und Nichttrainingstag unterteilt und konnte so gut planen. Mit den „geschwänzten“ Trainingseinheiten wurde auch das problematischer…alles war für Trainingstage eingekauft und vorbereitet, aber plötzlich wurden es Nichttrainingstage, an denen ich wesentlich weniger Kohlenhydrate und Gesamtkalorien brauche. So konnte es nicht weiter gehen…also wechselte ich auf ein flexibleres System. Jeder Tag wird als trainingsfreier Tag geplant und es gibt einen Trainings-Bumper, den ich zusätzlich an Trainingstagen nehme. So kann ich flexibel sein und die ernährung stimmt wieder.

Meinem Coach habe ich natürlich von der Stagnation erzählt. „Die 75 sitzt auch bei dir im Kopf fest. Wenn wir die erst überwunden haben, geht es wieder voran. Aber jetzt müssen wir härter ran. Wir beschneiden die Kohlenhydrate an Trainingstagen, mehr Cardio, mehr Sätze im Trainingsplan, 15 Wiederholungen pro Satz, Satzpausen von 60 – höchstens 90 Sekunden.“
Uff…das war eine klare Ansage.

Nach dem Gespräch fuhr ich erstmal in Urlaub. Freitag früh fuhr ich mit 73,4 kg ab und kam Sonntagabend zurück. Am Montag morgen brachte ich satte 77,2kg auf die Waage. Mit 75 kg hatte ich gerechnet. 76 kg hätte ich vielleicht auch noch verstanden aber 77,2 kg haben mich richtig geschockt.

Nachhaltig.

Hinzu kommt, dass man so einen Sprung natürlich nicht einfach so schafft. Nein, man muss sich schon Mühe geben. Und das hatte ich getan. Schon am Vortag hatte ich fast ausschließlich Zuckerhaltiges gegessen und konnte abends vor Völlegefühl kaum atmen. Dennoch musste ich am nächsten Morgen 7 Rosinenschnecken, 4 Stück Kuchen, 6 Pancakes, 1 Brötchen mit viiieel Belag, Ei und Bacon und natürlich Joghurt mit Müsli und Obstsalat essen. Frühstück im Urlaub eben. Dann ein wenig bewegen, damit man wieder Luft kriegt und schon kann es weiter gehen mit Eis, Kuchen und Ähnlichem. Abends hatte ich wirklich das Gefühl, zu platzen. Alles tat mir weh.

Das war genau die richtige Ausgangssituation, um voll motiviert in die nächste Runde zu starten. Der Urlaub liegt 2 Wochen zurück, seitdem war ich fast täglich aktiv. Ich habe wieder Biss und Power und einen eisernen Willen, die 75 endlich zu besiegen und mich in Richtung 70kg aufzumachen. Nach dem Fressmassaker war der Einschnitt bei den Kohlenhydraten kein Problem. In der ersten Woche konnte ich keinen Zucker sehen und ließ sogar den Trainingsbumper unter den Tisch fallen. Ich wollte ein hohes Defizit, um die 73 schnell wiederzusehen. Geklappt hat es bisher nicht…die Waage fiel auf 75kg und dort hängt sie nun fest.

Der 4 Wochen-Rhythmus
Zyklusbedingte Wassereinlagerungen haben mich schon immer auf die Palme gebracht. Da müht man sich ab…eine Woche, zwei Wochen, drei…und die Waage sagt „Ätzschbätsch, ich weiß von nichts.“ Dazu fühle ich mich von Woche zu Woche weicher, spür- und sichtbare Muskulatur wird immer weniger. In der vierten Woche verschwindet über Nacht ein Kilo oder auch 2 und dann beginnt das Spiel von vorn. Ob ich nun mehr mache, oder weniger, mich strenger an den Ernährungsplan halte oder ein paar „Fudeltage“ zu verzeichnen sind, interessiert meine Waage kaum. Nur an diesen Sprungtagen zeigt sich, was ich geleistet habe. Es kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben. Und obwohl ich weiß, dass es so ist, hat mich das auch vor 3 Wochen wieder fertig gemacht. Ich fühlte mich eh schlapp, wusste nicht, wo ich die Power hernehmen sollte, habe ich wirklich zusammengerissen und schon mehr gemacht, als den Monat vorher, aber Maßband und Waage waren sich einig: es war zu wenig.
Furchtbar!

Vorher

Mit diesen Erinnerungen bin ich froh über den Urlaub. Es war ein echter Resett, den brauchte ich und auch wenn mich derzeit wieder die Waage trollt, zucke ich nur mit den Schultern und mache weiter. Hosen und Shirts werden weiter, Arme fühlen sich straffer an…und ich weiß einfach, dass ich im Moment alles richtig mache. Ich bin gerade einfach gut dabei. 😉

Man sieht es vielleicht nicht, aber es ist jetzt wesentlich übersichtlicher.

Durch die Planungsumstellung beim Ernährungsplan wurden viele Listen überflüssig. Gestern habe ich einige überarbeitet und andere schlichtweg ausgemustert. Das zeigt sich auch in der Küche…teilweise vier Schichten von Plänen habe ich gestern von der Wand geholt. Nun sieht es wieder „geordneter“ aus.

Bin ich bereit für die nächsten Wochen???

Aber sowas von bereit! 😀

Der Meister hat gemeckert…

…oder schließt er sich am Ende nur meiner Meinung an?

Es ist mittlerweile die 32. Woche der Diät. Schon über ein halbes Jahr läuft hier alles so ziemlich nach Plan. Über 12 kg sind weg. Der Diätaufwand ist Routine geworden.

Meine „Küchentapete“. Jedes Blatt enthält 1-2 Tagespläne á 4 Mahlzeiten.

Heißes Wetter? Dann koch ich mir etwas schönes Warmes.

Kaltes Wetter? Lieber ohne Kochen einplanen.

Herzhafte Gelüste? Dann gibt es noch eine Gurke mit Salz und Pfeffer.

Süße Gelüste?Im Frost ist Wassereis ohne Kalorien, nur aromatisiert.

Für alles habe ich eine Idee. Eine Möglichkeit. Eine Lösung.

Listen über Listen. Heißhunger auf etwas bestimmtes? Dann wird sofort eine neue Liste erstellt.

Doch trotzdem lief es in den letzten Wochen immer schleppender. Ich habe das Cardio vor dem Training (nach dem Training geht einfach nichts mehr) hochgeschraubt. Dadurch fühle ich mich oft schon nach der erste Übung total geplättet. In der zweiten Übung ist kaum Kraft mehr da und bei der dritten Übung gähne ich und will nur noch ins Bett.

Schlimmer sind aber die trainingsfreien Tage. Endlich mal bei Netflix entspannen? Nichts da. Statt abzuschalten fordert mein Hirn ständig etwas für den Gaumengenuss. Ich kann dann an nichts anderes denken. Es nervt. Es macht mich gereizt. Deswegen habe ich jetzt mal ein paar Tage ketogen eingeschoben, nur um den Süßhunger los zu werden. Gegen das Verlangen nach Zucker hat es geholfen. Aber meine Kauleiste will dennoch dauerhaft beschäftigt sein. -.-

Dazu kommt, dass ich im Laufe des Monats immer Wasser einlagere. Das weiß ich schon lange, schließlich verschwindet jeden Monat pünktlich 1kg über Nacht. Drei Wochen lang Stillstand auf der Waage und wenn du dir schon langsam die Haare raufst…plop, 1kg weniger. Mit den ganzen Veränderungen zieht nun jedoch ein neuer Blick auf meinen Körper ein. Wo sonst flächendeckendes Gewabbel war, treten nun langsam Muskeln und Knochen hervor. Man sollte meinen, dass sich damit alles fest und straff anfühlt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre die Muskulatur, aber die Fettschicht darüber ist viel wabbeliger als noch vor einigen Monaten. Was man nun besser erkennt sind all die Definzite in der Muskulatur. Dysbalancen, verkümmerte Muskelpartien die ich noch nie richtig genutzt habe. Die Haut schlägt Wellen. Ich fühle mich wie eines der ersten Wasserbetten. Im Laufe des Monats wird das immer schlimmer. Wo sich nach dem Kiloverlust noch Muskulatur abzeichnet, ist drei Wochen später nichts mehr zu erahnen. Alles verläuft speckig-glatt. Es ist zum Verzweifeln. Dazu noch ein guter Schuss PMS-Hormoncocktail und alles scheint sinnlos. Unschaffbar. Vergeblich. Furchtbar!

Und in so einem Moment schreibt mein Coach mich an. Was glaubt ihr, wie meine Antwort aussah?

Vielleicht ist mit über 12kg weniger mein Grundumsatz auch tatsächlich nochmal weniger, das tägliche Defizit nicht so hoch, wie vor ein paar Monaten. Das soll der Bodymedia nun ans Licht bringen.

Gestern saßen wir also zusammen. Mein Coach und ich. Und er sagt genau das, was ich befürchtet habe: Defizit vergrößern, mehr Cardio, mehr Übungen und höhere Satzzahlen im Training.

Tja…ich habe es ja so gewollt. Die nächsten Monate werden hart. Aber ich hoffe, dafür nochmal richtig voran zu kommen. Ich hoffe, es durchhalten zu können und das große Ziel endlich wieder vor Augen sehen zu können. Das Ende des Defizits und der Anfang eines Aufbauplanes.

Vierte Woche: 1kg verschwindet, alles fühlt sich etwas fester an und ich kaufe mir ein neues Shirt. In der vierten Woche ist immer alles prima, der Blick auf die Zukunft klar.

Und dann gehen wir meinen Plan durch. O-Ton: Was soll das denn sein? Das ist doch keine Einheit?! Da bist du doch in maximal 30 Minuten durch, gib mal her, ich rechne das mal durch…3 Minuten hier, vier dort…25 Minuten!

„Aber ich brauche dafür eine stunde und bin danach echt fertig“

„Ja, weil du ewig Pausen machst. 60-90 sekunden Pause zwischen den Sätzen, dann kriegst du in derselben Zeit mehr hin. Und jetzt machen wir mal einen richtigen Plan daraus. 3 Sätze Minimum bei jeder Übung. Die Übung hierhin. Die dorthin. Optionaler Trainingstag? Quatsch, entweder fängst du wieder mit dem Plan von vorn an oder du machst Cardio.“

Wenn ich nun so drüber nachdenke, ist Training für mich wirklich eher wie eine Yoga-Stunde. Ich mache alles sehr konzentriert und bewusst. Dadurch dauern die Sätze lang und saugen die Batterien leer. Vielleicht bringt etwas Tempo und kürzere Pausen tatsächlich wieder etwas Schwung rein. Andererseits könnte es auch zu nerviger Clockwork-Attitüde führen.

Wir werden sehen…

Und dann zeigt er mir noch ein paar neue Übungen und Übungsausführungen um an den Dysbalancen und Defiziten zu arbeiten. Auf dem Foto sieht man deutlich, dass ich zwar einen guten Latissimus habe, darunter aber fast keine Muskulatur zu sehen ist. Das spüre ich auch deutlich, weil ich noch immer zum Buckel neige und Probleme habe, beim Rudern die Muskulatur zu treffen. Aber natürlich hat Marcel dafür eine gute Lösung.

Es liegt viel Arbeit vor mir. Leichter wird es nicht. Aber, es lohnt sich. Und der Coach ist definitiv die beste Investition! Jeden Cent wert.

27. Woche: back to business

Nachdem ich in den letzten vier Wochen immer mehr ins Schludern geriet, traf ich mich letzten Mittwoch mit meinem Coach.
Fragt mich mal, was los war…ich weiß es nicht. Irgendwie lief es einfach nicht mehr rund und an den Abenden quälte mich ein unstillbarer Appetit.
Im Gespräch mit meinem Coach vereinbarten wir einen Planwechsel. Er versprach mir einen neuen Ernärungsplan zu basteln und fürs Training einen doppelten Zweiersplit zu erstellen.
Ich war erleichtert. Ich musste mich nicht selbst kümmern. Musste nur ein paar Tage warten, bis die neuen Pläne fertig sind und konnte dann mit einem kleinen Neustart beginnen. Alles prima.

In den Tagen darauf war ich stets in Versuchung, meinem Coach nochmal zu schreiben, dass er bitte an dies uns jenes denken solle. Aber ich ließ es bleiben. Da mein Coach die Stunden, die er an solchen Plänen verbringt, nicht abrechnet, aber bis tief in die Nacht daran arbeitet (die letzten Pläne kamen gegen 2:00 Uhr nachts…), drückte mich das schlechte Gewissen und ich wollte das ganze nicht unnötig verkomplizieren.
Von Tag zu Tag wurde mir unbehaglicher zu Mute. Was, wenn er seinen geliebten (und von mir verabscheuten) Milchreis einbaut, oder Essen, was sich auf Arbeit unmöglich mitnehmen lässt oder was mich überhaupt nicht befriedigt…

Als er samstags schrieb, dass ihm zur Ernährung noch keine optimale Lösung eingefallen sei, war ich richtig erleichtert. Seit dem Treffen war der quälende Appetit wie weggeblasen. Auch der Blick war endlich wieder auf die Zukunft gerichtet, während ich die Wochen davon nur noch gesehen habe, wie lange ich nun schon auf Diät bin und auf was ich alles verzichte. Ich war so froh, mich nicht auf unbequeme Ideen einstellen zu müssen sondern weiter ganz selbst zu bestimmen, wie ich meine Tage gestalte, dass ich neue Kraft daraus schöpfte.
Ist das nicht wieder ein Beweis, wie bescheuert man manchmal ist?

Nur eines habe ich geändert…bisher plante ich immer Trainingstage mit ein. Da dieses Training immer öfter weggefallen ist, musste ich ständig kurzfristig umplanen, was selten mit den Makronährstoffen klappte und immer das Gefühl hinterließ, dass es nicht nach Plan geht. Stattdessen plane ich nun durchweg Nichttrainingstage und habe einfach für Trainingstage eine kleine Extramahlzeit erstellt. So bin ich flexibler, habe immer genug Eiweiß zusammen und das gute Gefühl, dass alles nach Plan läuft. kleine Änderung, großer Effekt…so mag ich es.

Dann kam der Trainingsplan.
Wie besprochen, ein Zweier-Split.
Sobald ich die Datei geöffnet hatte, hatte ich Bauchschmerzen.
Es begann mit den Vorüberlegungen: nüchternes Morgencardio (also nachts?), ging über die Aufteilung (Oberkörper-Unterkörper-Split, was bedeutet, dass die Beine eine Einheit sind und der restliche Körper am zweiten Tag trainiert wird) hin zur Übungswahl und -reihenfolge. Kurz: er gefiel mir überhaupt nicht, die Umstellung von meinem Plan war so gigantisch, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte. Alles in mir sperrte sich dagegen.
Mit rabenschwarzem Gewissen schrieb ich meinem Coach und er reagierte gewohnt cool: „Kein Problem, pass ihn an, wie du möchtest. Nächstes Mal sprechen wir deinen Plan durch und ich zeige dir die Übungen, die du noch nicht kennst.“
Ich war erleichtet und bastelte mir einen 3er-Split mit einer optionalen 4. Einheit.
Alles nach meiner selbstbestimmten Nase.
Herrlich!

Seither läuft es so gut, ich war sogar joggen!
Ich kann stolz und zufrieden sein.

Bin es aber natürlich nicht. Stattdessen drängelt Fräulein Ungeduld.
Letztens bin ich durch die Stadt gelaufen und mir kam ein Fit Chick entgegen, dass in etwa so aussah:

Und ich dachte nur: WTF am I doing wrong?!$%&$
Sofort sehe ich wieder nur, wie viel Schwabbel noch immer da ist, frage mich ,wie lang ich noch diäten muss, um endlich zum Aufbau übergehen zu können, ob ich je einen richtig festen Körper bekommen werde oder immer „weich“ bleibe, ob ich mal anständige Schultern kriege und wann, WANN WANN es endlich mal anständig aussieht.

Tja…es ist echt einfach, sich selbst zu frustrieren. Aber weil das nicht hilft, setze ich mir nun kleine Ziele.
Ziel diese Woche war es:

  • einmal zu joggen (check),
  • endlich endgültig unter 75kg zu kommen (check),
  • nach Plan zu essen (check) und
  • dreimal trainieren zu gehen (fast check…morgen steht die dritte Einheit an).

Für nächste Woche sieht es ähnlich aus. Vielleicht fällt mir noch ein zusätzliches Ziel ein, mal schauen.

Over and out.